Winter Bergwanderung mit Schlittenabfahrt von der Tegernseer Neureuth

(Winter-Bergwanderung 5,7 Kilometer, davon etwa 2,7 Kilometer Abfahrt) Als Tor in die bayerischen Alpen liegt der Tegernsee mit seinem nördlichem Ende praktisch noch im flacheren Oberland und im Süden in den bayerischen Bergen. Zieht es die einen hierher, weil es Spielbanken und Waldfeste gibt, bewandern die anderen die Neureuth als erste Höhe hinter der Ebene. Auch wenn man auf ein Gipfelkreuz verzichten muss, gibt es es mit dem Berggasthof immerhin eine ordentliche Einkehrstation mit guter Küche. Die alpine Herausforderung wird bei dieser Winter Bergwanderung weniger bedient, als der Genuss. Der Aufstieg dauert – je nach Startpunkt – etwa zwischen 1h 15 und 1h 45, die Abfahrt mit dem Rodel, etwa 15 Minuten. Mit Kindern ist die teils steile und eisige Strecke allerdings nicht ganz vorbehaltlos zu empfehlen.

Anfahrt mit Auto oder Bahn nach Tegernsee

Mit dem Auto: Die Fahrzeit beträgt 50 Minuten über die A8 ab München Ramersdorf bis zum Wanderparkplatz an der Neureuthstraße 60, in 83684 Tegernsee. Der kostenpflichtige Parkplatz ist nicht sehr groß und daher schnell gefüllt, zu jeder Jahreszeit und bei leidlich gutem Wetter. Einige kostenlose Stellplätze gibt es an der Neureuthstraße 43-46.

Mit Zug und Bus: Mit Meridian-BOB nach Tegernsee fahren. Die Fahrzeit beträgt 1:05 h. Zum Fahrplan. Mit der Bahn addieren sich zusätzliche 1.000 Meter hinzu. Der Neureuthstraße vor dem Bahnhofsgebäude einfach den Berg hinauf folgen.

Über den „Sommerweg“ die Neureuth hinauf oder auf dem Wirtschaftsweg

Bahnhof 756 Meter, Wanderparkplatz 899 Meter, Neureuth 1.261  Meter

Die Aufstiegsroute hängt vom Wetter, der Schneesituation, eurer Präferenz und der Spur des Vorgehers ab. Während sich mit Kindern im Winter eher der einfache Aufstieg auf der geräumten Zufahrtsstraße empfiehlt, ist die Wanderung durch den Wald anspruchsvoller und abwechslungsreicher. Da wir mit Hund unterwegs waren, wollten wir außerdem erst einmal Sicherheitsabstand zu entgegenkommenden Rodlern halten. Erste Wanderer verwenden nach Schneefall ihre Schneeschuhe. Nachzügler wie wir, steigen einfach in die bereits vorhandenen Spuren der Vorgeher.

Aufstieg durch den Bergwald

Von der Neureuthstraße steigen wir entweder auf Höhe des Dilliswegs auf dem Mittleren Treppenweg nach oben. Alternativ können wir 300 Meter oberhalb der Neureuthstraße (etwas unterhalb des Lieberhofs) links in die Westerhofstraße einbiegen, die am Ende wieder auf den Treppenweg stößt. Ein Wegweiser zeigt auch im Zweifel die Richtung. Dem Fußweg folgen wir dem Zaun bergaufwärts zur Olaf Gulbransson-Straße. Ab hier führen alle Pfade hinauf zur Neureuth. Ihr könnt gleich oberhalb des Hotels Westerhof links nordwestlich abbiegen (ist vielleicht bei hohem Schnee etwas schwer erkennbar) oder der Straße folgen. Nach einem irreführenden  Schlenker nach rechts beschreibt sie einen Kurve zum nahen Bergwald. Ab hier dauert der Aufstieg etwa eine Stunde.

Der Weg hinauf zur Neureuth war für uns jederzeit gut nachvollziehbar, da an jeder Gabelung Wegweiser die Richtung zeigen. Den wenig steilen Aufstieg finden wir im Sommer wenig anstrengend, im Winter und mit Schlitten muss man sich schon etwas plagen. So warm hätten wir uns gar nicht anziehen müssen.

Je mehr wir an Höhe gewinnen, desto flacher wird es. Der Wald lichtet sich. Die letzten 15 Minuten gehen wir über ein weites Schneefeld, an dessen Ende wir die Neureuther Hütte an seinem höchsten Punkt stehen sehen. Schneeschuhgänger nutzen hier die Gelegenheit aus der Spur auszubrechen und ihre eigene zu ziehen.

Berggasthof Neureuth

Seit 1895 steht auf der 1261 Meter hohen Neureuth der gleichnamige und ganzjährig geöffnete Berggasthof. Von der Sonnenterrasse genießt man einen wunderbaren Blick hinunter zum Tegernsee und bei schlechterem Wetter und kalten Wintertagen,heißen mehrere Gasträume den Wanderer willkommen.

Der Service war bei uns sowas von auf Zack. Kaum waren die Getränke und das Essen bestellt, stand das Gewünschte schon auf dem Tisch. Perfekte Arbeitsteilung und Technik machen es möglich. Die Bestellung wird einfach an Küche und Schankstation gesendet. Die Speisekarte bedient die Erwartungen eines Hüttengastes:  Bayrisch regionale Küche, die schmeckt und Portionen, die den Wanderer satt machen. Wir hatten uns für Kaspress-Knödel, Schweinebraten und Bratkartoffel mit Salat entschieden. Als Nachtisch gab’s Kaiserschmarrn mit drei Gabeln. Die Preise gehen für das Geleistete absolut in Ordnung.

Öffnungszeiten:
Dienstag und Mittwoch: von 08:30 Uhr bis 18:00 Uhr
Donnerstag: von 08:30 Uhr bis 22:00 Uhr
Freitag bis Sonntag: von 08:30 Uhr bis 18:00 Uhr
Montag: Ruhetag
Website des Bergasthofes Neureuth

Schlittenfahrt zurück ins Tal

Da die Abfahrt von der Neureuth auf keiner ausgewiesenen Rodelstrecke erfolgt, sondern auf dem Wirtschaftsweg, auf dem die Geländewagen mit Schneeketten den Hüttenbetrieb aufrechterhalten. Der Fahrweg wird geräumt, kann bisweilen aber ganz schön eisig sein.

Vorsichtiges Anrodeln. Ich merke schnell, dass das Bremsen auf den glatten Untergrund eine Herausforderung wird. Die Bergstiefel finden wenig Grip, um die Geschwindikeit zu bremsen. Das geht besser, in dem ich den Schlitten vorne hochziehe, um mit den hinteren Kufenflächen zu bremsen.

Schnelles Fahren lasse ich lieber, da hier jederzeit mit entgegenkommenden Wanderern zu rechnen ist und ich Respekt vor der Strecke habe. Unseren Hund Pelle habe ich von der Leine gelassen, da ich weiß, dass er vor Freude bellend neben den Schlitten läuft, mir aber nicht zu nahe kommt. Mit Leine in der Hand ist mir die Kontrolle des Schlittens zu unsicher. Viel ist auf der Strecke nicht los. Das mag bei strahlendem Sonnenschein anders sein.

Steil am Anfang – Moderat in der Mitte – schöner Auslauf am Parkplatz

Am Anfang eher flach, wird es zunehmend steiler und die Kurven eng. Richtig Gas gebe ich erst im mittleren Abschnitt, als es flacher wird und die Strecke übersichtlicher. Mehrfach überholen wir Familienrodler, die beschlossen hatten, einige sehr glatte und steilere Teilabschnitte lieber nicht auf dem Schlitten zu fahren. Sehr viel sicherer waren sie zu Fuß allerdings nicht unterwegs.  Abrupt wurde der Schlitten im unteren Drittel durch einige Steine gebremst. Unangenehm für Mensch und Material. Etwa acht Kehren sind insgesamt zu nehmen. Die durch Warnschilder angekündigte Schranke ist geöffnet.  Natürlich. Auf dem letzten Endstück lasse ich es laufen, so dass wir mit dem Schwung fast bis zum Parkplatz rutschen dürfen. Ein Glücksgefühl, das zwischen 10-15 Minuten dauert.

Kleine Orientierungshilfe

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