Herrliche Mangfall-Rundwanderung bei Gmund Louisenthal

(Wanderung 11 Kilometer) Auf der Fahrt zum Tegernsee habt ihr bei Gmund bereits ein landschaftliches Highlight verpasst. Wer sich damit begnügen kann, die Berge vorwiegend von unten zu betrachten, findet entlang dem Flusslauf der Mangfall bei Gmund Louisenthal im Westen, Agatharied-Hausham im Osten und den vorgelagerten Bergen der Gindelalmschneid und Neureuth im Süden ein wirklich tolles Wandergebiet. Enorm abwechslungsreich, könnt ihr Natur, schönste bayerische Kulturlandschaft und spannende Geschichte erleben. Drei Wanderoptionen stehen zur Auswahl. Tipp!

Blick nach Süden Richtung Gindelalmschneid.

Das erwartet euch auf der Wanderung bei Gmund

  • Die Wege sind größtenteils recht gut gangbar. Sie bestehen aus kleinen, wenig befahrenen Teerstraßen, Forst und Wiesenwegen. Enge Viehgatter und teils unebene Hanguntergründe, umgestürzte Bäume machen die Tour an einigen Stellen für Kinderwägen und Rollstühle nicht empfehlenswert. Steigungen von bis zu 100 Meter am Stück sollten kein Problem für euch sein. Es stehen drei Streckenalternativen zur Verfügung. Besonders für die längste Tour solltet ihr schon etwas Kondition mitbringen.
  • Auf dem Weg: die Papierfabrik Louisenthal – einer der weltweit führenden Hersteller von Papier für Banknoten, die Kapelle Louisenthal und Gedenktafel zur Jägerschlacht von Grund, der Gmunder Bergfriedhof, auf dem z.B. Ludwig Erhard, Ex-Bundeskanzler, begraben ist.
  • Am Weg direkt keine Einkehrmöglichkeit. Ein kleiner Abstecher führt euch nahe Louisenthal zum Café Weinbichler.

So kommt ihr mit dem Auto oder öffentlich nach Gmund

Der Ausgangspunkt der Tour ist sowohl mit dem Auto als auch mit der Bahn problemlos zu erreichen.

  • Mit dem Auto: Über die A8 ab München-Ramersdorf bis zur Ausfahrt Holzkirchen. Von dort über die Bundesstraße 318 nach Gmund. Parkplätze gibt es an der Mangfallstraße beim Papierwerk genug. Allerdings sind sie nur den Mitarbeitern vorbehalten. Wo an der Mangfallstraße nach dem letzten Mitarbeiterparkplatz rechts die Straße „Am Brand“ hangaufwärts führt, gibt es links einige Standplätze (Google Maps). Weitere Parkplätz gibt es übrigens am Bahnhof oder am Anfang der Mangfallstraße (kostenpflichtig) (Google Maps) Der Mangfallstraße 1, 5 Kilometer folgen – oder was – schöner ist am Friedhof starten, da man sich die lange Lauferei entlang der Mangfallstraße spart. Hierzu besser am kostenpflichtigen Parkplatz an der Max-Obermayer-Straße 8 (Google Maps) parken.
  • Mit Zug und Bus: Mit Meridian-BOB nach Gmund fahren. Die Fahrzeit beträgt ab München Hauptbahnhof etwa eine Stunde. Zum Fahrplan
    Für Bahnfahrer bietet es sich an, die Wanderung am Bergfriedhof zu beginnen (lange Tour).  Dem Verlauf der Bahnlinie bis zur Mangfall folgen (Häuser umgehen). An der Autobrücke die Mangfall überqueren. An der zweiten Abzweigung links dem Osterbergweg hangaufwärts 400 Meter bis zum Bergfriedhof folgen.

Losgewandert in Louisenthal/Gmund: Der Mangfall flussabwärts folgen

  • Start der Wanderung: Wir befinden uns am Ende des letzten Mitarbeiterparkplatzes. Wir folgen der Mangfallstraße, die bezeichnenderweise dem Fluss (nach Norden) folgt. Etwa 200 Meter weiter nach der Kurve führt unser Weg links über die Brücke. Dem Straßenverlauf 50 Meter nach dem Mangfallkanal rechts folgen.

Abstecher zum Cafe Weinbichler (den Hang hinauf)

Für einen Umweg von 800 Metern könnt ihr dem Straßenverlauf 550 Meter hangaufwärts folgen und im Cafe Weinbichler einen frühen (oder späten) Stop einlegen. Selbst haben wir das Café noch nicht besucht, aber sowohl die Rezensionen als auch die Fotos im Web lassen es als lohnende Einkehr erscheinen. Mit nur fünf Parkplätzen ist man als Wanderer im Vorteil. Adresse: Mühlthalstraße 33, 83703 Gmund am Tegernsee, Geöffnet von Donnerstag bis Samstag und an jedem ersten Sonntag + Feiertag im Monat. (Google Maps) Zurück zum Wanderweg an der Mangfall kommt ihr über den Fußweg östlich des Hauses.

Ohne Unterbrechung im Tal entlang der Mangfall wandern

  • An der Mangfallbrücke rechts dem Straßenverlauf und dem Kanal 260 Meter Richtung Norden folgen. Ungewöhnlich: Der Kanal überquert vorher das Altwasser der Mangfall auf einer Brücke, um später in ein kleines Kraftwerk geleitet zu werden. NACH dem Hof rechts den Fußweg entlang der Wiesen folgen. Wählt immer den offensichtlichen Weg, der dem Fluss am nächsten ist. Daher nach 500 Meter rechts halten und 1,2 Kilometer weiter auf den Dammpfad gehen. Die Landschaft unterwegs macht jede Menge Spaß. Meist etwas über der Mangfall hat man den Eindruck von unverfälschter Natur, da von der gegenüberliegenden Straße und dem Kanal nichts zu sehen und zu hören ist. Manchmal plätschert das Wasser über größere Felsen im Wasser.

Mangfall

Die Mangfall ist der Abfluss des Tegernsees, der bei Kilometer 58 bei Rosenheim in den Inn fließt. Der Lauf wurde durch die Eiszeit geprägt. Im Oberlauf zwischen Gmund und Westerham fließt sie in einem tief eingeschnittenen Flusstal zunächst Richtung Norden, dann nach Westen. Schon früh im Mittelalter wurde der Fluss zur industriellen Nutzung verbaut.

Zuerst um die Kraft des Wassers für Mühlen zu nutzen, später um darauf Holz zu triften und Energie zu gewinnen.  Heute werden die begradigten Ufer der Mangfall wieder naturnah „modelliert“ um natürliche Lebensräume für die Fischbrut und Krebse zu schaffen.

Weitere Hurra-draussen Wanderungen entlang der Mangfall:

  • Nach weiteren 500 Metern entlang der Mangfall sehen wir gegenüber Anwesen und Elektrizitätswerk von Schmerold Holzschleife. 850 Meter sind es zur Mangfallbrücke. Wenn sich das Tal öffnet und der Weg durch Wiesen verläuft, ist der Wechsel auf die westliche Fluss-Seite nicht mehr weit.

Von der Mangfall rauf zum Alpenblick wandern

  • Etwa 100 Meter nach der Mangfallbrücke links auf den rustikalen Waldweg abbiegen. Dem Weg auf der anderen Fluss-Seite folgen. Er beschreibt einen weiten Rechtsbogen durch Mischwald, der in ca. 700 Metern 50 Höhenmetern zur Mangfallkante ansteigt (ca. 350 Meter). Nahe dem Weiler Schmerold erreichen wir die Wiesen des Bauernhofs. Der Weg führt erst nördlich davon ca. 100 Meter nach Westen und dann an der Baumreihe rechts am Stadel vorbei nach Süden, wo dieser auf eine kleine geteerte Zubringerstraße stößt, der wir links nach Osten folgen. Den Weg nicht durch den Garten und zwischen den Gebäuden hindurch abkürzen!
  • Mord- und Totschlag ereignet sich 1833 in der Senke des Grunder-Baches nur 250 Meter weiter östlich.

Jäger- und Wildererschlacht im Grund 11.11.1833

Die in Oberbayern verbreitete Wilderei war besonders zwischen 1822 und 1833 ein blutiges Unterfangen, bei der nicht nur jede Menge Wild den Tod fand, sondern auch 31 Wilddiebe und sechs Förster. Die Jäger- und Wildererschlacht am 11.11.1833 war der Höhepunkt der Auseinandersetzung. Der königliche Revierjäger Johann Baptist Mayr (1786– 1834), besser bekannt als „Wilder Jager von Gmund“ erschoss angeblich gnadenlos jeden Wilderer bzw. jeden, den er für einen hielt. So auch den erst 17-jährigen Menthen Sepp.

Nachdem der „Wilde Jäger“ vom Landrichter in Miesbach für die Tötung freigesprochen wurden ihm und seine Jagdgehilfen Burschen am 11.11.1833 eine Falle gestellt. Dabei erlitt Mayr durch Gewehrkolben schwerste Verletzungen, denen er am 16. Februar 1834 erlag. Ein weiterer Jagdhelfer starb an den Folgen der Schläge. Den Rächern konnte die Tat nicht eindeutig nachgewiesen werden. Die Gedenktafel wurde 1933 zum einhunderjährigen Jahrestag aufgestellt.

  • Von Grund, dem Ort der Wilderer- und Jägerschlacht, schlängelt sich die Straße etwa einen Kilometer zum Weiler Waldhof hinauf. 80 Höhenmeter sind dabei zu bewältigen und der Blick zurück ist lohnenswert! Doch das war’s noch nicht ganz: Wo die Anliegerstraße auf die nächste Verbindungsstraße stößt, biegen wir rechts ab. Der hochgelegene Bauernhof „Eck“ ist nach weiteren 1.000 Metern und zusätzlichen 70 Höhenmetern erreicht.

Vom Weiler Eck nach Gmund abwärts gewandert

  • 80 Meter nach dem Weiler Eck an der Wegkapelle rechts abbiegen. 200 Meter weiter ebenfalls rechts halten. Wenn ihr alsbald links zwischen den Bäumen eine Bank entdeckt, ist es Zeit den Blick auf die nahen Berge zu genießen. Vor euch liegen die Gindelalmschneid und etwas weiter rechts über dem Skilift der bewaldete Gipfel der Neureuth. Doch das sind vielleicht eure nächsten Wanderungen.
  • Dem Wanderweg dem Hangverlauf geradeaus nach Westen folgen (Siehe Wanderschild „Rundwanderweg „Schwärzenbach“ + „Gmund“. Am nahen Forst (420 Meter) dem Weg entlang der Waldkante folgen. Hier taucht er für 110 Meter durch die Bäume, um auf dem vorgelagerten Bergrücken zum einen Kilometer entfernten Gut Schwärzenbach hinabzuführen. Zwischendurch erwarten euch immer wieder schöne Blicke auf die Berge und hie und da ein kleines Stückchen vom Tegernsee. Ein toller Wegabschnitt auf dem ihr immer wieder mal eine Bank fürs kurze Verweilen findet.
    Am Ende Gut Schwärzenbach das Seminarhaus und internes Forum für Kommunikation und Bildung der BMW-Group.

Die abgekürzte Mangfall- und Gmund-Wanderung (11 Kilometer)

  • Vom Gut Schwärzenbach sind es nur 1,4 Kilometer zum Ausgangspunkt dieser Wanderung. Dafür folgen wir der geteerten Straße, die rechts am Seminarhaus vorbei und nach dem letzten Haus nach Norden führt. Nach 550 Meter an der nächsten Abzweigung links abbiegen und 650 Meter bis zum Parkplatz an der Mangfall gehen.

    „Am Brand“ kurz vor dem Parkplatz an der Mangfallstraße

Über Gmund, Bergfriedhof und Louisenthal zurückgewandert (12,5 Kilometer)

  • Rechts am Seminar-Hauptgebäude vorbeigewandert. Nach 100 Metern den Wirtschaftsweg 250 Metern durch die Senke folgen, dann rechts abbiegen und dem Wiesenweg zum Ortsbereich Gmund-Osterberg und weiter durch die Häuser zur Osterberg-Straße gehen (900 Meter). Der Bergfriedhof von Gmund ist ein Abstecher, der beinahe am Weg liegt. Dafür 280 Meter auf der Osterberg-Straße nach rechts (Westen) gehen.

Vom Gmunder Bergfriedhof nach Louisenthal gewandert

Vom Gmunder Bergfriedhof hat man nicht nur einen tollen Blick auf Gmund, sondern er ist auch Ruhestätte von bekannten und unbekannteren Persönlichkeiten, wie z.B. Prof. Dr. Ludwig Erhard: Bundeskanzler a.D., Hans-Peter Boenisch oder Willy Bogner.

  • Vom Parkplatz des Gmunder Bergfriedhofs folgen wir der Osterbergstraße 150 Meter bis zum Sakererweg. Hier links abbiegen und der Straße 200 Meter folgen. Vor dem Anwesen des Kainzerhofs den Feldweg links für 700 Meter folgen. Er führt über die Wiesen und am Ende hinunter ins Mangfalltal.
  • Im Flusstal der Mangfallstraße nach rechts an der Papierfabrik vorbei 850 Meter bis zum Parkplatz zurück gehen.

Papierfabrik Louisenthal

Louisenthal bei Gmund geht auf die Gründung einer Uhrmacherei im Jahr 1818 zurück, die 1839 zu einer Maschinenfabrik mit Hammerwerk und 1860 in eine Baumwollspinnerei umgewandelt wurde. Zu Ehren von Ludovika Wilhelmine von Bayern (Mutter von Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn („Sisi“), Tochter von König Maximilian I. wurde der Industriestandort 1865 in „Louisenthal“ umbenannt. Erst 1878 wurde Louisenthal zur Papierfabrik umgebaut.

Die kleine etwas unscheinbare Kapelle am Besucherparkplatz erinnert an eine dunkle Geschichte am Ende des Zweiten Weltkriegs. Sie erinnert an die Leiter der Papierfabrik Hans Förderreuther, Arthur C. Haug, sowie einen unbekannten Wehrmachtssoldaten, die am 3. Mai 1945 von befreiten französischen Kriegsgefangenen erschossen wurden, obwohl sie – wie es hieß die Zwangsarbeiter nie schlecht behandelt hatten. Quelle: Seeseiten Tegernsee

1964 übernahm die Münchner Banknoten- und Sicherheitsdruckerei Giesecke+Devrient die Papierfabrik. Louisenthal ist einer der wichtigsten Lieferanten des Papiers für den Euro.

Wanderkarte Mangfallwanderung Gmund

Author:in

Helmut Eder

Das Spannende liegt nicht immer am Ende des Regenbogens. Immer auf der Suche nach den kleinen Abenteuern und Geheimnissen, die man draussen findet wenn man unterwegs ist. Ich blogge über unsere Touren, meist im Süden von München und das, was uns so bei den Runden in den Kopf kommt.