Rundwanderung von Glonn über Sonnenhausen/ Herrmannsdorf

(Rundwanderung 11 Kilometer) Die Gegend rund um Glonn kennen wir ziemlich gut. Eigentlich. Warum sich uns diese tolle Tour erst jetzt offenbart hat, ist daher ein Mysterium. Wirklich! Dass die Zeit wie im Flug vergangen ist, lag nicht nur an den kurzweiligen Gesprächen, sondern auch an der verflixt abwechslungsreichen Strecke, bei der es immer was Neues zu entdecken gab. Geschichte, Kunst, Tiere und die perfekte gastronomische Infrastruktur. Wir waren bei Schneeregen am Folgewochenende noch einmal unterwegs, um weitere Wegoptionen abzuklopfen. Ein bisserl besser geht tatsächlich immer.

Das erwartet euch um Glonn und Sonnenhausen

  • Die Wege sind großteils komfortabel gangbar. Ihr wandert auf Kies- und Schotterwegen, kleine Teerstraßen mit wenig Verkehr und kurze Abschnitte auf Natur- und Wiesenpfaden. Mit einem geländegängigen Kinderwagen sollte die Strecke schaffbar sein, wenn ihr die Gesamtstrecke von 11 Kilometern und einen Höhenunterschied von 65 Metern schieben könnt. Für Rollstuhlfahrer traue ich mich keine Empfehlung zu geben.
  • Entdeckt den alten Bahndamm, der einst als Lebensader Grafing mit Glonn verband, Gut Sonnenhausen für Einkehr mit Fernblick, die Herrmannsdorfer Landwerkstätten, die Agrarkultur im wahrsten Sinne des Wortes praktizieren und Schweinen oder Hühnern ein artgerechtes Heranwachsen ermöglichen.
  • Einkehrmöglichkeiten gibt’s im Farmers-Club in Sonnenhausen (gehoben), Almcafe West in Westerndorf (jedermann), Herrmanssdorfer Schweinsbräu (ambitioniert auf Menübasis) und draußen Biergarten, Gasthaus-Cafe Schießstätte (bodenständig) und in Glonn das Cafe Schweiger (klassisch) oder das Steinbergers Marktblick (jünger).

So kommt ihr nach Glonn mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln

Glonn liegt etwa 30 Kilometer südöstlich von München.

Anfahrt mit dem Auto: Verschiedene Wege führen nach Glonn. Zum Beispiel über die A99 und die Ausfahrt Ottobrunn. Über Höhenkirchen, Egmating und Kastensee nach Glonn. Wir haben am Bahnhofplatz in Glonn geparkt. Unsere Wanderung startet hier. Alternative Parkplätze gibt es aber auch in Sonnenhausen oder Herrmannsdorf.

Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Anfahrtsmöglichkeiten von Grafing Bahnhof (Anfahrt mit der S4/S6 oder dem Regionalzug BRB RB54(79059 Kufstein). Von hier Weiterfahrt mit dem Bus 440 bis Glonn Bahnhofplatz. Alternativ mit der S7 bis Höhenkirchen fahren.

Von Glonn über den ehemaligen Bahndamm Richtung Sonnenhausen wandern

Der Name „Bahnhofplatz“ klingt heute in Glonn eher nach einem schlechten Scherz. Nichts erinnert an Lokomotiven und Gleise. Zumindest, wenn man nicht weiß, wo zumindest der alte Lokschuppen als letztes Relikt der Eisenbahn-Ära steht (Bahnhhofstraße 10).

  • Wir wandern zum Start auf der Bahnhofstraße, vorbei am Raiffeisen Lagerhaus nach Norden. Dem Fußweg rechts dem Bachlauf der Glonn 170 bis zur Lena Christ Straße folgend. Unterwegs kommen wir auch an der Waslmühle vorbei. Die ehemalige Getreidemühle liegt idyllisch am Wasser. Seit dem 17. Jahrhundert im Familienbesitz, war einst auch ein Sägewerk angeschlossen, das seit den 80er-Jahren als Wohnhaus genutzt wird.
  • An der asphaltierten Lena Christ-Straße links abbiegen und 200 Meter Richtung Norden spazieren. Nach den Wohnhäusern rechts abbiegen. Ab hier verläuft der Weg etwa einen Kilometer entlang des alten Bahndammes. Der Weg läuft spitz auf die Straße nach Moosach zu. Wo der Feldweg den Damm kreuzt, befand sich einst die Haltestelle „Zinneberg-Adling“. Hier rechts abbiegen, und die Staatsstraße überqueren.

Die Eisenbahn von Grafing nach Glonn

Mit der Industrialisierung wurden in Bayern überall Bahnlinien gebaut. So auch zwischen 1893 und 1894 zwischen Grafing und Glonn. Am Anfang wurde vorwiegend Holz transportiert, das durch die Nonnenraupenplage geschlagen wurde.
Auf der 10,6 Kilometer langen Strecke gab es Haltestellen in Taglaching, Moosach und Zinneberg. Mit der Bahn wurde nicht nur der Warenaustausch mit Glonn verbessert, sondern auch der Ausflugsverkehr mit den Besuchern aus der Stadt gefördert.

1966/1967 begann eine Buslinie zwischen Glonn und Grafing zu pendeln. Der Personenverkehr wurde 1970 eingestellt. Nur ein Jahr später der Güterverkehr. Vom Bahnhof in Glonn ist heute nichts mehr zu sehen. Der Lockschuppen ist heute ein Privathaus.

  • Auf der anderen Straßenseite folgen wir dem Weg, der links von „Herrmann’s Manufaktur“ (Hunde und Katzenfutter) den Hang hinauf nach Zinneberg/Sonnenhausen führt. In einem weiten Rechtsbogen geht’s 750 Metern nach oben bis zu einer größeren Weggabelung. Ein Abkürzer biegt vorher etwa 400 Metern links ab und kürzt den Weg deutlich ab. Leicht ist dieser allerdings nicht zu gehen. Matschig und im Sommer gewiss ordentlich zugewachsen, ist diese Alternative nicht für jeden empfehlenswert.
  • An der Weggabelung links abbiegen (geradeaus gehts nach Zinneberg) und 200 Meter bis zur Zufahrtsstraße nach Zinneberg geben. Links abbiegen. Nach dem Wald begrüßt uns ein aus Metall rausgeschnittenen Ziegenkopf mit Hörnern. Die Lichtung mit dem Gutsgebäude Sonnenhausen und Bauernhaus öffnet sich 300 Meter dahinter. Die Tour lässt sich um 2 Kilometer verkürzen, wenn ihr den Abstecher nach Sonnenhausen auslasst und etwas hinter des Metallkunstwerkes rechts dem Weg durch den Buchenwald Richtung Westerndorf folgt.

Gut Sonnenhausen

Der schöne und stattliche Gutshof geht auf den Geschäftsmann Adolf Freiherr von Büsing-Orville zurück, der sein beträchtliches Vermögen durch Tabak bzw. Schnupftabak erworben hat. Zwischen 1899 und 1827 lebte er im nahen Schloss Zinneberg bei Glonn. In der näheren Umgebung besaß er 2585 Tagwerk Land, darunter auch die Gutshöfe Herrmannsdorf und Sonnenhausen, die er neu errichten oder renovieren ließ. Das auf Noblesse ausgerichtete Ensemble von Sonnenhausen wurde von den Architekten Friedrich von Thiersch und Wilhelm Spannagel im historisierenden Jugend- und englischen Landhausstil geplant und erweitert, um dort irische Jagdpferde zu züchten.

1985 erwarb die Familie des ehemaligen Fleischfabrikanten Karl Ludwig Schweisfurth das Anwesen. Heute wird Sonnenhausen als Bio-Ta­gungs­ho­tel genutzt. Hier finden Workshops oder Veranstaltungen statt. Überall auf dem Areal ist Kunst gegenwärtig. Man schreibt auf der Website: „Alle Kunst in Sonnenhausen ist da, um zu kommunizieren und nach Möglichkeit etwas zu bewirken. Sie soll nachdenklich machen“. Die Rechnung geht auf, besonders an der „Sonnenhausner Freiheit“. Sonnenhausen wird von Georg Schweisfurth geführt.

Farmers-Club

Einkehrmöglichkeiten im „Farmers-Club“, dem neu und kitschfrei aufgemöbeltem Bauernhaus rechts neben dem Gutshof:  Es gibt „Gourmetküche, schöne Weine und Biere sowie ein wechselndes Musikprogramm“. Am Nachmittag gibts auch Kaffee und Kuchen. Zum Bio-Essen können wir nichts sagen. Gehobene Preise.

  • Öffnungszeiten: Freitag & Samstag ab 18:30 Uhr/Menü, Sonntags 12 bis 21 Uhr/à la carte, 14 bis 17 Uhr/Kaffee und hausgemachte Kuchen, 17 bis 19 Uhr/Ausklang mit Live Musik. Wegen Corona die Öffnungszeiten und die Live-Musik besser auf der Website gegenprüfen.
  • Adresse: Sonnenhausen 2, 85625 Glonn, Farmers-Club-Website

Schleife um Sonnenhausen am Höhenweg

Rund um Sonnenhausen führt ein herrlicher Wiesenweg. Er startet an der Sonnenhausner Freiheit. Der Aussichtspunkt mit tollem Blick über Glonn bis ins Kupferbachtal befindet sich bei der runden Holzskulptur etwa 80 Meter südlich des schmiedeeisernen Haupttores.

  • Wandert im Uhrzeigersinn zuerst am Weiher, dann immer am Waldrand und den Pferdekoppeln vorbei, die aus der Luft wie ein Schmetterlingsflügel aussehen. Etwa ein Kilometer dauert der Rundweg, an dessen höchster Stelle Bänke für den genussvollen Fernblick über Sonnenhausen stehen. Der Kreis schließt sich an der Zufahrtsstraße.

Nach Westerndorf und zu den Herrmannsdorfer Landwerkstätten weiterwandern

  • Auf der Sonnenhausener Zufahrtsstraße wandern wir 200 Meter zurück. Kurz bevor die Bäume enden, folgen wir dem Weg links an den Holzstapeln (die dort hoffentlich lange zur Orientierung gelagert werden). Nach Durchschreiten des Waldstücks, geht’s auf der anderen Seite den Wiesenweg bis zur Verbindungsstraße kurz vor Westerndorf weiter. Halblinks auf der anderen Seite wandern wir im Rechtsbogen in das kleine Westerndorf. Zum Almcafe West kommt man, indem man am Ende des Weges am Gästehaus erst rechts und kurz danach links abbiegt. 100 Meter weiter seht ihr das Etappenziel, sofern ihr ein Päuschen bei Kaffee und Kuchen oder einer Brotzeit einlegen wollt.

Almcafe West in Westerndorf

Von der Terrasse gibt es erst mal einen weiten Blick nach Süden und die Berge, sofern sie sich nicht in den Wolken versteckt. Bei Weidebetrieb kommen die Kühe an den Zaun. Die Kuchen- und Tortenauswahl ist groß. Guter Ort auch für ein Frühstück. Für die Kinder gibt es einen kleinen Spielplatz.

  • Von Westerndorf folgen wir der kleinen Teerstraße weiter nach Süden und an der nächsten Gabelung nach links. Nur etwa 700 Meter sind es ins nahe Herrmannsdorf. Schon an den Schweineställen merkt man, dass hier Nahrung anders erzeugt wird. Kunst am Bau und im Auslaufbereich der Tiere. Betretet den Gutshof durch das nahe Tor etwas weiter rechts und südlich.

Herrmannsdorfer Landwerkstätten

Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten sind ein ökologisches Unternehmen, dass „vom Acker bis zum Teller alles wieder zusammengeführt, was die Nahrungsmittelindustrie geteilt hat. Ackerbau – Zucht- und Mast der Tiere – handwerkliche Verarbeitung in den Werkstätten – Verkauf in den eigenen Geschäften.“ In  Herrmannsdorf gibt es eine Bäckerei, Brauerei, Metzgerei und Käserei.

Der Gründer Karl-Ludwig Schweisfurth vollzog mit der Gründung der Landwerkstätten eine Wandlung. Nachdem weder seine beiden Söhne noch seine Tochter das Unternehmen weiterführen wollten, verkaufte er Herta, eines der größten fleischverarbeitenden Unternehmen Europas und konzentrierte sich auf nachhaltige ökologische Landwirtschaft mit tierethischen Prinzipien. Der kunstbeflissene Karl-Ludwig Schweisfurth hat außerdem versucht, Herrmannsdorf als Lebens- und Arbeitsraum zu einem Kunstwerk zu machen. Zahlreiche Skulpturen und andere Kunstwerke umgeben das Gut und machen einen Besuch auch zu einem sehenswerten Gesamtkunstwerk. Der Betrieb wird heute von Sohn Karl Schweisfurth geleitet.

Bio-Restaurant und Biergarten Steirer Eck

In Herrmansdorf  gibt es über das Jahr zahlreiche tolle Veranstaltungen und einen Bio-Biergarten unter Linden und Kastanien.
Das Bio-Lokal Schweinsbräu bietet Menüs an. Wer einen Schweinebraten essen will, ist hier leider falsch. Die Preise liegen wegen ihrer biologisch-nachhaltigen Herstellung in Biergarten und Restaurant über den „gefühlt üblichen Kosten“.

  • Öffnungszeiten Biergarten: April bis September, nur bei schönem Wetter.  Donnerstag bis Sonntag 11:00 Uhr bis 17:00 Uhr.
  • Adresse: Herrmannsdorf 7, 85625 Glonn, Website Steirer Eck und Biergarten

Eine weitere Wanderung rund um Hermannsdorf – und zu seinen Kunswerken – findet ihr im Beitrag „Schweine, Kunst und ein Berg Kuchen“.

Von Herrmannsdorf zurück nach Glonn gehen

  • Vorbei am Herrmannsdorfer Hofladen, verlassen wir das Bio-Gut durch das Tor im Süden. 140 Meter geht’s entlang der Straße, um auf der rechten Straßenseite dem Feldweg 350 Meter nach Westen zu folgen. Auf dem Gelände hinter der Hecke laufen Hühner und Schweine in trauter Gemeinschaft durch die Gegend. An der nächsten Abzweigung rechts abzweigen. Nach 300 Metern auf der kleinen Teerstraße erreicht ihr das Gasthaus zur Schießstätte.

Gasthaus zur Schießstätte

Unweit von seinem feudalen Anwesen Zinneberg ließ Adolf Freiherr von Büsing-Orville eine eigene Feuerschießstätte erreichten. Auch wenn die Anlage nicht mehr in Betrieb ist, sind die Bodenanlagen unweit des Gasthauses noch vorhanden.

Charme und Speisekarte in der ehemaligen Schießsstätte ist bodenständig rustikal und nach Herrmannsdorf eher etwas für den „normalen Geldbeutel“. Im Garten sitzt es sich Sommer prima in schöner Lage auf Plastikstühlen.

  • Öffnungszeiten: Samstag/Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr. Verlässliche Öffnungszeiten gibt es während Corona leider nicht.
  • Adresse: Schießstätte 9, 85625 Glonn. Eine Website gibt es nicht.
  • Wir folgen von der Schießstätte der Straße für weitere 250 Meter. Bei nächster Gelegenheit dem Feldweg links nach Süden abbiegen und diesem weiter durch den Wald folgen. An der nächsten Gabelung rechts bleiben. 130 Meter an der Gabelung auf dem mittleren Weg hangabwärts bis knapp vor den Waldrand wandern. Links den Fußpfad der Wiese entlang bis zur Siedlung folgen. Der Adolf Kolping Straße links folgen. An der nächsten Abzweigung rechts abzweigen und die nahe „Zinnebergstraße“ überqueren.
  • Der Fuggerstraße rechts die Kurve folgen. Nach 250 Meter links in die Arcorstraße abbiegen. Am Feld rechts abbiegen und nach 60 Meter weiter links der Filzenstraße 500 Meter durch die Felder bis zu Lena Christ Straße gehen. Hier schließt sich unser Kreis.
  • Wandert entweder auf dem gleichen Weg ab hier zurück, oder macht einen Schlenker durch das Dorfzentrum. Der Lena-Christ Straße bis zur Wolfgang Wagner Straße folgen. Hier rechts abgebogen und an der Kirche vorbei zum Marktplatz wandern. Steinbergers Marktblick findet ihr auf der rechten Seite. Zum Bahnhofplatz kommt ihr über den Steinbruchweg im Westen.

Wanderkarte Glonn

 

 

 

 

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