Familien-Ausflug nach Erding: Vom Stadtpark entlang der Sempt spaziert

(Wanderung 5,9 Kilometer) Warst du schon mal in Erding? Ach, nur in der Therme? Verstehe, aber nicht in der Stadt?  – Zugegeben, wir waren hier bislang nur beim Baden und einmal bei einem Mentalisten in der Stadthalle. Da war es dunkel und gesehen haben wir nichts. Als ausgewiesene Flusswanderer konnten wir neulich diesen eklatanten Missstand beheben und uns Erding entlang der Sempt nähern. Richtig schön war’s und im Stadtpark hatte ich mir gewünscht wieder Kind zu sein, denn die Spielplätze sind echte Highlights. Buchstäblich jeden Meter gibt’s etwas für die ganze Familie in der wirklich netten kleinen Großen Kreisstadt zu entdecken.

Das erwartet euch beim Spaziergang in Erding

  • Der Stadtpark: mit kleinem Zoo und Spielplätzen, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen. Die nette Altstadt von Erding, der wir uns großteils am malerischen Ufer der Sempt nähern. Tourismusbroschüre der Stadt Erding (PDF)
  • Die Wege sind ebenerdig, gut gangbar, auch mit dem Kinderwagen. Gehzeit, 1,5 h. Mit Kindern könnt ihr leicht einen Nachmittag einplanen.
  • Einkehrmöglichkeiten: In Erding verhungert ihr nicht. Im Zentrum gibt es jede Menge Auswahl.
  • Wir haben die Runde durch die Altstadt entlang dem Ettinger Fehlbach hinter den Krontaler Weiher verlängert, wodurch wir auf insgesamt 14 Kilometer gekommen sind. Das wird aber ein eigener Beitrag.
  • Lust auf noch mehr Ausflüge bei München: Wie wäre es mit Freisinger Stadtspaziergang?

Anfahrt nach Erding mit S-Bahn oder Auto

  • Anfahrt mit der S-Bahn: Mit der S2 braucht im vom Ostbahnhof bis zum S-Bahnhof Altenerding etwa 47 Minuten.
  • Anfahrt mit dem Auto: Ab München Ost: Für die 40Kilometer sind es über A94 je nach Stoßzeit zwischen 30 und 40 Minuten. Etwas kürzer aber nicht schneller ist es auf der Staatsstraße 802 über Kirchheim und Neufinsing. Ab München Nord: Über Garching/Ismaning auf der B388, Parken könnt ihr in der Bahnhofstraße 34, P+R, 85435 Erding/Ortsteil Altenerding.

Losgewandert von Altenerding zum Stadtpark

  • Wir starten unseren Spaziergang am Bahnhof/Parkplatz in Altenerding. Der Ortsteil liegt etwas südlich von Erding und hat die ältere Geschichte als Erding. Daran merken wir zumindest am Bahnhof nichts. Der Fußweg führt links der Gleise nach Nordosten. Auf den Stadtpark treffen wir schon nach 170 Metern nach Querung der Straße am Bahnübergang. Infotafeln am  Eingang. Die Bäume sind noch vorfrühlingshaft braun-beige. Der unübersehbare knallig bunte Leuchtturm weist uns den Weg. Rechts den Fußweg folgend, müssen wir nicht lange auf die nächsten Parkattraktionen warten. Der Abenteuerspielplatz „Herzogburg Aerding“  mit Wasserspielplatz ist für Drei- bis Sechsjährige Kids entwickelt.
    Gleich dahiner: das Freigehe des Mini-Zoos.
  • Schlagt einen Bogen zwischen den Gehegen mit Hasen und Meerschweinchen und dem schönen Taubenschlag zur einen und dem Streichelzoo mit den Ziegen auf der anderen Seite. Gegenüber der Vogelvolieren könnt ihr toll auf die Sempt blicken und auf den Sitzstufen ein Päuschen machen. Hier gibt es übrigens auch ein öffentliches WC. Es gab vor der Umgestaltung des Freigeheges einen Esel, an dem die sympathische Skulptur des „Esels Max mit seinen Saatkrähen“ erinnert. Die echten Krähen sitzen noch immer in den Bäumen und machen laut auf sich aufmerksam. Rund 800 Paare ziehen dort alljährlich ihren Nachwuchs auf.

Stadtpark Erding

Der fünf Hektar große Erdinger Stadtpark südlich der Altstadt ist das grüne Herz von Erding. Er wurde 1822 als Gartenanlage von Freiherr Walter von Grainger in der Form einer englischen Parklandschaft angelegt. 1888 wurde der Park für die Bürger von Erding öffentlich zugängig gemacht. Seit den 50er Jahren gibt es einen Streichelzoo mit Pfauen, Hasen, Meerschweine und Ziegen, sowie  die Vogelvolieren. Highlights sind die zwei Abenteuerspielplätze „Weniadunum“, das einem Keltendorf nachempfunden ist, sowie die neue „Herzogburg Erding“, welche mittelalterliche Stadt im Kleinformat darstellt und umgeben ist von einem Wasserspielplatz mit Wasserpilzen, Pumpen, sowie einen Matschspielplatz.

Mit der Neugestaltung des Parks 2019 wurde eine Aussichtsplattform mit schönen Blick auf die Sempt gebaut. Im nordwestlichen Bereich entstand ein naturnaher, ökologisch wertvoller Auenbereich.

Am westlichen Eingang begrüßt ein 11,5 Meter hoher Leuchtturm des Trierer Künstlers Gerhard Freising. Er ist mit transparent farbig, fluoreszierende Plexiglasplatten verkleidet. Sitzbänke sollen der Kommunikation und Entschleunigung dienen.

  • Überquert die Sempt auf der nahegelegenen Brücke. Der Weg ins Stadtzentrum führt am östlichen Ufer nach Norden.

Tipp: Mehr vom Park seht ihr bei einen Abstecher dem Flusslauf entlang nach Süden. Hinter der Bahnlinie gibt es die noch Aussichtsplattform „Himmelsleiter“ zu entdecken, geradeaus den Keltenspielplatz „Weniadunum“ mit großem Sandspielbereich, sowie einem ziemlich hohen besteigbaren Turm mit Röhrenrutsche für die mutigen und älteren Kindern. Informationstafeln berichten über das keltische Leben.

  • Den Park verlassen wir nach 200 Metern. Entlang dem Ufer und am Heiliggeist-Stift vorbei, ist nach 230 Metern eine Fußgängerbrücke erreicht, um erneut die Flussseite zu wechseln. Rechts den Flusslauf am „Kreuzweg“ 130 Meter bis zum Semptwehr spazieren. Dass die Sempt eigentlich rechts weiterfließt und links des Wehres der Eittinger Fehlbach bzw. Saubach abgeleitet wird, haben wir erst später gemerkt. Egal. Schöner fanden wir es, dem Weg zu folgen, der nach 150 Metern den Eittinger Fehlbach zu überqueren. Etwas wild gebaut, aber nicht uninteressant. Hier geradeaus dem Herzoggraben 80 Meter bis zur Haager Straße gehen. Das Zentrum von Erding erreicht man nach 150 Meter in nördlicher Richtung.

    Ab dem Herzoggraben die bessere Wegalternative ins Zentrum?

  • Verflixt, das Wetter war schön und uns kamen jede Menge Menschen mit Eiswaffeln in der Hand entgegen. Wir waren so fokussiert die Eisdiele zu finden, dass wir abgelenkt waren, vielleicht lieber die Haager Straße zu überqueren und weiter den Herzoggraben zu folgen. Am „Grünen Markt“ wäre wieder die Sempt aufgetaucht, an deren linken Ufer man der Alten Stadtmauer nach Norden bis zum Schönen Turm hätte folgen können. Das historische Zentrum kann man auf diesem Wege durch das ehemalige Stadttor betreten. Das holen wir beim nächsten Besuch von Erding nach. Eisdielen gibt’s übrigens im Zentrum einige ;-).

Historische Altstadt von Erding

30 Kilometer nordöstlich von München gelegen ist Erding seit 2013 eine junge große Kreisstadt. Etwa 12,5 Kilometer von Freising entfernt, leben heute in Erding 36.000 Einwohner, einem der zukunftsträchtigsten Landkreise Deutschlands. Das meint zumindest eine Untersuchung des „Berlin-Instituts“, wobei auch die Nähe zum Flughafen München eine Rolle spielt.

Erding wurde im 13. Jahrhundert als herzoglicher Stützpunkt zwischen Landshut und München als Planstadt nahe dem bischöflichen Freising angelegt. Noch heute prägen die etwa 400 Meter lange Nord-Süd-Achse die Lange Zeile heißt und als Straßenmarkt angelegt wurde, sowie die Landshuter Straße – West-Ost-Richtung – das Stadtbild. Eine kleine Fußgängerzone, Ladengeschäfte und Gastronomie laden zum bummeln ein. Der Schöne Turm, das letzte der verbliebenen Stadttore, befindet sich mitten in der Altstadt. Mittelalterlich ragt der ehemalige Wehrturm in die Höhe und macht seinem Namen als Wahrzeichen der Stadt alle Ehre. Noch höher ist mit 46 m der Glockenturm der Stadtpfarrkirche. Das wohl schönste Gebäude der Stadt ist die einstige Stadtresidenz der Grafen von Preysing, das heute als Rathaus dient. Heute erinnern nur noch Straßenführung und zwei  Überreste an die einstige Stadtbefestigung

Durch die nördliche Altstadt und am Eittinger Fehlbach zurückspaziert

Am besten ihr lasst euch in der Altstadt etwas treiben. Zentrum im Zentrum ist nördlich des Schrannen-Platzes der sympathische Kleine Platz. Früher Rindermarkt reihen hier sich zahlreiche Einkehrmöglichkeiten, von denen man herrlich das bunte Treiben in Erding beobachten kann.

  • Wir durchqueren das Erdinger Zentrum über die Lange Zeile nördlich des Stadtturmes. Erreichbar auch über die Bräuhausgasse am Ende des Kleinen Platzes links. Wateten hier 1872 noch die Bewohner im Schlamm, ist es heute eine geteerte Durchgangsstraße mit breiten Fußgängerwegen. Rechts und links reiht sich Gastronomie und Einzelhandel. Die bekannte Erdinger Weißbierbrauerei/Weißbräu hat hier ihren Stammsitz. Gebraut wird selbst etwa einen Kilometer nordöstlich. Die Preise sind über dem Durchschnitt, z.B.: 2 Stück hausgemachte Fleischpflanzerl 12,90 €.
  • Am Ende der Langen Zeile biegen wir links Am Mühlgraben ein. 50 Meter vorher könnt ihr euch im Eiscafè für die Kugeln eurer Wahl entscheiden. Der Weg folgt der alten Stadtmauer und trifft alsbald wieder auf den Eittinger Fehlbach. Schön im Grünen ist an der Brücke ein angedeutetes Stück der alten Stadtmauer zu entdecken. Über die Münchner Straße folgen wir dem Fußgängerweg entlang des Wasserlaufs, bis sich nach 350 Metern unser Kreis wieder an der Brücke am Herzoggraben schließt.

Abkürzung zum S-Bahnhof Erding

  • Wer die Tour abkürzen will, folgt dem Herzoggraben links nach Osten. Am Grünen Markt die Semptbrücke queren und auf der Geheimrat-Irl-Straße bis zum Bahnhof gehen. Insg. etwa 500 Meter.

Zurück zum S-Bahnhof Altenerding/P+R spaziert

  • Folgt dem Weg, wie ihr gekommen seid, aber nur bis zur nächsten Fußgängerbrücke an der Sempt. Hier GERADEAUS dem 120 Meter dem Kreuzweg und der Teerstraße links um die Rechtskurve folgen, dann weiter auf dem Fußweg. NICHT in die Hofeinfahrt beim Griechischen Lokal gehen, da hier der Weg als Sackgasse endet. Der Fußgängerweg führt zum Stadtpark. Dafür an der nächsten Kreuzung rechts gehen. Entscheidet selbst, welche Strecke ihr im Park wählt. Erneut über den Spielplatz oder rechts entlang? Den Ausgang am südlichen Ende kennt ihr, auch den Weg zum Parkplatz/bzw. zur S-Bahn.

Wallfahrtskirche Heilig Blut/Schloss Heilig BLut

Das ehemalige Schloss Freiherr von Walter von Grainger und seiner Frau Franziska seht ihr am Parkeingang rechts. Heute ist es eine Mädchenschule.

Falls ihr euch fragt, wohin der Kreuzweg entlang der Sempt führt. Ziel ist die Wallfahrtskirche Heilig Blut, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert und zurückreicht und hinter dem ehemaligen Schlossgebäude liegt. Der Kirchenbau ist im Kern spätgotisch und wurde 1675 weitestgehend nach dem barocken Zeitgeschmack umgebaut. Die Kirche ist heute wegen Renovierung geschlossen.

Wanderkarte Erding