Waldmeister – Herzfreude, Maiblume, Sternleberkraut oder Waldmutterkraut

So viele schöne Namen hat der Waldmeister und er ist eines meiner Lieblingskräuter, weil er mich mit seinem Geruch so sehr an meine Kindheit erinnert, an den fiesgrünen Waldmeister-Wackelpudding. Sehr lecker! Heute wo ich ein bisschen Ahnung von Wildkräutern und Pflanzen habe, weiß ich, dass das fiesgrüne nur Lebensmittelfarbe ist und nichts mit dem Waldmeister zu tun hatte. Wahrscheinlich war alles daran künstlich. Wenn man sich selbst einen Waldmeister-Sirup ansetzt, erkennt man, dass er einfach nur farblos ist.

In früherer Zeit gehörte der Waldmeister zu den Kräutern, die man „Mariä Bettstroh“ gennant hat. Die Bezeichnung geht auf eine alte vorchristliche Sitte zurück, diese Kräuter in Kissen und Matratzen zu stopfen. Sie sollten die Geburt erleichtern und danach auch das Baby beruhigen. Es hieß damals der Waldmeister soll das Herz der Mutter und des Kindes stärken. Daher rührt auch der alte Name „Herzfreude“ des Waldmeisters.

Die Merkmale des Waldmeisters

Der Waldmeister gehört zur Familie der Rötegewächse. Aus der gleichen Pflanzenfamilie stammen das Wiesenlabkraut, das Klettenlabkraut oder auch das Waldlabkraut, mit dem man den Waldmeister extrem leicht verwechseln kann, was aber nichts macht, außer dass es nicht den speziellen Duft des Waldmeisters hat. Er liebt schattige Standorte und siedelt sich gerne in Buchen- und Mischwäldern an. Der Waldmeister fühlt sich auf lockerem, nähr- und basenreichen Böden am wohlsten und steht dort selten allein, sondern verbreitet sich gerne in großen Mengen als Teppich. Die Pflanze wird 10-30 cm hoch und um den aufrechten, dreikantigen Stängel reihen sich sternförmig dunkelgrüne, lanzettliche Blätter. Die kleine weißen vierzipfeligen Blüten bilden als Frucht behaarte Kügelchen, die gerne am Fell von Tieren hängen bleiben und von ihnen weiter verbreitet werden.

Mir ist es schon so oft passiert, dass ich dachte ich hätte Waldmeister gepflückt und dann war es doch wieder nur das Waldlabkraut. Gemein! Der besondere Duft des Waldmeisters, das Cumarin entsteht nämlich erst sobald die Pflanze antrocknet und welkt, deshalb kann man es auch im Moment des Pflückens nicht wirklich wissen, welches Kraut man gerade pflückt.

Man sollte nicht zu viel Waldmeister auf einmal pflücken und eigentlich auch nicht, wenn er blüht, da mit der Blüte der Cumarin Gehalt in der Pflanze ansteigt und der verursacht bei zu viel davon Kopfschmerzen. Bei Verwendung für einen Sirup oder einer Bowle sollte man nicht mehr als 3 Gramm frischen Waldmeister je Liter verwenden.

Verwendung des Waldmeisters

Es gibt vielerlei Arten den Waldmeister zu verarbeiten. Ich verwende ihn gerne in Apfelsaft gezogen, gerne über Nacht, und mit Mineralwasser aufgegossen als Schorle. Oder auch in Apfelsaft über Nacht ziehen lassen und dann mit Gelierzucker aufkochen als Gelee. Sehr erfrischend und lecker. Und man kann natürlich einen Sirup herstellen. Hier kocht man erst Wasser und Zucker (2:1) ca. eine Stunde bis es einen sirupartigen Zustand erreicht hat und legt dann darin den gewaschenen Waldmeister bis zu drei Tage ein. Wer mag, kann noch grüne Lebensmittelfarbe hinzufügen, damit der Sirup wieder den bekannten fiesgrünen Farbton hat, wie er allgemein bekannt und verbreitet ist. 🙂

 

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