Wanderung von Geltendorf über St. Ottilien nach Eresing

(Wanderung 6,7/9,2 Kilometer) St. Ottilien kannte ich bislang nur von ziemlich faden Schulausflügen vor langer Zeit. Da war eine lange Allee, ein hoher Kirchturm und ein Museum mit ausgestopften Tieren. Der Blick für die tolle Natur in der näheren Umgebung kam erst danach. Besser spät als nie, denn wir hatten hier im Münchner Westen einen ausgesprochen schönen Tag. St. Ottilien als Erzabtei ist nicht nur ein christlicher „Hot-Spot“, sondern auch ein kultureller und zwischenmenschlicher. Das schöne Bergpanorama und die abwechslungsreiche Tour machen den Wanderausflug zu einer richtig runden Sache.

Wanderweg bei St. Ottilien

Das erwartet euch auf der Wanderung bei St. Ottilien

  • Einfache, schöne und recht abwechslungsreiche Tour ohne nennenswerte Steigungen, die am Wendepunkt an der St. Ulrich-Kapelle für ein Picknick wie geschaffen ist. Auch, wenn St. Ottilien für kleinere Kinder vielleicht weniger attraktiv ist, gibt es unterwegs jede Menge Spannendes zu sehen.
  • Als Erzabtei ist St. Ottilien ein religiöses Ordenszentrum mit stattlicher Kirche, einem Missionsmuseum mit ethnologischen und naturhistorischen Exponaten und einem Kräutergarten. Sogar ein Nähmaschinenmuseum gibt es für die Garn-Nerds. Überraschend und progressiv die Graffiti und Streetart-Kunst auf verschiedenen Gebäuden des Klosterdorfs. Ihr streift den Planetenweg und kommt auf dem Weg nach Eresing an der Himmelsschaukel vorbei. Unterwegs toller und weiter Blick auf das Alpenpanorama. Picknicktische gibt’s an der malerischen St. Ulrich-Kapelle.
  • Perfekte Erreichbarkeit mit Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln.
  • Wanderung auf großteils recht guten Wirtschaftswegen, sowie kleinen Wald- und Wiesenpfaden. Ab und an geht’s unterwegs auch auf wenig befahrenen Asphaltabschnitten.
  • Einkehrmöglichkeit, wenn Corona nicht nervt: In St. Ottilien gibt’s den Emminger Hof, in Eresing den Alten Wirt.

So kommt ihr mit der S-Bahn und dem Auto nach Geltendorf/St. Ottilien

Anfahrt mit der Bahn: Vom Hauptbahnhof München mit dem Regionalexpress RE 57406/Memmingen in etwa 3o Minuten nach Geltendorf. Alternativ mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof über Pasing (S4) nach Geltendorf (etwa 50 Minuten). St. Ottilien hat ebenfalls einen kleinen Bahnhof. Um die Gehstrecke zu verkürzen, müsstet ihr allerdings in Geltendorf in den Regionalzug umsteigen. Müsst ihr schauen, ob sich das zeitlich lohnt.

Anfahrt mit dem Auto: Über die Autobahn 96/Lindau ab dem Westpark knapp 30 Minuten/42 Kilometer nach Geltendorf. Ausfahrt Windach. Parken in Geltendorf auf dem P+R vor dem Bahnuntergang. In St. Ottilien gibt es mehrere große Parkplätze, die direkt an der Zufahrtsstraße liegen.

Zuerst von Geltendorf nach St. Ottilien wandern

  • S-Bahnfahrer verlassen nach Süden (Fahrtrichtung links) den Bahnhof und folgen dem Weg zum P+R entlang der Gleise nach Westen.
  • Unser Wanderweg führt direkt von der Zufahrt zum Parkplatz halb links nach Süden. Wir könnten auf dem geschotterten aber schönen Wirtschaftsstrasserl direkt nach St. Ottilien wandern, abkürzen, aber das ist uns etwas zu einfach. Nach 400 Meter halten wir uns lieber an der nächsten Abzweigung links. Ab hier wandern wir entlang eines Wassergrabens 700 Meter im Knick nach Osten. Ab hier rechts abgebogen und 600 Meter auf der Eschen-Allee Richtung Süden gehen. Hoch recken sich die Bäume beidseitig des Weges in die Höhe. Leicht ansteigend erweckt er beinahe den Eindruck der Unendlichkeit. Am Hofladen erreichen wir das Klosterdorf. Schon das Graffiti an der Hauswand signalisiert, dass hier manches liberaler gedacht wird.

Erzabtei St. Ottilien

Im Vergleich zu den bekannten bayerischen Klöstern wie Kloster Schäftlarn, Fürstenfeld oder Andechs ist St. Ottilien praktisch ein Teenager. Auch wenn eine Wallfahrt zur Heiligen Ottilia in Emmering seit 1365 nachgewiesen ist. Der Benediktiner Andreas Amrhein kaufte den hier existierenden Weiler und gründete 1887 Sankt Ottilien, um das benediktinische Leben mit einem Einsatz in der Mission zu verbinden.

Bis 1930 wuchs das Kloster stark. In der NS-Zeit wurde St. Ottilien aufgehoben und in ein Lazarett umgewandelt. Ende April 1945 bombardierten die Alliierten irrtümlich einen Zug mit Häftlingen aus dem KZ-Außenlager Kaufering. Die Überlebenden wurden nach St. Ottilien gebracht. Zwischen 1945 und 1948 kamen über 5.000 weitere jüdische Überlebende aus Osteuropa, die sich hier Alltagsstrukturen aufbauten.

Die Benediktinerkongregation von St. Ottilien ist heute eine weltweite Ordensgemeinschaft mit 19 selbstständigen Klöstern und insgesamt 56 Niederlassungen. Im Klosterdorf leben und arbeiten etwa 100 Benediktinermönche. Hier gibt es z.B. eine eigene Landwirtschaft, einen Hofladen, einen Verlag, Klostergalerie, eine Feuerwehr, Kräutergarten, ein Gymnasium, Gästehaus, sowie ein Missions- und Nähmaschinenmuseum. Website St. Ottilien

Progressive Graffiti- und Streetartkunst in St. Ottilien

Konservativ ist was anderes. Pater Cyrill Schäfer von St. Ottilien ließ 2012 zwölf internationale und regionale Künstler großflächige Wände in Sankt Ottilien bemalen. Die Ergebnisse sind für ein Klosterdorf progressiv und überraschend. Ein gigantischer Sarg mit Skelett in Lederhose auf das Geldscheine regnet an einer riesigen Hauswand? Nur ein Beispiel.  Zum Graffiti-Standortfinder 

Start in St. Ottilien/Durch St. Ottilien spaziert

  • Wer in St. Ottilien seine Tour startet. Beginnt am Hoffladen bzw. dem energiegeladenem Hackschnitzwerk:
  • Vorbei am Parkplatz, dem eigenen Hackschnitzelwerk geradeaus nach Süden spazieren. 200 Meter links prangt riesengroß an der Fassade des alten Kuhstalls das Graffiti eines Skeletts im Sarg. Echt? Echt! Entscheidet 100 m weiter wie ihr St. Ottilien erleben wollt:

Option 1: Zur Erzabtei mit Klosterkirche und Missionsmuseum wandern:

  • Vorbei an der barocken Ottilien-Kapelle 120 Meter nach Westen gehen. Hier schließen sich vorklösterliche Reste des ehemaligen Gutes Emming an. Infotafeln geben an verschiedenen Stationen Aufschluss über die Nutzung des Klosterdorfs als jüdisches Displaced-Persons-Krankenhaus und -Lager. So auch am Gästehaus, wo wir links zur Kirche abbiegen. Markant ragt der 75 Meter hohe Kirchturm in die Höhe. Die Kirche ist im Stil benediktinisch-zisterziensischer Neugotik gehalten und kann ihre junge Entstehung zwischen 1897 und 1899 nicht verbergen. Dahinter findet ihr im Klosterkomplex auch das Missionsmuseum. Der Weg aus der Klosteranlage führt westlich dem Kirchen-Vorplatz 125 Meter im Süden. Hier treffen beide Wege von Option 1/2 wieder aufeinander.

Option 2: Geradeaus zum KZ-Friedhof und zum alten Bahnhofshäuschen wandern:

  • Mehr Natur und Fernblick gibt’s auf dieser Wegstrecke. Den Weg im Linksbogen am kleinen Weiher und der Gärtnerei vorbei 250 Meter nach Osten folgen. Der kleine Friedhof zur rechten Seite ist zweigeteilt. Die Erhebung mit seinem schönen Blick ist eigentlich ein keltischer Grabhügel der La-Tène-Zeit. Nebenan der KZ-Friedhof auf dem zwischen 1945 und 1948 65 Personen beigesetzt wurden. Hinter der Fahrzeug Wendeschleife findet ihr übrigens das pittoreske feuerverzinkte Bahnhofshäuschen von 1898, das zum Fahrkartenverkauf und als Dienstraum diente. Hier biegt ihr rechts nach Westen ab und folgt der Klostermauer 400 Meter bis zum Weg zur Klosterkirche. Ihr werdet unterwegs mit einem schönen Alpenblick belohnt. Letzte Gelegenheit doch noch kurz rechts zu gehen und die Klosterkirche anzusehen.

Von St. Ottilien nach zur St. Ulrich-Kapelle gewandert

  • Auf dem Planetenweg wandern wir weiter nach Westen. Erst vorbei an der Klostermauer, dann nahe dem Waldrand und der Kapelle „Königin der Apostel“ kommen wir nach 700 Metern zur Himmelsschaukel. An langen Feuerwehrschläuchen hängt sie an einem Ast und lädt einfach zum ausprobieren ein. Natürlich macht das jeder auf eigene Verantwortung. Wer kurze Beine hat, ist im Vorteil.
  • An der Schaukel links in den Laubwald eingebogen. Links am Lehrbienenstand des Imkervereins St. Ottilien vorbei ist 620 Meter weiter die Pflaumdorfer Straße erreicht. Rechts auf der Teerstraße 200 Meter bis zum Eresinger Weiher wandern. Vor dem Weiher links eingebogen und um den Weiher südwestlich herumgewandert. Am Waldrand wandern wir etwa 500 Meter auf dem Pfad zur Windacherstraße im Süden. Unterwegs freuen wir uns über das malerische Holzfass in der Wiese und den kleinen Steg, den wir überqueren dürfen und das schöne Ortspanorama von Eresing. Die St. Ulrich Kapelle finden wir nach der  Kreuzung der befahrenen Teerstraße 150 Meter weiter nach Süden. An der Straße einfach dem Waldweg folgen. Malerisch ist das kleine Gotteshaus mit angeschlossenem Brunnen. An den Picknickbänken lässt es sich schön verweilen und rasten.

St. Ulrich Kapelle und Brunnen

Der heilige St. Ulrich war von 923 bis 973 war Bischof von Augsburg, der zugleich als Reichsfürst 955 hoch zu Ross bei der Schlacht auf dem Lechfeld die Ungarn zurück schlug. Ohne Schild und Waffen, nur mit der Bibel in der Hand. Respekt! Wie kaum ein Heiliger wird er besonders in Bayern verehrt. Als Beschützer der Bauern und Schutzheiliger ist er ein Multiheiliger für fast alle Lebenslagen. Als Patron der Reisenden und Wanderer hält er möglicherweise seine Hand über unseren Blog.

St. Ulrich Kapelle mit Brunnen bei Eresing

Zur der Kapelle gehört auch der Ulrichsbrunnen dessen heilkräftige Wasser für die Behandlung diverser Leiden, besonders bei Augenproblemen helfen soll. Angeblich soll bei der Rast vom St. Ulrich nach Rom hier eine Quelle entsprungen sein. Aha. Das wird auch der Ulrichsquelle nachgesagt, auf die wir bei der tollen Wanderung zum Paterzeller Eibenwald (Tipp!) gestoßen sind.

Die Kapelle wurde 1618 vom Handelsherr Franz Füll erbaut, dessen Wappen an der Stirnseite zu finden ist. Pittoresk schmiegt sich die Klausnerwohung an das Gotteshaus. Bis 1968 wurde sie zuletzt von einer Lehrerin bewohnt. Fotos vom Inneren der Klausnerwohnung und Kapelle  findet ihr hier.

Von Eresing zurück nach Geltendorf gewandert

  • Von der St. Ulrich Kapelle wählen wir zunächst den Wiesenweg, Richtung Eresing. Nach Querung der Windacher Straße geht’s es auf dem Feld-Wiesenweg 350 Meter zurück nach Norden.

Zwischenstation beim Alten Wirt/Ersing:

  • Wo der Wiesenweg endet, geht es links in den Ort und zum „Alten Wirt“, der sich nördlich der Kirche an der Pflaumdorfer Straße befindet. Erst auf der Angerstraße nach links gehen, dann an der Kreuzung der Kaspar-Ett-Straße nach Norden folgen. Website  Alter Wirt (Link)
    Nach dem Essen der Pflaumdorfer Straße nach Nordosten 230 Meter bis zur Emminger Straße folgen.

Ohne Stop in Eresing rechts daran vorbei:

  • Wo der Wiesenweg endet, geht es recht an dem Silagebehälter vorbei, dann 170 Meter nach Norden zur Pflaumdorfer Straße. Hier links abgebogen und nach 60 Metern gleich rechts in die Emminger Straße nach Norden wandern.

Treffpunkt Emminger Straße:

  • Der Emminger Straße nach Norden folgen: Am östlichen Ortsrand von Eresing und dem Sportplatz vorbei, ist nach knapp 800 Metern erneut die Himmelsschaukel erreicht.
  • Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges biegen wir den Fußpfad nach Norden ab, der alsbald etwas ansteigt und 380 Meter teils durch etwas struppigen Untergrund nordöstlich über den Hügel führt. An der Klostermauer dem Weg weiter Richtung 340 Meter nach Norden folgen. (Alternativ rechtsherum gehen und an Abzweigung an der Klostermauer Links halten).

An der Abzweigung rechts befindet sich hinter den Bäumen der Kräutergarten, sowie ein weiteres Stückchen im Osten der Emminger Hof. Der Klostergasthof von St. Ottilien lässt von außen etwas an Charme vermissen. Während Corona hatte der Betrieb leider geschlossen. Die Beurteilungen im Web lassen jedoch auf ein durchschnittliches gastronomisches Erlebnis schließen.  Website Emminger Hof (Link)

  • Den Parkplatz von St. Ottilien findet ihr östlich vom Emminger Hof.
  • Zurück nach Geltendorf kommen wir links am Kräutergarten vorbei. Einfach den Weg geradeaus folgen, ein Stückchen weiter die Zufahrtsstraße nach Ottilien kreuzen und nach etwas mehr als einen Kilometer erreichen wir den Ausgangspunkt am P+R . Hoffentlich glücklich und zufrieden!

Wanderkarte St. Ottilien