Lichtreiche Wanderung von Frieding nach Andechs

Andechs ist genau das Gegenteil eines Geheimtipps, etwa eine Million Besucher zieht es jedes Jahr auf den Heiligen Berg bzw. in das fast genauso heilige Bräustüberl. Die meisten Besucher kommen mit dem Auto, doch ein wackerer kleiner Teil von Wanderern zieht es regelmäßig von Herrsching über das Kienbachtal oder Pähl nach Andechs. Ich mag den wiesenreichen Anmarsch über Frieding, der zu jeder Jahreszeit ein Genuss ist und das Klosterensemble mit dem barocken Kirchturm, welches schon von weitem das Ziel und die Richtung weist.

Seit meiner Kindheit bin ich diesen Weg unzählige Male gegangen, als Kind sogar noch häufiger als Erwachsener. Das Beste war dabei früher, dass ich an einem der Kioske für 50 Pfennige mir einen „Braunen Bär“ kaufen durfte, mein Lieblingseis. Andechs und die Wanderung dorthin sind bei mir also unglaublich positiv belegt. 🙂

Mit dem letzten Besuch haben wir auf das passende Wetter gewartet, einen strahlend schönen Wintertag! Der Weg vor uns: 9,1 Kilometer. Gemütlich also. Alternativ und viel, viel kürzer ist der Weg vom Erlinger Friedhof (3,8 Kilometer), den ich nicht beschrieben habe, den ihr aber als Tourenübersicht am Ende des Beitrags findet.

Abmarsch am Wanderparkplatz bei Frieding

Der Wanderparkplatz bei Frieding an einer markanten Gruppe von Bäumen kommt an schönen Tagen, trotz seiner Größe schon mal an seine Leistungsgrenze. Ab dem späteren Vormittag kommen die Fahrzeuge wie zum Gauschießen, nur dass der Einweiser fehlt. Mitgedacht. Die Gemeinde hat hier eine Hundekacka-Ver- und Entsorgungsstation eingerichtet. Sie wissen warum, denn Hundebesitzer mit ihren Zamperl sind hier nicht in der Minderheit. Unser Hund Pelle macht sich sogleich mit ein paar anderen Vierbeinern bekannt. Heute mit dabei: Gitta, ich und Michaela, von der auch das ein- oder andere Schöne Bild in diesem Beitrag stammt.

Es ist unkompliziert den richtigen Weg zu finden, denn jeder führt ihr irgendwie nach Andechs. Wollt ihr wie wir gehen, müsst ihr Euch an der Weggabelung gleich nach dem Parkplatz nach links halten und dem Feldweg 300 Meter südöstlich gehen, wo Euch ein Wanderwegweiser die Richtung weist.

Wir haben phantastisches Wetter erwischt. Der Schnee reflektiert so hell, dass wir die Augen kaum öffnen können. Einzelne Buchen stehen wie in einer Parklandschaft in der Landschaft und recken Ihre Äste in winterlicher Eleganz filigran in den blauen Himmel. *Klick*.

Der Weg verschwindet in den nahen Wald ein um nach 500 Metern schon wieder mal das Licht zu suchen. Das zeichnet auch die Tour aus, sie ist hell und freundlich, wenn uns auch links im Wald gut erhaltene Gedenkkreuze für „Christian“ und „Holgi“ innehalten lassen. Unsere Vorzeichen sind wohl heute glücklicher.

Die Andechs-Silhouette zwischen den Buchen kannst du suchen

Noch einmal, kurz, durchqueren wir lichte Buchen, bis wir die markante Silhouette von Andechs zwischen den Bäumen entdecken. Es war uns plötzlich so, als hätten wir das Anstoßen von Maßkrügen und das Lachen von Menschen gehört. Eine Eingebung? Der Weg ist klar, er führt gewunden, aber in seiner Richtung klar und deutlich in Richtung des Heiligen Bergs. Der Berg ruft also und unsere Schritte gehen wohl ein kleines bisschen schneller als vorher.

Nach 900 Metern biegen wir einmal kurz von unserem Feldweg nach links ab, da dieser alsbald eine Rechtskurve macht und auf die Autostraße nach Andechs stößt. Das wollen wir uns sparen, indem wir knapp 70 Meter nach Osten und bei nächster Möglichkeit wieder den Weg nach Süden einschlagen. Jetzt geht alles wie von selbst. Sowie man einen geteerten Feldweg am Stadel erreicht, einfach auf die mittlerweile schon sehr nahe Kulisse des Berges zusteuern. Der schnellste Weg hinauf führt über den Parkplatz.

Des Pilgers erstes Ziel: Zuerst zur Andechser Klosterkirche

Am höchsten Punkt des Berges erhebt sich die würdige Klosterkirche von Andechs,  die neben Altötting der zweitgrößte Wallfahrtsort von Bayern ist. Den Eingang findet man unmittelbar am Sockel des Turmes, von dessen Turm man einen unglaublichen Blick über das gesamte bayerische Oberland und den Ammersee bei Herrsching hat. Leider wurde der Aufstieg irgendwann mal verboten, sodass ich hier nur noch in Erinnerungen schwelgen kann.

360° Foto der Klosterkirche

Der Kirchenraum explodiert geradezu von barocken Schmuckelementen, in dem die Reste von schwerem Weihrauch hängen. Es ist hier wie im Bienenkorb. Die Besucher kommen und gehen.

Andechs und Klosterkirche

Die Geschichte von Andechs reicht über tausend Jahre zurück. Auf dem markanten Moränenhügel zwischen Ammersee und Starnberger-See hatten einst vom 12. und bis Mitte des 13. Jahrunderts  die Grafen von Andechs ihre Stammburg, von wo sie ihren Geltungsanspruch nach Süden bis zum Brenner und hinauf nach Oberfranken ausgedehnt hatten, bis die Adelslinie letztendlich ausgestorben ist.
Mit dem Andechser Reliquienschatz begann ab dem 13. Jahrhundert der Aufstieg des heiligen Berges als Wallfahrtsort.  Die im Kern gotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert wurde zunehmend erweitert. Seit dieser Zeit betreuen die Benediktiner die nach dem Kredo „ora et labora – bete und arbeite“ die Wallfahrt.

Der achteckige Turm stammt aus dem 16. Jahrhundert, bis etwa 100 Jahre später die Kirche überbordend im Rokoko umgestaltet wurde.

Das Benediktiner-Kloster ist heute ein Wirtschaftsbetrieb, in dem Mönche und über 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „für eine nachhaltige Entwicklung des Klosters und seiner Wirtschaftsbetriebe“ arbeiten, da sie selbst keine Kirchensteuermittel erhalten. So wie man auf der Website des Klosters lesen kann.

Des Pilgers zweites Ziel: Ins Bräustüberl oder den Biergarten

Wir haben eigentlich noch nie ein verweistes Bräustüberl erlebt, schon häufiger jedoch einen leeren Biergarten, wenn einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht und man mit nassem Stoff auf der Haut sich im Wappensaal oder Gewölbe zu trocknen versucht. Mit diesem Besuch weihen wir die Biergartensaison besonders früh ein und das fast ohne Wartezeit. Wir holen uns ein dunkles Radler und Brotzeit, was wir auf die Bräustüberl-Terrasse tragen und genießen den Blick über die weißen Felder. Die Stimmung ist gelöst. Was die Sonne für eine Kraft hat.

Der einzige Wehrmutstropfen: Natürlich hat das Standl mit seinen Köstlichkeiten geschlossen.

Variation von Rückweg

Natürlich könnte man den gleichen Weg nach Frieding zurückgehen, wie man gekommen ist, aber hey, ist doch langweilig! Gleich ist lediglich der Rückweg über den Parkplatz und ein Stück auf dem Teerstrasserl, auf dem wir auf dem Hinweg gegangen sind. Auf dem Weg geht es nun etwa 3 Kilometer gewunden und zwischenzeitlich leicht ansteigend nach Nordosten. Wenn man den Blickkontakt mit dem Turm von Andechs verliert, gewinnt der Weg den Charakter einer langgezogenen Waldwiese, bis man wieder freies Feld erreicht.

Wenn man einen Heustadel erreicht, scharf links abbiegen und den leicht ansteigenden Weg folgen, der in einem nahen Waldstück verschwindet. Nach 250 Metern ist man beinahe wieder zurück. Einfach dem Weg folgen, bis man den Parkplatz erreicht.

Fazit:

Wirklich schöne Wanderung für jede Jahreszeit mit einem mehr als lohnenden Ziel. Die Brotzeit schmeckt auf jeden Fall besser und das Gewissen ist reiner, wenn man sich vorher und nachher die Kalorien – zumindest etwas – abtrainiert.

Kleine Orientierungshilfe

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Von Frieding nach Andechs - 8,91 Kilometer

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Von Frieding nach Andechs - 8,91 Kilometer: 47.986705, 11.197300
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Andechs Schnupperrunde 3,81 Kilometer

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Andechs Schnupperrunde 3,81 Kilometer: 47.973411, 11.190734

 

 

 

 

 

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