Wanderung von Herrsching über Ramsee nach Andechs

(Wanderung von (8,1 und 11,5 Kilometer) Andechs ist nicht nur ein Ausflugsziel, es ist eine Institution. Ein Berg mit malerischem Kirchturm als Zielmarker und einem Biergarten in allernächster Nähe. Eigentlich sind wir noch nie mit dem Auto bis nach Andechs gefahren, sondern haben den Besuch immer mit einer Wanderung verbunden. Das soll auch so bleiben, weil wir eher Routen bevorzugen, die der Masse – so gut es eben geht – aus dem Weg gehen. Dies war bislang auch das Ausschlusskriterium für eine Wanderung ab Herrsching, die scheinbar nur durch durch die Allerweltstour durch das Kiental nach Andechs führen kann.

Die alternative Rundwanderung ist ein „Geheimtipp“, denn der Anmarsch gönnt sich den Luxus ein Stück entlang des Ammersees zu führen, um dann – etwas ausholend – direkt Andechs von Westen her anzusteuern. Es reicht, wenn man das Kiental beim Rückweg streift.

Das erwartet euch auf der Wanderung nach Andechs:

  • Viel Weite am Ammersee. Spaziert zuerst an der Promenade in Herrsching mit einer Seebrise am Wasser entlang.
  • Freundliche Laubwälder. Mittendrin das Denkmal für Ramsee, einem Ort von ursprünglich sechs Häusern und einer kleinen Kirche, von dem nichts mehr zu sehen ist und Ursprung einer schaurigen Sage.
  • Der Weg ist großteils einfach zu gehen. Allerdings müsst ihr am Uferweg zwei kleine Bachläufe überwinden, in dem ihr von Stein zu Stein steigt.  In unserem Generationenausflug hat es jeder geschafft. Bei Regen die Schuhe ausziehen oder diesen Weg meiden. (Fotos zur Selbsteinschätzung unten im Beitrag). Wanderung am See entlang und zurück über das Kiental 11,5 Kilometer, Alternativer Hinweg und Rückweg ausschließlich über das Kiental 8,1 Kilometer. Weil „Heiliger Berg“, sind auch 150 Höhenmeter über den Streckenverlauf zu überwinden.
  • Die sehenswerte Wallfahrtskirche mit dem markanten Zwiebelturm, in der es meist schwer nach Weihrauch riecht und die ein Musterbeispiel des süddeutschen Rokoko ist.
  • Natürlich der Biergarten von Andechs. Wir lieben das dunkle Bock-Radler und eine gute Brotzeit. Deftig, bayerisch, authentisch. Hier kommen alle zusammen.

Anfahrt nach Herrsching mit Auto oder S-Bahn

Herrsching liegt etwa 40 Kilometer südwestlich von München und sowohl mit dem Auto als auch mit der S-Bahn ohne Probleme erreichbar:

Anfahrt mit der S-Bahn: Mit der S8 braucht es vom Hauptbahnhof München etwa 50 Minuten nach Herrsching.
Anfahrt mit dem Auto: Über die Autobahn A96 (Lindau) dauert es ab München Westpark zwischen 35 und 50 Minuten. Parkplätze gibt es in Herrsching einige. Zum Beispiel Am Landungssteg nahe dem Bahnhof oder Am Ländtbogen 14B unmittelbar an der Seepromenade.

Losgewandert über die Seepromenade nach Süden

  • Unsere Wanderung startet offiziell am Dampfersteg von Herrsching. Vom Bahnhof erreicht ihr das Wasser über die Straße „Zum Landungssteg“, die ihr vom Bahnhofsvorplatz im Osten/linker Ausgang, aus nach Süden spaziert. Am Ende in die Seestraße rechts abbiegen. Nach kurzen 400 Metern weht euch bereits ein Lüftchen um die Nase.

Der Ammersee ist Bayerns drittgrößtes Gewässer, der Steg ragt entsprechend bossmäßig in das Wasser. Vier Schiffe der Bayerischen Seenschifffahrt legen hier im Sommer an, davon auch die beiden Raddampfer „Herrsching“ und „Dießen“. Die Wasserfläche wirkt hier auf dem ersten Blick noch weiter als beim Starnberger See. 5 Kilometer sind es von hier ans andere Ufer. Im Seerestaurant „Seehof“ kann man bei schönem Wetter das wuselige Treiben am Steg und der Seepromenade beobachten. Knapp 150 Meter weiter nördlich ragt der Kurpark auf einer kurzen Landzunge in den Ammersee. Mittendrin das pittoreske Kurparkschlösschen des Portrait- und Landschaftsmalers Ludwig Scheuermann, in dem Kulturveranstaltungen stattfinden.

 Am Ammersee entlang zum verschwundenen Ort Ramsee gewandert

  • Vom Dampfersteg spazieren wir 700 Meter auf der Seepromenade nach Süden (links), welche übrigens die längste Uferpromenade Deutschlands ist. Aber nur ein Stück. Ein breiter Kiesstrand trennt den Spazierweg vom Wasser. Menschen sitzen auf den Steinen und genießen Sonne und Blick. Bootshäuser und Stege lassen erahnen, wie eng der Ort Herrsching mit dem See verbunden ist. Gastronomieangebote hier und da, und ein Minigolfplatz.
  • Hinter dem Herrschinger Segelclub wird der Weg rustikal. Auch wenn er auf der Karte noch mit „Promenadenweg“ eingezeichnet ist, trifft es Naturweg besser. Etwa 2 Kilometer folgen wir ab hier dem ungeteerten Ufer zwischen See, Schilf und den Grundstücken. Es ist hier eine Wonne zu wandern. Die Menschen sind hier weniger geworden.

Spannend wird es beim ehemaligen Sägewerk Am Mühlfeld , das fast ans Wasser heranreicht. Roderich Fick, einer von Hitlers Lieblingsarchitekten – spezialisiert für regionaltypisch-konservative Bauten und Planer einiger der Gebäude am Obersalzberg, bezog 1920 mit seiner Familie das Anwesen.

  • Dort wo die Wasserführung des Mühlrads in den Ammersee plätschert, liegen Steine, über die man auf die andere Seite des Bachs gelangt. Auch wenn nicht tief, können die flachen Steine bei länger anhaltendem Regen überspült werden. Unsicher? Dann nicht lange rumquatschen und einfach die Schuhe ausziehen, bevor ihr mit nassen Socken weiter nach Andechs laufen müsst. Entscheidet ihr, was ihr euch zutraut.
  • 420 Meter weiter, wo der kleine Mühlthalbach in den Ammersee mündet, dürft ihr noch einmal auf Steinen über einen Wasserlauf hopsen. Die Steine sind hier nicht so gut gangbar wie an der Sägemühle. Trotz seniorer Begleitung ist die ganze Familiengang trocken auf die andere Seite des Bachs gekommen. Auch weil wir etwas Hilfestellung gegeben haben. Wenn ihr evtl. schon die Schuhe ausgezogen habt, dann vielleicht auch gleich den Rest. Auf der nahen Kiesbank kann man sein Handtuch ausbreiten und einen Schwumm im Ammersee machen.
  • Nach 1,2 Kilometer ab dem Mühlthalbach an der zweiten Wegabzweigung links nach Osten abbiegen und 150 Meter bis zum Parkplatz an der Hauptstraße (Wartaweil) wandern, an der es 220 Meter weiter nach Süden geht. Etwa bei Hausnummer 39 dem Wanderweg auf der anderen Straßenseite hangaufwärts folgen. Der ehemalige Ort Ramsee ist nach 600 Metern sanften Aufstieg durch einen freundlichen Laubwald erreicht.

Ramsee, der verschwundene Ort

Erst sieht man am Wegrand eine Infotafel, dann etwas weiter eine steinerne Säule mit der Inschrift: „Hier stand die Ortschaft Ramsee mit Kirchlein St. Nikolaus. Abgebrochen 1860 resp. 1864.“ Wo heute ein Wald, breitete sich einst die Flur mit Wiesen und Feldern aus.

Erstmalig 1223 erwähnt, bestand Ramsee im 16. Jahrhundert für eine kurze Zeit aus bis zu acht Höfen, 1800 aus fünf Bauernhöfen. Mit der Säkularisation begann der Untergang von Ramsee. Die Betriebe wurde verkauft. 1849 brennen aus ungeklärten Gründen drei Gebäude ab. Der letzte Besitzer verkauft die Reste von Gut Ramsee an den Staat, der die Flur aufforstet. Die Kirche wird als letzte 1865 abgerissen. Die Glocken finden sich heute in der Andechser Friedenskapelle.

Von Ramsee nach Andechs wandern

  • Richtung Andechs geht es auf der geraden Schwellbrückenstraße etwa in südöstlicher Richtung weiter. Der heutige Forstweg war einst die Verbindung nach Erling unweit von Andechs, der nach 700 Metern auf die „Dreifaltigkeitsstraße“ stößt, was auf einen alten Pilgerweg hinweißt. Hier biegen wir links ab und queren die Brücke, über den tief eingeschnittenen Mühlbach, der einst die Ramseer Flur begrenzte.

Die Sage vom unheimlichen Schäuferlmann

Bestimmt ist es dieser Ort, den ihr keinesfalls Nachts und nie ohne Weihwasser überqueren sollt! Pater Emmeran Heindl notiert 1895 die Sage, dass der „Schäuferlmann“, unter einer Brücke nahe Ramsee umgehen soll. Der unheimliche Wiedergänger hat eine Schaufel in der Hand, die er jedem derbe über den Scheitel zieht, der nicht wenigstens ein paar Tropfen Weihwasser mit sich trägt. Emmeran Heindl schrieb weiter, dass ein Bauer vom Schäuferlmann bis vor sein nahes Anwesen verfolgt wurde und kurz vor der schützenden Heimstatt doch noch einen Schlag erhalten hatte, so dass er am „achte Tage später eine Leiche war“. Klingt wie ich finde sehr glaubwürdig! Obacht, da es hier heute noch Sichtungen der unheimlichen Art gibt!

  • Nach schneller Überquerung der Brücke wandern wir 300 Meter die leicht ansteigenden Forststraße entlang, bis am Ende eine Rechtskurve links ein ursprünglicher Karrweg abzweigt, in den wir einbiegen. Wenn ihr bald das Rauschen von Autos hört, liegt das an der St2067, die Herrsching mit Erling verbindet und geradeaus vor uns liegt.
  • Bevor das erste Mal die Zwiebelspitze des Andechser Kirchturms auftaucht, steigt der Hangweg noch einmal 300 Meter an, bis wir oben angekommen. Am Zaun links abbiegen.  Andechs ist nun zum Greifen nahe!
    Zwischen uns und dem heiligen Berg liegt jetzt nur noch das Siedlungsgebiet von Erling und das Kiental. Der Wiesenweg entlang der Hangkante führt zunächst 200 Meter nach Norden, ehe er nach einem Bogen auf den Hörndlweg aus den Kiental herauf stößt. Hier wenden wir uns zunächst nach Süden, um gleich nach dem ersten Haus links in den absteigenden Wartaweiler-Weg einzubiegen.
  • Das tiefe Kiental vor uns wird über eine Brücke gequert. Auf der anderen Seite entweder die Treppenstufen ansteigen, oder den Wanderweg nach Andechs nehmen. (Wegweiser beachten). Ein letzter Anstieg und weitere Treppenstufen, bis Glockenturm und Klosterkirche das Weihwasserziel markieren.  Der Biergarten befindet sich hinter dem nächsten Gebäudetrakt.

Andechser Bräustüberl und Biergarten

Ein Wallfahrtsort wie Andechs zieht viele Pilger an, die jede Menge Kohldampf und Durst mitbringen. Das Andechser Bräustüberl pflegt daher nach eigenem Bekunden „ganz bewusst seine jahrhundertealte Tradition als Pilgergaststätte“. 30.000 Wallfahrer besuchen jährlich Andechs. Eine Wechselbeziehung, bei der das Bier eine ganz wesentliche Rolle spielt. Die Geschichte des Klosters und seiner Wallfahrt hätte sich ohne die Brauerei wohl so nicht entwickelt.

Im Bräustüberl oder im Biergarten ist bei jedem Wetter der Teufel los. 1000 Aussensitzplätze werden angeboten, die schnell zu wenig sind. Einfach nur ein bisserl warten, der nächste Tischwechsel kommt bestimmt bald. Die Küche ist bayerisch rustikal. Es gibt Warmes vom Grill, wie Schweinshaxe, Rollbraten oder Leberkäse oder alles für eine deftige Brotzeit mit Brezn, Obazdn und jede Menge Wurstsorten. Die Preise gehen in Ordnung.

Tipp: Die weißen Sonnensegeln im Biergarten reflektieren den Schall, so dass es saumäßig laut wird. Lieber einen anderen Platz suchen.

Adresse: Bergstraße 2, 82346 Andechs
Öffnungszeiten: Ganzjährig von 10.00 – 20.00 Uhr
Geschlossen am 24./25. Dezember,  Aschermittwoch, Karfreitag
Website des Andechser Bräustüberls

Wer sich lieber am Tisch bedienen lässt, kann alternativ den nahen Klostergasthof  Andechs/Bergstraße 9 besuchen. Erfahrung haben wir mit diesem Gastroangebot allerdings keines. Website Klostergasthof Andechs

Von Andechs über das Kiental zurück nach Herrsching wandern

  • Zurück nach Herrsching braucht man etwa halb so lange wie beim Hinweg. Von der Kirche geht’s zunächst 50 Meter auf dem gleichen Weg zurück, wie wir gekommen sind. Dann rechts nahe der Kapelle rechts abbiegen und der Klostermauer folgen. Besser am Wiesenpfad oben an der Hangkante bleiben und nicht dem Ruf des Kientals folgen. Dahin kommt ihr noch, nämlich nach 1 Kilometer. Vorher dürft ihr aber noch das tolle Panorama von Andechs von der Rückseite beachten, wo es keinen Parkplatz gibt, sondern nur malerische Weiden.
    Der Weg ins Kiental führt am Waldrand in einem Linksbogen an der ehemligen Burg Andechs ins Bachtal.

Andechs: Die Alte Burg

Noch bevor die Burg auf dem heutigen Klosterberg gebaut wurde, gab es eine Burganlage, die um einiges älter war und vermutlich auf eine Besiedelung schon in der Bronzezeit hinweist. Auf dem markanten Bergsporn zwischen Ochsengrabens und Kiental diente die „Alte Burg Andechs 2“ den Grafen von Dießen als Herrschaftssitz um das Ostufer des Ammersees zu beherrschen. Nachdem die Dynastie 1248 ausstarb, wird davon ausgegangen, dass die Wittelsbacher die Burg schleifen ließen. Auf der Geländerrelieffkarte (Link) des Bayernatlas sieht man noch heute ganz genau den 250 mal 400 Meter große Burgplatz mit den vorgelagerten Grabenanlagen.

  • Im Kiental begegnen einem auf der Kientalstraße die Wanderer, denen wir bislang gut ausgewichen sind. Nach einem Kilometer tauchen die ersten Häuser von Herrsching auf. 500 Meter weiter, unterhalb der Kirche St. Martin wird die Kientalstraße zur Andechser Straße, der wir 250 Meter bis zum Gasthof zur Post folgen (Schönbichlstraße kreuzen). Den S-Bahnhof erreicht man z.B. über die Bahnhofstraße, nördlich der Kreuzung Mühlfelder-/Mühlfeld-Straße.

Wanderkarte von Herrsching nach Andechs

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