Forst Kasten: Wald und Würm-Spaziergang über Buchendorf

(Wanderung 5,2 und 9,8 Kilometer) Wo im Westen der Münchner Waldgürtel nahe dem Würmtal bei Stockdorf endet, gibt es Überraschendes zu entdecken. Natur und Geschichte knallen in enormer Dichte aufeinander, die uns im Herbst obendrauf noch Knaller-Fotomotive spendiert. Dass unser Ziel so nahe vor der Stadt München liegt, macht diese Tour um so spannender, zumal wir uns einen Sonntag ausgesucht haben, an dem die Autobahnen überfüllt waren, da alle in die Berge gefahren sind.  Kann man machen, muss man aber nicht, um einen guten Tag zu haben.

Was macht die Tour im Forst Kasten/an der Würm zu einem Erlebnis?

  • Entspanntes Wandern durch den Forst Kasten und entlang der Würm. Die Wege sind insgesamt recht gut.
  • Es klappert das neue alte Wasserrad bei Gauting und sieht richtig gut aus.
  • In Gauting gibt es tatsächlich ein Schloss, Park und Remise Fußberg. Malerisch am Fluss gelegen.
  • Einkehrmöglichkeiten im Biergarten und Restaurant Forst Kasten ( ~ März/April bis ~ Ende Oktober), in Gauting das Ristorante Gennaro mit schöner Sitzgelegenheit im Schlosspark Fußberg oder in Buchendorf den Landgasthof Haller
  • Spazieren auf der Römerstraße, bestaunen der guterhaltenen Keltenschanze bei Buchendorf und der Preysingsäule, die an den Jagdunfall des Großkanzlers erinnert, als der Forstenrieder Park noch königliches Jagdrevier war.
  • Die Kröte: Kurze Durchquerung der Hochhaussiedlung am Schlosspark und der Weg von der Würm an der Nebenstraße zum Ortstand. Dafür ist der Rest prima.
    Alle aufgeführten Punkte beziehen sich auf die 9,8 Kilometer Tour ab Forst Kasten! – (Nach oben)

Anfahrt mit dem Auto nach Forst Kasten/der S-Bahn nach Stockdorf

Anfahrt mit dem Auto: Von München z.B. über die Autobahn A95 bis Ausfahrt Forstenried/Fürstenried. Die Neurieder Straße nach Westen und über die Umgehungsstraße an Neuried entlang auf die Gautinger Straße. (Google Map) Die Abzweigung zum Parkplatz Forst Kasten kommt nach 3 Kilometer rechterhand im Wald. 10 Kilometer/13 Minuten ab dem Autobahnbeginn am Luise-Kiesselbach-Platz.

Anfahrt mit der S-Bahn: Mit der S6 nach Tutzing/Starnberg bis zum Bahnhof Stockdorf. Fahrzeit etwa 30 Minuten.

Dir vorgestellte lange Runde wird um etwa 2 Kilometer verlängert und nicht ab dem Bahnhof Stockdorf beschrieben. Alternative: den Weg einfach bis zum S-Bahnhof Gauting zu gehen. An Forst Kasten, Buchendorf mit Römerstraße und Keltenschanze kommt man dann allerdings nicht vorbei, da sich die Tour auf den Wegabschnitt an der Würm beschränkt. Zur Orientierung findet ihr aber am Ende des Beitrags Karten mit den verschiedenen Wegvarianten. (Nach oben)

Losgewandert: Vom Waldbiergarten Forst Kasten an die Würm

  • Vom Parkplatz zum ehemaligen Forsthaus im Westen sind es nur wenige Meter. Seit 1899 werden hier Brotzeiten an Wanderer verkauft, woraus sich der bestehende Biergarten entwickelte. Mit einer Einkehr belohnen wir uns bei der Rückkehr. Rechts an der Wirtschaft vorbei biegen wir an der nächsten Weggabelung nach links ab und folgen der geschotterten Forststraße halbrechts dem Gautinger Geräumt.

Forsthaus Kasten liegt im 840 ha großen gleichnamigen Waldgebiet, der auch Stiftungswald, oder Heiliggeistwald genannt wird. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts befindet sich Forst Kasten im Besitz der „Heiliggeistspital-Stiftung“, dessen Vermögen heute von der Landeshauptstadt München verwaltet wird.

Der Erlös aus dem Forstbetrieb wird zum Erhalt des Heiliggeistspitals und „ausschließlich und unmittelbar gemeinnützig für mildtätige Zwecke“ genutzt. Wer in der Gastronomie von „Forst Kasten” Speis und Trank kauft, zahlt außerdem automatisch 10% des Preises an die„Heiliggeistspital -Stiftung“.

  • Kerzengerade geht es ziemlich genau 1000 Meter durch den schönen Mischwald, der im Herbst im herrlichen Gold leuchtet. Wir folgen dem Weg nach Grubmühl (Wegweiser) nach rechts, der leicht hangabwärts einen weiten Linksbogen beschreibt. 300 Meter weiter erreichen wir den Waldrand, 100 Meter weiter die Fahrstraße zwischen Stockdorf und Gauting, die wir überqueren. Gegenüber, halbrechts biegen wir in die Anliegerstraße „Grubmühl“ ein, wandern 150 Meter weiter bis zur Würmbrücke (Nach oben)

An der Würm flussaufwärts zum Schloss Fußberg bei Gauting spaziert

Das Würmtal bei der Grubmühle hat eine Besiedlungshistorie, die bis in die Hallstattzeit zurückführt. Die Geschichte der Grubmühle war seit ihrer ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1399 sehr bewegt.

  • Nach der Brücke biegen wir links ab und halten uns nach der ersten Abzweigung 150 Meter weiter links. Der Weg folgt dem Lauf der Würm 800 Meter flussaufwärts bis zur Brücke. Baumriesen säumen den Fluss, an dessen Ufer es sich prima spazieren lässt. Was heute gepflegte Kulturlandschaft ist, war bis ins 19. Jahrhundert ein Gewirr vieler Würm-Nebenarmen und Inseln. Einige trockene Kolke (Strudellöcher) rechts vom Weg zeugen von dieser Zeit. Die Vertiefungen sind heute Schutzbereich für seltene Pflanzen und Tiere.
  • Die Brücke kümmert uns nicht. 750 Meter weitergegangen. Im Sommer lädt die Würm-Liegewiese zum Verweilen und zu einer Abfrischung im Fluss ein. Fluss und Weg winden sich. Wenn die Würm plötzlich einen starken Haken um den Weiher herum schlägt, haben wir es fast geschafft. Schloss und Park Fußberg sind nicht mehr weit! (Nach oben)

Schloss Fußberg in Gauting

Das namengebende Rittergeschlecht der Fuß klingt bisserl nach Augsburger Puppenkiste.  Unter den Wittelsbachern waren das Geschlecht aber Ministerialbeamte, welche die im 12. Jh. errichtete kleine Wasserburg zur Verteidigung des Würmtals verwalteten. Ab dem 14. Jahrhundert ging Schloss Fußberg durch die Hände des Klosters Andechs, Benediktbeuern, Wessobrunn, dem Hochstift Freising, Adels- und Patrizierfamilien. Im Jahr 1560 wurde Fußberg Mittelpunkt einer Hofmark und blieb dies bis zur Säkularisation 1803. Das heutige Schloss hat man im 18. Jh. über dem Wiederaufbau von 1721 errichtet, der nach den Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg notwendig wurde.

In Gauting zum Wasserrad gewandert

Gleich hinter dem Schlosspark schüttelt es uns. Die Hochhaussiedlung „Am Schlosspark“ wurde auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Papierfabrik Haerlin gebaut. Schön ist es nicht, eher eine Watschn ins Gesicht.

  • Am Parkplatz vor dem Schlosspark folgen wir dem Fußweg nach Süden. Der Fußweg unterquert dreimal ein Gebäude (Hausnummer 18/22/21) bis wir den Wendekreis der Straße „Am Würmufer“ erreichen. Alternativ kann man auch auf die andere Würmseite beim Hausnummer 34 wechseln und dort am Fluss entlang nach Süden gehen. Bei nächster Gelegenheit auf die andere Würmseite wechseln. Vereinigung der Wegstrecken am Wendekreis. Dieser Weg ist etwas schöner.
  • Nach 100 Metern auf der westlichen Flussseite sehen wir das Wasserrad am Lederersteg, das bis 1967 20 Meter unterhalb des Standortes die Maschinen der Haerlinschen Papierfabrik antrieb. Da es ohne Wehr und eigenen Kanal auskommen musste, ist es breiter als andere Wasserräder. (Nach oben)

Vom Lederer-Steg nach Buchendorf spaziert

Wir wechseln auf dem Lederersteg auf die östliche Würmseite.  Höre ich da was klappern? Eigentlich nicht. Das Mühlrad wurde 2018 nach längerer Restaurantionszeit wieder ins Wasser gesetzt. Es klappert allenfalls die Phantasie.

  • Auf der Ledererstraße geht’s am Pfarrweg und einigen netten Ansichten der Pfarrkirche St. Benedikt vorbei zum August Hörmann-Platz. Wir überqueren die Münchner Straße und können am seelenlosen Platz gleich bei Matratzen Concord und der Kreissparkasse nichts Schönes erkennen.
  • Augen zu und links in die Buchendorfer Straße eingebogen, die nach Osten führt. 400 Meter sind es zum Buchendorfer Berg. Nach kurzen Anstieg biegen wir oben angekommen links in die Schrimpfstraße und danach gleich rechts in den Römerschanzweg ein. 170 Meter sind es bis zu den letzten Siedlungshäusern, und 900 Meter auf der ehemaligen Römerstraße bis an die kleine Neurieder Straße in Buchendorf .
  • Die Keltenschanze erreichen wir, indem wir die Neuriederstraße überqueren und der Zufahrt „Zur Keltenschanze“ folgen. Rechts am Spielplatz vorbei, tauchen bald linkerhand die Wälle des Denkmals auf. (Nach oben)

Kelten & Römer in Gauting und Buchendorf

Die Geschichte von Gauting reicht bis in die römischen Kaiserzeit um das Jahr 15 v. Chr. zurück. „Bratananium“ war eine Straßenstation mit Siedlung an der Kreuzung der Hauptverbindung zwischen Salzburg und Augsburg und der Straße nach Süden, die nach Bregenz über Kempten führte. Der strategisch wichtige Übergang über die Würm war zusätzlich militärisch gesichert. Zahlreiche Ausgrabungen belegen die Wichtigkeit als regionales Zentrum

Noch Älter ist die Keltenschanze bei Buchendorf nahe der Römerstraße etwa 1,3 Kilometer nördlich, die als eine der am besten erhaltenen Viereckschanzen Süddeutschlands gilt. Die Entstehung der keltischen Anlage wird auf die Zeit von 500 bis 15 v. Christus datiert.

Während des Krieges waren an dieser exponierten Stelle 1945  Scheinwerfer der örtlichen Flak in Stellung gebracht, um die Bomberpiloten im Anflug auf München zu blenden und den Abschuss zu ermöglichen. (Nach oben)

Erinnerung: Da ich in Fürstenried aufgewachsen bin, war die Römerschanze das Ziel der ersten Tour, die ich mit meinen Rad ohne die Eltern durch den Forstenrieder Park unternommen habe. An mein Alter kann ich mich nicht mehr erinnern, nur dass das Fahrrad von meinen Vater und ich dafür etwas zu klein war. Auf einen Esbit Ofen haben wir uns eine Suppe gemacht, die nicht richtig warm wurde, aber mächtig nach Abenteuer geschmeckt hat. Heute sitzen Gitta und ich auf den Wällen und wir blicken nach Süden, wo sich die Silhouette der Berge abzeichnet. Die Welt ist mittlerweile kleiner geworden, weniger mystisch, dafür etwas melancholischer.

Weiter zur Preysingsäule im Wald und zurück nach Forst Kasten

  • Am nördlichen Eck der Keltenschanze ist es nur ein Katzensprung zum Feldweg, auf dem wir erst 300 Meter nach Osten in Richtung des Waldes, dann 200 nach Süden gehen. Am dem Forst vorgelagerten Wäldchen wenden wir uns erneut nach Osten und folgen dem Forstweg knapp 500 Meter in den Forstenrieder Park.
  • Links in das Preysing-Geräumt abgebogen, erreichen 400 Meter an einen einsamen Obelisken, der an einen Jagdunfall erinnert.

Die Preysingsäule im Forst Kasten

Forst Kasten von 1715 bis 1745 Teil des riesigen Hirschjagdparks, in dem die kurfürstliche Gesellschaft aufwändige Parforcejagden (Treibjagden) veranstaltete.

1735 hatte Max Emmanuel von Preysing –  Oberststallmeister, Oberdirektor der Finanzen – und somit einer der höchsten Beamten im Staat einen schweren Reitunfall. Er stürzt aus dem Sattel, bleibt im Bügel hängen und wird vom Pferd mitgeschliffen. Aus Dank für die Genesung stiftete Kurfürst Karl-Albrecht an der Stelle des Unfalls Ecke Preysing Geräumt/Neurieder als Dankbarkeit und zu Ehren der Muttergottes den Obelisken.

  • Zurück nach Forst Kasten folgen wir weiter dem Preysing Geräumt nach Norden. In einem Kilometer wartet der Biergarten. Eine gute Gelegenheit die Tour ausklingen zu lassen. Wir haben das mit einer Russn-Maß gemacht. (Nach oben)

Wanderkarten zur Forst Kasten-Tour

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