Rundwanderung um die König Ludwig Gedenkstätte bei Berg/Starnberger See

(Wanderung, 2,2  und 9,2 Kilometer) Es gab eine Zeit, da hieß der Starnberger See noch Würmsee und König Ludwig sah lieber auf das Wasser, dachte lieber an die Musik von Wagner oder seine Bauvorhaben, als an die Regierungsgeschäfte. Wir waren in Berg und haben die Gedenkstätte an jenem Ort besucht, an dem der Märchenkönig am 13.06.1886 mit nur 40 Jahren in den rätselhaften Tod ging. Nicht versäumen solltet ihr weiter am Starnberger See nach Norden zu Spazieren, und einen Bogen über das Manthal schlagen. Bestimmt hat hier König Ludwig auch die ein oder andere Runde gedreht, denn die Landschaft ist hier einfach toll und ziemlich überraschend. Nicht nur der Seeblick ist demnach genießenswert, sondern auch die Hinterstube.

Wir waren zuerst an einem sehr kalten Dezembertag, dann mit lieben Freunden unterwegs. Freuen uns schon auf die Tour im Frühling!

Das erwartet euch auf dieser Wanderung:

  • Schlosspark Berg mit der König Ludwig Gedächtniskapelle und dem Kreuz, welches an an seinen Todesort erinnert
  • Entlang der Seestraße mit vielen tollen Villen
  • Wald, Wiese, Wasser. Wäre ja auch langweilig, wenn es nicht genug Abwechslung geben würde
  • Einkehr im Café Frühtau in Berg. Tolle selbstgebackene Kuchen!

Anfahrt mit dem MVV oder dem Auto nach Berg am Starnberger See

Anfahrt mit der S-Bahn: Mit der S6 bis Starnberg, von dort weiter mit dem Bus 961 bis Berg, Grafstraße. Die Tour einfach etwas früher starten. Von München sind es etwas 1 h 10 Minuten. Ab April kann man auch sehr gut mit dem Schiff nach Berg fahren, was den Genuss der Tour definitiv erhöht. Zu Website der Seenschiffahrt / Starnberger See

Anfahrt mit dem Auto: Vom Luise-Kiesselbachplatz sind es bis nach Berg knapp 24 Kilometer oder 25 Minuten. Auf der Autobahn A95 Richtung Garmisch und dann am Dreieck Starnberg eben dahin abbiegen. An der Ausfahrt Percha abfahren und auf der Berger/Münchner Straße nach Süden folgen.

Nach dem Ort Berg rechts in die Assenbucherstraße und weiter bis zum Parkplatz am Parkweg/Berg fahren. Nahe der Bootswerft Simmerding.  Parkalternative „Berg 2“: Die Idee sich hier zu platzieren haben eine Menge Besucher. Deswegen entweder früher kommen oder versuchen, unterhalb des Anwesens an der Assenbucherstraße 12 noch einen Stellplatz zu bekommen.
Parkalternative „Berg 3“: Parkplatz in Berg zwischen Waldstraße und Mühlgasse. Parkalternative „Hinterland“: Wenn alle Stricke reißen oder weil ihr euch lieber vom Hinterland dem See nähern wollt, bleibt noch Parkplatz an der Kreuzung Sattlerfeld /Bachjägerweg östlich der Landstraße.

Durch den Schlosspark zur König Ludwig Gedenkstätte und Votivkapelle

Das stattliche Eisentor am Parkweg bietet uns südlich von Schloss Berg Eintritt in die Anlage. Der kürzeste Weg zur König Ludwig Gedenkstätte geht 400 Meter durch den lockeren Mischwald. Einfach der Beschilderung folgen. Wir wandern aber lieber am Wasser entlang – zumindest wenn der Wasserstand es zulässt. Den nahen See erreicht man über den Fusspfad gleich links. Cockerpoo Pelle freut sich. Das Bade- und Strandverbot für Hunde gilt nur während der Saison vom 15.5. bis 15.09.

Obwohl jeder Bürger laut der Bayerischen Verfassung (Artikel 141, Absatz drei) das Recht auf Zugang zu den Naturschönheiten Bayerns hat, also auch zu den Seen, ist das gerade am Starnberger See nicht überall uneingeschränkt möglich. Hier aber schon. Kieselstrand. Bei klaren Wetter heben sich die Berge klar vom Himmel ab.

Seit 1887 kennzeichnet das Kreuz im See jene Stelle, an der König Ludwig II tot im Wasser gefunden wurde. Im Dezember schmückte noch eine weißblaue Schleife das Denkmal. Heute ist es verschwunden. Bis hierher war es eher ein Katzensprung. Von Schilf eingesäumt steht das Kreuz im Wasser und lässt uns innehalten. Was wäre Bayern ohne diesen sympathisch verrückten, aber durchaus auch wachen König, der den Umbau des Landes vom Agrarland zum Industriestaat entscheidend mitgeprägt hat?

Die Gedächtniskapelle für unseren Lieblingskönig befindet sich am Hang oberhalb. Der Kontrast ist überraschend. Einerseits das schlichte Kreuz im See, andererseits die stattliche Kapelle im Rücken.

König Ludwig, Schloss Berg und ein mysteriöser Tod

In seinen letzten Lebensjahren zog sich König Ludwig immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Meist lebte er auf Schloss Berg, wo er die Nacht zum Tag machte. Fast zahnlos und übergewichtig kam es durch eine schizotype Störung zu tiefen Verhaltensdefiziten im zwischenmenschlichen und psychosozialen Bereich. Er flüchtete sich in die Phantasie und seine Bauvorhaben, die enorme Summen verschlangen. Statt neue Gelder freizugeben, leitete aber das Ministerium die Entmündigung des Königs ein.

Am Samstag, den 12. Juni 1886 erreichte König Ludwig II. nach einer achtstündigen Kutschenfahrt von Neuschwanstein Schloss Berg.  Es wurden bereits Sicherheitsvorkehrungen gegen Flucht- und Selbstmordversuche getroffen. Sonntag,der 13. Juni. Ein Regentag. Man munkelt über Befreiungsversuche durch die Kaiserin von Österreich. Nach dem Abendessen gehen Ludwig II. und Dr. Gudden auf einen Spaziergang in den Schlosspark, von dem sie nie zurückkommen. Gegen 22 Uhr wird zuerst einen Leibrock, 30 Minuten später König Ludwig und Gudden etwa 15 Meter tot im seichten Uferwasser gefunden. Bis heute ranken sich eine Menge Gerüchte über die Todesursache. War es ein Fluchtversuch oder Mord? Interessanter Beitrag über die letzten Tage von König Ludwig (SZ)

Die Gedächtniskapelle

1o Jahre nach dem Tod von König Ludwig II. wurde der Grundstein für Gedächtniskapelle im byzantinistisch-romanischen Stil gelegt und am 13.6.1900 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung geweiht. Zum Gedenken findet hier am Sonntag nach dem 13.06. ein Gottesdienst statt.

Öffnungszeiten: 1.4. bis 31. 10. von  9 bis 17.00 Uhr. In den Wintermonaten geschlossen.

Schloss Berg heute

Das Schloss befindet sich im Privatbesitz der Wittelsbacher Familie und ist öffentlich nicht zugänglich. Ein kleinerer Teil des Schlossparks kann deshalb auch nicht betreten werden. Im zweiten Weltkrieg wurden Teile des Schlosses stark beschädigt, so dass die Ecktürme abgerissen werden mussten. Nur die Schlosskapelle blieb unverändert. Sie kann ebenfalls nicht besichtigt werden.

Am Starnberger See entlang weiter nach Norden gewandert

Nach dem Kreuz wandern wir auf jenem Weg, den König Ludwig wohl an seinem Todesabend mit Dr. Gudden genommen hat. Bis zum Schloss können wir ihm aber nicht folgen, da sich das Anwesen mit einem hohen Zaun vom Volk versteckt. Zuerst ein paar Stufen hinauf, der Wanderweg führt rechts am Grundstück vorbei und verlängert sich auf die Anliegerzufahrt Hofgartenstraße, die auf die Wittelsbacher Straße führt.

Abkürzer zurück für den kurzen Besuch in Berg: Zum Café Frühauf geht an der Wittelsbacher Straße rechts den Berg hinauf und an der Kirche vorbei. Auf den König-Ludwig Weg können wir oberhalb des Hanges fast bis zum Ausgangspunkt zurückgehen.

Weiter zum Bootsanleger beim Hotel Schloss Berg zur Seestraße: Wir folgen der Wittelsbacher Straße nach links. Ab hier müssen wir mit Autos rechnen. Vom Schloss ist buchstäblich nichts zu sehen. Selbst das Klingelschild an der Einfahrt gibt sich mehr als zurückhaltend: Lediglich „Schloss“ steht an der grauen Wand zu lesen.

Kurz vor dem Wasser beschreibt die Straße einen Rechtsbogen und folgt dem Ufer nach Norden. Wer eine Stärkung sucht, kann diese sich im Hotel Schloss Berg geben. Käffchen oder großteils bürgerliche Küche mit Seeblick? Klingt nicht schlecht und ist am Ende weniger bonzig, als der Name glauben lässt. Zur Website vom Hotel Schloss Berg

An der Seestraße Villen gucken und Seeblicke werfen

Dahinter: Kleiner Park mit Bänken, Fernrohr und weitem Blick über den See. Gegenüber ein Kinderspielplatz. Wir folgen der Seestraße zwischen den Ufergrundstücken und Villen im Osten, die wir mit Autos teilen müssen. Zum Glück sind es nicht allzu viele und noch weniger zur kalten Jahreszeit. Pelle nehmen wir hier an die Leine und staunen über die großzügigen Grundstücke mit teils großbürgerlichen Villen. Nach knapp einem Kilometer nutzen wir die Abzweigung links auf den Fußweg. 500 Meter weiter und nach einer Runde Steinesschmeißen in den See, geht es bei nächster Möglichkeit zur Seebreite nach Osten ab. Hier logiert auch der Josef Keller Verlag, der einst viel Geld mit der Vermarktung von Telefonbucheinträgen verdiente jetzt JKV Media heißt.

Durch das Manthal im Bogen zurück nach Berg

Seebreite, Sattlerfeld, Manthalhammerweg, Marthinsholzen

Am Keller Verlag vorbei stößt die Seebreite schon wenige Meter oberhalb auf die rege befahrene Münchner Straße. 100 Meter nördlich (links) überqueren wir die Fahrbahn und wandern auf der Anliegerstraße Am Klausenhof zwischen Wiese und Anwesen 300 Meter hangaufwärts, bis zur Kreuzung. Links ins Sattlerfeld eingebogen, führt der Weg nach den Höfen aufs freie Feld und weiter am Waldrand entlang. Knapp einen Kilometer weiter, noch vor dem Lüßbach und wo mehrere Straßerl zusammenführen, biegen wir südlich in den Manthalhammerweg ein, der rechts am Hang durchs Berger-Holz verläuft.  Zur ehemaligen Hammerschmiede wollen wir nicht, da privat und Sackgasse. Links im Tal sehen wir Fischteiche blitzen. Auf dem Weg rechts kommen wir nach dem Wald zum Weiler Martinsholzen. Pferde stehen auf der schneebedeckten Weide.

Martinsholzer Straße, Bärenleitenweg, St. Anna Kapelle, Kapellenweg

Die Zufahrt zum Anwesen überquert den Lüßbach, wo es auf der anderen Seite bei nächster Gelegenheit auf die Martinsholzer-Straße nach Süden geht (Wegweiser). Wir biegen bei der nächsten Möglichkeit rechts ab und überqueren den Lüßbach zum zweiten mal. Von der Brücke finden wir ein tolles Fotomotiv ins Moos. Nach 500 Meter über das freie Feld  gewandert, nutzen wir am Wasserhäusel rechts den Bärenleitenweg, um nach Westen abzubiegen. Die St. Anna Kapelle erreicht man den Hang hinauf und weiter durch das kurze Waldstück. Wenn das Bankerl an der warmen Südseite der Kapelle gerade frei ist, bietet sich hier eine Rast mit Sicht auf die Berge an. Man muss ja nicht hudeln.

Unser Standort befindet sich am Ortsrand von Berg. Die Kapellenstraße führt 700 Meter hinab zu Hauptstraße, die zu überqueren ist.  Das nette Café Frühtau finden wir nahe dem Maibaum 100 Meter die Grafstraße hinauf.

Das Café Frühtau in Berg am Starnberger See

Das kleine Haus mit den grünen Fensterläden und dem Schild Café mit dem geschwungenen Schriftzug sieht fast wie eine Filmkulisse aus. Einige wenige Tische stehen im kleinen Garten an der Stirnseite, durch den man auch die Gaststube erreicht. Innen: Nichts erinnert an die bewegte Vergangenheit: Dönerladen, Immobilienbüro oder Postfiliale. Als Letztere geschlossen wurde, begann die Metamorphose durch Chefin Bettina, die hier neben ihrer Boutique für Kleidung, Schmuck und Wohnaccessoires ein gemütliches Café mit angegliederter Boutique in Berg etablierte. Das war irgendwie nahe liegend, da sie aus einer Gastronomenfamilie stammt.

Irgendwie fühlt man sich hier wie auf Besuch im Wohnzimmer. Ausstattung und Deko kommen nicht von Depot oder Westwing. Hausgemacht sind auch die Kuchen, die uns ausgezeichnet schmeckten. Der Käsekuchen war noch warm, die Auswahl schwierig. Es sah einfach alles gut aus. 

Die Preise fand ich für den Impro-Chique etwas gehoben, was wegen der Qualität des Kuchens aber ok ging. Außerdem ist das Café ziemlich gut gelegen. Kurz vor Ende unserer Runde konnten wir gemütlich beisammen sitzen und reden.

Öffnungszeiten Café Frühtau

Freitag 12:00 – 17:00
Samstag 10:00 – 17:00
Sonntag 09:00 – 17:00

Von Berg auf dem König-Ludwig Weg zurück zum Ausgangsort gewandert

Vom Café Frühauf wandern wir auf der Grafstraße etwa 70 Meter nach Westen, bis wir zur Kirche St. Johann Babtist kommen. Die Geschichte des Gotteshauses geht bis ins Jahr 822 zurück. Ursprünglich romanisch, dann 1658 barockisiert. Das Zwiebeltürmchen wurde 1867 durch einen Spitztürmchen ersetzt, was König-Ludwig himself bezahlt hat. War damals spitz en vogue oder spitz einfach günstiger?

Noch vor der Kirche biegen wir links in den König Ludwig Weg ein. Nach 100 Metern vorbei an der Kindertagesstätte beginnt zur Rechten der Hangwald. Ein kleiner Fußpfad führt entlang des Abhangs, von dem wir unter uns den Schlosspark sehen und über die Baumwipfel hinweg den Starnberger See.  Ein bisserl erinnert uns der schöne Weg an den Isarhang bei Straßlach. Im Winter sieht man den See vermutlich etwas besser als im Sommer.

Nach etwa 550 Metern löst sich der Weg von der Hangkante und beschreibt einen Bogen hinunter in den Schloßpark. Dort angekommen, spazieren wir auf dem Forstweg zum Parkplatz zurück.

Kleine Orientierungshilfe

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