Rundwanderung von Aying über Graß und Kaltenbrunn

(Wanderung 10 Kilometer) Wenn man im Süden von München wohnt, kommt man am Ort Aying kaum vorbei. Sei es wegen des Biers oder als Durchgangsstation, wenn es auf der Autobahn mal wieder voll ist. Wenn ich ganz ehrlich bin, mir geht – oder zumindest ging Aying ganz schön auf die Nerven. Hübsche Kirche und netter Wirtsgarten, aber Bier so lala und für Wanderungen eher fade. Vielleicht lag’s an meiner ersten großen und prägenden Wanderung. Ich war ca. 6 Jahre alt und meine Eltern sind mit mir von der S-Bahn-Station Aying zu derselben nach Kirchseeon gelaufen. Was für ein ereignisloser Hatscher! Schon die Allee vom Bahnhof in den Ort war langweilig und ließ Schlimmstes befürchten. Unterwegs gab’s zudem keine Einkehrmöglichkeit. Das hat mich geprägt und Aying als freudloses Kaff in der Umgebung eingebrannt, da zaghafte Annäherungsversuche bestätigten: Teerstraße, Zäune, Hochspannungsleitung, großer Wald im Westen, Osten und Norden.

Vor einiger Zeit haben wir Aying wieder eine Chance geben, aber auch nur, weil es in der Brauerei einen Trachtenflohmarkt gab. Vorab: Der Markt war hoffnungslos überlaufen und gegen den späten Vormittag so geplündert, dass nur noch Überteuertes oder textile Alpträume übrig waren. Zum Glück war die Wanderung um so schöner! Aying, du bist toll!

Das erwartet euch auf der Wanderung rund um Aying

  • Kurzweilige 7 Kilometer, die im Rund über Graß, Kaltenbrunn und zurück über die „Graf Aygo Höhe“ nach Aying führt. Die Wege sind gut gangbar. Große Steigungen gibt es keine, höchstens minimale.
  • Die Natur um Aying ist das Highlight, schön aber auch der Platz des guten Hirten mit Kapelle und Grotte.
  • Einkehrmöglichkeit z.B. im Ayinger Bräustüberl oder den Brauereigasthof. Nahe der S-Bahn gibt es noch das Gasthaus Kastanienhof Aying
  • Die Tour lässt sich auch gut mit der S-Bahn machen.

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto

  • Mit der S-Bahn: Die Fahrt ab Ostbahnhof dauert mit der S7 30 Minuten bis zum Bahnhof Aying.
  • Mit dem Auto: Am schnellsten geht es für viele vermutlich über die Autobahn A8. Ab Ramersdorf sind es 20 Minuten für die 23 Kilometer. Nutzt den Parkplatz am S-Bahnhof. Vielleicht findet ihr im Ortszentrum auch einen Parkplatz, was die Länge der Wanderung reduziert.

Losgewandert ins Ortszentrum und weiter zum Platz des guten Hirten

Vom Bahnhof spazieren wir erst mal ins Ayinger Ortszentrum. 500 Meter sind auf der Bahnhofstraße nach Osten. Am Ende halb links in die Peißer-Straße einbiegen und 100 Meter weiter bis zur Münchner-Straße wandern. An der Kirche vorbei gelangt ihr zwischen die zwei Gasthäuser Ayinger Bräustüberl oder dem Brauereigasthof. Jetzt schon eine Pause machen? Wenn ja, entscheiden sich die Meisten lt. Google für das Bräustüberl …

Weiter 250 Meter auf der Zornedinger Straße. Sie verlängert die Münchner Straße, die in einem Linksbogen nach Norden führt. Hier rechts in den Lindacher Weg einbiegen. Wir folgen dem Feldweg 800 Meter Richtung Wald und Hochspannungsleitung. Die Sonne lacht. Das erste Rapsfeld leuchtet gelb. Bereits am Waldrand wartet eine kleine Überraschung auf uns.

 Am Platz des guten Hirten

Ende des 19 Jahrhunderts flüchtete der Dorfhirte von Aying, der Much, mit den ihm anvertrauten Schafen wegen eines aufkommenden Gewitters unter eine sehr alte Buche. Das Unwetter kam näher und befand sich bald direkt über den Wald. Plötzlich stoben die Schafe urplötzlich in alle Richtungen davon. Der Much hinterher, als es hinter ihn einen gewaltigen Knall gab. Der Blitz hatte in der Buche eingeschlagen. Dieses Erlebnis überwältigte den Much, der Gott für seine Rettung dankte. Danach wurde er aber nachdenklich und wortkarg. Nur wenige Wochen später fand man ihn tot in seinen Sonntagsanzug an der gleichen Stelle, wo er Gott noch vor Wochen dankte. Die Todesursache wurde nicht geklärt.
Zu seinem Gedenken wurde ein grüner Gneis-Stein mit den Namen vom Much gesetzt.

Wald mit Überraschungen

Der Wald ist schön hier. Eine Menge Laubbäume, welche Licht durch die jungen Blätter scheinen lassen. Wir gehen grob in östliche Richtung und biegen nach etwa 250 Meter rechts ab. Der Weg mäandert durch das Grün, der sich mal rauf und mal runter durch die moränengeprägte Voralpenlandschaft windet. An der dritten Abzweigung (Kreuzung), etwa nach einem Kilometer halten wir rechts und orientieren uns somit südlich. Im Waldboden fallen vermutlich Hufspuren auf. Das Gestüt von Graß lässt grüßen. Wenn der Pfad auf eine Kreuzung stößt, abermals rechts nach Südosten halten. Eine Waldwiese kündigt die nächste Überraschung an. Es ist ein kleiner Fischteich, der von einem Romantiker zum Leisure-Idyll ausgebaut wurde. Auf eine kleine Insel führt eine geschwungene Brücke, unter der er mit dem Tretboot fahren konnte. Der Gretzlbauer aus Graß war es, der sich hier ein kleines Paradies geschaffen hatte, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen. Die einstige Pflege lässt der Weiher heute leider vermissen. Das Wasser wächst zu und ein Blick in die Hütte offenbart, das hier gerne gefeiert wird. Dies schmerzt etwas. Der wahre Grund liegt vermutlich in der langen etwa 3,50 Meter langen Silhouette, die sich langsam von der einen Seite des Weihers zur anderen bewegt. Ach ja, der Weiher ist Privatgrund!

Vom Traumweiher nach Graß sind es nur noch wenige hundert Meter. Nach dem Wald sehen wir Koppeln mit zahlreichen Pferden. Mittlerweile ist vom Sonnenschein nichts mehr zu sehen. Im Gegenteil, dicke Schneeflocken segeln zu uns herunter. Wir durchqueren Graß und folgen der kleinen Teerstrasse bis zur nächsten kleinen Kreuzung, an der wir erfreulicherweise einen Abfalleimer für Hundekacka finden.

Abkürzer nach Aying falls keine Zeit oder Lust

Update: Beim ersten Mal, bei der wir die Runde gegangen sind, hatten wir vor, die Wanderung noch etwas weiter auszudehnen, doch es gab dicke Schneeflocken. Wir beschlossen an der Hundekacka-Abfall-Kreuzung den Weg nach Aying zu folgen. Zum Glück ist hier wenig bis gar kein Verkehr. Das sieht hier an sonnigen Tagen aber anders aus. Es geht vorbei an den wenigen Häusern von Kaltenbrunn, bis wir nach 1,5 Kilometer die Abzweigung nach Aying erreichen.

Sommer-Update: Die Runde komplett abgegangen.

Im Sommer haben wir die Runde abgeschlossen, wie wir es vorgehabt hatten, indem wir 800 Meter über die Kreuzung hinaus südlich gehen, um im nächsten Waldstück und nächster Weggelegenheit einen Bogen nach rechts schlagen. Wir haben die Straße nach Großhelfendorf bei der Hochspannungsleitung gekreuzt, um am nächsten Feldweg wieder nach Norden Richtung Aying zu gehen.

Wind im Kornfeld

Endspurt im Späßchen-Wald

Es muss ein besonderer Wald sein, der hier den lokalen Witzmatdoren Knaller Späßchen ausschwitzen lässt. Im „Café beim Hirschgarten“ erfahren wir erstaunliches, nämlich, dass hier der „Wildschütz Jennerwein seinen Rausch ausgeschlafen hat“.

Am Waldrand der nächste Späßchen-Hammer. Wir erreichen die „Passhöhe“ Graf Aygo. 647,45 hohe Meter über NN. Der Blick auf Aying ist aber durchaus schön. Wir versuchen nicht abzustürzen. Verflixt, schon fast wieder zurück. Wir folgen der Passstraße, die auf Aying zusteuert.

Habt ihr jetzt hunger? Biegt am Kindergarten rechts ab, um in einen der Wirtschaften einzukehren. Grob am Kirchturm orientieren.
Zurück zum Bahnhof: Den Wegverlauf der Kaltenbrunner Straße folgen. Am Ortsende rechts in die Peißer-Straße einbiegen und bei nächster Gelegenheit links dem Schreinerweg bis zum Bahnhof folgen.

OK Aying, du hattest wieder mal eine weitere Chance, die du diesmal zu nutzen wusstest! Wir können dir wieder einen Besuch abstatten, aber bestimmt nicht, wenn Trachtenflohmarkt ist!

Kleine Orientierungshilfe

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