Wander-Ausflug um die Innschleife bei Wasserburg

(Wanderung 2,6 oder 7,7 Kilometer) Seit meiner Kindheit habe ich Wasserburg am Inn ins Herz geschlossen. Die exponierte Lage an der Innschleife mit den hohen Prallwänden, das mittelalterliche und kompakte Stadtbild und seinen tollen Bürgerhäusern, Läden und Lokalen sind einfach toll. Super ist auch, dass Wasserburg nur 55 Kilometer östlich von München liegt und mit dem Auto wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist.

Natürlich kannst du deinen Ausflug direkt in Wasserburg starten und nur die Innschleife abspazieren und die Altstadt genießen, den kostenpflichtigen Parkplatz findest du östlich der Altstadt direkt am Fluss. Wenn du mehr Zeit und Muße hast, empfehle ich dir die etwas längere Näherung ab dem Landschaftsweg, der euch das tolle Panorama der Stadt vom Fluss her aufsaugen lässt.

Losgewandert am Landschaftsweg in Wasserburg am Inn

Ihr erreicht den Ausgangspunkt der längeren Wegvariante, in dem ihr gleich am zweiten Kreisverkehr westlich der Stadt rechts in den Landschaftsweg einbiegt und an seinem Ende einen Parkplatz sucht. Der Fußweg auf dem wir wandern ist leicht zu finden, da er den Landschaftsweg nach Süden hin verlängert und direkt zum Inn hinunter führt. Einen ersten Eindruck von Wasserburg und seinem mittelalterlichen Charakter bekommt ihr bereits an der nahen Parkbank. Durch das ausgeschnittene Grün lassen sich Burg und Kirche erkennen.

Noch bevor ihr den Inn erreicht habt, quert ihr die ehemalige Bahnlinie nach Wasserburg. Rechts vom Weg der tiefe Einschnitt des Gaberseegrabens, den einst ein Bahndamm überbrückte. Heute ist davon nichts mehr zu sehen, nur noch die losen Enden des Gleises ragen auf der anderen Hangseite ins Leere. Wenn ihr euch das näher ansehen wollt, wählt nicht die Direktissima, sondern wählt den sehr viel bequemeren und sauberen Zustieg von unten. –> Nach der Bachbrücke den Pfad bis zum Gleis nach oben gehen.

Tod der Bahnline nach Wasserburg

Als 1860 die Eisenbahnlinie von München nach Salzburg eröffnet wurde, verlor Wasserburg mit einem Mal seinen wichtigen Platz an der Fernhandelsstraße. Mit dem Start der lokalen Abzweigung am 24.02.1902 von Reitmehring nach Wasserburg Stadt war es eigentlich schon fast zu spät, die Verkehrsströme liefen jetzt anders. Der private Auto- und Lastverkehr war es auch, der in den 80ern an der Existenz des Filzenexpress kratzte, da die Bundesbahn die Nebenstrecke bereits schießen wollte.

360° Foto der ehemligen ehemaligen Bahnlinie nach Wasserburg

Dem Inn entlang nach Wasserburg wandern

Unten angekommen, orientieren wir uns am Weg nach links. Auch wenn ihr vom Inn zunächst nicht viel entdeckt – er versteckt sich noch hinter Schilf – wandert ihr mit der Fließrichtung nach Osten. Knorrige Bäume baden ihre Äste im Stillwasser, Haubentaucher tauchen ab und irgendwo überraschend wieder auf. Schön ist es hier. Die Flachwasserzonen im Rückstaugebieet des Innkraftwerk Wasserburg wurden 1982  zur „Vogelfreistätte Innstausee bei Attel und Freiham“ erklärt. Das geschützte Arial umfasst Fluss- und sogenannte Verlandungsflächen, Auwald und bewaldete Steilufer. Das Stauwehr mit den markanten grünen Portalkränen erreichen wir etwa nach 800 Metern.

Fotokamera gezückt! Nach dem Stauwehr beschreibt der Inn eine Rechtskruve, um danach als Schleife die Wasserburger Altstadt zu umfließen. Der Blick auf die Inn-Stadt sieht hier seit vielen Jahren gleich aus. Die Silhouette von Wasserburg hat sich aber auf der linken Uferseite kaum verändert. Die Steilhänge dahinter wirken wie ein Vorhang, der alles was man nicht sehen soll verdeckt. Ich habe mit fast 9 Jahren Abstand von fast der gleichen Stelle ein Foto auf Wasserburg gemacht. Bis auf die Jahreszeit scheint alles beim Gleichen geblieben zu sein.

Der Inn und die Schifffahrt

Der Name Inn leitet sich von den keltischen Wörtern en sowie enios ab, die Wasser bedeuten. Nach den 517 Kilometern, die zwei Drittel in den Alpen verlaufen, mündet er am Ende bei Passau in die Donau.

Schon zur Zeit der Römer war der Inn ein wichtiger Verkehrsweg. Neben Salz wurden Eisenerz, Kalk, Holz, Silber und Kupfer in Schiffszügen bis nach Wien geschifft, wie auch Soldaten aus Italien für das Heer von Kaiser Karl V. gegen die Türken. Wasserburg am Inn war die bedeutendste Stadt der Innschifferei, was den dortigen Schiffsmeisterfamilien erheblichem Wohlstand gebracht hat (Wikipedia). Mit dem Bau von Staustufen mit Wasserkraftwerken, wurde eine durchgehende Schifffahrt unmöglich, da sie über keine Schleusen verfügen. 1865 fuhr das letzte Dampfschiff auf dem Inn.

Heute besteht die Möglichkeit mit der Christine die Innschleife abzufahren, oder weiter nach Rieden oder Teufelsbruck zu fahren. Das Schiff fährt nur auf vorherige Anmeldung. Infos zur Innschiffahrt in Wasserburg.

Vorbei am Inngarten Gänseblümchen erreicht man 500 Meter nach dem Kraftwerk den alten Tunnel, der einst durch den Nagelfluh und Kies in bergmännischer Bauweise geschlagen werde. Doch weiter! Unser Weg führt an den Schrebergärten am Fluss und unterhalb der Burg vorbei. Eine Treppe geleitet uns am Ende hinauf zur Burgstraße. Über die Friedhofststiege kommen wir auf der anderen Straßenseite bei der Pfarrkirche St. Jakob direkt in die Altstadt.

Am Besten ist vermutlich, dass ihr die kompakte Altstadt von Wasserburg nach eigenem Interesse erkundet. Zum Rathausplatz mit der Marienkirche kommt man, wenn ihr die schmale Schustergasse nach Süden und dann der nächsten Straße nach Osten folgt. Schnell entdeckt man, dass die Bauweise der Bürgerhäuser hier eine Besondere ist. Ganze Straßenzüge bilden durch Scheinfassaden vor dem eigentlichen Dach ein geschlossenes Ensemble, unter dem ein Bogengang verläuft. Die Lauben dienten nicht nur als regensichere Durchgänge, sondern waren gleichermaßen Werkstatt- und Verkaufsraum. Die sogenannte „Inn-Salzach-Bauweise“ findet sich zwischen Passau bis Innsbruck,  Hallein, und weiter in Südtirol, Ober- und Niederösterreich.

Wasserburg am Inn, die Ausflugsperle

Wasserburg am Inn wird zu 7/8 von Wasser umschlossen. Auf dieser Landzunge  befindet sich auch das Ensamble des historischen Stadtraums, wie er sich bis zum 18. Jahrhundert innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer entwickelt hat.

Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert als wirtschaftlicher und politischer Stützpunkt angelegt, um Stapelplätze für Salz, Wein, Getreide hinter gesicherten Mauern zu garantieren. Als das Stapelrecht im 15. Jahrhundert an Rosenheim fiel, entwickelte sich die Konkurrenzstadt schneller und nachhaltiger. 

Eine Rarität ist die fast vollständig erhaltene Ausmalung des Kleinen Rathaussaals von 1564, wo früher die Stadträte oder einige Kreistage abgehalten wurden. 

Die Touristinfo findet ihr im historischen Rathaus, Eingang Salzsenderzeile.
Website Tourismusbüro Wasserburg

Stadtführungen: Von Ostermontag bis Ende Oktober gibt es montags und freitags Stadtführungen, Treffpunkt ist um 14 Uhr vor dem Rathaus. Die Tour dauert ca. 60 Minuten. Zur Sicherheit könnt ihr noch mal die Durchführung unter der Telefonnumer +49 (0) 8071 105-22 abfragen.

Offene Sonntage und Veranstaltungen in Wasserburg

Besonders schön ist ein Besuch in Wasserburg an einem der Markttage mit verkaufsoffenem Sonntag. Ein Higlight im Veranstaltungsjahr ist zudem der legendäre Nachtflohmarkt im August, der die gesamte Altstadt ausfüllt.
Übersicht der Wasserburger Markttermine 2018

  • Wenn ihr etwas Zeit habt, besichtigt das Stadtmuseum von Wasserburg in der Herrengasse 15, das Dienstag bis Donntag nachmittag geöffnet hat. Gruselig ist die Abteilung über das Gerichtswesen und den Strafvollzug vom Mittelalter bis ins frühe 19. Jahrhundert mit Schandmasken und Schandtafeln, faszinierend die Daueraustellung über Leben in vergangenen Zeiten, das Verkehrswesen oder die Stadtgeschichte.
  • Ein Besuch im Eiscaffee Gondola in der Salzsenderzeile ist Pflicht. Besonders schön ist es im Frühling unter den blühenden Magnolienbämen das erste Eis zu lecken.
  • Besonders schöne Läden und Cafes findet ihr Bogengang am Marienplatz, wo sich auch unser Lieblingsladen Pfeiffer am Rathaus befindet, ein wunderbarer Ort mit vielen handverlesenen nostalgischen und überraschenden Spielzeugen, schönen Schreibwaren und Büchern sowie schöner Deko-Schnickschnack.

Um unseren Rundgang an der Innschleife fortzusetzen, bietet sich ein Abstecher auf die Rote Brücke zu machen, wo man einen schönen Blick auf die Häuserfassaden am Wasser und das Brucktor hat, durch das einst die Salzstraße führte. Gleich im Brucktor befindet sich ein Durchlass, wo man zum Skulpturenweg am Hochwasserdamm kommt, auf den wir um die Altstadt wandern.

Auf dem Skulpturenweg um die Wasserburger Innschleife

Wasserburg und die Altstadt wurde bei Hochwasser regelmäßig unter Wasser gesetzt, bis 1986 endlich Gegenmaßnahmen eingeleitet wurden. Der Skulpturenweg folgt 1,5 Kilometer dem Hochwasserdamm, der 1988 von den Künstlern des lokalen“Arbeitskreis 68″ ins Leben gerufen wurde, um dort über 30 ihrer Werke auszustellen. Zum Skulpturenwegplan

Gerade ist aber Niedrigwasser. Pelle badet im Inn und jagt den Steinen nach, die ich in den Inn werfe.

Tipp: Einen besonders schönen Ausblick auf Wasserburg hat man von oberhalb der Prallwand auf der anderen Flussseite. Gegen eine Wanderung dort oben habe ich mich entschieden, da man dann länger nahe der Straße gehen muss. Vielleicht wollt ihr mit dem Auto später noch einen Abstecher dort hin machen.

Wenn ihr Wasserburg einmal vollständig umwandert habt, gelangt ihr an die neue Schiffsleutkapelle, die Johannes Nepomuk, dem Patron der Schiffsleute geweiht ist. Sie befindet sich genau an der Flussbiegung unterhalb des Hanges östlich von Wasserburg.

Am Inn zurück mit Bergblick

Eigentlich befinden wir uns schon auf dem Rückmarsch, ohne es groß bemerkt zu haben. Hinter der Kapelle wählen wir den Weg, der sich links hält und südlich den Hang hinauf verläuft. Die Münchner Straße erreichen wir nach knapp 300 Metern. Die belebte Zufahrt nach Wasserburg überqueren wir zügig 30 Meter oberhalb des Integrationskindergartens Gänseblümchen. Der Fußweg führt hier wieder zum Inn hinab. Die Runde schließt sich.

Zurück staune ich über die Wolkenstimmung über dem Inn, der hier wie ein großer See wirkt. Obwohl der Weg ab hier der Gleiche wie ein paar Stunden vorher ist, fühlt er sich jetzt irgenwie anders an. Die Berge heben sich messerscharf über dem Fluss ab, die Perspektive hat gewechselt.

Bis zum Auto am Landschaftsweg sind es nur noch 1,6 Kilometer, die sich fast wie von selbst gehen.
Ein toller Tag in einer tollen Stadt. Wasserburg, wir sehen uns bald wieder!

Kleine Orientierungshilfe

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Wanderung nach Wasserburg am Inn 7,7 Kilometer

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Parkplatz: 48.056111, 12.208600
Geborstenes Bahngleis: 48.053501, 12.207441
Rathaus: 48.060987, 12.233201
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Kurze Wasserburger Altstadtrunde, 2,64 Kilometer

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Parkplatz: 48.061073, 12.235744
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