Wanderausflug: Schloss Herrenchiemsee aus allen Perspektiven erleben

(Wanderung 8,1 und 5,2 Kilometer) Ein Ausflug zum Chiemsee und seinen Inseln hat für uns immer etwas von Urlaub. Wenn du von Prien deinen Blick über die Weite des bayerischen Meeres mit den weißen Segelpunkten schweifen lässt, steigt die Vorfreude auf die bevorstehende Dampferfahrt. Dass sich auf Herrenchiemsee König Ludwig II. hier seinen Traum von Versailles erfüllt hat, war eine ausgezeichnete Idee. Die meisten Besucher pilgern deswegen direkt vom Bootsanleger der Herreninsel zum Schloss, oder lassen sich im Sommer mit einer Droschke dorthin kutschieren. Dass man auf der 238 ha großen und autofreien Insel Herrenchiemsee auch wunderbar ausschweifend um das Königsschloss wandern kann, daran denken allerdings nur die Wenigsten.

Der ausgiebige Spaziergang bietet alles, was man sich von einer abwechslungsreichen Tour erwartet:

  • Wälder mit alten Baumgiganten, Obstwiesen, Alleen, die zum Flanieren einladen, immer wieder schöne Ausblicke auf den Chiemsee und das Alpenpanorama im Süden.
  • Besichtigen könnt ihr das Neue Schloss von König Ludwig II und das Augustiner Chorherrenstift mit seinen Gemäldegalerien.
  • Einkehren lässt sich in der Schlosswirtschaft in der Nähe des Bootsanlegers.

Nur für den Fall, dass ihr es noch nicht wisst: mit Herrenchiemsee, Herreninsel und Herrenwörth ist immer das Gleiche gemeint.

Sommer wie Winter: Über den Chiemsee ab der Dampferanlegestelle Prien

Den Parkplatz findet ihr in der Osternacher Straße in 83209 Prien am Chiemsee. Besonders in den wärmeren Jahreszeiten und an Feiertagen sind Parkplätze Mangelware. Daher lieber früher kommen, weil sich auch an den Kassen schnell Schlangen bilden. Im März kann man ruhig bummeln. Zur Dampferanlegestelle sind es nur wenige Meter.

Die Chiemseeflotte ist ganzjährig auf dem Chiemsee unterwegs. Solltet ihr mit der Bahn nach Prien fahren, könnt ihr in den Sommermonaten auch mit der historischen Dampflok zur Dampferanlegestelle fahren. Hier die  Preise und Fahrplan für Bahn und Schifffahrt.

Chiemsee Schiffahrt

Seit mehr als 170 Jahren befördern Dampfer auf dem Chiemsee Passagiere. Zuerst im Linienbetrieb, dann unter schwierigen Bedingungen, da die damals neue Eisenbahn nach Salzburg den Verkehr am Chiemsee vorbeiführte. Mit Bau des Königsschlosses 1878 verbesserte sich die finanzielle Lage für den Betreiber Feßler, wegen des umfangreichen Materialtransports.

Besonders ab dem Tod von König Ludwig II und der Öffnung des Schlosses für die Bevölkerung im Jahr 1886 bekam die Chiemseeschifffahrt großen Auftrieb. Die Chiemsee-Schmalspurbahn vom Bahnhof von Prien bis zum Dampferanlegesteg machte ab 1887 die Droschkenfahrten zum See überflüssig und erleichterte die Versorgung der Dampfer und des Schlosses mit Kohle.

Heute besteht die Chiemseeflotte aus 13 Schiffen plus einem Arbeitsschiff und dem Passagierschiff der Schiffahrt Gstadt. Der 1926 gebaute Raddampfer Ludwig Feßler ist das Schmuckstück der Chiemsee-Flotte. Anlegestege finden sich in Prien, Seebruck, Chieming, Übersee, Bernau, Gstadt, Herren- und Fraueninsel.

Habt ihr euch auch schon überlegt, wie ihr von der Insel kommt, wenn ihr das letzte Schiff verpasst habt? Mit dem Nachttaxi-Boot zwischen Gstadt und Herreninsel müsst ihr kein Inseldasein fristen. Je später desto teurer. Funkruf: +49 (0)170 2053542

Chiemsee-Schifffahrt / Ludwig Feßler KG
www.chiemsee-schifffahrt.de

Nur 15 Minuten dauert die Fahrt mit dem Schiff nach Herrenchiemsee. Augen nach rechts, das Königschloss entdeckt ihr kurz zwischen den Bäumen. Die Dampferanlegestelle auf der Herreninsel befindet sich nördlich der Insel. Toll der Moment, wenn ihr links der Kreuzkapelle erstmalig die Fraueninsel auftauchen seht. Der markante alleinstehende Kirchturm und die weiße Silhouette Abtei Frauenwörth heben sich an schönen Tagen kontrastreich vor dem Blau des Himmels und des Wassers ab. Wenn ihr euer Ticket entsprechend erweitert habt, könnt ihr den Ausflug zur Fraueninsel verlängern. Es lohnt sich!

Vom Besucherzentrum Herrenchiemsee rechts am Ufer entlang

Über den Steg gelangt ihr zum Besucherzentrum, wo es die Eintrittskarten fürs Schloss und das Augustiner Chorherrenstift gibt und ihr einen Imbiss, Toiletten und den Museumsshop findet.

Tipp: Merkt euch die Abfahrtszeiten ab Herrenchiemsee, das schafft später schnell Klarheit, ob ihr euch nach eurem Ausflug noch ein Eis oder mehr leisten wollt.

Etwa 99,5 Prozent der Besucher wählen ab hier den schnellen und geteerten Pfad zum neuen Schloss, wir nicht. Rechts hinter dem Besucherzentrum führt unser Weg zum Fähranleger bei der Kreuzkapelle Der gleichnamige Kreuzkapellenweg ist eine schöne Allee, die von hier hinauf zum Gutshof und Augustiner Chorherrenstift führt.

Im Sommer ab 17:00 Uhr zur Boje 5

Neben der Kapelle befindet sich auch die „Boje 5“, der Grillplatz der Schlosswirtschaft, wo es von Ende Mai bis Mitte September von Donnerstag bis Sonntag ab 17.00 Uhr Getränke, sowie Fleisch und Fisch vom Holzkohlengrill gibt. Ab dem Sommerfahrplan der Chiemseeschiffahrt könnt ihr hier noch ohne Hudeln einkehren.

Weiter am Wiesenpfad, dem Ufer entlang

Verzückte Blicke müssen reichen, da wir auf dem Wiesenpfad am Seeufer weitergehen. Mal geht der Weg höher hinauf, dann wieder auf Seelevel, was die Inselwanderung insgesamt recht abwechslungsreich macht. Direkt zum Wasser kommen wir hier nicht, da das Ufer von dichtem Schilf bedeckt ist. Während der nördliche Teil von Herrenchiemsee bis zum Schlosskanal eher lichten Charakter mit vielen Wiesen und Pferdekoppeln hat, wird er im Süden bewaldet und wilder. Verlaufen kann man sich hier kaum, aber obacht, der nächste Abzweiger Richtung Ufer führt als Sackgasse nur bis zum See. Den kleinen Umweg kann man aber durchaus in Kauf nehmen.

Wenn wir nach 1,5 km ab der Kreuzkapelle am Kanal ankommen, werden mit einem tollen Blick belohnt. Im Osten sehen wie das Königsschloss, im Westen Prien und das markante, an eine Auster erinnernde Dach des Seebads Primavera. Hundebesitzer finden hier übrigens Beutel und eine Entsorgungsmöglichkeit für die Hinterlassenschaft ihrer Lieblinge.

Ringwallanlage, Ottos- und Pauls-Ruh und Königsschloss

Den Kanal haben wir ganz einfach auf der Felsenbarriere zum See überquert und uns auf der anderen Seite in die Wiese gelegt. Um den Weg fortzusetzen, folgen wir ihm im Anschluss am südlichen Ufer bis zum Ende. Wer Bedenken bei der Kanalüberquerung hat oder einen Kinderwagen führt, hält sich einfach an linken Ufer, verpasst dann aber auch die Möglichkeit eines schicken Frontalfotos vom Schloss hinterm Kanal.

Am Teich biegen wir rechts in den Wald ab und bleiben auf dem Hauptweg, bis dieser die ehemalige Ringfestung erreicht. (Wegmarkierung M). Die im 9. bis 10 Jahrhundert als Verteidigung gegen die Ungarn gebauten und noch heute erstaunlich mächtigen und hohen Wälle der Schutzanlage beeindrucken noch tausend Jahre später. Ihren Ursprung hat die Anlage aber schon zur Zeit der Kelten. Der Platz dafür ist prädestiniert, da die Uferböschung eine natürliche Barriere gegen Angreifer darstellte. Die Schanze misst 650 Meter in der Länge und 200 Meter in der Breite. Hier ist auch Ottos Ruh, ein wuchtiger Baum mit Bank an einer schönen Aussichtsstelle südwestlich der Insel. Die Kampenwand vor uns lässt schön grüßen.

Ab hier geht’s 1,7 Kilometer meist in Nähe der Hangkante entlang, bis wir im Südosten und auf Wasserebene auf Pauls-Ruh stoßen. Dieser schöne Platz mit Kieselstrand ist ideal für ein Picknick oder ein Bad im Sommer.

Wir erreichen die Auffahrtsallee zum Schloss nach 700 Metern. Ab Pauls-Ruh einfach dem einzigen Weg nach Norden folgen. Da der Hauptzugang zum Schloss eigentlich von Osten über den nie fertiggestellten Schiffsanleger vorgesehen war, stimmt unsere Richtung auf jeden Fall. Es ist Sonntag und außer uns gehen keine weiteren Besucher die 650 Meter lange Auffahrt zum Schloss hinauf. Selber schuld, es gefällt uns hier nämlich super und die Fotos nur mit Gitta, Leonie und Pelle sogar noch besser! Wir spitzen rechts am Schloss durch ein Fenster. Unverputzt die Wände.

Schloss Herrenchiemsee

1878 errichtete König Ludwig II mit dem Schloss Herrenchiemsee zur Ehre von König Ludwig XIV ein kleines Abbild von Versailles. König Ludwig verdanken wir aber nicht nur ein sehr schönes unfertiges Schloss, sondern auch den Schutz der Insel, da ein württembergisches Holzkonsortium vorhatte, den Wald zu roden.

Gold und Rot, die Symbolfarben des Sonnenkönigs, sind die beherrschenden Grundtöne der Räume, die der König leider nur wenige Tage bewohnen konnte. Immerhin wurde sein Schlafzimmer, das Prunktreppenhaus, sowie die große Spiegelgalerie fertig.

Zur Website des Schloss Herrenchiemsee

Zum Augustiner Chorherrenstift und Dampfersteg

Der Weg zurück ist etwa 800 Meter weit, barrierefrei und überlaufen. Das Augustiner Chorherrenstift nahe des Dampfersteges wurde von Herzog Tassilo III. zwischen 620 und 629 gegründet, und war das älteste in Bayern gegründete Kloster. Nach der Säkularisation 1803 wurde es zum „Alten Schloss“ umgebaut. Die Doppeltürme des Inseldoms und der Chor wurden abgebrochen, im ehemaligen Langhaus eine Brauerei eingerichtet.

Heute beherbergt das ehemalige Augustinerstift im Ost- und Südflügel ein Museum, im Nordflügel eine Gemäldegalerie mit Bildern von Julius Exter.

Die Schlosswirtschaft Herrenchiemsee findet ihr in der unmittelbaren Nachbarschaft und einem schönen Blick von der Terrasse hinüber zur Fraueninsel. Für die Lage sind die Preise in Ordnung und die Qualität stimmt auch. Vielleicht entscheidet ihr euch kurzfristig doch das nächste Schiff zu nehmen und genießt zum Abschluss einen hoffentlich tollen Ausflug auf die Herreninsel.

Wir kommen wieder!

Kleine Orientierungshilfe

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Große Herrenchiemsee-Wanderung: 8,1 Kilometer

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Kleine Herrenchiemseerunde, 5,2 Kilometer

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Kleine Herrenchiemseerunde, 5,2 Kilometer: 47.866043, 12.393737
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