Schloss Neuschwanstein und Alpsee Wanderausflug

(Wanderungen 4,7/11 Kilometer) 1,4 Millionen Touristen besuchen jährlich das Schloss Neuschwanstein. Zu Recht. Wir selbst sind nur nach Hohenschwangau gefahren, wenn es Gästen von außerhalb das Märchenschloss zu zeigen galt. Die Gegend um den traumhaften Alpsee ist aber viel zu schön, um lediglich mit vielen anderen wie die Lemminge zum Schloss zu laufen und den obligatorischen Blick darauf von der Marienbrücke einzufangen.

Wir haben nach den schönsten Wanderwegen gesucht, ein beeindruckendes Bauwerk zu erleben, ohne mit der Masse mitzuschwimmen. Ein Ausflug kann weitaus mehr sein!

Das erwartet euch auf dem Wanderausflug zum Schloss Neuschwanstein:

  • Tour 1: Neuschwanstein und Pöllatschlucht – 4,7 Kilometer. Man spart sich den Alpsee und erklimmt Schloss Neuschwanstein relativ direkt, aber auf nicht ganz so überlaufenen, sehr guten Schotterwegen.
  • Empfehlung! Tour 2: Alpsee und Neuschwanstein-Runde – 11 Kilometer. Wunderschöne Tour rund um den Alpsee mit immer wieder tollen Blicken auf Schloss Hohenschwangau und Neuschwanstein. Trittsicher sollte man sein, besonders auf dem oberen Winterzugweg. Mit insgesamt etwa 300 Höhenmetern geht diese Runde schon als Bergwanderung durch. Nicht kinderwagentauglich, auf bergtaugliches Schuhwerk achten.
  • Beim Großteil der Wegstrecke sind die Touristen auch nicht mehr, als auf einem der Münchner Hausberge.
  • Durch die Pöllatschlucht führt jede unsere Touren. Wildromatisch mit vielen Treppen und Stegen! Toll!
  • Einkehrmöglichkeiten am Anfang oder Ende der Tour. Nehmt euch eure Brotzeit mit und sucht euch unterwegs ein schönes Platzerl. Die Touristengastronomie in Hohenschwangau ist teuer.
  • Marienbrücke und Pöllatschlucht sind im Winter geschlossen.
  • Tipp: Wer sich mit der Wanderung alleine nicht abgeben möchte, sondern auch noch einen Besuch des Schlosses einplant, sollte die Tour in entgegengesetzter Richtung gehen, da die Tickets zeitgebunden sind. Für den Aufstieg über die Pöllatschlucht etwa 45- 60 Minuten einplanen.

Anfahrt nach Hohenschwangau zum Schloss Neuschwanstein

Von München nach Hohenschwangau sind es knapp 90 Kilometer Luftlinie. Nahe bei Füssen im südöstlichen bayerischen Allgäu gelegen und fern jeder Autobahn, liegt Neuschwanstein etwas ab vom Schuss. Je nach Verkehrsmittel, Tag und Route ist auf jeden Fall Zeit einzuplanen.

  • Mit dem Auto anfahren: Mit dem Auto dauert es je nach Uhrzeit zwischen 1.5 und 2 Stunden bis Hohenschwangau. Klassische Anfahrtsrouten gehen über die A96/Landsberg am Lech über Schongau, über Starnberg, Weilheim, Steingaden oder über die A95, Murnau, Steingaden. Wer mit dem Auto kommt bemerkt an den braunen Schildern mit der Aufschrift „Romantische Straße“, dass er auf dem richtigen Weg ist. Zusätzlich lassen die japanischen Schriftzeichen erahnen, dass man sich einer Touristenattraktion nähert, die nicht mehr weit ist. Die Großparkplätze am Zielort sind nicht zu verpassen. Man zahlt fürs Parken die Tagespauschale von 7 €.
  • Mit Flixbus kommen: Täglich fahren zwei Busse am Morgen vom München ZOB nach Schwangau Neuschwanstein und zwei, die am Spätnachmittag wieder zurück reisen. Die Fahrzeit wird mit 2:10 h angegeben. Die Preise variieren nach Tag und Buchungszeitraum.  Zum Flixbus-Fahrplan
  • Mit der Bahn anreisen: Die Züge fahren stündlich vom Hauptbahnhof München in etwas mehr als zwei Stunden nach Füssen. Zugfahrplan. Von dort fahren die zwei Regionalbuslinien  73 – Richtung: Steingarden/Garmisch-Partenkirchen und  78 – Richtung: Schwangau bis zur Haltestelle Hohenschwangau – Alpseestrasse. Fahrzeit für die 5 Kilometer sind 15 Minuten. Zu den Busfahrplänen. 

 Aus der Ferne wirkt das Schloss Neuschwanstein vor dem Massiv der bayerischen Voralpen nahezu enttäuschend winzig. Je näher man aber kommt, desto deutlicher hebt sich die Silhouette vom Bergwald ab.

Zuerst durch den Hohenschwangau-Hochtourismus wandern

  • Vorm Parkplatz der Alpseestraße nach Süden folgen. Die Besucher kommen aus aller Welt und Hohenschwangau hat sich auf seine Gäste eingestellt. Duty Free, „Königlicher Imbiss“, mehrsprachiges Bayernklischee an jeder Ecke. Die Preise sind der Nachfrage entsprechend hoch.

Tickets für die Königsschlösser

Wer ein Ticket für das Königsschloss kaufen will, muss dies nach knapp 200 Metern im Ticket-Center Neuschwanstein-Hohenschwangau auf der rechten Straßenseite erledigen. Auf Schloss Neuschwanstein oder Hohenschwangau ist es zu spät. Die Eintrittskarten können vorher reserviert, aber nicht Online gekauft werden. Führungen finden zwischen 10.00 – 16.00 Uhr (Winteröffnungszeit) und 9.00 – 18.00 Uhr (Sommeröffnungszeit) statt und dauern ca. 35 Minuten. Zum Ticketcenter Neuschwanstein-Hohenschwangau

Direkt zum Schloss hinauf wandern oder am Alpsee durchatmen

Es kostetet schon etwas Kraft sich durch die Touristenmassen zu navigieren, doch mit Abbiegen der Teerstraße  hinauf zum Schloss Neuschwanstein links über uns werden die Besucher schon weniger.

Wandertour 1: „Neuschwanstein und Pöllatschlucht-Runde“

  • Eigentlich muss man nur den Touristenhorden folgen. Erst dem Trottoir neben der Teerstraße folgen, bis dieser den Auffahrtsweg für die Shuttlebusse hinauf zum Schloss quert. Langweilig und überfüllt ist der Aufstieg auf der Neuschwansteinstraße, die nach dem Schlagbaum den Berg hinauf führt. Etwas steiler, dafür geschottert und wesentlich weniger frequentiert ist der Weg, welcher rechts abzweigt und in einem Bogen 100 Meter hinauf bis nahe der Marienbrücke führt.

Wandertour 2: „Alpsee und Neuschwanstein-Runde“ 

  • Die Alpseestraße führt – wie es der Name vermuten lässt – direkt zum See, an dem das „Museum der Bayerischen Könige“ in Bestlage weitere Touristen abfängt. Mit einem Trick schütteln wir beinahe den Rest ab, indem wir zunächst 400 Meter der verkehrsberuhigten Teerstraße dem rechten Ufer folgen, bis uns ein Wegweiser links auf einen schönen Fußweg schickt.

Der fantastische Alpsee

Mit 1,9 km Länge und einem Umfang von 4,70 km ist der Alpsee nicht der größte, aber immerhin einer der saubersten Seen in ganz Deutschland. Am Fuße von Schloss Hohenschwangau und Neuschwanstein gelegen ist er im Sommer ein toller Badesee mit eigener nostalgischer Badeanstalt (Alpseebad) am Südostufer. Eine traumhafte Kulisse, vor der König Ludwig II zu seinem 20. Geburtstag „Die Ankunft des Schwanenritters“ aus Wagner Lohengrin mit Livemusik inszenieren ließ. Aus seinem späteren Wunsch, in einen von Pfauen gezogenen Flugmaschine über den Albsee zu fahren wurde leider nichts mehr.

  • Einen ersten Wow-Moment gibt es nur wenige Meter weiter am „Pindarplatz“, von wo wir nach Norden blickend das Schloss Neuschwanstein und am Ufer das Museum der Bayerischen Könige entdecken. Das Wasser ist türkis und liegt ein gutes Stück unter uns.
  • 1.600 Meter verläuft hangseitig der herrliche Wanderweg, bis an exponierter Stelle am Südende des Sees der Lieblingsrastplatz der Mutter von König Ludwig II., Marie von Bayern erscheint. See und Schloss Neuschwanstein liegen vor uns. Wenn die Bänke nicht besetzt sind, könnt ihr hier jetzt eine königliche Brotzeit machen. Weitere 1,4 Kilometer wandern Gitta und ich am südlichen Ende – ab und an über Metallstege – dem Ufer entlang.

Über den Oberen Winterzugweg zur Marienbrücke wandern

  • Am südöstlichen Ende des Sees stößt der Weg auf eine bekieste Fahrstraße, die wenige Meter nördlich einen kleinen Bach überquert. Während links ein Fußweg abzweigt, bleiben wir auf der Kiesstraße, die uns etwas weg vom Ufer führt. Nach 360 Metern wird rechts abgebogen und den Weg 850 Meter den Berg hinauf gefolgt.
  • An der fünften Serpentine beginnt der 2,2 Kilometer lange Winterzugweg, der nördlich dem Hang nach Norden verläuft. Erst breit, wird er zum Pfad, für den an der ein oder anderen Stelle etwas Trittsicherheit notwendig ist. Immer wieder überraschen schöne Blicke hinunter zum Alpsee und später auf das Schloss Hohenschwangau. Wenn der Weg noch einmal steil ansteigt, hat man es fast geschafft. Am Fahrweg, auf den man alsbald stößt, links abbiegen und leicht abschüssig nach 200 Metern gelangen wir auf die Bergbushaltestelle vom Schloss Neuschwanstein.

Anstehen an der Marienbrücke

  • Bei der Bushaltestellt, bzw. in nächster Nähe, findet ihr den Weg zur Marienbrücke, den Panoramaweg zum Schloss, von dem der Abstieg zur Pöllatschlucht abzweigt, und als alternativen Rückweg, den kurzen Fußweg hinunter nach Hohenschwangau.

Die Marienbrücke wurde von Maximilian II. als Geburtstagsgeschenk für seine bergsteigende Gemahlin Marie in den 1840er Jahren als „Marienbrücke“, hoch über der Pöllatschlucht, errichtet. Erst ein hölzerner Steg, wurde die Brücke 1866 von König Ludwig II als innovative Eisenkonstruktion in Auftrag gegeben.

  • Zur Marienbrücke sind es nur 100 Meter. Ab der Bushaltestelle bis zum eisernen Steg über die Pöllatschlucht explodiert die Tourismusdichte pro Quadratmeter. Wenn es einen Rückstau gibt, dann liegt es daran, dass wegen der Gewichtskontrolle nur eine bestimmte Anzahl von Menschen auf die Brücke dürfen. Zugegeben. Der Blick ist großartig, auch wenn ihr ihn vermutlich nicht in einem intimen Moment genießen könnt.

Tipp: Es gibt ebenfalls nur einhundert Meter weiter am Fahrwegs zur Bleckenau einen tollen Blick auf die Marienbrücke und Schloss Neuschwanstein im Hintergrund. Hier könnt ihr auf der Bank und ohne Zeitdruck den Ausblick genießen. Die Brücke ist übrigens ein paar Jahre älter als das Schloss. Ein toller Ort, an dem der König die Baufortschritte beobachten konnte.

  • Keine 10 Minuten dauert der Abstecher von der Marienbrücke  zum Schloss Neuschwanstein. Wenn ihr euren Rückmarsch über die Pöllatschlucht antretet – was meine Empfehlung ist – geht auf dem gleichen Weg wieder zurück. Unterwegs könnt ihr einen sensationellen Blick auf den Alp- und Forggensee, das Bergpanorama und Hohenschwangau werfen.

150 Jahre Schloss Neuschwanstein

Am 5. September 1869 wurde der Grundstein von Schloss Neuschwanstein gelegt, von allen phantastischen Schlössern König Ludwigs II. das emotionalste und auch meist besuchte. Der Entwurf geht auf Bühnenbilder des Malers Christian Jank zurück, der Motive aus  „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ einfließen ließ. Mittelalterliche Abbildungen der Wartburg, den Rheintal-Burgen und Schlösser der französischen Könige waren ebenfalls verwendete Vorlagen.

Das für die damalige Zeit mit modernster Technik gebaute Neuschwanstein ließ die Kosten auf das Doppelte des Geplanten explodieren. Die Finanzsituation König Ludwigs II. war auch Teil der Entmündigungsargumentation seiner Gegner.

Aber nur kurze Zeit konnte König Ludwig II. in dem Bau leben, bevor er von hier am 12.6.1886 wegen angeblicher Geisteskrankheit zum Schloss Berg am Starnberger See gebracht wurde und einen Tag später auf mysteriöse Weise ums Leben kam.

Zur 150 jährigen Grundsteinlegung präsentiert sich das Schloss von Außen wie aus dem Ei gepellt. Es finden noch einige Renovierungsmaßnahmen im Innenbereich statt.

Durch die Pöllatschlucht hinunter nach Hohenschwangau wandern

  • Vom Panoramaweg (zwischen Schloss und Bushaltestelle) führt eine lange Treppe zur Pöllatschlucht hinunter. Der Weg ist am Ein- und Auslass mit einem abschließbaren Tor gesichert. Unten angekommen springt der Bach teils 30 Meter über Wasserfälle und Steine. Der Blick hinauf zur Marienbrücke ist von unten mindestens zu eindrucksvoll wie von oben.

Seit 2019 ist die Pöllatschlucht wieder gangbar

Nach einem Felssturz konnte die Schlucht längere Zeit nicht begangen werden. Umfangreiche Sicherungsmaßnahmen waren notwendig, um den Weg im Mai 2019 wieder zu eröffnen. Neue Eisenstege führen an schroffen Felskanten entlang und ermöglichen nicht nur einen sicheren, sondern auch spektakulären Besuch der Pöllatschlucht.

  • Am Ende der Schlucht kündigt die hölzerne Wasserfassung die ehemalige Gipsmühle an, die erstmalig 1720 erwähnt wurde. Nach einem Funkenflug im Feuer abgebrannt, ist heute nur noch die Ruine zu sehen.
  • Auf dem gut ausgeschilderten Wanderweg am Fuße des Schlossberges kommen wir in südwestlicher Richtung in etwa 15 Minuten zurück zum Parkplatz.

Wanderkarte Alpsee und Schloss Neuschwanstein

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