Starnberger See: Spaziert von Leoni zum Bismarckturm und Schloss Allmannshausen

(Spaziergang von 3,4 und 6,8 Kilometer). Gitta und ich haben uns auf eine Zeitreise begeben. Mit diesem Beitrag zum Starnberger See wandern wir auf den Spuren der ersten Münchner Sommerfrischler und der Mutter aller München-Ausflüge um die Jahrhundertwende. Unser Ziel: der Bismarckturm bei Leoni/Assenhausen über die Rottmannshöhe. Auch wenn man den großartigen Ausblick des 1899 fertiggestellten Symbolbaus nur noch erahnen kann – mächtigen Buchenriesen verdecken mittlerweile die Sicht auf den See – hatten wir mit dieser Runde doch viel Freude. Das Spannende, die Runde kann wie vor über 100 Jahren fast genau noch so unternommen werden. Wir sind diesen kurzen Spaziergang von 3,4 Kilometer als Verlängerung unserer Wanderung von Starnberg nach Leoni gegangen. Sehr lohnenswert ist die Verlängerung über denn Höllgraben über das Schloss Allmannshausen.

Die Dampfeisenbahn bringt die Münchner Sommerfrischler an den Starnberger See

Das erwartet euch auf dem Ausflug an den Starnberger See:

  • Fröhliche Dampferpartie über den Starnberger See (optional)
  • Auf der alten Seilbahntrasse zur Rottmannshöhe und weiter zum markanten Bismarckturm
  • Bei gutem Wetter viele bayerische Postkartenmotive mit Alpen- und Seeblick
  • Gute Anreisemöglichkeit mit der S-Bahn oder Auto nach Starnberg
  • Einkehrmöglichkeit in Leoni im Cafe Fischmeister Gastl /Seehotel Leoni
  • In Vorbereitung: Verlängerung der Tour um weitere Kilometer über Schloss Allmannshausen und Seeburg
  • Vorwiegend gute Wege mit kurzem Aufstieg zur Rottmannshöhe
  • Kombinationsmöglichkeit: Wanderung  zurück nach Starnberg/Rückfahrt mit dem Schiff von Berg

Unser Ziel: Leoni am Ostufer des Starnberger Sees

Anfahrt zum Starnberger See mit Auto, S-Bahn oder Schiff

Am Schönsten ist der Ausflug, wenn ihr ihn mit einer Fahrt mit dem Motorschiff von Starnberg aus genießt. Alternativ könnt ihr auch mit dem Auto direkt nach Assenhausen fahren und euch somit die Dampferpartie sparen.

Start der Tour in Starnberg:

  • Anfahrt mit der S-Bahn nach Starnberg: Vom Münchner Hauptbahnhof fahrt ihr in 40 Minuten an den Starnberger See. Vom Bahnhof zum See sind es nur wenige Meter.
  • Anfahrt mit dem Auto: Über die A95 vom Luise-Kiesselbach-Platz bis Starnberg schafft man es ohne Stau in 15 Minuten. Parkplätze sind in Starnberg besonders an schönen (Feier-)Tagen knapp. Übersicht der Parkplätze in Starnberg
  • Fahrt mit dem Dampfer: Das Ticket kostete 2019 für die einfache Fahrt 5,20 €. Für unseren Hund Pelle haben wir 3,00 € gezahlt. Kinder bis 5 Jahre fahren auf allen Linienfahrten kostenlos, von 6 bis 17 Jahre erhalten sie 50 % Ermäßigung. Die Tickets werden an Bord an der Schiffskasse gekauft. Seenschiffahrt am Starnberger See  und Fahrplan

Start der Tour in Assenhausen:

  • Anfahrt mit dem Auto:  Über die A95 vom Luise-Kiesselbach-Platz bis nach Percha (Autobahnausfahrt vor Starnberg). Auf der Berger Straße nach Süden fahren und dem Straßenverlauf 6,2 Kilometer folgen. Der Parkplatz befindet sich in Assenhausen an der Dürrbergstraße in der Kurve zum Bismarckweg. Tourenbeschreibung beginnt ab „Bismarckturm“

Mit dem Schiff über den Starnberger See nach Leoni

HEUTE: Wir finden den großen Steg unmittelbar südlich des Bahnhofs in Starnberg an der Seepromenade. Die heutige Flotte auf dem Starnberger See, besteht aus dem Flaggschiff und Galariekatamaran MS Starnberg, MS Seeshaupt, MS Bernried, MS Berg und MS Bayern und transportierte 2018 rund 250 000 Fahrgäste.

Nach einem Zwischenstopp in Berg fahren wir auch am Schloss Berg vorbei, dem „Lieblingsaufenthalt bayerischer Fürsten“. Etwas weiter tauchen Votivkirche und Kreuz an der Todesstelle für König Ludwig II im Park von Schloss Berg auf. Für die Fahrt mit dem Schiff von Starnberg nach Leoni sind etwa mit 2o Minuten zu rechnen.

Im Reiseführer „Acht Tage in München“ von 1888/Georg Kaspar Nagler, steht zu lesen: „Starnberg, am Nordende des Würm- oder Starnberger Sees (Seebäder besonders zu empfehlen), welcher 60 km im Umfange hat, 29 km lang ist, der in der größten Breite 5 km misst. Auf dem See zwei große Salondampfer „Bavaria“ und „Wittelsbach“ und das Dampfschff „Ludwig“ außerdem zahlreiche Kähne mit und ohne Bedienung“.

„Wir betreten das Schiff und werfen einen Blick auf Starnberg zurück, welches von hier aus eine sehr malerische Ansicht gewährt. Rasch geht das Schiff an den Fischerhütten und der Badeanstalt vorüber“ war schon im „Starnberg & Umgebung“ von 1883 zu lesen.

Salondampfer Bavaria am Dampfersteg in Starnberg/etwa 1907

Sommerfrische am Starnberger See zuerst für die Privilegierten

Das Königshaus der Wittelsbacher hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Fremdenverkehrs in Bayern. Ganz im Zeitgeist der Romantik suchte auch das Königshaus das Naturerlebnis und den Starnberger See als Ort für ihren Rückzug ins Private. Da Reisen beschwerlich und zeitaufwändig war, verbrachten die gesellschaftlich Privilegierten aus der Stadt ihre Sommermonate auf dem Land. Dort wo der Adel seine „Sommerfrische“ verbrachte, zog es auch das Großbürgertum und die Künstler hin. Wie zum Beispiel der Landschaftsmaler Carl Rottmann, der König Ludwig I. nahe stand und zu seiner Zeit der am meisten bewunderte deutsche Landschaftsmaler war.

Als 1854 die Eisenbahnlinie von München nach Starnberg eingeweiht wurde, änderte sich auch das Leben und die Freizeitmöglichkeiten des vermögenden Bürgertums und der aufsteigenden sozialen Gruppen der Beamten und Angestellten. Dauerte die Fahrt von München mit dem Fuhrwerk zuvor 5-6 Stunden, verringerte sich die Anreise vom Starnberg Flügelbahnhof/München auf nur noch eine Stunde.

Mit den Salondampfer Bavaria über den Starnberger See nach Leoni

Erst 1900 mit Einführung des 10-Stunden-Arbeitstags (in einer Sechs-Tage-Woche) im Deutschen Reichsgesetz entwickelte sich vorsichtig ein Ausflugsverhalten der Arbeiterklasse. Vorher und mit Beginn des industriellen Aufschwungs waren Wochenarbeitszeiten von 75 und mehr Stunden üblich.

Von Leoni auf der alten Seilbahntrasse zur Rottmannshöhe

HEUTE: Wir betreten über den Anlegesteg links des Seehotels Leoni das Ufer. Wer seinen Hunger stillen und keine Brotzeit im Rucksack hat, sollte sich überlegen schon hier eine Rast zu machen. Vielleicht im Seehotel oder ungezwungen im Fischermeister Gastl Café gleich gegenüber.

  • Unmittelbar gegenüber der Dampfer-Anlegestelle steigt der „Seilbahnweg“ 300 Meter hangaufwärts. 
  • Nahe dem Wohnhaus finden wir westlich bei einer Holzlagerstelle noch Gleisreste. Nach einer Rechtskurve führt die ehemalige Trasse weitere 450 Meter zum ehemaligen Hotel und heutige Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Heckscher-Klinik. Der Verlauf Standseilbahn ist noch gut erkennbar. Für die genau 21-prozentige Steigung wurde ein Damm aufgeschüttet oder wo notwendig, die Böschung abgegraben. Das Stationshaus ist nicht mehr zu sehen, da es ab 1920 als Hauskapelle genutzt wurde und das Areal weiter bebaut wurde. Ein Wegweiser zur ehemaligen Seilbahn findet man an der Garage des Waldcafes in Assenhausen (an der Abzweigung vom Seilbahnweg, rechts auf den Rottmannweg abbiegen).
  • Vor dem Sportplatz beschreibt der Fußweg zuerst einen Rechtsbogen, der um das Gebäude herumführt und dann zum Rottmann-Denkmal führt.

Das Seehotel Leoni mit der Drahtseilbahn hinauf zur Rottmannshöhe

Die alte Trassenführung der Draht-/Standseilbahn zur Rottmannshöhe‘

Wie aus Assenbuch das Ausflugsziel Leoni wurde

Der Italiener Joseph (Giuseppe) Leoni war Kapellsänger in der Hofmusik von München. Nach dem Tode des Geheimen Staatsrats Franz von Krenner konnte er aus dessen Nachlass für 2000 Gulden ein Seegrundstück im Fischerort Assenbuch kaufen, nur 1,6 Kilometer südlich von Schloss Berg. In einer kleine Villa begannen Leoni und seine zweite Frau die Pension und das Lokal „Leonihausen“ für „Sommerfrischler“ zu betreiben, in das sich bevorzugt Münchner Künstler einmieteten. Es ging dort italienisch ungezwungen zu. Man ging einfach „Zum Leoni“, was bald sinnverwandt mit dem alten Ortsnamen Assenbuch verwendet wurde. Der Münchner Musikwissenschaftler Christian Lehmann schreibt: „Dieses Lokal war die Keimzelle der bürgerlichen Entdeckung des Starnberger Sees“.

Nach dem Tod von Giuseppe Leoni 1834 wurde das Gasthaus von seiner Frau bis 1861 weitergeführt. Nach mehreren Besitzerwechseln wurde „Zum Leoni“ 1893 durch einen mondänen Hotelbau mit zwei Türmen ersetzt und 1973 wiederum abgerissen, für das heutige Seehotel Leoni, einem eher wenig emotionalen Flachdachbau.

Weitsichtiger Nachbar: Baurat Ulrich Himbsel

Der königlich bayerische Baurat Ulrich Himbsel siedelte sich 1872 in unmittelbarer Nachbarschaft von Leoni an, der 1849 die Bewilligung zur Errichtung der Dampfschifffahrt auf dem Würmsee erhält und für die „Maximilian“ in Leoni natürlich einen Anlegesteg baut. Er war es auch, der kurze Zeit später privat die Eisenbahnlinie von Pasing nach Starnberg finanzierte und diese 1861 mit Gewinn an den bayerischen Staat weiterverkaufte. 

Des Landschaftsmalers Rottmann liebste Aussicht

Der Landschaftsmaler, Karl Rottmann, gestorben am 6.7. 1850, bezeichnete nach seiner Reise aus Italien, diesen Platz, als „sehenswertesten Punkt am Starnberger See“. Die Künstler Münchens errichteten ihm ein Jahr nach seinem Tode ein Denkmal, das diesem Platz den Namen „Rottmannshöhe“ verliehen hat.

Prunk und Technik auf der Rottmannshöhe

Der Dampfer bringt in den Folgejahren viele Ausflugsgäste nach Leoni, die zum Aussichtspunkt hinaufsteigen, um „die umfangreichste Aussicht auf das ganze bayerische Oberland“ zu genießen. 1875 wurde vom Hotelier Kisser auf der Rottmannshöhe der dreigeschossige Neubarockbau im Stil eines römischen Barockpalastes erbaut.

Das Berghotel Rottmannshöhe mit der Drahtseilbahn-Bergstation, sowie dem Aussichtsturm

Luxusherberge und erste bayerische Drahtseilbahn

Die Moderne war schon deutlich erkennbar, sowohl in technologischer wie in modischer Hinsicht. 1896 entstand hier Bayerns erste Stand-/oder Drahtseilbahn, vom Dampfersteg bei Leoni bis hinauf zur Rottmannshöhe. Für 30 Pfennig wurden 30 Personen in zwei offenen Waggons in 15 Minuten zum Plateau gefahren, wo sie Dinieren oder Kaffee und Kuchen genießen konnten. Die Drahtseilbahn war besonders für die Madames der Gesellschaft eine große Erleichterung, denn im 1890er Jahrzehnt wurde der Körper noch in eine starre und einengende Haltung gezwungen, die sportliche Bewegungen oder den Aufstieg auf die Rottmannshöhe nur unter Qualen möglich machte. Die erstarkte Frauen- und die Reformbewegung war übrigens zur Jahrhundertwende für den Niedergang des Korsetts verantwortlich.

Für noch mehr Fernblick installierte man auf dem Dach des Grand Hotels einen Aussichtsturm mit weithin sichtbaren Fahnenmast. Bereits 1908 wurde das Hotel in ein „Sanatorium für Nervenkranke“ umgewandelt, die Gäste wurden weniger und blieben nach dem ersten Weltkrieg fast ganz aus. Der Aussichtsturm dürfte spätestens mit Aufsetzen des Dachaufbaus 1920 rückgebaut worden sein. Die Bahn wurde 1922 eingestellt.

Weiter zum Bismarckturm wandern

HEUTE: Vom Rottmanndenkmal gehen wir die abschüssige Straße Rottmannhöhe nach Süden. An der Dürrbergstraße rechts abbiegen und den Straßenverlauf zuerst 150 Meter nach Westen, dann 370 Meter erneut nach Süden folgen. Schöne Bauernhäuser, Wiesen mit Obstbäumen und einer Kapelle säumen den Weg. Der Fußweg zum Bismarckturm beginnt gleich am Parkplatz vor der Kurve rechts am Ortsausgang. Von hier sind es nur noch 200 Meter zum Turm.

Bismarckturm

Als der 29-jährige Kaiser Wilhelm den 79-jährigen Bismarck 1890 aus seinen Amt entließ, waren viele froh, da man ihm nachsagte, dass er ein Greis ist, der Geschäfte des Staates schleifen lässt und notwendige soziale Reformen nicht in Angriff nimmt. Als lebende Legende und Symbol für Nation und Reich wurde noch im Entlassungsjahr auf Anregung des Malers Franz von Lenbach die „Vereinigung zur Ehrung Seiner Durchlaucht des Fürsten Bismarck“ gegründet, um wie in den anderen Landesteilen einen Bismarckturm zu finanzieren.

Der Bismarckturm in einer historischen Ansicht

Nach einigem Streit einigte man sich auf den Vorschlag von Theodor Fischer mit einem 30 Meter hohen quadratischen Turm (Symbol der vier Bruderstämme) auf quadratischen Unterbau mit Wandelhalle.
Noch zur Bauzeit stand der Turm auf einem unbewaldeten Hügel, doch nach 1945 verdeckten vorwiegend Buchen den einst großartigen Ausblick. Von 1869 bis 1934 wurden in ganz Deutschland 240 Bismarcktürme erbaut, davon 13 in Bayern.

Möglichkeiten die Wanderung zu vollenden, zu erweitern oder zu starten

  • Die Runde schnell vollenden: Der Spaziergang über die Rottmannshöhe zum Bismarckturm ist mit insgesamt 3,4 Kilometer eher ein kurzer Hupfer. Falls man bereits von Starnberg über Berg hergewandert ist, sollte der kurze Abschluss ausreichend sein.
  • Die Tour am Bismackturm starten oder sie verlängern: Ihr könnt die Tour natürlich auch euch die Fahrt von Starnberg mit dem Motorschiff sparen und gleich am Bismarckturm starten und die Verlängerung über den Höllgraben verspricht landschaftlich mehr als reizvolle und ursprüngliche Eindrücke. Toll!

1. Der kurze Abschluss: Vom Bismarckturm an den Starnberger See/Leoni

An den Starnberger See bzw. zum Bootssteg nach Leoni kommen wir über den „Schluchtenweg“, den wir etwa 230 Meter nördlich von der Dürrbergstraße finden. Der Weg verläuft 340 Meter hangabwärts und stößt am Wasser auf die Assenbucher Straße, auf der wir nach weiteren 500 Metern in nördlicher Richtung den Anleger erreichen.

2. Die Tourenverlängerung über den Höllgraben und Schloss Allmannshausen/Seeburg

  • Vom Bismarkturm halten wir uns zunächst in östlicher Richtung. Vorbei an Parkbänken, deren Aussicht schon lange von hochgewachsenen Bäumen und Sträuchern verdeckt ist, stößt man nach 170 Metern auf das Brunnenhaus, welches mich mit seinen zwei Fenstern wie ein großes Teddybärgesicht erinnert.
  • Zum etwa 1000 Meter entfernten Höllgraben kommt man über den Bismarckweg, der einen Steinwurf östlich des Brunnenhauses nach Assenhausen im Süden führt. Großer Spielplatz am Ortseingang. An der Ortskirche (früher die Wallfahrtskirche der Flößer von Wolfratshausen) weiter der Valentin-Straße folgen (geradeaus). Am Ende rechts der Seeburg-Straße bis zur Freiwilligen Feuerwehr wandern und hier links in den Schwarzweiherweg einbiegen. Der Höllgraben öffnet sich nur 170 Meter weiter.

Durch den romantischen Höllgraben zur Seeburg am Starnberger See wandern

An den Starnberg See kommen wir, in dem man vor der kleinen Brücke den Fusspfad rechts des Baches einen Kilometer nach Osten gehen. Ab hier beginnt ein Wegabschnitt, den ich zu den Schönsten unweit von München zähle. Wildromantisch ist es hier. Der Bach plätschert ohne menschliche Eingriffe durch den engen Graben, der von hellen Buchenbäumen gesäumt ist. Holz darf verwittern. Ab und an helfen kleine Brückerl das Wasser zu überqueren. Der Weg endet unmittelbar an der Seeburg am Ufer des Starnberger Sees.

Vorsicht, der Weg ist bei Nässe glatt, matschig und an einigen Stellen etwas unwegsam. Kinderwägen machen hier keinen Sinn. Insgesamt aber für den geübten Fußgänger unkompliziert.

Romantisches Ideal: Seeburg – Jugendburg

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war es en vogue, historische Baustile aufzugreifen und pittoreske Gebäude zu errichten, die durch den Einsatz neuer Technologien in Architektur und Design übersteigerte Abbildungen ihrer Vorbilder waren. Als Ursprünge gelten die enormen gesellschaftlichen Umbrüche durch die Industrialisierung und die unterstellte Geborgenheit, die für die Romantiker in Auflösung begriffen war.

So ließ sich auch 1889 der Münchner Bauunternehmer Heinrich Hoech direkt am Starnberger See die Nachbildung einer mittelalterlichen Burg im Stile des Historismus errichten. Die Seeburg wurde mit neuromanischen Formen wie mit Erkern, Türmchen, Bergfried, Schlosskapelle ausgestattet.

Heutet gehört die Seeburg dem Freistaat Bayern, der sie an das christliches Kinder- und Jugendwerk „Wort des Lebens“ verpachtet hat.

Am Starnberger See entlang nach Norden gewandert

  • Auf der geteerten Straße geht es nach Norden. Der Fahrverkehr ist gering, da die Straße nur für Anlieger ist. Vielmehr muss man aber mit Fahrradfahrern rechnen, mit denen man sich den Weg teilen muss. Der See befindet sich nur wenige Meter linkerhand des Wegs. Der Kieselstrand ist fast zu schmal für eine Picknickdecke. Gelegenheit für ein Bad gibt es im kleinen Badebereich mit Schwimminsel, knapp 200 Meter nach der Seeburg. Hunde dürfen hier allerdings ab Mai bis September nicht an den See.

Hot-Spot für Taucher: Die Allmannshauser Steilwand

Falls ihr euch wundert, warum hier so viele Jungs und Mädels in ihren Neopren-Anzügen zum Wasser watscheln. Nahe der Seeburg befindet sich im Starnberger See die Allmannshauser Steilwand, die ein Anziehungspunkt für Taucher von nah und fern ist. Mit 85 Metern gehört sie zu den tiefsten Tauchplätzen im Starnberger See und ein herausfordernder Tauchspot. Seit 1994 sind hier etwa 20 Taucher gestorben. Auf 80 Metern liegt auch das Wrack der Josephine, das hier zur Jahrhundertwende mit einer Ladung Schindeln gesunken ist.

Über den Hangweg zurück zum Bismarckturm (optional)

  • Wer den Hangweg zurück zum Bismarckturm wählt, darf nicht lange am See spazieren. Am Allmannshauser Badebereich (der mit der Schwimminsel), geht es erst 20 Meter hangaufwärts, dann oberhalb des Hauses links auf dem Weg Seebuchet 350 Meter nach Norden. Für einen schönen Blick auf das Schloss Allmannshausen an der Abzweigung ein paar Meter weiter gehen und wieder zurück.
  • Den ansteigenden Fußweg nach Osten folgen und nach 100 Metern links (nach Osten) abbiegen. Ein wunderbarer Pfad bringt uns an der Hangkante ca. 600 Meter zurück zum Bismarckturm.

Am Schloss Allmannshausen vorbei nach Leoni

  • Am Allmannshauser Badebereich bleiben wir auf Seestraße, die hier Assenbucher Straße heißt. Nach 200 Metern taucht rechts des Weges das Jägerhaus auf, welches auch Villa Rambaldi genannt wird. 2018 wurde die Eigentümergemeinschaft mit dem Gabriel von Max Denkmalpreis für die vorbildliche Instandhaltung ausgezeichnet.

Schloss Allmannshausen

1517 noch ein hölzerner Edelmanns- und Hofmarkssitz, wurde es 1696 für Ferdinand Joseph von Hörwarth als dreigeschossiger Bau ausgebaut. Nach dem Verkauf des Schlosses der Rambaldi an den Chemieunternehmer Christoph Heinrich Boehringer wurde 1880 die schlossartige Portikusvilla mit Mansardendach und Belvedere viergeschossig erweitert und die Fassade im Neo-Renaissancestil umgestaltet.

Das südlich gelegene Jägerhaus wurde von Otto Graf Rambaldi erbaut, nach dem er das Schloss Unterallmannshausen 1880 an den Chemieunternehmer Boehringer verkauft hatte. Schon 1894 kam es durch die Heirat des Karl Graf von Rambaldi mit Mathilde Boehringer, der Tochter, wieder im Besitz der Grafen zurück.

Misteriös: Graf Rambaldi, beinahe Fluchthelfer von König Ludwig?

Gerüchte behaupte, dass Sissi, die Kaiserin von Österreich und beste Freundin von König Ludwig II in einen Fluchthilfe-Versuch nach dessen Entmündigung verwickelt war. Flügeladjutant Alfred Eckbrecht von Dürckheim-Montmartin soll die Kaiserin um Hilfe gebeten haben. Hat Sissi dieses Anliegen an den Graf von Rambaldi weitergeleitet, mit dem sie befreundet war? Der Füssener Historiker Magnus Peresson schreibt, dass angeblich der Graf von Rabaldi den König vom Boot aus beim Spaziergang retten sollte und Pferde zur Flucht bereitstanden. Warum der Fluchtversuch scheiterte ist ungewiss. Quelle Kreisbote / Magnus Peresson.

Über den Schluchtweg zurück zum Parkplatz am Bismarckturm spaziert

  • Einen Kilometer und kurz vor Leoni steigt der Schluchtweg rechts durch einen Hangeinschnitt 400 Meter an, bis es auf die Dürrbergstraße stößt. Der. Der Parkplatz am Bismarkturm befindet sich 140 Meter südlich

Weiter zum Anlegesteg nach Leoni gewandert

  • Nach Leoni sind es vom Schloss Allmannshausen 2 Kilometer auf der Seestraße.

Kurz bevor wir Leoni erreichen, fällt uns rechts im Park der heutigen Volkshochschule ein klassizistisches Landhaus mit eisernem Balkon auf. Es war eines der ersten Villen am Starnberger See, die eben jener weitsichtige Johann Ulrich Himbsel gebaut hatte, der für das erste Dampfschiff und den Bau der Eisenbahnstrecke von München nach Starnberg verantwortlich war. Sie wurde schon von Wilhelm von Kaulbach und später vom Schriftsteller Hackländer bewohnt.  Sie alle wussten, wo es schön ist.

Tourenübersicht und Orientierungshilfe

print