Schneidets euch nicht: An der Isar beginnt die Müll- und Scherbenzeit

Unsere Umwelt und der Klimawandel sind derzeit ein großes Thema. Ich frage mich manchmal, wie wir als Gesellschaft die großen Probleme in den Griff bekommen wollen, wenn es nicht mal vor der eigenen Haustüre im unmittelbaren Lebens- und Freizeitbereich funktioniert. Umweltschutz ist ein zentrales Thema, besonders, wo er sich mit Naherholung kreuzt. So zum Beispiel der Ballungsraum-Münchner, der am Wochenende gerne vor Ort bleibt. Nach einer Studie der RIM Marktforschung von 2018 haben Rund 1,9 Mio. Erwachsene Parks und Naherholungsgebiete der Stadt München besucht. Das sind 81% der Bevölkerung oder 4 von 5 Erwachsenen, die im Laufe eines Jahres, z.B. den Englischen Garten, den Olympiapark oder die Isar besucht haben. An der Isar oder in den Bergen gibt es daher zu den Warmen Jahreszeiten ein ordentliches Müllproblem. Überall findet man achtlos Weggeworfenes oder Liegengelassenes am Weges- oder Uferrand. Dass die Isar an den immer wärmeren Tagen unter seinen tausenden Besucher leidet, muss eigentlich nicht sein.

Die Isar, ein wichtiger Freizeitraum für alle Münchner

Die Isar, unser Lieblingsfluss, liegt quasi vor unserer Haustür, sie entspringt im Karwendel, in den Alpen, fließt durch das schöne Voralpenland und durch München. In 16 Etappen haben wir sie uns von Lenggries bis nach München erwandert und sie lieben gelernt.  Zu den Isarwanderungen. Flüsse und Seen nutzen wir gerne zur Erholung und Entspannung, das ist auch gut so, aber wir sind nicht alleine:

Viele Menschen mit unterschiedlichem Interesse teilen sich gemeinsam die Isar. Zum Beispiel:

  • Hundebesitzer, wollen hier ihren Vierbeiner ausführen
  • Jogger, die Isar entlang joggen und sich austoben
  • Fahrradfahrer, zum nächsten Biergarten radeln
  • Sonnenanbeter, in der Sonne braten
  • Badende, wollen sich im Wasser erfrischen
  • Feiernde, die gerne mit Freunden, Bier und Grill abhängen

Und jeder hat ein Recht darauf, die Isar in der Freizeit zu nutzen, aber jeder hat auch die Pflicht, diesen für uns alle wichtigen Lebensraum zu schützen und dafür zu sorgen, dass er sauber bleibt.

Party, Flaschen, Glasscherben an der Isar

Gerade im Münchner Süden, am Flaucher in der Nähe des Tierparks tummelt sich bei schönem Wetter das Partyvolk. Und dabei passiert es nicht selten, dass einige Bierflaschen zu Bruch gehen. Das kann ja mal passieren, aber warum räumt man dann die Scherben nicht weg? Man möchte doch nicht, dass Kind, Erwachsener oder Hund im Wasser barfuß in eine Glasscherbe tritt. Ist es zu viel verlangt, mitzudenken und die Scherben in die vielfach aufgestellten Müllbehälter zu werfen?

Nicht nur Scherben bleiben nur wenige Meter von zahlreich aufgestellten Mülleimern liegen, auch Alu-Grillschalen, Kronkorken, Kippen etc. etc. An einem schönen Sommerwochenende hinterlassen die Münchner ca. 4,5 Tonnen Müll an der Isar. Auf das ganze Jahr gerechnet, sind es unvorstellbare 150 Tonnen Müll, den die Stadt München entsorgen darf. Die Entsorgung des Mülls kostet die Stadt München eine Viertel Million Euro, das ist echt viel Geld, das man sich sparen könnte und woanders besser anlegen.

Gleichgültigkeit und Unwissen sind Haupttreiber für das Müllproblem

Clean Europe Network, ist eine paneuropäische Organisation, die sich länderübergreifend im Bereich Abfallvermeidung, um Aufklärung kümmert und sich engagiert. Mit Unterstützung der Europäischen Kommission hat Clean Europe Network in mehreren Städten Europas versucht herauszufinden, warum die Bewohner ihre nähere Umgebung praktisch vermüllen lassen.

Das Ergebnis konnte man mit zwei Schlagwörtern zusammenfassen: Gleichgültigkeit und Unwissen. Gleichgültigkeit, weil man die vermüllte Umgebung nicht ständig vor sich hat, wie in den eigenen vier Wänden, man zieht einfach zum nächsten Ort weiter und bis man dorthin zurückkommt, ist es schon wieder vom Müll gereinigt worden. Und Unwissen, weil viele zu glauben schein, das es nicht so viel Müll ist, den man zurück lässt und die Natur das schon irgendwie alleine in den Griff bekommt. Fatal, das zu glauben.

Es wäre schön, wenn es da mehr Aufmerksamkeit und Mitdenken gäbe. Vielleicht müssen wir einfach öfter mal unsere Mitmenschen daran erinnern, es zu tun.

Auch Freizeitpaddler sind Teil des Umweltproblems

Seit Ende April ist es im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verboten, die Isar mit Badebooten ohne Paddel und ohne Schwimmwesten zu befahren. Auch ist es die Befahrung nur zwischen dem 1. Juni bis 15. Oktober erlaubt. Glasflaschen werden ebenso verboten und auch das Betreten von Kiesinseln. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Verbot auch bis München ausgedehnt wird.

Es ist traurig, dass es so weit kommen musste. Sicherlich ist es darauf hinzuführen, dass einfach zu viele Freizeitpaddler und vor allem Party-Paddler mit Bierkästen und lauter Party-Musik die Isar oft zu Hunderten am Tag bevölkern. Das hält kein Naturschutzgebiet aus und dem musste jetzt leider ein Riegel vorgeschoben werden. Sehr schade, für alle, die auch gerne die Isar entlang paddeln und das vielleicht auch schon bei schönem Wetter im Mai machen wollen. Das habt ihr jetzt davon.

Krass: Abgesoffene Schlauchboote in der Natur

Krasse Müllerlebnisse an der Isar hatten wir auf einer Paddeltour. An einem dieser Super-Sommer-Wochenendtage, an dem Gott und die Welt unterwegs waren und natürlich auch viele Schlauchboote unterwegs.  Tchibo, Aldi und Lidl machen es möglich, dass jeder ein Freizeitkapitän sein kann. Dass die Isar auch ein tückischer Wildfluss sein kann, in dem Schwemmholz über und unter der Wasseroberfläche sich verhakt, ignorieren viele. Es braucht nicht viel, um ein Schlauchboot aufzuschlitzen. Daher erreichen nicht alle Plastikschalen ihr Ziel. Ohne Luft bleiben sie dann dort zurück, wo die Luft entwichen ist, meist irgendwo im Naturschutzgebiet, auf einer Kiesinsel. Sauerei.

Aktion Saubere Natur: #WITO – Walk in Trash out

Viele wissen gar nicht, wie lange z.B. eine Bananenschale zum Verrotten braucht, vom Plastik ganz zu Schweigen.  Auch Zigarettenkippen sondern über einen langen Zeitraum noch viele Giftstoffe ab, wenn sie in der Natur liegen bleiben. Die unten stehende Grafik, erstellt von den phototravellers.de macht das gut deutlich und hoffentlich bewusster, darauf zu achten, nichts liegen zu lassen. Unter dem #WITO – Walk in Trash out wollen wir als Blogger auf das Müllproblem aufmerksam machen.

Quelle: Fotolia und phototravellers.de

Augen auf beim Wandern oder eurem Aufenthalt in der Natur. Überwindet euch, wenn ihr zurückgelassenen Müll findet, wo er nicht hingehört und nehmt ihn einfach mit. Das machen wir auch, wenn wir ihn finden. Für diesen Fall haben wir eine Plastiktüte im Rucksack. Die nächsten Besucher werden es euch danken.

Deine Isar e.V und Tipps zur Müllvermeidung und mehr Naturschutz

Auch der Verein Deine Isar e.V. kämpft für saubere Isarufer und den Erhalt dieses wichtigen Freizeitgebietes. Die tollen und kreativen Plakate findet ihr überall am Fluss. Seit 2011 werden immer wieder Aufräumaktionen in der Stadt veranstaltet. Besucht die Website von Deine, Isar und informiert euch

Drei einfache Tipps zur Müllvermeidung unterwegs:

  • Benutzt Brotzeitboxen und Iso-Trinkflaschen, anstatt Plastikflaschen
  • Immer Plastik- und Müllbeutel mitnehmen
  • Auf Plastikverpackung verzichten. Einweggeschirr ist ein no-go!

Blogparade „Dein krassestes Müll-Erlebnis“

Gerne unterstützen wir die Blogparade, in dem wir auf das Müllproblem vor unserer Haustür und besonders an der Isar aufmerksam machen wollen. Die Blogparade wurde im Rahmen des Hiking-Barcamps von Claudia/Aktiv-durch-das-leben.de initiiert.

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