Pasta Gorillas: das 41-Tage-Unterwegs Reisegespräch

Es ist nun 41 Tage her, dass die drei Pasta Goriallas Nico, Julian und Felix von München ihre Reise mit dem Fahrrad zu den Olympischen Spielen nach Tokio in Japan starteten. Unser erstes gemeinsames Interview hatten wir noch in der Planungsphase geführt. Die Wohnungen waren gekündigt, die Auszeit mit den Arbeitgebern geklärt und die Ausrüstung wurde in den letzten Zügen komplettiert. Gitta und ich trafen Julian und Nico im Cafe Rosi, um mehr über die anstehende Reise, ihre Ideen, Motive und Ziele zu erfahren.

Wir sind in Kontakt geblieben. 41 Tage nach ihrer Abfahrt und 2.888 Kilometer weiter, haben wir uns für ein neugieriges Gespräch per WhatsApp verabredet, um aus erster Hand erzählt zu bekommen, wie es denn so bei ihnen läuft.

Türkische Kreisstadt Gerede, Provinz Bolu, Hotel Konuk

19:30 Uhr. Das Handy klingelt pünktlich. Das Hallo von Nico, Julian und Felix aus dem Lautsprecher klingt schon mal fröhlich. Bis jetzt haben wir uns über die Pasta-Posts auf Facebook, dem Reiseblog und die interaktive Landkarte auf der Website auf den Laufenden gehalten, auf der Nicos Position in Echtzeit nachzuverfolgen ist. Jetzt wollen wir unsere Fragen stellen und versuchen herauszufinden, was diese Mammuttour mit den drei Jungs so macht, während wir in Deutschland unseren Alltag auf herkömmliche Weise erleben.

Verlässliches Internet und Waschmaschine

Die Situation im Hotelzimmer, knapp 140 Kilometer nördlich von Ankara: Die Gorillas haben es sich auf dem Bett des durchaus schicken Hotels bequem gemacht. Den Luxus haben sie sich verdient, denn bislang wurden die Zelte wild an einem versteckten Ort rechts oder links des Weges aufgebaut. Jetzt drei Ruhetage. Zeit, um die Kleidung ordentlich durchzuwaschen, für eine gute Dusche und verlässliches Internet, das sie unterwegs nur unregelmäßig, zum Beispiel an Tankstellen finden.

Auf der Straße so gut wie angekommen

Auch da die Team-Konstellation als „Trio for Rio“ eine andere war, braucht es eine Weile, sich auf die Tourroutine einzustellen, besonders bei wochenlangem Dauerregen. Wie Julian schon in unserem ersten Gespräch meinte: „Am Anfang der Fahrradtour bestimmt zu 70 % der Körper und 30 % der Kopf das Durchhalten“. Besonders die lange Regenperiode (vier Wochen!) war schwierig und die Beantwortung der Sinnfrage in dieser Situation nicht zu lösen. Am Ende war es wohl einfach die Neugierde, die sie durchhalten ließ, so Nico.

Gesundheit, Muskelerinnerung und Teambuilding

Ein Team funktioniert nur so gut, wie man gemeinsam auf die unterschiedlichen Gesundheits- und Fitnesslevel Rücksicht nimmt. Während Julian und Nico 30k Kilometer „Muskelerinnerung“ abrufen können, war der Einstieg für Felix schwerer, da er sich anfänglich mit Rückenschmerzen wegen Überlastung rumzuschlagen hatte. Die verschiedenen Reisemodi müssen aufeinander abgestimmt werden. Man wartet einfach aufeinander, wenn sich der Abstand der Teammitglieder unterwegs zu weit von einander entfernt, meint Julian

Egal wie schnell oder leicht man ans Ziel kommt. Am Ende hat jeder das Gleiche geleistet Julian

Reinfinden muss man sich auch beim Suchen der geeigneten Unterkunft und beim Verteilen der Aufgaben, um sich das Lagerbauen und Kochen zu erleichtern. Für die Statistik: ein Kilo Nudeln landet meist in den hungrigen Mägen der Pasta Gorillas. Man teilt aber auch die Erfahrung. Zum Beispiel, dass es sich lohnt, die schweren Fahrräder zu einem besonderen Lagerplatz zu wuchten, oder dass „ein Berg auch nicht kleiner wird, wenn man ans Ende der Straße blickt„. „Den Berg nicht gewinnen lassen“ geht am besten, wenn man einfach nur radelt und irgendwann oben angekommen ist, so Julian. Im übertragenen Sinne interpretiere ich das so, sich im Moment zu bewegen, zahllose Augenblicke aneinander zu reihen, bis man angekommen bist. Im Nacthlager, deinen Helinox-Stuhl und beim nächsten 2.000 Kilometer Meilenstein, bei dem die Zeitrechnung etwa stimmen sollte, nach der die pünktliche Ankunft zu den Olympischen Spielen 2020 ausgelegt ist.

 Von Menschen und besonderen Augenblicken

Ohne die vielen großartigen Menschen, welche Julian und Nico in Südamerika getroffen haben herabzuwürdigen, war die Offenheit und Freundlichkeit entlang der Donaustaaten bislang entwaffnend. Die Begeisterung und Neugierde gegenüber Nico, Julian und Felix bewegt. Ein Schnäpschen hier, eine Einladung dort. Gastfreundschaft ist eben keine Frage des Geldes. Auch die Gesetzeshüter – ob in Osteuropa oder der Türkei – waren bislang das, was sie sein sollten: Freund und Helfer. Nebenbei: Die Pasta-Gorilla-Sticker werden gerne als kleines Gastgeschenk angenommen. Wo sie überall schon die Spur der Drei markieren?

Baden im Schlangensee und Olympioniken

Vermutlich bleiben jene Augenblicke besonders in Erinnerung, in denen das Unerwartete die persönliche Komfortzone berührt. So auch – wie Felix erzählt – die willkommene Abkühlung in einem türkischen See. Erst bei näherer Betrachtung wurde bemerkt, dass nicht nur Schilf aus den Wasser ragte, sondern die Köpfe vieler Schlangen.

Angenehmer: Ob sie die Olympioniken der Slowakischen Kanumanschaft in Japan wiedersehen werden, die sie in Bratislawa getroffen haben?

Drei Engel und Vertrauen fahren mit

Wie Gitta und ich bereits im ersten Gespräch erfahren haben, ist ein positives Grundvertrauen eine wichtige positive Eigenschaft, ohne die man gar nicht erst losradeln braucht. Nico beschreibt eine Situation aus dem Moloch Istanbul. 120 Kilometer Haus an Haus. Die Stadt wurde zum Brei und nirgendwo eine Möglichkeit das Zelt aufzustellen. Eine mental schwierige Situation, die sich dadurch meistern ließ, einfach nicht zu verzweifeln und auf die Gelegenheit zu warten. Und natürlich kam sie. Immerhin waren die Straßen zum Zuckerfest weniger voll als sonst. Think positive! Am Ende ist meist jeder Zweifel verschwunden so Julian

Sich auf Schutzengel zu verlassen, ist nicht Stil der Pastas, die einer kritische Situation lieber von vornherein aus dem Weg gehen. Auch sind die Schwimmnudeln  übrigens  „jeden Euro als Abstandshalter“ wert wie Nicolas meint. Auf der Landstraßen werden sie verlängert, in städtischen Bereichen verkürzt. Und vielleicht ist es doch ganz gut, noch einen Beifahrer auf der Schulter zu wissen, denn Felix wurde schon beim Überholen durch ein Fahrzeug am Lenker erwischt. Nix passiert! Wir glauben, dass ein Schutzengel doch das ein oder andere richtet.

 Das Material hält bis jetzt. So gut wie.

Auf meine Frage nach ihrem liebsten Luxusgegenstand auf der Reise fällt die Antwort eindeutig aus: Die leichten Klappstühle helfen am Ende einer jeden Etappe den Tag entspannter ausklingen zu lassen. Wer es nicht besser weiß, der sitzt am Boden, wie zum Beispiel der temporäre Mitradler, der auf einer Pappe aus dem Busch hocken musste, bis man ihm den Helinox anbot. Die Hängematten werden als Zweites genannt. Auf ihnen tankt man in der Mittagspause Kraft für die Weiterfahrt.

Das Material hält weitgehend. Bis jetzt hatten die Gorillas noch keinen Fahrradplatten. Lediglich eine Zeltstange ist abgebrochen, die man mit Klebeband fixieren konnte. In Tiflis/Georgien gibt’s Ersatz. So lange wird das Provisorium wohl noch halten müssen. Alles was man in den Taschen mitfährt, wird gebraucht, früher oder später.

Der Straße weiter nach Osten folgen

Julian, Nico und Felix werden in den nächsten Tagen im Landesinneren weiter nach Osten fahren und nach etwa 400 Kilometer wieder die Schwarzmeerküste erreichen. Georgien und die Hauptstadt Tiflis stellt einen wichtigen Meilenstein der Reise dar.

Alles Gute weiterhin Jungs, wir werden auch weiterhin eure Reise verfolgen!

 

 

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