Rundwanderung vom Forsthaus Mühltal nach Leutstetten ins Moos

(Rundwanderung: wahlweise 6,5 oder 10 Kilometer) Schande! Schande! Wir haben letztes Wochenende etwas Unerhörtes gewagt, nämlich unsere wöchentliche Wanderung auf die andere Seite der Isar verlegt. Und es war toll! Dummerweise war das Wetter nicht so ideal, dass ich diesen Beitrag mit schöneren Bildern aufwerten konnte. Die Rundwanderung ist abwechslungsreich und mit knapp 10 Kilometern in 2,5 Stunden zu schaffen. Für den ein oder anderen Stop hier oder da plant ihr noch etwas mehr Zeit ein. Ach ja, solltet ihr weniger Zeit haben, könnt ihr die Variante mit 6,5 Kilometer wählen.

Leutstetten ist prima von der Autobahn nach Starnberg zu erreihen. An der Autobahnpolizeistation Oberdill kann man die Autobahn verlassen und durch den Forstenriederpark nach Leutstetten fahren. Vorsicht, schmale (schmale!) und sich wild schlängelnde Straße, die sich rauf und runter durch den Wald schlängelt. Um zum Ausgangspunkt der Wegvariante 1 zu kommen, müsst ihr Leutstetten durchqueren und nach dem Ort rechts ins Mühltal, bis zum gleichnamigen Forsthaus fahren.

Losgewandert: Am Parkplatz Forsthaus Mühlthal

  • Ausgangspunkt für die kurze Runde ist Leutstetten bei der Schlossgaststätte.
  • Die 10 Kilometer Wanderung startet dagegen am Forsthaus Mühlthal.
    Es hat schon bessere Zeiten gesehen, das Forsthaus Mühlthal. Es liegt gammelig im schattigen Tal an der Würm, obwohl es ein Kleinod ist. Als Gaststätte mit Hotel und einer Disco war es eine gute Adresse. Rauch steigt trotzdem aus dem Kamin. Asylbewerber sind heute hier untergebracht. Die vielen Fahrräder zeigen, wie man hier mobil sein muss. Parkplätze gibt es genug. Nimm diesen oder jenen, oder den da drüben. Bitte nur das Lebensretter-Auto nicht einparken, es könnte zum Einsatz gerufen werden.

Wir nehmen den Weg, der am Fluss unterhalb des Biergartens führt. Schnell erreichen wir den nahen Wald und schreiten den Hang leicht aufwärts.

Die Karlsburg im Mühlthal

Wir nähern uns von Norden der ehemaligen Burganlage. Tiefe Wälle in mehreren Staffelungen lassen erahnen, wie groß die Anlage einst war. Sie erinnern etwas an die Schanze oberhalb des Georgensteinsdie nach der Römerzeit zu einer Befestigung gegen die Ungarn ausgebaut wurde. Wie vermutlich auch hier. Im Hochmittelalter wurde die Anlage noch einmal stark verändert. 

Der Sage nach soll auf dieser Festung Karl der Große auf die Welt gekommen sein, was Fachleute jedoch bezweifeln, ich als Laie aber sehr glaubhaft halte, weil mir der Gedanke gefällt, wohl ignorierend, dass um 742 hier wohl noch keine Burganlage stand. Lt. Wikipedia erfolgt die erste urkundliche Erwähnung der Karlsburg um 1114/23.

Außer den Bodenverwerfungen ist nichts mehr zu sehen, die Fundamente schlummern im Boden. Mit seinem Mauerumfang von 300 Metern und den sieben halbrunden Türmen war die Anlage wohl wehrhaft genug, um den Grafen von Andechs Respekt einzuflößen (wie lokal die blutigen Streitereien einst waren). Um das Jahr 1313 soll die Burg während des Krieges zwischen den Herzögen Rudolf I. und  Ludwig der IV (Ludwig der Bayer) weitgehend zerstört worden sein. Beim Bau des nahen Schloss Leutstetten sind viele Steine dieser Burganlage wiederverwendet worden.

Wenn euch die Anlage interessiert, sucht euch einen Pfad und geht rechts hoch zur ehemaligen Hauptburg. Wenn nicht, und der Anblick der Wallanlage reicht, geht den Weg nach Süden. Ganz schnell seht ihr den Waldrand und Wiesen mit Pferdekoppeln. Noch im Wald solltet ihr auf einen weiteren Weg stoßen, der sich an einem Taleinschnitt vom unten gelegenen Mühltal den Hang herauf zieht. Geht links, kommt ins Freie, um unmittelbar danach rechts in die Gasse zwischen den Weiden einzubiegen.  Hier gelangen auch die Pferde zu ihren Ställen im Ort. Gutes Schuhwerk kommt euch zu pass.

Fernblick, Leutstetten, Schlosswirtschaft

Freut euch auf einen schönen Ausblick, der euch gleich oberhalb von Leutstetten erwartet. Weit könnt ihr nach Süden ins Land sehen und in einiger Entfernung den Starberger See erkennen und bei klarer Wetterlage die Berge grüßen. Etwas unterhalb steht das kleine Kirchlein St. Alto. Knapp über ihrem First glitzert zwischen den Bäumen die nahe Würm, die man aber nur im Herbst oder Winter erspähen kann.

Folgt der Schwerkraft, geht den Weg hinunter nach Leutstetten und kommt genau an der Schlosswirtschaft in den Ort. Da es keine weitere Einkehrmöglichkeit während der Wanderung gibt, könnt ihr Überlegen, ob ihr es euch jetzt gut gehen lasst.

Wanderer, die sich den Weg zur Karlsburg gespart haben, starten an der Schlosswirtschaft:

Schlosswirtschaft Leutstetten

Über die Gaststätte hat der Ghorstwriter von Prinz Luitpold auf der Website der eigenen Brauerei üppig fabuliert: „Berühmt ist die Schlossgaststätte Leutstetten für ihr Restaurant und die vorzügliche Küche. .. blabla … das Außergewöhnliche hier ist die perfekte Kombination von á la carte und Biergarten, von königlich und bodenständig … blabla … Nehmen wir nur mal den Biergarten. Kastanien mit üppigen Kronen, schlichte Holztische und –bänke, keinerlei Schnickschnack, dafür aber zum königlichen Bier wahrhaft köstliche Brotzeiten und Biergartengerichte“.  

Ich sage: Netter Biergarten, übliches Biergartenessen zu Münchner Preisen, Bayerisches im Lokal. Mir ist das Lokals etwas zu kitschig rustikal. Puppen, Bergschuhe und Kinderwagen.

Adel, Wiesen und die Villa Rustica im Leutstettener Moos

Geht von der Gaststätte kurz links und danach gleich rechts in die Wangener Straße. Hinter dem Zaun erahnt man gelegentlich das Schloss Leutstetten, dass sich heute in Privatbesitz von Luitpold Prinz von Bayern (der mit dem Bier und dem Ghostwriter) befindet. Etwas weiter gibt es auch ein Tor, in dem der Prinz in seiner Kutsche fährt, oder im Mercedes Geländewagen, oder im Mietwagen. Der Briefkasten ist dermaßen grattlig, dass man einfach nicht glauben möchte, dass hier ein Prinz wohnt. Schade, dass mein Foto so schlecht geworden ist, aber vielleicht ist ja ein anderer Wandersmann so nett und schickt mir ein besseres.

Geschockt von so viel Armut der hiesigen Aristokratie gehen wir etwas weiter um zu erkennen, wer heute der wahre (Geld)adel ist. Der kauft sich nämlich im Umfeld des Schlosses eine älteres Einfamilienhaus, lässt es abreißen um sich ein neues langweiliges, Haus hinzustellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass in den Sechzigern der damalige Bauherr auch überzeugt war, etwas Zeitloses für die Ewigkeit zu bauen. Egal, genug gelästert. Ich bin ja nur neidisch, weil ich nicht Nachbar vom Prinzen bin, welcher ab und zu an mir vorbei fährt und mir huldig zuwinkt.

Geht die Straße hier rechts rein und den Weg weitergehen bis ihr an das Feld kommt. Nächste Station Villa Rustica. Eine Möglichkeit ist, dass ihr dorthin den schönen Wiesenpfad immer am Waldrand entlang und über die Felder nehmt. Den haben wir genommen. Bei Regen und im Frühjahr könnte es aber matschig werden. Die Alternative ist, dass ihr an der Infotafel links geht und den Feldweg zur südlich gelegenen Ausgrabung geht (siehe unten „Kleine Orientierungshilfe). Den niedrigen Schutzbau seht ihr hinter den Wiesen.

Römische Hinterlassenschaft:
Die Villa Rustica von Leutstetten

Der römische Gutshof wird dem Alterssitz eines Veteranen zugeordnet, der sich einst am nahen Ufer des Starnberger Sees befand, welcher zur damaliger  Zeit bis nahe Leutstetten gereicht hat. Das Anwesen hatte eher bescheidene Ausmaße, obwohl sein Ausbau auf gute Verhältnisse seiner Besitzer schließen lässt.

Villa Rustica in 360°: Streich über das Bild und entdecke mehr

Das Haus wurde vermutlich um 133 n. Chr. erbaut und war 50 Jahre in Gebrauch, bevor es aufgelassen wurde und verfiel. Die Umrisse des Gebäudekomplexes wurden mittels Gabionen visualisiert. Das Haupthaus mit der Fußbodenheizung (Hypokaustum) ist von einem Schutzdach mit Glasscheiben überdacht und kann von allen Seiten eingesehen werden. Einige Fundstücke aus dem freigelegten Brunnenschacht kann man dort auch ansehen. Öffnungszeiten: Besichtigung von außen jederzeit; Führungen Mai – Okt. 1. So. im Monat 15.00 – 17.00.

Moos und Torf am nördlichen Starnberger See

Wenn ihr Euch genug an der Villa Rustica umgesehen habt, folgt nun den nahen Weg über die kleine Brücke in den Wald. An der Wegkreuzung den Weg weiter nach Süden wählen. Nach 500 Meter kommt ihr an eine Infotafel zu Moos und Torf. Biegt hier nach links ab  und folgt den Weg, der kerzengerade nach Osten führt. Ihr trefft auf eine Hochspannungsleitung? Zuweit gegangen und zurück.

Dann schaut Euch mal um. Wir haben rechts und links des Weges einiges interessantes entdeckt. Zum Beispiel, dass die Wegtrasse deutlich höher ist, als der Waldboden, was vom ehemaligen Torfstich herrührt.
Nach ziemlich genau einem Kilometer kommt ihr an das Mooshäusl, die ehemalige Kantine und Schankwirtschaft für die Arbeiter im Torfstich, der bis 1958 betrieben wurde. Hier biegen wir nun nach links in nördlicher Richtung ab, bis wir nach weiteren 1000 Metern auf die Teerstraße von Wangen nach Leutstetten stoßen. Keine Angst, die Straße ist nicht stark frequentiert und wenn ihr nach Osten geht, stoßt ihr nach wenigen 100 Metern an die freien Wiesen von Leutstetten.

Ausblick und Dino

Jetzt wird es  noch einmal richtig schön (nicht, dass es vorher reizlos gewesen wäre). Gleich am Waldrand geht rechts eine kleine Teerstraße den Hang zu einem Privatanwesen hoch. Bevor die Straße das Grundstück erreicht, geht links am Zaun ein Weg hinein, der Euch zu den Pferdekoppeln und am Weidegatter entlang zum „Thierkopf“, einen schönen Aussichtsplatz bringt. Passt auf, vielleicht begegnet euch unterwegs ein entlaufener Dino, der sich im Sommer gerne rechts hinter dem Zaun verbirgt!

Ihr könnt Euch vorstellen, dass man von hier oben nicht nur einen tollen Fernblick hat, sondern dass im Winter hier wie wild gerodelt wird. Auch ich habe hier schon als Kind eine Menge Spaß gehabt. Es gibt einige Bänke auf denen man ausrasten und den Gedanken nachhängen kann.

Eigentlich befinden wir uns schon auf dem Rückweg, für den man einfach immer den Waldrand folgt, bis der Weg auf die Teerstraße stoßt. Habt ihr das Auto in Leutstetten stehen, folgt der Teerstrasse hinunter in den Ort.  Dürft ihr weiter zum Forsthaus im Mühlthal, geht ca. 250 Meter nach rechts, um beim nächsten Feldweg links nach Westen abzubiegen und dem zu folgen. Die Gegend kommt Euch bekannt vor. Zum Beginn der Wanderung seit ihr hier in der Nähe von der Karlsburg aus den Wald gekommen.

Geht den gleichen Strecke zurück den ihr gekommen seid, oder wählt den Weg den wir gegangen sind. Siehe „Kleine Orientierungshilfe“. Von hier ist es zum Auto wirklich nicht mehr weit. Uns hats sehr gefallen und bestimmt auch euch!

Viel Spaß beim Nachwandern!

Kleine Orientierungshilfe

Als KML-Datei für Google Earth/Goolge Maps exportierenStandalone-Karte im Vollbild-Modus öffnenQR Code-Bild für Standalone-Vollbild-Kartenlink erstellenAls GeoJSON exportierenAls GeoJSON exportieren
Über den Karlsberg zum Leutstettener Moos Wegvariante 1

Karte wird geladen - bitte warten...

| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 48.035140, 11.359270
Burgstall Karlburg: 48.034607, 11.360571
Aussichtspunkt: 48.031982, 11.365442
Schlossgaststätte Leutstette: 48.029765, 11.368564
Villa Rustica: 48.018626, 11.370536
Thierkopf: 48.026730, 11.376514
Als KML-Datei für Google Earth/Goolge Maps exportierenStandalone-Karte im Vollbild-Modus öffnenQR Code-Bild für Standalone-Vollbild-Kartenlink erstellenAls GeoJSON exportierenAls GeoJSON exportieren
Zum Leutstettener Moos Wegvariante, 6,45 Kilometer

Karte wird geladen - bitte warten...

| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Zum Leutstettener Moos Wegvariante, 6,45 Kilometer: 48.025122, 11.376257

print