Wandern in der Fröttmaninger Heide

(Spaziergang ~5,2 Kilometer) Die Fröttmaninger Heide ist ganz besonders. Man kann direkt mit der U-Bahn zu einer der größten zusammenhängenden Grasheiden Mitteleuropas fahren. Einfach aussteigen, loswandern und sich auf einem anderen Planeten befinden. Langweilig? Bestimmt nicht! Nicht nur, dass die Heide mit seinem lockeren Baumbestand tolle Ansichten verspricht. Die Allianz-Arena sieht in der Natur wie ein gelandetes Raumschiff aus und der Olympiaturm hinter Bäumen wie eine Fotomontage.

Das erwartet euch in der Fröttmaninger Heide

  • Die Fröttmaninger Heide ist ein artenreiches Naturschutzgebiet mit  Trockenrasen, offenen Kiesflächen mit Tümpeln, sowie lichten Kiefernwäldern. Nahe der U-Bahn-Fröttmaning befindet sich das Informations- und Umweltbildungszentrum „Heidehaus“ mit Lehrpfad.
  • Ihr wandert auf Kies- oder Naturwegen. Den Weg bestimmt ihr.  5,2 Kilometer lang ist etwa ein lockerer Rundgang um die Heide. Ihr könnt etwas länger spazieren, oder die Runde abkürzen.
  • Obacht: Durch die lange militärische Nutzung befinden sich auf dem Gelände noch Blindgänger in der Erde. Daher auf den markierten Wegen bleiben. Das schont übrigens auch die Natur!
  • Die tollste öffentliche Erreichbarkeit, die man sich vorstellen kann!
  • Einkehrmöglichkeit: Nahe der U-Bahn gibt es das HaidCafé der AWO am Admiralbogen 47. Es gibt genug schöne Stellen für ein Picknick.
  • Länger Wandern: Ihr könnt die Runde auch an der Ingolstädter Straße/Haltestelle Neuherberger Straße starten, und mit unserer Touren über den Windradberg (Link) verlängern bis zur Haltestelle zur Wallner Straße und weiter über die Isar zum Poschinger Weiher (Link) zur Haltestelle Kanal-Straße.
  • Im Naturschutzgebiet gilt Leinenpflicht für Hunde.

So kommt ihr in die Fröttmaninger Heide

Mit der U-Bahn: Mit der U6 Richtung Garching Forschungszentrum, Haltestelle Fröttmaning. Den Bahnhof zur linken Seite verlassen (Osten).
Mit dem Auto: Ihr könnt am P+R in der Werner-Heisenberg-Allee 21 parken. Sollte ein Fußballspiel des FCB in der nahen Allianz-Arena stattfinden, wird es mit den Parkplätzen knapp und teuer. Die Fröttmaninger Heide befindet sich östlich der U-Bahn.

Über das Heidehaus in die Fröttmaninger Heide gewandert

Es hat sich viel getan in der Fröttmaninger Heide. Viele verbinden mit ihr trostlose Brachflächen mit Baracken, Kies und Bauschutt. Wo einst Panzer ihre Ketten in den Boden gruben, oder Pioniere an Brückenattrappen den militärischen Ernstfall probten, hat sich die Natur gut erholt. Überhaupt hat sich hier viel getan. Neben der Allianz-Arena ist unweit der U-Bahn der Showpalast München und ein ganzes Wohnquartier mit überwiegend sozialem Wohnungsbau entstanden.

Eine genaue Wanderbeschreibung werdet ihr in diesem Beitrag diesmal nicht finden, da sich Verlaufen kaum möglich ist. Im Osten begrenzt die U-Bahn-Trasse die Heide, im Norden der Autobahnring, im Westen Neuherberg und im Süden die Wohnanlagen rund um den Carl-Off-Bogen. Das freie Gelände erlaubt außerdem eine gute Orientierung. Wir selbst haben die Fröttmaninger Heide gegen den Uhrzeigersinn umrundet. Nehmt einen offiziellen Weg, der euch gefällt und der um die Schutzzonen herum führt.

Heidehaus/Heideflächenverein

Unübersehbar an der U-Bahnstation kommt ihr am „Heide-Haus“, dem Informations- und Umweltbildungszentrum des Heideflächenvereins Münchner Nord vorbei. Hier wird die Öffentlichkeit über „den Wert und die Schutzbedürftigkeit“ der Landschaft aufgeklärt. Ein interessanter Heiderundweg und Schaubeete und ein Teich schließen unmittelbar an. Wir machen einen Abstecher auf den Ausflugshügel nebenan und verschaffen uns einen Überblick.

Die Fröttmaninger Heide: sensibel und schützenswert

Es gibt viele Möglichkeiten, die Fröttmaninger Heide zu entdecken. Zahlreiche Pfade oder Kieswege durchziehen die Landschaft. Nicht jeder davon sollte begangen werden, um das sensible Habitat zu schützen, oder das noch nicht restlos von Kampfmittel geräumte Gebiet zu betreten. Holzpfosten mit Plaketten markieren die offiziellen Wege. Schafe sorgen hier übrigens als Rasenmäher für den Erhalt der Heidelandschaft, da sie Sträucher und Baumsetzlinge abfressen. So behält die Fröttmaninger Heide ihre beeindruckende Weite. Hundekot sorgt nicht nur für eine unerwünschte Nährstoffanreicherung, sondern lässt Schafe die Wurst-Areale meiden, die sie nur noch mangelhaft abweiden. Das wiederum schadet dem Erhalt der Landschaft.

  • Wir entscheiden uns für den Weg, der gleich unterhalb des Ausflugshügels am Heide-Haus nach Norden, dann in einem Linksbogen Richtung Kernbereich der Heide, dann wieder nach Norden führt. Kiesbrachen im Osten, wo die Baracken der Pioniere standen. Die Natur holt sich das Gelände zurück. Hier und da Betonrelikte unbekannter Funktion. Achtet auf den Wegweiser zum Aussichtspunkt „Heideblick, von wo ihr einen guten Blick auf die Schutzzonen habt.
  • Wo sich die Bäume lichten, hebt sich alsbald die Allianz-Arena wie ein weißes UFO ab. Dahinter der Fröttmaninger Berg mit dem Windrad. Das zweite Windrad auf der Deponie Nord-West in Freimann ist seit Januar 2021 etwas nördlicher in Betrieb. Wo man es nicht vermutet, Kiesgruben, in denen sich Pionierpflanzen angesiedelt haben und ein Hügel wie ein Zuckerhut. Nördlich ein Wäldchen, in dem sich einst Panzer tarnten. Nächstes Ziel die Hügel ehemaligen Flakstellungen nordwestlich der Heide.

Natur und Blindgänger in der Fröttmaninger Heide

Eigentlich traurig. Die Fröttmaninger Heide gehört mit nur 347 ha zu den größten zusammenhängenden Grasheiden in Mitteleuropa. Noch vor 200 Jahren war das Heidegebiet 15.000 ha groß. Es reichte vom ehemaligen Stadtgebiet Münchens über Schleißheim, Garching und Eching bis nach Neufahrn. Aber eine kleine Grasheide ist besser als keine. Und selbst dieser Rest wäre verschwunden, hätte nicht die militärische Nutzung mehr als 150 Jahre lang zum Erhalt beigetragen. Zivilisten hatten hier nichts zu suchen.

1935 wurde das Areal als Schieß- und Übungsplatz verwendet. Im Kern der Fröttmaninger Heide ein ehemaliger Sprengplatz. Dieser Bereich ist übrigens Schutzzone und darf nicht betreten werden, da auch Bodenbrüter hier ihr Revier haben. Blindgänger werden heute vom Räumkommando teils kurz unter der Grasnarbe geborgen. Darüber die kurzrasigen Wiesen der Münchner Schotterebene, die für viele seltenen Pflanzen und Tiere ein wertvoller Lebensraum sind. Man zählte 350 Pflanzenarten, weswegen die Fröttmaninger Heide seit 2001 als „Natura 2000“ Gebiet der Europäischen Union (FFH-Gebiet) ist.

  • Im Norden und Westen der Fröttmaninger Heide wandern wir auf Wiesenpfaden. Hier macht uns das Wandern besonders Freude. Es geht sich weich. Außerdem eine neue Beschilderung hilft dabei auch jenen wieder den Ausgangspunkt zu finden, die keine so gute Orientierung haben. Zurück gehen wir über die „Panzerstraße“. Ist die Weite langweilig? Bestimmt trifft die weiche Fläche nicht jeden Geschmack, aber es ist Winter und wir freuen uns über Licht und Freiraum im dicht besiedelten München. Wer den nadelholzbewachsenen Süden kennt, fühlt sich hier wie im Norden. Und das ist wie ein kleiner Urlaub.

Wir haben uns vorgenommen der Fröttmaninger Heide häufiger einen Besuch abzustatten. Herrlich ist bestimmt ein Spaziergang im Morgengrauen oder im goldenen Licht am Nachmittag. Lernt die Fröttmaninger Heide kennen und lieben, aber respektiert die Natur!

Wanderkarte Fröttmaninger Heide