Zelten in Südengland: Campingplatz-Tipps & Tricks für Individualcamper

Wer sich einmal die Campingplätze in England genauer anschaut wird feststellen, dass nicht nur die Abdeckung riesig ist, sondern auch die Bandbreite der genau auf die Bedürfnisse der Camper zugeschnittenen Platzangebote. Camping hat in UK eine ganz besondere Tradition. Während man hierzulande auf Campingplätzen vorwiegend Dauercamper, Wohnwagenzieher und Caravans sieht, kommt es in England nur auf die Wahl des richtigen Platzes an, um sich weitgehend aus den Weg zu gehen. Campen mit dem Zelt hat etwas mit Überzeugung zu tun und natürlich mit den möglichen finanziellen Mitteln. Familien sieht man daher besonders oft auf dem Campingplatz. Wer Land und Leute kennen lernen möchte, findet hier viele Möglichkeiten mit Engländern in Kontakt zu kommen und einen netten Plausch zu führen. Toll ist auch gemeinsam am Lagerfeuer zu sitzen und sich besser kennenzulernen. Hier unsere Tipps & Tricks für euren Campingurlaub in Südengland.

Unsere Auswahlkriterien für den idealen Campingplatz in Südengland

Da wir nach England gekommen sind, um ordentlich was zu sehen, haben wir die Wahl der Campingplätze primär von ihre Nähe zu den Sehenswürdigkeiten, dem Preis, aber auch dem „Schnucklickeitsfaktor“ abhängig gemacht, wie sich die Plätze uns im Internet präsentierten. Wohnwagenparks sind wir ausgewichen und haben lieber einfache und naturbelassene Campsites mit Charme bevorzugt, die wir erst vor Ort im Internet recherchiert haben. Strom war optional wie auch Free-Wifi. Wifi hat den großen Vorteil, dass man – sollte man keine schnelle Mobile-Flat haben – seine Ausflüge, den nächsten bzw. übernächsten Stop oder die Fähre buchen kann. Das unser Hund Pelle auch auf dem Platz erwünscht ist, war die Grundvoraussetzung. Man glaubt es kaum, aber es gibt auf der Insel „Adult Only“-Campsites. Findest du Kinder doof, wirst du hier fündig. (vielleicht ist es jetzt Zeit für dich den Blog zu wechseln…).

Ach ja: London war in allem eine Ausnahme. Unser Platz Lee Valley Camping and Caravan Park hatten keinen Charme aber immerhin Strom und Internet und für hier bestimmt nicht die schlechteste Wahl.

Auf welche Campingplätze man in Südengland stößt:

Der konforme Luxusplatz

Viele Campingplätze gleichen Trailerparks. Die „Pitches“ (Stellplätze) haben eine betonierte Zufahrt und einen Stromanschluss. Wie auch in Deutschland stehen Wohnmobile und Wohnwägen in Reih und Glied. Diese „konventionellen“ Plätze sind stark reglementiert und haben insgesamt einen höheren Standard. Ordentliche Sanitäranlagen sind in der Regel gegeben. Meist gehören die Plätze entweder exklusiv einem der beiden großen Camping-Clubs, oder kooperieren zumindest mit einem, oder beiden. Für Gäste mit einem Zelt gibt es einen eigenen Bereich. Ausnahme ist dabei stets London. Hier wirbt man zwar mit dem Logo des CCC ist aber kein Partner.

Der klassische Wiesencampingplatz

Eine sauber gemähte Wiese. Die Pitches kann man eher erahnen. Man achtet auf mindestens 6 Meter Abstand zum Nachbarn. Die Rezeption ist gerne ein Schrebergartenhäuschen am Eingang. Die Toilettenvielfalt reicht von Dixitoiletten bis festes Sanitärgebäude. Selbstverständlich ist der Stellplatz nicht platzfüllend mit Strom ausgestattet, häufig nur ein kleiner Bereich im vorderen Bereich, wo man sich mit Verlängerungskabel behilft. Meist stehen hier auch die Caravans oder Motorhomes, da die Plätze nicht die Schönsten sind. Aber ohne Strom geht halt der Fernseher nicht.

Die Anbieter haben entweder eine Kooperation mit einem Camping-Club oder sind unabhängig. Wohl haben wir uns auch auf dem Farm-Campsite der Longthorns-Farm (link)  gefühlt, die Alpakas züchten.

Ach ja: Auf einer ungeschützten Wiese kann der Wind ganz schön blasen. Die gestreiften Windbreaker gehören zur soliden Ausstattung eines Campers und bestimmen vielerorts das Bild. Hätten wir noch Platz im Auto gehabt, hätte ich mir auch einen vor Ort gekauft.

Naturcampingplätze

Wildes Camping ist in England verboten.  Es gibt aber eine ganze Reihe sehr naturnaher Campingplätze, wie zum Beispiel Camping in the Forrest (link)  oder die Plätze vom National Trust (link), unter deren Verwaltung eine Vielzahl von Plätzen organisiert sind. Wir waren auf dem Hollands Wood Campingplatz (link) im New Forrest, auf dem Pferde freien Auslauf hatten. Die Pitches waren nicht parzelliert und Strom gab es keinen, die Besucher zum großen Teil Zelturlauber. 

Cool-Camping

Cool Camping steht für unkonventionelles Campen wie es „früher“ einmal war. Unkompliziert und naturnah. Im jährlich aktualisierten Campingführer findet man viele tolle Anregungen, welcher Campsite was Besonderes sind. Die Nahe zu Naturcampingplätzen ist fast immer gegeben. Den Führer als Buch gibt’s bei Amazon, nicht nur für UK. Für die Planung eures Aufenthaltes ist bereits die Website www.coolcamping.com eine gute Orientierung, obwohl die eher belanglosen Fotos keine große Hilfe sind. Unser englischer Lieblingsplatz Welsummer Camping (link) in Kent ist in Wahrheit um ein Vieles schöner!

Glampsites

Bei meiner Recherche bin ich besonders im Speckgürtel von London auf einige reine Glampsites gestoßen, die für gut betuchte Familien ein ganzes Abenteuerkomplettprogramm im Luxuszelt anbieten. Eigene Zelte werden nicht gewünscht. Die Preise hierfür sind horrend. Am Trend des Glampings versuchen viele Anbieter zu partizipieren, in dem sie auf ihren Campingplätzen Zelte anbieten, die ein festes Bett und eine eigene Feuerstelle haben.  Auf goglamping (link)  findet ihr ein breites Angebot von Luxus Campingunterkünften.

„Tents Only“

In England gibt es Campingplätze, bei denen Wohnwägen und Wohnmobile draussen bleiben müssen. Oft ist das eine Frage des Haltung, manchmal auch nur die Lösung, wenn der Campingplatz nur über eine sehr enge Straße erreicht werden kann. Von diesen Straßen gibt es wirklich eine ganze Menge in England. Eine Übersicht von Plätzen findet ihr hier.

Welsummer Camping in Kent: Tents only

Wir haben den Platz besucht und uns unter Zelturlaubern sehr wohl gefühlt. Der Platz ist einfach, aber gut zwischen Dover und London gelegen. Campfire erlaubt. Hier gehts zu unseren Beitrag über Welsummer Camping (link).

Lohnt sich eine Mitgliedschaft in einem britischen Camping Club?

Bei unseren Recherchen im Internet sind wir sehr schnell auf die zwei großen Camping Vereinigungen gestoßen. Während „The Camping and Caravan Club“ (link) nicht nur die Interessen der Wohnmobil- und Wohnwagenfraktion vertritt, sondern auch die der Zelt-Urlauber, sieht der „Caravan and Motorhome Club“(link) in Letzteren weniger seine Zielgruppe. Wir waren versucht eine Mitgliedschaft abzuschließen, da man auf Clubsites bei jeden der beiden Associations bis zu 12£ Kosten pro Nacht sparen kann. Am Ende ist es keine Mitgliedschaft geworden. Die Ersparnis wäre sich gerade so ausgegangen, hätte uns aber vermutlich negativ bei der Platzauswahl beeinflusst. Wer also gerne vorher plant und weiß, welchen Campingplatz er vorher besucht, kann sich also ausrechnen, ob sich eine Mitgliedschaft lohnt.

Mit der Acsi-Camping-Card Geld in der Nachsaison sparen?

In Frankreich hat uns die Acsi-Camping Card in den letzten Jahren sehr geholfen, deutlich weniger Geld auf Campingplätzen zu zahlen. Campingführer und Karte kosten etwa 15 € die sich schnell auszahlen, sofern man partizipierende Campsites besucht. Da es in UK nur 39 Partnerplätze (link) gibt (in Frankreich 1.435 in 2017), macht hier die Karte z.B. Sinn, wenn man in der Nachsaison die Planung ausschließlich mit Acsi plant und andere Angebote ausblendet.

In England heißt es auf den Campingplätzen vorher reservieren und zahlen

Egal wo und wann wir bislang mit dem Zelt unterwegs waren, eine Vorreservierung haben wir nie gemacht. Und es war auch nicht notwendig, da wir lieber geguckt haben, dass wir früh am Ziel sind, wenn die anderen gerade auschecken. Wir haben es einfach nicht gerne in unserer Handlungsfähigkeit limitiert zu sein. Warum fahren wir denn mit einem Zelt in den Urlaub. Genau! In London haben wir eine Ausnahme gemacht. In England kann man mit Spontanankünften aber auf die Nase fallen. Gleich unser erster Campingplatz, bei dem wir zumindest am Reisetag angerufen hatten, gab uns einen Korb. Danach folgte eher hektisches Recherchieren auf den Smartphones. Zum Glück hatten wir in London free Wifi und da es unter der Woche war, fanden wir schnell eine Alternative.  Ärgerlicherweise wird oft mit der Reservierung auch eine Anzahlung oder die Begleichung des gesamten Aufenthaltes erwünscht. Schlangestehen bei der Abreise fällt immerhin flach. Die Reservierung und Bezahlung erfolgt meist über die Website, kann aber auch telefonisch erfolgen. Bei Letzteren ist es möglich, dass die Kreditkartennummer mündlich abgefragt wird.

Nicht immer kann mit der EC/Kreditkarte bezahlt werden

Die Rezeptionen sind oft kleine Büdchen, bei denen keine Kartenzahlung möglich ist. Warum sollten sie auch, wenn die Buchung übers Internet erfolgt. Was bleibt ist Barzahlung. Also vorher zur Bank!

Vorsicht vor Mindestaufenthaltzeiten

Um sich die Flexibilität zu erhalten, kann ja für zwei Tage reservieren und dann verlängern. Warum zwei Tage? Viele Campsites haben in der Hochsaison und am Wochenende eine Mindestaufenthaltsdauer, meist zwei Tage (besser auf der Website des Platzes noch mal nachrecherchieren, da dies variieren kann).

An Wochenenden wird es voll!

Sich unter der Woche einen neuen Platz zu suchen, ist ein kalkulierbares Risiko. Wir haben erlebt, dass am Freitag die Horden über einen Campingplatz herfallen und schon am Sonntag Mittag wieder weg sind. Ohne Reservierung haben wir ganz schön telefonieren müssen, bis wir eine Platzzusage bekommen haben. Voll ist allerdings relativ. Wir fanden es noch immer ganz schön luftig. In Italien würde man auf gleichem Raum die dreifache Anzahl von Campern unterbringen. Trotzdem heißt es „complete“.

Strom tanken

Wer z.B. Strom für die Kühlbox oder zum Aufladen der Handys und Batterien braucht, findet nicht auf allen Campingplätzen einen Anschluss. Ein Schuko-Anschluss ist meist der Standard. Ein längeres Kabel sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Wir haben uns im Zweifelsfall für den schöneren und/oder windgeschützten Platz entschieden, als für die Nähe zum Strom, da man die Handys in der Regel gegen eine geringe Gebühr (50 p) aufladen kann. Handys haben wir zudem im Auto aufgeladen. Spannungswandler für den Zigarettenanzünder sind hierfür eine tolle Erfindung.  Wir hatten zusätzlich eine größere Powerbank dabei. Das nächste Mal nehmen wir zusätzlich eine Solarpanel zum Laden der Powerbank mit, was unter der Vorderscheibe des Autos untertags seine Arbeit erledigen kann.

WI-FI kann, braucht es aber nicht geben

Nur in London gab es eine nahezu Platzweite Abdeckung durch Wifi. Auf der Longthorns-Farm nur im Rezeptionsbereich und auf den restlichen Plätzen keines. Zur Planung der Ausflüge und des nächsten Campsites fand ich das schon sehr angenehm. Als Familie haben wir allerdings von den Campingplätzen als Familie am meisten profitiert, wo es kein Internet gab. Man muss nicht immer ins Smartphone starren.

Aber ja. Wo es auch Campingplätze gibt, wo keine Kinder gewünscht sind, gibt es auch welche, wo die Hunde draußen bleiben müssen. Wer eine Hundeallergie hat, kann hier nach einem entsprechenden Campingplatz suchen.

Unsere Tipps für eure Rundreise mit Hund durch England

  • Weiter zu unseren Erfahrungen mit Pelle unseren Cockerpoo in England. London, Sehenswürdigkeiten, Spazieren und Campen. Weiterlesen
  • Eine Liste von Campsites die „dog friendly“ sind findet ihr z.B. hier.

Aber ja. Wo es auch Campingplätze gibt, wo keine Kinder gewünscht sind, gibt es auch welche, wo die Hunde draußen bleiben müssen. Wer eine Hundeallergie hat, kann hier nach einem entsprechenden Campingplatz suchen.

Campfire: wir lieben Lagerfeuer!

Im Süden undenkbar, in Deutschland auf wenigen Campingplätzen erlaubt, in England durchaus häufiger zu finden. Du mietest dir z.B. eine LKW-Felge oder hast gar selbst einen Campingplatz mit einer Lagerfeuerstelle. Was gibt es Schöneres, als Abends vor dem Feuer zu sitzen! Ein Feuer macht nicht nur unglaublich Freude, sondern ermöglicht es, euren Dutch oven mitzunehmen und mal ordentliches Brot zu backen. Wie, ihr wisst nicht, was ein Dutch Oven ist? Lest hier auf unserem Blog und lasst Euch inspirieren! Hier werdet ihr fündig, wenn ihr nach einem Campingplatz mit einem Lagerfeuer sucht.

Den Campingplatz finden

Unser Navi hatte ein ernstes Problem, das Ziel durch Eingabe der Adresse zu finden, was in England kein Einzelfall ist, wie ich auf anderen Blogs gelesen habe. Mit der Eingabe der Postleitzahl kommt man immerhin in die nähere Umgebung, eine Hausnummer gibt es nicht immer, was dazu führt, die Straße auf und ab zu fahren und auf einen Hinweis zu hoffen. Wir haben uns später damit beholfen, dass wir die Google-Maps Karten zur besseren Orientierung offline geladen haben. Wer einen ordentlichen Datenvertrag im Ausland besitzt, hat es leichter. Gittas Daten-Auslandsvolumen war leider stellenweise so langsam, dass die Offline-Karten tatsächlich die bessere Alternative waren.
Wer von seinen Zielen die GPS-Daten hat, kann diese eventuell in sein Navi einpflegen und somit das Ziel noch einfacher zu finden (nicht jedes Navi bietet diese Option).

Der Paranoia Brite: Vorsicht Diebe!

Vielleicht sind war ja auch etwas naiv, aber wir glauben an das Gute im Menschen (vielleicht sind wir aber auch zu faul). Auf noch keiner Reise ist uns auf den Zeltplatz etwas geklaut worden (*klopf*klopf*klopf), obwohl wir Kocher, Tisch, Stühle und anderes Campingmaterial offen vor dem Zelt stehen hatten. Der Brite ist hier ganz anders: bevor er den Platz verlässt, wird alles in das Zelt geräumt. Nichts soll dem Dieb signalisieren, das es hier was zu holen gibt. Vielleicht liegt es daran, dass die Zeltplätze löchrig wie ein Schweizer Käse sind. Kein Zaun hält pöse Puben von ihren Raubzügen ab. Aber soll auf einem Land-Campingplatz in Dorset die Kriminalitätsrate höher sein als in Südfrankreich? Wir wissen es nicht, glauben es aber nicht. Trotzdem haben wir uns anstecken lassen und zumindest am Anfang des Urlaubs ebenfalls alles hermetisch weggeräumt. Am Ende in Kent waren wir wieder fast so wurstig wie in Frankreich oder Italien oder Schweden oder Deutschland.

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