Unsere Tipps für eure Rundreise mit Hund durch England

Unser Hund heißt Pelle und ist ein Cockerpoo. Er gehört zur Familie und als Familienmitglied fährt er mit uns auch in den Urlaub. Wir haben mit ihm im August 2017 drei Wochen eine Rundreise im Zelt durch England gemacht und bestätigt bekommen: es  geht recht gut! Neben unseren „Jump-off-Point“ in Calais haben wir in sechs Station den Süden bereist. Unsere Learnings und Erfahrungen dieser Reise beschreiben wir in diesem Beitrag und in weiteren Artikeln auf unserem Blog. Es gibt dabei viele Fragen und einiges zu beachten. Das beginnt schon vor der Reise.

Einen Urlaub in England für Mensch und Tier schön machen

Pelle hat feine Antennen. Wenn wir das Auto packen, wird er unruhig und setzt sich vor den Carport. Seine Menschen sollen ja nicht ohne ihn in den Urlaub fahren. Da braucht er keine Angst haben, da wir ihn bislang auf jeder unserer Reisen mit Auto und Zelt mitgenommen haben.

Pelle war mit uns in Schweden, Südfrankreich und im Sommer 2017 drei Wochen in England. Ich glaube, dass er am liebsten in Bayern ist, weil er hier häufig frei laufen darf, während er im Urlaub meist hübsch an der Leine bleiben muss. Städte findet er auch doof, besonders London. Andererseits liebt er es mit uns im Zelt zu schlafen und lange Spaziergänge oder Wanderungen in der Natur zu machen.

England war für uns alle eine tolle Erfahrung, auch wenn wir uns manchmal verbiegen mussten, damit im Urlaub alle auf ihre Kosten kamen.

Pelle an den „White Cliffs of Dover“ in 360°

Noch mal vor dem Brexit mit dem Hund nach England?

Seit es seit 2012 die Quarantänepflicht für Hunde nicht mehr gibt, ist die Mitnahme des Hundes kein Problem mehr. Ausgenommen sind bestimmte Züchtungen, die ihr hier nachlesen könnt. Es braucht nur noch eine Eintragung in den Heimtierausweis:

  • eine Bandwurmimpfung,
  • eine gültige Tollwutimpfung und einen
  • Mikrochip oder Tätowierung

Na wer weiß, ob ein Großbritannien nach dem Brexit wieder in alte Quarantäne-Zeiten zurückfällt. Das ist jedoch nicht anzunehmen, da der Tierschutz-Minister Lord Taylor die Aufhebung mit den verbesserten Behandlungsmöglichkeiten begründet hatte. Das alte Gesetz stammte übrigens noch aus den 1800er Jahren.

Mindestens 21 Tage vor der Reise

Letzte Gelegenheit die Tollwutimpfung vom Tierarzt aufzufrischen!

Ein bis fünf Tage vor der Reise

Die Einreise für Hunde nach England ist in der Regel kein Problem, sofern die notwendigen Impfungen im Hundepass eingetragen sind. Den Besuch beim Tierarzt sollte man 1-5 Tage vor Antritt der Reise planen, da die Bandwurmbehandlung bei der Einreise nicht länger her sein darf. Ansonsten wäre es spätestens beim Einchecken an der Fähre Schluss.

Zwei Tage vor der Fahrt

Pelle wird normalerweise gebarft, also mit rohem Fleisch ernährt. Da es im Urlaub mit Zelt und nicht ausreichender Kühlmöglichkeit ein wenig schwierig wird mit dem barfen, haben wir uns dieses Mal für Dosenfutter entschieden, das Pelle lieber als Trockenfutter mag. Zwei bis drei Tage vorher fangen wir an, unter das rohe Fleisch Dosenfutter zu mischen, so dass sich sein Magen/Darm an das veränderte Futter gewöhnen kann. Der Anteil des Dosenfutters wird mit jeder Mahlzeit langsam erhöht, so ist es schonender für Pelle.

Am Reisetag:

Wenn wir längere Autofahrten unternehmen, bekommt Pelle in der Früh gar nichts zu essen, da es ihm sonst leichter schlecht wird und außerdem ist er meistens so aufgeregt, dass er gar nichts fressen mag. Unsere nette Apothekerin hat mir noch Globulis gegen Reiseübelkeit empfohlen, die für Mensch und Tier gleichermaßen gut sind. Die geben wir ihm auf der Fahrt und wenn wir auf die Fähre fahren.

Pelle sitzt mit Gurt auf der mittleren Rückbank. Gelegentlich darf er den Platz wechseln. Mehrfache Gassi und Bewegungsstops. Zwischenstopp in Calais mit zwei ausgiebigen Strandspaziergängen. Wir haben diesen Fährhafen gewählt, da die Überfahrt nach England von hier mit 90 Minuten am kürzesten ist.

Mit dem Hund auf die Fähre

Am nächsten Tag Aufbruch nach der Gassirunde. Das Ticket von DFDS haben wir eine Woche vor der Reise gekauft und dabei auch Pelle angegeben. Seine Mitnahme hat One-Way 18 € gekostet. Die Fährgesellschaft ist verpflichtet, die Eintragungen im Hundepass zu prüfen und mit dem Chip am Hals abzugleichen. Unser Auto bekommt an der Windschutzscheibe einen gelben Aufkleber zur Kennzeichnung des mitgeführten Hundes. Es ist den Haustieren nicht erlaubt, sie mit in die öffentlichen Bereiche unserer Schiffe zu nehmen. Pelle muss also im Auto bleiben. So lang es ging, sind wir bei ihm geblieben, bis wir aufgefordert wurden, das Autodeck zu verlassen, was während der Fahrt abgeschlossen wird. Meist werden die Fahrzeuge mit dem Hund,  sofern es die Ladesituation erlaubt, ganz nach vorne durchgewunken, wo die Luft besser ist. Das Fenster lassen wir leicht geöffnet, Pelle darf sich im Auto frei bewegen. Wir haben zur Sicherheit Decken ausgelegt. Von anderen Autos hört man vereinzelt andere Hunde nach ihren Familien rufen.

Während der Überfahrt ist es möglich nach dem Hund zu sehen. Hierfür muss man sich nur an den Infocounter wenden. Man wird bis zum Auto begleitet und wieder zurück. Ich habe es ausprobiert. Pelle saß zum Glück entspannt im Auto. Diesen Kontrollgang haben wir uns bei der Rückfahrt erspart.

Mit dem Hund in London

Zugegeben, der Besuch einer Großstadt ist für einen Hund Stress. Wir waren zwei Tage in London, doch wäre die Alternative gewesen, ihn drei Wochen daheim zu lassen? Pelle ist ein „Naturhund“, der mit uns in München schon im Welpenalter in der U-Bahn mitgenommen wurde oder einen Stadtspaziergang gemacht hat. So ganz unvorbereitet war er daher nicht. Hier hat es ein „stadt-trainierter“ Hund auf jedenfalls einfacher, als ein Vierbeiner, dem die Geräusche und das Toben der Stadt neu sind. Prüft in diesem Fall, ob ihr bereits im Vorfeld einer Reise ein „Citytraining“ einschieben könnt.

In Zug, U-Bahn (Tube) und Doppeldeckerbus

Wir hatten Fahrzeiten gewählt, in denen der Berufsverkehr im öffentlichen Nahverkehr schon abgeklungen war. Kleine und mittelgroße Hunde finden ein ruhiges Platzerl, wo man nicht Angst haben muss, dass jemand unachtsam über die stolpert, da es immer ganz schön eng zugeht.

Clover trains on the Tube / Clip von Guide-Dogs

Obwohl der Nahverkehr ganz schön teuer ist, fahren Hunde kostenlos. Einen Maulkorb brauchen sie nicht, wie in manch anderen Ländern.

Im Doppeldeckerbus

Pelle fand es spannend vorne aus dem Doppeldeckerbus zu gucken. Mit dem Hund an der Leine von oben unter Zeitdruck den Bus zu verlassen, ist nicht immer unkompliziert, da man sich selbst ja auch noch irgendwo festhalten muss. Ansonsten hat uns die Fahrt mit dem englischen Original mehr Spaß gemacht, als mit der U-Bahn.

In der U-Bahn

Verwirrend viele verwinkelte und lange Gänge, heiß und eng. Für eine längere Fahrtstrecke kommt man nicht an der U-Bahn vorbei. Pelle war immer bei uns. Auf Rolltreppen haben wir ihn getragen, wenn es keine normale Treppe gab. Die Ein- und Ausgangsbereiche sind Klapptore, die sich bei gültigem Ticket öffnen und sich schnell wieder schließen. Hier heißt es den Hund an die kurze Leine zu nehmen und schnell das Gate passieren, dass er dass zurückschnellende Tor nicht an den Kopf bekommt!

Der Ärger mit dem ungefragten Steicheln von Hunden

Offenbar haben es viele Menschen noch nicht gelernt, den Hundehalter vor dem Streicheln zu fragen und den Hund nicht einfach überraschend am Kopf oder Körper zu kraulen. Pelle mag das nicht, da er ein scheuer Hund ist, der erst mit Menschen Freundschaft schließen will, bevor er sich von ihnen streicheln lässt. Besonders in London hatten wir viel Ärger damit. Bei Kindern kann man es verstehen, wenn sie Pelle zur Verabschiedung nicht noch einen Tritt geben. Zum Glück war das eine Ausnahme. Uns hat das zunehmend aufgeregt. Würden wir das nächste Mal nach London fahren, bekäme Pelle einen Maulkorb um, um den Niedlichkeitsfaktor signifikant zu reduzieren. Wie das Pelle finden würde, wissen wir nicht, da er keinen braucht, da er sehr lieb ist. Wir haben versucht frühzeitig die Situation zu erkennen und bei Streichelalarm die Leute zu warnen, dass der Hund das nicht mag „und „beißen könnte“. Manchmal hilft eine Notlüge.

Mit Hunden in Restaurants und Ladengeschäften

Sehr häufig durften wir mit Pelle beim Shopping nicht in den Laden. Andere Stores waren lockerer. Einfach vorher Fragen. Meist findet man am Eingang bereits die Information, ob Hunde willkommen sind oder nicht. In kleineren Shops, vielleicht auch weil sie privat geführt, war man z.B. fast immer aufgeschlossen.

Auf der Website von Doggie Pubs findet ihr eine Liste von Pubs in UK, die dog-friendly sind. Die Übersicht gibt’s auch als kostenpflichtige App.

Wie vertragen sich Hunde und Sehenswürdigkeiten?

Hunde sind nahezu von allen Sehenswürdigkeiten ausgeschlossen. Da hilft es nur sich zu teilen und getrennt die Attraktion (z.B. Museum, Pleasure Pier in Brighton) zu buchen. Wir hatten das Problem, dass wir durch die getrennte Besuche keine günstigeren Familieneintrittspreise nutzen konnten. Besonders ärgerlich war es in Portsmouth, wo man nicht mal das Freigelände der Dockyards besuchen durfte. Da die Eintritte insgesamt sehr teuer sind, geht ein Familienausflug von zwei Erwachsenen und zwei Kindern schnell richtig ins Geld.

Der National Trust (link) bietet eine kostenlose App, über die man auch unterwegs hundefreundliche Sehenswürdigkeiten suchen kann. Aber das ist zur Hälfte richtig. Natürlich darf man in die Gebäude nicht mit einem Hund besuchen. Das gilt auch für viele Garten- und auch Wiesenbereiche, die als Picknickbereiche genutzt werden. Wer eine National Trust Touring Card besitzt und somit eine Sehenswürdigkeiten-Flat besitzt, mag das wegstecken. Wer 20 Pfund für einen Eintritt eines Herrenhauses bezahlt und es nicht besichtigen kann, weil er lediglich Teile des Parks ansehen kann, die zudem häufig kostenlos betreten werden können, wird sich berechtigt ärgern. Dennoch bietet der National Trust ganz tolle Dog Walks an, die ihr Euch hier mal ansehen könnt.

Dog Friendly days out with the national trust / Clip von Vets4Pets

In Städten und Städtchen: Richtig entspannen kann Pelle in der Großstadt nicht. Das kann nicht mal der Mensch. Es gibt in London einige Parks, die sich gut für einen enspannten Spaziergang oder einer Pause auf der Wiese oder einen der Liegestühle einladen. Leider dürfen Hunde auch hier meist nicht ohne Leine laufen, besonders dort, wo Teiche mit Enten sind. Schilder beachten! Auf der Website von Blue Cross habe ich eine tolle Übersicht an Dog-Walks in London gefunden.

Wer das Hundehäufchen nicht wegräumt und dabei erwischt wird, muss übrigens mit einer Strafe von 80 Pfund rechnen.

Draußen mit dem Hund

Wer nach England reist, dann weniger wegen dem warmen Wetter und den tollen Badebuchten. Auf unserer Reise war es häufiger im August empfindlich kalt und regnerisch. Wer auf die Insel fährt, wird es wegen der Natur, London und Rosamunde Pilcher machen, vielleicht auch noch Pater Braun.

Sich mit dem Hund bewegen, gehört für jeden Hundehalter, zum täglichen Ritual. Daheim kennt man seine Runden, im Urlaub muss man sich meist täglich neu orientieren.  Ein Englandurlaub lebt in der Natur. Gibt es z.B. in Schweden das “Jedermannsrecht”, wo man sich auch auf privaten Grund bewegen darf, sofern die Privatsphäre des Besitzers nicht stört, gilt dies in England absolut nicht. Es gilt, sofern nicht gekennzeichnet, immer Befahrungs- und Betretungsverbot. Mit dem Auto auf fremden Grund parken und Wandern geht nicht, wenn ihr Ärger aus dem Weg gehen wollt.

Öffentliche Wege, die auch über fremden Grund gehen heißen “Public Footwalk”. Es gibt mehr als man denkt. In lokalen Wanderkarten sind sie eingezeichnet. Mensch und Hund haben dort leider auf den Weg zu bleiben. Einen Startpunkt findet man gut in einer Ortschaft.  An der Küste mussten wir für die öffentlichen Parkplätze meist zahlen (Pay & Display).

Die Buchserie Countryside Dog Walks“ beschreibt viele schöne Wanderungen für jeweils eine Region. Bücher haben wir häufig in den Stores des National Trust gesehen. Man kann sie aber auch schon vor der Reise auch bei Amazon UK (link) kaufen und sich damit auf die Reise vorbereiten.

Die Sache mit dem frei Laufen lassen

In Südengland findet man viele lichte Laubwälder, deren Boden mit dichtem Farn bedeckt sind. Darin viel Brombeeren und anderes stacheliges und langästeliges Geäst. Pelle hat dort einmal regelrecht festgesteckt und Panik bekommen. Er hat sich am Ende befreien können.  Lass sowas an an der falschen Stelle passieren. Aber es ist natürlich nicht überall gleich. Am Ende entscheidet ihr situationsbedingt und nach dem Charakter eures Hundes wo ihr die Leine löst. Ist es z.B. ein freies Feld, Wald, oder weiden irgendwo Schafe? Muss man von der Jahreszeit her auf Bodenbrüter Rücksicht nehmen? Seit ihr alleine oder unterwegs wo viele Menschen sind und gibt es klare Regelungen?  Wie führen die anderen Hundehalter ihre Doggies? Auch ist nicht jeder Hund gleich. Manche bleiben schön bei ihren Herrchen und Frauchen, manche folgen stark ihrer Nase. Wo es ging und verantwortlich war ließen wir Pelle laufen, Risiko wollten wir aber nicht eingehen.

Hunde auf dem Campingplatz

Auf jedem von uns angefragten Campingplatz waren Hunde kein Problem, sofern sie an der Leine geführt werden. Sie waren sogar kostenlos. Jeder Hundebesitzer freut sich, wenn die Gassirunde an keiner befahrenen Straße ist und etwas Auslauf findet. Während man in London lediglich eine Runde durch den Campingplatz gehen konnte, gab es auf Longthorns Farm einen „Dog-Walk“, den es wohl auf manchen Campsites häufiger gibt. Am Anfang und Ende – eigentlich überall – gab es für die Entsorgung einen Behälter. Aber auch auf den anderen Plätzen haben wir immer einen schönen Weg gefunden, der für Mensch und Tier eine Bereicherung war. Einfach an der Rezeption fragen. Hier kennt man sich aus und kann Empfehlungen geben, wo es sich zu gehen lohnt. An der Rezeption gibt es in der Regel auch dog waste bags zu kaufen, sofern man sich nicht zum Start der Reise ordentlich damit ausgestattet hat.

Tipps fürs Campen in England

  • Unsere Tipps über das Campen habe in einen eigenem Beitrag zusammengefasst. Weiterlesen
  • Eine Liste von Campsites, die „dog friendly“ sind findet ihr hier.

Haftungsauschluss

Die Informationen beruhen auf Informationen zur Reisezeit im August 2017. Da sich die Bedingungen auch kurzfristig ändern können, sind die Informationen daher vor dem Reiseantritt noch einmal zu verifizieren. Z.B. hier Die Entscheidung über die Durchführung einer Reise mit dem Hund liegt allein in eurer Verantwortung.

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