Wanderung zum Wasserschloss Reisach im Mangfallpark

Es ist Sonntag und unserer Tochter gehts nach einer Woche Krankenstand wieder ganz gut. Sie hatte das Haus kaum verlassen und entsprechen blass strahlt ihr Taint. Weil auch meine Eltern sich anschließen sollten, ratterte das Gehirn: Eine Runde sollte es sein, die ohne großen Matsch auskommt. Natürlich landschaftlich reizvoll, von der Länge her variabel, unkompliziert erreichbar und eine interessante Story im Petto. Die Wahl fiel schnell auf Unterthalham im Mangfalltal. Die Tour: Variabel von Spaziergang bis Wanderung und etwa 8 oder 10 Kilometer Laufstrecke. Hin und zurück zum Wasserschloss sind es sogar nur knapp 4 Kilometer.

Losgewandert: Im Mangfalltal bei den SWM

Wir nutzen den Parkplatz südlich des Bahnüberganges bei der Zufahrt zum Betriebshof der Stadtwerke München. Der Weg ist asphaltiert. Klasse für Skater! Am Schlagbaum vorbei. Schon nach wenigen 100 Metern kommt auf der rechten Seite die „Hangquellfassung Gotzing“,  dessen 520 Meter langen Quellsammelstollens 1/4 des Trinkwasserbedarfes der Landeshauptstadt deckt. Spektakulär, nur wenn man es weiß.

Unterthalham, das verschwundene Dorf

Als münchner Ausflügler hätte man vor 70 Jahren den Ausgangspunkt bequem mit der Dampfeisenbahn erreicht. Heute gäbe es dabei Probleme, zumal es zwar die Bahnlinie, nicht jedoch den Bahnhof gibt. Um, wie die Stadtwerke München auf ihrer Webseite schreiben, den „Trinkwasserbedarf von über 1,5 Millionen Menschen ökologisch verantwortungsbewusst zu decken“, wurde im Laufe der Jahrzehnte drei Versorgungsgebiete erschlossen, die sich sinnvoll ergänzen und eines der „besten Trinkwasser Europas aus dem Voralpenland nach München bringen: das Mangfalltal, die Schotterebene und das Loisachtal.“ Und hier sind wir. Damit die Münchner ihren Wasserbedarf von mittlerweile 128 Liter pro Kopf und Tag zu decken, wurden hier ab 1879/80 mehrere Trinkwasserfassungen gegraben.

1930 gelang es München , die Papierfabrieken inReissach und Bacherach aufzukaufen, wie man beim Verein d. Wasserschutzzonengeschädigten Thalham-Darching e. V. lesen kann. „Über 70 Gebäude kamen von dem Dorf durch Aufkauf und Zwangsräumung in den Besitz der Stadt München, um sie dann abzureißen“. Die Gründe: damit das Trinkwasser imUntergrund rein bleibt, darf an der Oberfläche nichts sein, was das Wasser verdreckt. Nur noch vom ehemaligen Bahnhof sind wenige Reste des Bahnstiegs übrig.

Und  dernTrinkwasserbedarf von München ist noch nicht gestillt. Nur deppert, wenn man gerade da wohnt und seit Generationen wirtschaftet, wo das so gute M-Wasser gewonnen wird. Ist leider auch hier so, dass einer den Preis für die Lebensqualität der anderen zahlt, die unbedacht ihre Haufen,  mit wertvollsten H2O runder“schwoabm“.

Gleich nach der Mangfallbrücke folgen wir rechts dem Uferpfad. Vorbei am Zusammenfluss der Schlierach mit der Mangfall und weiter, bis der Weg wieder auf die Strasse führt. Vor der Schlierachbrücke gehen wir den Wirtschaftswege noch

mal nach links, um die Gleise der BOB zu queren. Weiter gehts, nach Süden, bis uns ein seltsames Bauwerk irritiert. Eine Äquadukt überspannt den Talbogen, inklusive der Oberlandbahn-Gleise. Die Wasserbrücke ist eigentlich das Ausleitungssystem für das Leitzachkraftwerk in den Seehamer See, deren Stollen von den Wehranlagen bei Weidenau und Wallenburg Wasser aus der Schlierach und Mangall kilometerlang zur Stromgewinnung umgeleitet.

Der Huflattich

Als einer der ersten Blüher im Frühling leuchtet uns der Huflattich ganz

Huflattich

Huflattich

gelb und frech entgegen. Wir freuen uns
über jeden Farbklecks, der einem in dieser
tristen Wintergegend entgegenleuchtet.
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„Nix los hier“. Das hat sich im Tal wohl auch der Bahnwärter gedacht, der hier einen Bahnübergang ins Nichts bewacht hat. Und natürlich die Bundesbahn, die den Herrn dann nach Hause geschickt hat, wegen unnützer Kostenstelle und so.  Die zwei gelb-schwarzen Schlagbäume liegen nun seit 1998 geschlossen (wenn man dem Kalender trauen darf) neben dem Häuserl No. 6 und warten auf jemanden, der sie wieder in Bewegung setzt.

Bei Wallenburg gehen wir über die alte Brücke und den Hang hinauf. Im Winter kann man am Hang gegenüber das Schloss sehen. Wir folgen dem Weg den Hang hinauf und schneiden die Felder nach Westen gehend so ab, dass wir  nach knapp über einem Kilometer vom „Platteau“ einen Hohlweg runter ins Mangfalltal steigen (siehe „Kleine Orientierungshilfe“). Auf einem guten Weg gehts ab hier wieder nach Norden bis uns im „Mangfallpark“ das Wasserschloss Reisach empfängt. Die Landschaft erinnert etwas an den englischen Garten.  An der Schlierachbrücke schließt sich der Kreis.

Gotzinger Trommel

Am Besten nach der Wanderung macht man noch einen Abstecher in die „Gotzinger Trommel“. Wer noch Fit ist geht den Fußweg den Hang hinauf zur Gaststätte. Der Gastraum gehören zu den Urigsten, welche das Umland von MDSC01031ünchen zu bieten hat (wie die Website). Auch der Wirt Hans Triebel ist ein Original, der sich gerne zu seinen Gästen hockt und nach den Lebensumständen fragt. Ein interessantes Gespräch ist dabei noch immer entstanden. Wer allerdings des Bayerischen nicht mächtig ist könnte ein Problem haben, denn hier wird noch Dialekt gesprochen. Achtung: „Tschüss“ freie Zone!

Kleine Orientierungshilfe

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MANGFALLPARK

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Parkplatz: 47.834333, 11.808200
Wasserschloss Reisach: 47.820993, 11.812406
Wasserbrücke: 47.818255, 11.825109
Parkplatz: 47.834333, 11.808200
Gotzinger Trommel: 47.826780, 11.806660
Verdammtes Bahnwärterhäusel: 47.812196, 11.830044
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Trinkwassersafari im Mangfallpark Wegvariante 2

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Trinkwassersafari im Mangfallpark Wegvariante 2 47.828023, 11.808114 Trinkwassersafari im MangfallparkEntfernung: 9.7 kmDauer: ca. 2,5-3 StundenCharakter:Landschaftlich reizvolle und abwechslungsreiche Runde zum Quellgebiet des Münchner Trinkwasser. Schöne HunderundeBesonderheit: Wasserschloss Reisach, WasserbrückeKeine Einkehrmöglichkeit unterwegs (Routenplaner)
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