Familien-Rundwanderung von Steingaden zur Wieskirche

(Wanderung 10,7 Kilometer) In einem alten Fotoalbum existiert ein Bild aus den 70er-Jahren. Ich mit strohblondem Topfhaarschnitt, rot-weiß kariertem Hemd und Bundhose, irgendwo auf dem Weg zwischen Steingaden und der Wieskirche. Ich erinnere mich daran, auch dass sie jwd lag, die Kirche weißgolden war, mit Putten und Stuck bis unter die bemalte Decke gefüllt. Sie gilt als eine der zehn schönsten Kirchen in ganz Deutschland und ist nicht umsonst UNESCO Weltkulturerbe. Zeit an einem schönen Herbsttag die Wandertour zu wiederholen und den traumhaften Pfaffenwinkel zu genießen.

Das erwartet euch auf der Wanderung zur Wieskirche

  • Highlight ist natürlich die Wieskirche, von der es im Weltkulturerbe Kataster heißt: „Außergewöhnlich gut erhaltene Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland  … eine glänzende Schöpfung des bayerischen Rokoko und Zeugnis lebendiger religiöser Traditionen“. Außerdem ist in Steingaden die Klosterkirche und der beschauliche Klostergarten „St. Johannes“ eine Besichtigung wert.
  • Die Wege sind unkompliziert und gut gangbar. Hohe Steigungen gibt es nicht zu bewältigen. Es erwarten euch Wiesenpfade, Forst- und geschotterte Wanderwege, aber auch kleine Teerstraßen mit wenig Verkehr. Auf gutes Schuhwerk ist dennoch zu achten, da es bei Regen matschig werden kann. Toll ist auf dem Rückweg der „Brettleweg“ (nicht kinderwagentauglich) durch das Moos und das schöne Bachtal.
  • Einkehrmöglichkeit gibt es im Gasthaus Schweiger, direkt neben der Wieskirche, oder im Gasthof Moser, nahe dem Parkplatz. In Steingaden am Anfang oder Schluss der Wanderung bietet sich z.B. die Klosterschänke an.
  • Anfahrt nicht nur mit dem Auto, sondern auch dem Flixbus möglich (wegen Corona ausgesetzt).

Anfahrt nach Steingaden mit dem Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln

  • Anfahrt mit dem Auto: Je nach Route betragen die Kilometer ab München-Sendling zwischen 76 und 93 Kilometer. Als Fahrzeit sind zwischen 1:10h und 1.30h einzuplanen. Parkt in Steingaden am öffentlichen Parkplatz in der Kissingerstraße 12a, 86989 Steingaden, (Google Link).
  • Öffentliche Anreise: Leider sieht es so aus, als ob derzeit die Flixbuslinie nach Steingaden/Füssen nicht mehr angeboten wird. Lt. Google bleibt dann nur noch eine Anfahrt mit Bahn und Regionalbus mit der unattraktiven Reisedauer von 3:54 h. Hoffentlich werden nach Corona wieder die Strecken von Flixbus bedient!

Losgewandert in Steingaden/Pfaffenwinkel

  • Wir starten am öffentlichen Parkplatz nördlich der Friedhofsmauer. Es ist früh am Morgen. Erst folgen wir der Kissingerstraße 50 Meter nach Westen, biegen dann an der nächsten Möglichkeit links ab, um nach wenigen Metern auf den kleinen Klostermarkt zu stoßen. Der Straßenplatz ist der Kirche vorgelagert. Gasthaus, Apotheke, Klosterladen, Bäckerei, die Wohn- und Geschäftshäuser, stammen aus dem 17./18. Jh. Ins Münster kommt man über den kleinen Durchgang im Torhaus am Osten.
  • Den Platz verlassen wir über die Welfenstraße, rechts durch den Bogen neben der Brot- und Feinbäckerei Moser. 230 Meter folgen wir der Straße nach Süden, vorbei am Klostergarten St. Johannes und der Klosterschänke.

Steingaden mit dem Welfenmünster St. Johannes Baptist

Das Welfenmünster geht auf die Zeit des zweiten Kreuzzuges im Jahr 1147 zurück, das Markgraf Welf VI vor seiner Reise ins Heilige Land als Hauskloster und Grabstatt der Welfen gründete. Das ehemalige Kloster und die Prämonstratenser-Stiftskirche hat in seiner bewegten Geschichte viele Veränderungen erlebt: Errichtet als romanische Kirche mit Doppelturmfassade wurde sie zwischen 1470 und 1491 im Stil der Spätgotik umgestaltet. Nach Brand und Plünderung im Bauernkrieg erstand sie um 1530 neu im Gewand der Renaissance. 1663 fiel sie dem 30-jährigem Krieg zum Opfer, um als barocke Anlage neu aufzuerstehen. 1803 wird das Kloser im Rahmen der Säkularisation aufgelassen. Heute dient das Welfenmüster, das von 2017 bis 2019 aufwändig renoviert wurde, als katholische Pfarrkirche von Steingaden.

Klostergarten  St. Johannes

Der knapp 1000 qm gr0ße Klostergarten in der Welfenstraße sieht sich als Oase für alle Sinne und immer geöffneter Lehr- und Meditationsgarten. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt auf Heilpflanzen für Mensch und Tier, die im nahen Kloster und später in der Dorfapotheke Verwendung fanden. Das spirituelle Zentrum ist ein Steinlabyrinth mit mäanderförmigen Umkreiswegen, das den Lebensweg des Menschen hin zur seiner eigenen Mitte symbolisiert.

Durch Steingaden über den Eulenweiler, Litzau zur Wieskirche

  • Nach dem Sägewerk biegen wir links in die Graf Dürkheim Straße ein, die in einem Rechtsbogen hangaufwärts führt. Gegenüber der Tagungsstätte Karl-Eberth-Haus führt links ein Fußweg durch eine Allee alter Bäume 270 Meter weiter nach oben.

Option 1: Auf der Teerstraße nach Litzau (kürzer)

  • Einfach links der Teerstraße 1,7 Kilometer nach Litzau wandern. Zugegeben, auf Teerstraße hatten wir selbst keine Lust, auch wenn die Zahl der Autos eher wenig waren. Darum haben wir uns für Option 2 entschieden. Sie ist insgesamt etwas weiter, reduziert aber die Teerstraßenlauferei um einen Kilometer. Außerdem kommt ihr am schönen Eulenweiler vorbei.

Option 2: Über den Eulenweiler nach Litzau (länger, aber schöner)

  • An der Teerstraße 65 Meter rechts gehen und am nächsten Feldweg gleich wieder links abbiegen. Den Eisweiher seht ihr relativ schnell auf der rechten Wegseite. Schöner ist der Eulenweiher, auf den ihr nach insgesamt 640 Meter in einer Waldsenke stoßt. Der Weg führt ab hier in einem Linksbogen hinter dem Weiher vorbei, bis er nach 1,3 Kilometer auf die Teerstraße nach Litzau trefft. Unterwegs nicht links den Hauptweg verlassen. Der Teerstraße knapp 300 Meter bis zum kleinen Ort folgen.
  • Der Ort mit den wenigen Gehöften ist schnell durchquert. Hinter Litzau wird bald die Teerstraße zum Schotterweg, der nach dem Schwarzenbacher Forst (1,2 Kilometer) die Staatsstraße 2559 erreicht. Auf der gegenüberliegenden Seite der Fahrstraße zur Katholischen Landvolkshochschule folgen. Auf der rechten Seite entdecken wir bereits die Silhouette der Wieskirche hinter den Wiesen.
  • 300 Meter weiter und gegenüber dem Bildungs- und Tagungszentrum, verläuft der alte Wallfahrtsweg entlang alter Bäume direkt nach Süden und geradewegs auf die Wieskirche zu. Das Wallfahrtskreuz ist nach 500 Meter erreicht. Den Rest geht’s au der Teerstraße, was aber nicht weiter tragisch ist, da wir mit dem tollen Blick auf das mittlerweile sehr nahe Weltkulturerbe belohnt werden.

Wieskirche im Pfaffenwinkel

Es begann mit mutmaßlichen Tränen, welche die Bäuerin Maria Lory in den Augen der Statue des gegeißelten Heilands entdeckte. Das Tränenwunder zog zunehmend Pilger an. Erst wurde eine kleine Kapelle gebaut, dann ein prächtiger Kirchenbau vom Kloster der Steingadener Prämonstratenser geplant. Die heutige Wieskirche wurde von 1745 bis 1754 von den Brüdern Johann Baptist und Dominikus Zimmermann im Stile des Rokoko errichtet. Sie zählen zu den bedeutendsten deutschen Rokokobaumeister und Stukateuren.

Die Wieskirche am Sonntagmorgen. Blick vom Süden.

Die hohen Kosten für den Bau der Wallfahrtskirche brachten das Kloster Steingaden in enorme finanzielle Schwierigkeiten, von denen es sich bis zur Auflösung im Jahre 1803 nie mehr ganz erholte. Seit 1983 gehört die Wieskirche zum Weltkulturerbe. Vor Corona wurde die Wieskirche von jährlich bis zu 1 Mio. besucht.

Zurück nach Steingaden über den Brettl-  und Prälatenweg gewandert

  • Die Wies steht nicht nur für Weltkultur, sondern auch für schnöden Kommerz. Und genau da müssen wir jetzt durch. Erst mal an der Wieskapelle die Staatsstraße überquert, dann am gut bestückten Kiosk vorbeispaziert. Wie wäre es mit Alpen-Murmeltier-Salbe, bayerische Fahnen, -Caps, Souvenier-Medallien oder Eis? Für uns war es einfach noch zu früh. Der Wanderweg führt um den Gasthof Moser herum und hinter dem letzten Haus im Westen durch ein Drehkreuz auf einen Wiesenweg.

Moore um die Wies: Das Wiesfilz

  • Nur kurz gehts durch ein kleines Waldstück, denn dahinter beginnt gleich das Wiesfilz. Knapp 300 Meter sind es, auf denen wir über Brettern das Moor überqueren. Das Naturschutzgebiet „Moore um die Wies“ ist 378 Hektar groß und ist im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzwerks Natura 2000 ausgewiesen. Das am besten zugängliche Teilgebiet ist der Wiesfilz. Über den Steg kommt man nah in das sensible Ökosystem, in dem Sonnentau, Kiefern und Libellen zu beobachten sind. Obacht, ein Schritt neben den Weg bringt schnell nasse Füße!
  • Hinter dem Wiesfilz wandern wir zunächst 350 Meter bis zur Gabelung durch den Wald. Hier rechts auf den Forstweg abbiegen und 370 Meter nach Norden gehen. An der nächsten Möglichkeit links Richtung Steingaden halten. 2,2 Kilometer dem Weg folgen, der mal durch Wald, dann über grüne Wiesen oder entlang einem plätschernden Bach führt, bis er auf die ersten Siedlungshäuser stößt. 300 Meter weiter ist die B17 erreicht. Rechts abbiegen.

    Kurzzeitig nervt der Verkehr, aber nur 300 Meter lang, bis hinter der Schönegger-Käsealm. Hier gehts rechts den kleinen Neuhausbach 270 Meter entlang bis sich der Kreis unserer Wanderung an der Graf Dürckheim Straße schließt. Wir haben noch einmal einen Stopp im Klostergarten St. Johannes eingelegt. Schade, dass Pelle vor dem Gatter warten musste. Aber nicht lange. Die Wiedersehensfreude ist einfach zu schön!

Wanderkarte Steingaden Wieskirche

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