Rundwanderung bei Weyarn: Von Großpienzenau, Reichersdorf nach Neukirchen

(Wanderung, 7,5 Kilometer) Zwei Jahre haben wir am Taubenberg von der Fentberg Kapelle Richtung Neukirchen geblickt und das malerische Panorama östlich der Straße nach Miesbach bewundert, aber das offensichtlich Spannende nicht erwandert. Neulich –  Gedankenblitz – dann doch nachgeforscht, welche Optionen sich zu gehen lohnen. Ergebnis: Die Runde hat sich bewährt! Nahe bei Weyarn und damit sehr gut mit dem Auto zu erreichen, kann man auf dieser Halbnachmittagsrunde überraschend schöne Ausblicke in die Alpen und das bayerische Voralpenland werfen. Wir wandern auf Wiesenpfaden, Feldwegen und kleinere Teerstraßen mit wenig Verkehr. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die durchquerten Orte authentisch. Wer will, kann zum Ende in Neukirchen den Wirt an der Kirche besuchen.

Losgewandert im Weiler Einhaus, am Buchholz, Weyarn

Dort wo die Straße am Buchholz in Weyarn einen Knick nach Osten macht, suchen wir uns einen Parkplatz. Viel Platz ist nicht, aber es ist hier auch nicht mit einem großen Auflauf vieler Wanderer zu rechnen. Genau am Eck, dort wo das Wegkreuz steht, beginnt unsere Tour. Ein schöner Wiesenpfad schlängelt sie ab hier nach Süden.

Wir sehen auf der anderen Seite des Mangfalltals den Taubenberg. Diesmal geht der Blick in die andere Richtung. Am Nachmittag ist es hier besonders schön, weil Sonnenlage. Unter uns die Straße nach Miesbach. Wäre gelogen, wenn man sie nicht hören würde.

Der Weg scheint auch bei Hundebesitzern beliebt zu sein, denn schon am Start befindet sich eine Box mit Häufchentüten, sowie ein Abfall. Nach etwa 600 Metern erreichen wir über die Wiesen den höchsten Punkt. Gitta und ich wollen uns das näher ansehen und machen einen kurzen Abstecher. Was hier wie ein Wehrwall mit kleinem Wachturm aussieht, ist aber keine Burg, sondern ein Wasserspeicher, an dessen westlicher Hauswand eine Bank steht. First come, first serve. Wir waren nicht schnell genug, denn dieser Platz ist toll seinen Blick in die Ferne zu werfen und Wärme zu tanken oder ein gutes Gespräch zu führen, wie wohl die beiden Bankbesetzerinnen. Über Weg oder Wiese kommen wir zurück auf den Weg, der uns weiter nach Süden bringt, bis wir auf eine Nebenstraße stoßen. Nur 100 Meter gehen wir nach Osten zum Waldrand, um dort rechts 130 Meter einen etwas rumpeligen Waldweg zu folgen, der leicht ansteigend bis an ein Drehkreuz im Zaun führt.

Über die Wiesen nach Großpienzenau

Der Wiesenpfad verläuft an den Stempen süd-westlich. Keine Angst, ihr kommt schon bald auf einen Wirtschaftsweg, den wir bis nach Großpienzenau folgen. Die Kühe auf den Weiden rechts und links beobachten uns neugierig. Es ist genau die Zeit zurück in den Stall getrieben zu werden.

Das Adelsgeschlecht der Pienzenauer

An der Baumgruppe links oberhalb hat einst der Turmhügel „Burg Altpienzenau“ des Geschlechtes der Pienzenauer gestanden. Die Pienzenauer waren ein altes bayrisches Adelsgeschlecht, die an vielen Stellen in Altbayern ihre Spuren hinterlassen haben, vom Alpenvorland, im Inntal und in das Gebirge hinein bis zur Zillermündung. So also auch hier: Im Inventar der Burgen Oberbayerns steht zu lesen, dass die Burg beim Kistlerbauer 1065 wurde die Burg „Bientzenova arx“ genannt wurde und bis 1560 bestanden hat. Etwa 800 Meter südwestlich wurde später eine weitere Festung gebaut, die als der Stammsitz der Pienzenauer gilt. Zu sehen ist nichts mehr, da aus den Steinen die Kirche von Kleinpienzenau gebaut wurde.

Unsere Wanderung  vom Gut Herrmansdorf zum Wildenholzener Burgberg bringt uns ebenfalls in Kontakt mit derer von Pienzenau, die dort lebten.  Zur Wanderung

Nicht vom Namen irritieren lassen. Großpienzenau besteht eigentlich nur aus ein paar Bauernhöfen und ist nicht wesentlich größer als Kleinpienzenau, was etwa einen Kilometer weiter südlicher liegt und immerhin eine Kirche besitzt. Über die Egertstraße stoßen wir auf die Burgstraße, auf der wir nach Osten wandern und in der Verlängerung zum Waldeckweg. Die Richtung behalten wir bei, bis wir auf einem Feldweg nach dem Bauernhof den Waldrand erreichen. Über die Wiesen sehen wir den spitzen Kirchturm von Kleinpienzenau.

Über uns fährt ein Ballon im blauen Himmel.

Von Großpienzenau über Reichersdorf nach Neukirchen

Im Wald halten wir uns an den Weg, der links im Halbkreis um den kleinen Hügel führt. An Abzweigungen rechts halten. Nach knapp 1000 Metern stößt man auf die Teerstraße, der man nach links zum Weiler Grainholzer führt. Links am Bauernhof vorbeigehen und den Feldweg zurück nach Nordosten folgen. Reichersdorf erreicht man nach einem Kilometer. Der spitze Kirchturm weist uns nach dem Waldstück den Weg. Der Ort besteht nur aus wenigen Bauernhöfen.

Es ist Mittwoch, weswegen wir auf eine Einkehr im Gasthaus M. Rank verzichten müssen. Das Speisenangebot beschränkt sich auf Brotzeit und geöffnet hat man nur am Sonntag.

Der mysteriöse Erdstall von Reichersdorf

Die Erdstallkapelle in Reichersdorf. Darunter geheimnisvolle Gänge

Wir kommen auf unserer Wanderung an einer etwas ungewöhnlichen runden Kapelle vorbei. Über dem Eingang rechts der Straße kommt man in  ein rätselhaftes unterirdsches Gangsystem, was „Erdstall“ genannt wird und in Süddeutschland, Österreich und vereinzelt in anderen Ländern Europas zu finden sind. Beim Bau eines Brunnes stieß man 1640 auf die seltsamen Gänge. Die Kapelle wurde errichtet, da man dem Wasser aus dem Brunnen und dem Erdreich aus der Kreuzkluft nachgesagt hatte, „krankhen Leuthen und Vieh“ zu helfen. Quelle  Lochenstein.de  Weitere Informationen.  Warum die unterirdischen Gänge 950 und 1050 gegraben wurden, weiß man bis heute nicht. Die Theorien reichen von Fluchttunneln, Verstecken oder Orte für rituelle Handlungen. Spannend!

Interessanter Beitrag von München TV zur  „Erdstallexpedition in Reichersdorf“:

Die Runde schließt sich: Neukirchen und beinahe Einkehr im Landgasthof

Wir verlassen Reichersdorf auf der Teerstraße, die auch Reichersdorfer Straße heißt. Wegweiser nach Neukirchen beachten. Es geht hangaufwärts. Hier ist wenig los, dennoch auf den Verkehr achten! Den Seehammer See sieht man im Osten blitzen. Das Schmelzwasser der Gletscher hat in der Eiszeit diese abwechslungsreiche hügelige Landschaft geschaffen. Neukirchen ist schnell nach 900 Metern erreicht. Deja vu? Waren wir nicht gerade hier? Zwiebeltürme waren hier einst nicht en vouge, sondern schlanke, hohe und Nadelspitze Kirchtürme. Immerhin hat der Ort einen Wirt …

Was haben wir uns auf den Wirt in Neukirchen (am Löschteich) gefreut, doch ein Pächterwechsel macht uns einen Strich durch unsere Rechnung. Der Gasthof hat geschlossen, ab November 2018 soll aber ein neues Team am Start sein. Wir sind gespannt!

Zum Auto ist es jetzt nicht mehr weit. Wir folgen die Pienzenauerstraße nach Süden und gleich am Ortsende rechts der Straße „Am Buchholz“ ca. 500 Meter nach Osten. Die Adresse kennen wir doch!

Schön war die Wanderung und spannend!  Ich gestehe, die Sache mit dem Erdstall hab ich erst im Nachhinein rausgefunden, weil ich mehr über die interessante runde Kapelle herausfinden wollte. Viel Spaß beim Nachwandern!

Kleine Orientierungshilfe

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Großpienzenau-Reichersdorf-Neukirchen-Runde 7,7 Kilometer

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 47.842600, 11.818714
Landgasthof Neukirchen: 47.847345, 11.825237
M. Rank: 47.840699, 11.835837

 

 

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