Nicht wandern, sondern entdecken: Goldbach, Vagen und Energie

Das habe ich auch noch nicht erlebt. Für den Wanderabschnitt entlang des Goldbachs habe ich die Androhung einer Unterlassungserklärung von einem Grundstückseigentümer erhalten. Seine Anmerkung: die Nutzung des Naherholungsgebietes richtet sich an die Gemeindebewohner. „Münchener sind damit aber nicht gemeint.“ „Stadtbewohner lassen leider viel Müll liegen und ihre Kinder leiten Wasser um ..“.  Da auf Nachfrage  unsere Website genannt wurde, soll der Beitrag natürlich weg, da Hurra, draußen wohl nur von Münchenern gelesen wird. Derlei befremdliche Pauschalurteile muss man eigentlich nicht kommentieren, zumal der Art. 26 „Recht auf Naturgenuss und Erholung“ im Bayerischen Naturschutzgesetz keine Sonderbehandlung kennt. Trotzdem neben wir Naturschutz ernst! Während Corona hatte ich mehrere Touren auf Bitte von Anwohnern geändert und besonders schnell, wenn die Natur droht zu leiden droht. Auf den konkreten Vorschlag, wie ich Wanderung umleiten würde, um die Natur zu schützen, wurde nicht reagiert. Na gut, dann überlasse ich die Kommunikation der Wanderung unter dem Reiter „Gastfreundschaft“ z.B. der Gemeinde.

Sehenswürdigkeiten und Wandern rund um Vagen

  • Zahlreiche Wanderseiten empfehlen den Goldbach: Besonders die Gemeinde Vagen ist stolz darauf. Zahllose Hangquellen werden in einem kleinen Bach gefasst und malerisch entlang des Tuffbergs Vagen geführt, an dem es sich wunderschön spazieren lässt. WICHTIG I: Solltet ihr aus München sein, bitte nicht den Goldbach besuchen, da zu befürchten ist, dass ihr alles vermüllt und eure Kinder „Gefahr für Leib und Leben“ anrichten. WICHTIG II: Das ist keine offizielle Aussage der Gemeinde.
  • Das private Schloss Vagen: Hübsch von der Weite anzusehen.
  • Die unglaublich riesigen Rohre vom Pumpspeicherkraftwerk Vagen sind vielleicht nicht schön, aber sie entlocken wegen ihrer Größe und der interessanten Trassenführung bestimmt ein Wow!  Das gibt einen gachen Anstieg der Untrainierte zum Pusten bringt. Für Kinderwagenfahrer ist die lange Route nicht geeignet (der Tipp, „Kinderwagenfahrer werden die lange Runde hassen“ war als Hinweis leider nicht deutlich genug).
  • Die Wanderwege rund um Vagen bestehen aus Wander- und Forstpfaden, kleine Teerstraßen. (gutes Schuhwerk bei Regen!)
  • Netter Imagefilm über Vaten und seine Sehenswürdigkeiten

Wander- und Servicelinks für Vagen

Anfahrt nach Vagen im Leitzachtal

Für die Anfahrt wählen wir die Salzburger Autobahn und als Ausfahrt die Anschlussstelle Irschenberg. Zahlreiche Wanderungen starten Nördlich, nur sechs Kilometer weiter liegt unser Ausgangspunkt bei Vagen. Ein Parkplatz befindet sich kurz vor der Ortseinfahrt links am Waldrand (nähe Wallner Alm), von wo sich Vagen erkunden lässt. Der Goldbach, erst als Rinnsal, dann aufgegossen über ein Rohr direkt aus dem kleinen Wasserspeicher befindet sich von hier im Westen.

Der Goldbach bei Vagen

Früher wurde der Goldbach einfach nur Mühlbach genannt, da im nahen Vagen fünf Mühlen und eine Huf- und Hammerschmiede betrieben wurden. Der kristallklare Bach verläuft gewunden und doch parallel zum Hang. Schon seine Einfassung lässt erahnen, dass er nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern das Ziel verfolgt, die zahllosen Quellen entlang des Tuffbergs zu fangen, die in kurzen Abständen aus dem Berg sprudeln. Es war der Hofmarksherr und Schlossbesitzer Franz Anton Vogt, auf dessen Geheiß Mitte des 18. Jahrhunderts der Goldbach seinen heutigen Verlauf erhielt. Schöner Zusatzeffekt: neben der wirtschaftlichen Nutzung werden auch die Wasserkaskaden im Vagener Schlossgarten mit Goldbachwasser betrieben.

Das Quellgebiet Tuffberg Vagen

Die Quellen am Tuffberg Vagen zeichnen sich durch ein gleichmäßiges Wasservolumen und ein sehr kalkhaltiges Wasser aus. Die Wechselwirkung von Karstwasser und Kohlenstoffdioxid beim Austritt an der Oberfläche löst eine chemische Reaktion aus, bei der Kalk ausgefällt wird.

Die sehr konstante Wassertemperatur um 8° ermöglicht ein ganzjähriges Wachstum von Algen und Cyanobaketerien, welche die Kalkbildung zusätzlich begünstigen. Mauersteine als Kalktuff wurden in Oberbayern jahrhundertelang als witterungsbeständiges, gut isolierendes und hochwertiges Baumaterial verwendet, das hier am gleichnamigen Tuffberg auch abgebaut wurde

Schloss Vagen

Jener Anton Vogt, der auch den Goldbach anlegen ließ, erbaute 1768 hier seinen Altersruhesitz mit dem schönen Namen „Vogtenruhe“. Das eher einfache Landhaus wurde 1872 vom Grafen Heinrich von Boos-Waldeck in das Zuckertörtchen-Schloss umgebaut, was heute die Kulisse für die sehr stürmische Telenovela „Sturm der Liebe ist“.

Das Schlossgelände darf nicht betreten werden. Die entsprechenden Hinweisschilder sind überall angebracht. 

Mittlerweile stören allzu enthusiastische Fans die Privatruhe des Eigentümers, der versucht die Büchse der Pandorra irgendwie zu schließen. Das soll er vielleicht besser bleiben lassen, da dadurch nur der Streisand-Effekt bedient wird und das Internet voll ist von den Infos zum Drehort: Von Wikipedia bis Brigitte. Man kann scheinbar nicht beides haben: am Geld der Produktionsfirma verdienen und die Existenz des Drehortes geheim halten. Wie auch, seit dem Beginn der Telenovela „Sturm der Liebe“ 2005 sind über unglaubliche 14 Staffeln mit über 2800 Folgen um das oberbayerische Fünf-Sterne-Hotel „Fürstenhof“ erschienen. Ob die Münchner Wanderer einen Großteil der Fans vor dem Schloss ausmachen wage ich mal zu bezweifeln.

Für die Leser von Hurra, draussen, die Sturm der Liebe nicht kennen

Das Konzept ist eine wilde Mischung von „romantischer Lovestory, Komödie, Drama, Action und Krimi, Heimatverbundenheit und wechselnden Liebespaaren, die sich nach vielen Irrungen finden“ wie man es auf der Website der ARD lernt. Natürlich gibt es auch eine „Störrolle“, die fiese Unruhe stiftet, damit der eher einfache Plott interessant bleibt.

Von der ARD habe ich übrigens auch gelernt, dass „4/5 der Seher der Telenovela am Nachmittag „haushaltsführend“ sind (aaa-haa) und mindestens 1 x die Woche Weichkäse kaufen und „knapp 57% der Sturm der Liebe-Zuschauer mehrmals pro Woche Marmelade verwenden“ (sooo sooo).

Pumpspeicherkraftwerke Leitzach 1/2/3

Das Leitzachwerk besteht aus drei Wasserkraftanlagen, die zu den modernsten Pumpspeicherkraftwerken Europas gehören. Das Wasser wird zuerst über einen 6,7 km langen unterirdischen Zuleitungsstollen von der Leitzach und einem weiteren Stollen von der Mangfall und der Schlierach in den Seehamer See geleitet.

Von dort fließt das Wasser weiter ins Leitzachtal, überquert den Fluss und wieder hinauf. Das Kraftwerk nutzt die 128 m Höhenunterschied zum Seehamer See um 49 MW Strom zu erzeugen. Der Name Pumpkraftwerk bedeutet, dass man Wasser bei Überkapazität im Stromnetz und mit günstigem Nachtstrom über die Druckleitung wieder zurück in den Seehamer See pumpen kann. Das sich dort befindliche Wasser lässt sich bei Bedarf jederzeit wieder in Strom verwandeln. Bis das Wasser wieder in die Mangfall zurück läuft, passiert es weitere Staubecken, die mit zwei weiteren Kraftwerken verbunden sind. Zusammen werden jährlich auf diese Weise 144 Mio. kWh Strom erzeugt.