Goldbach-Wanderung von Vagen rüber ins Leitzachtal

(Wanderungen 3,8 / 7,0 und 8,3 Kilometer) Diese Tour führt euch diesmal zu einigen kleinen Schmankerln, die wir schon seit einigen Jahren besuchen. Warum ich sie erst so spät in einem Beitrag erwähne, hat den einfachen Grund, dass wir wegen der unvollständigen Kartenlage alle Wegoptionen erst ablaufen wollten. Diese Überraschungen warten auf euch:

1. Lustwandeln am Goldbach: Zahllose Hangquellen werden in einem kleinen Bach gefasst und malerisch entlang des Tuffbergs Vagen geführt, an dem es sich wunderschön spazieren lässt.

2. Das kitschig schöne Schloss Vagen, das nicht umsonst Drehort der Telenovela „Sturm der Liebe“ ist, lädt zum Fan-Selfie vor dem Springbrunnen ein (wenn er an ist – und es nicht zu peinlich ist ;-)).

3. Die unglaublich riesigen Rohre vom Pumpspeicherkraftwerk Vagen sind vielleicht nicht schön, aber sie entlocken euch wegen ihrer Größe und der interessanten Trassenführung bestimmt ein Wow!

4. Überwindet euch bei warmen Temperaturen zu einer kleinen Abenteuer-Barfuß- Durchquerung der Leitzach (lässt sich natürlich umgehen).

5. Ein Imbiss in der Brotzeitgaststätte Auerhof.

Die Wege auf denen ihr euch bewegt sind Wander- und Forstpfade, kleine Teerstraßen oder einfach ein Wiesensaum am Waldrand (gutes Schuhwerk bei Regen!) Kurzzeitig gibt’s einen gachen Anstieg der Untrainierte zum Pusten bringt. Kinderwagenfahrer werden die lange Route hassen.

Losgewandert in Vagen, 83620 Feldkirchen-Westerham, 47.868400, 11.884839

Für die Anfahrt wählen wir die Salzburger Autobahn und als Ausfahrt die Anschlussstelle Irschenberg. Nördlich, nur sechs Kilometer weiter liegt unser Ausgangspunkt bei Vagen. Der Wanderparkplatz befindet sich kurz vor der Ortseinfahrt links am Waldrand (nähe Wallner Alm). Der Weg führt zuerst westlich und quert die Ski- und Rodelabfahrt am Tuffberg. Dahinter im Forst signalisieren euch eingezäunte Quellfassungen auf dem richtigen Weg zu sein. Gleich dort beginnt der Goldbach, erst als Rinnsal, dann aufgegossen über ein Rohr direkt aus dem kleinen Wasserspeicher.

Vom Goldbach zum Schloss Vagen

Früher wurde der Goldbach einfach nur Mühlbach genannt, da im nahen Vagen fünf Mühlen und eine Huf- und Hammerschmiede betrieben wurden. Der kristallklare Bach verläuft gewunden und doch parallel zum Hang. Schon seine Einfassung lässt erahnen, dass er nicht natürlichen Ursprungs ist, sondern das Ziel verfolgt, die zahllosen Quellen entlang des Tuffbergs zu fangen, die in kurzen Abständen aus dem Berg sprudeln. Es war der Hofmarksherr und Schlossbesitzer Franz Anton Vogt, auf dessen Geheiß Mitte des 18. Jahrhunderts der Goldbach seinen heutigen Verlauf erhielt. Schöner Zusatzeffekt: neben der wirtschaftlichen Nutzung werden auch die Wasserkaskaden im Vagener Schlossgarten mit Goldbachwasser betrieben.

Das Quellgebiet Tuffberg Vagen

Die Quellen am Tuffberg Vagen zeichnen sich durch ein gleichmäßiges Wasservolumen und ein sehr kalkhaltiges Wasser aus. Die Wechselwirkung von Karstwasser und Kohlenstoffdioxid beim Austritt an der Oberfläche löst eine chemische Reaktion aus, bei der Kalk ausgefällt wird.

Die sehr konstante Wassertemperatur um 8° ermöglicht ein ganzjähriges Wachstum von Algen und Cyanobaketerien, welche die Kalkbildung zusätzlich begünstigen. Mauersteine als Kalktuff wurden in Oberbayern jahrhundertelang als witterungsbeständiges, gut isolierendes und hochwertiges Baumaterial verwendet, das hier am gleichnamigen Tuffberg auch abgebaut wurde.

360° Fotos vom Goldbach: Streiche darüber und entdecke mehr

Rund 800 Meter dürfen wir uns an diesem Abschnitt freuen, der an einen Südtiroler Waalweg erinnert und uns das Wandern so wunderbar leicht macht. Ein Vogellehrpfad mit teils handgemalten Motiven schafft zusätzliche Abwechslung.

Heute wird das Wasser der Goldbachquellen nicht nur zur Wasserversorgung von Vagen verwendet, sondern auch zur Stromerzeugung genutzt. Das Wasser wird nahe des Schlosses in eine Röhre abgeleitet und in einem kleinen Kraftwerk unterhalb in Energie verwandelt. Unseren Wasserwanderweg verlassen wir knapp 200 Meter weiter westlich vom Ablauf. Die Umrisse des Schlosses sehen wir 150 Meter hangabwärts durch das Grün alter Bäume schimmern. Dem Herrenhaus und Filmset wollen wir eine kurze Aufwartung machen.

Schloss Vagen

Jener Anton Vogt, der auch den Goldbach anlegen ließ, erbaute 1768 hier seinen Altersruhesitz mit dem schönen Namen „Vogtenruhe“. Das eher einfache Landhaus wurde 1872 vom Grafen Heinrich von Boos-Waldeck in das Zuckertörtchen-Schloss umgebaut, was heute unter dem namen „Fürstenhof“ die Kulisse für die Telenovela „Sturm der Liebe“ gibt.

„Sturm der Liebe“

Seit dem Beginn der Telenovela „Sturm der Liebe“ 2005 sind über unglaubliche 14 Staffeln mit 2800 Folgen um das oberbayerische Fünf-Sterne-Hotel „Fürstenhof“ erschienen. Das Konzept ist eine wilde Mischung von „romantischer Lovestory, Komödie, Drama, Action und Krimi, Heimatverbundenheit und wechselnden Liebespaaren, die sich nach vielen Irrungen finden“ wie man es auf der Website der ARD lernt. Natürlich gibt es auch eine „Störrolle“, die fiese Unruhe stiftet, damit der eher einfache Plott interessant bleibt.

Von der ARD habe ich übrigens auch gelernt, dass „4/5 der Seher der Telenovela am Nachmittag „haushaltsführend“ sind (aaa haa) und mindestens 1 x die Woche Weichkäse kaufen und „knapp 57% der Sturm der Liebe-Zuschauer mehrmals pro Woche Marmelade verwenden“ (sooo sooo).

Das Schlossgelände darf nicht betreten werden. Die entsprechenden Hinweisschilder sind überall angebracht. Was Euch bleibt, ist allerdings einen Blick über den Zaun zu werfen!

Vom Schloss zum Leitzachkraftwerk Vagen

Nach einer kleinen Runde Micro-Hollywood folgen wir dem Weg linkerhand des Schlossgartens entlang nach Westen. Vom Waldrand etwas oberhalb Vagens sieht man vom Wiesenweg bereits das Leitzachkraftwerk 1 mit seinen großen Rückhaltebecken. Wie das Wasser dorthin seinen ungewöhnlichen Weg nimmt, entdecken wir wenige hundert Meter weiter. Nach kurzem Eintauchen in den Forst erscheint urplötzlich ein gigantisch grüner Wurm, der sich den Berg vor uns hinunterwälzt. Die schiere Größe raubt einem glatt den Atem. Den zylindrischen Wasserspeicher an der oberen Hangkante erreichen wir über das Versorgungsstrasserl rechts der Pipeline.

Nicht jammern, der Anstieg geht kurzzeitig in die Beine!

Pumpspeicherkraftwerke Leitzach 1/2/3

Das Leitzachwerk besteht aus drei Wasserkraftanlagen, die zu den modernsten Pumpspeicherkraftwerken Europas gehören. Das Wasser wird zuerst über einen 6,7 km langen unterirdischen Zuleitungsstollen von der Leitzach und einem weiteren Stollen von der Mangfall und der Schlierach in den Seehamer See geleitet.

Von dort fließt das Wasser weiter ins Leitzachtal, überquert den Fluss und wieder hinauf. Das Kraftwerk nutzt die 128 m Höhenunterschied zum Seehamer See um 49 MW Strom zu erzeugen. Der Name Pumpkraftwerk bedeutet, dass man Wasser bei Überkapazität im Stromnetz und mit günstigem Nachtstrom über die Druckleitung wieder zurück in den Seehamer See pumpen kann. Das sich dort befindliche Wasser lässt sich bei Bedarf jederzeit wieder in Strom verwandeln. Bis das Wasser wieder in die Mangfall zurück läuft, passiert es weitere Staubecken, die mit zwei weiteren Kraftwerken verbunden sind. Zusammen werden jährlich auf diese Weise 144 Mio. kWh Strom erzeugt.

Entscheidet: Zurück oder weiter ins Leitzachtal

Oben angekommen, lohnt sich der Blick zurück. Man erkennt von hier, wie groß eigentlich die Rückhaltebecken sind. Etwas nach dem Schlagbaum trennen sich die Wege nach kurzer und längerer Runde.

Kurze Runde:

Geht auf der kleinen Teerstraße, welche die Höfe auf dem Höhenzug verbindet, nach links. Bleibt auf dem Weg und lasst den Hof Schöffleiten rechts von euch liegen. Biegt nach 700 Metern beim Wegkreuz am Waldrand links ab und folgt den Hohlweg hinunter zum Goldbach. Den Weg zurück zum Auto solltet ihr leicht wiedererkennen.

Lange Runde

Biegt an der Straße rechts ab. Der Weg führt euch am Bauernhof Fritz mit dem schönen Bienenhaus vorbei und 500 Meter weiter zum Pfeiffer-Gehöft. Haltet euch an der Zufahrt beim zweiten Hof auf dem Weg rechts, um das Privatgelände nordöstlich zu umgehen. Knapp 140 Meter dahinter schwenken wir am Waldrand links auf den grobgeschotterten Weg nach Süden ein. Es geht abschüssig in den Wald. Am Abzweiger beim Wald halten wir uns rechts. Unser Ziel ist der Talboden, wo die Leitzach ihre Bahn zieht. Mit einem zunehmenden Linksbogen kommen wir dem Grund immer näher. Die Wiese auf der im Sommer zahlreiche Pfadfinder ihre Zelte aufschlagen, sehen wir etwas unterhalb zwischen den Ästen. Wir halten uns stets rechts und am Ende auf dem Fußpfad mit provisorischen Treppenstufen, der uns endgültig auf den Talboden bringt.

Durch die Leitzach-Furt nach Au und zurück nach Vagen

Unten angekommen: Der Weg zur Furt befindet sich am süd-östlichen Ende der Wiese. Prüft den Wasserstand, krempelt die Hosenbeine nach oben und bezwingt die Leitzach, wenn ihr es euch zutraut. Wenn nicht, bleibt immer noch der Weg über die nahe Brücke. Nach einer Furtdurchquerung stoßt ihr keine 100 Meter auf der anderen Flussseite auf die kleine Straße, die euch nach Au bringt. 900 Meter weiter trefft ihr auf die Rohrleitung vom Seehamer See, die hier das Leitzachtal durchquert.

Beachtet hierzu im Anschluss des Beitrags die Landkarte „Die „abenteuerliche“ Vagen-Runde.

Über die Brücke: Folgt der Wiese am Waldrand in nord-westlicher Richtung. Fühlt euch wie im wilden Westen, wenn ihr die Indianer Tipis seht. Umrundet sie auf dem Weg rechts, er führt über den nahen Fluss und weiter nach 300 Metern auf die Nebenstraße. Jetzt links abbiegen, aber Obacht, hier fahren von Zeit zu Zeit Autos.  600 Meter auf der Straße stoßt ihr auf die Rohrleitung vom Seehamer See, die hier das Leitzachtal durchquert.

Weiter nach Au:
Das Rohr fällt knapp 70 Meter hinunter ins Tal, um auf der anderen Seite wieder hinaufzuführen. Der Straßenverlauf schlägt eine Linkskurve und führt über die Brücke. Der Weiler Au ist das nächste Gehöft. Bei schönem Wetter am Wochenende kann es sein, dass die Brotzeitgaststätte geöffnet hat. Im Winter hatten wir bislang eher Pech.

Zistl-Auerhof
Schöffleiten 4
83620 Feldkirchen-Westerham
Tel.: +49 8062 1437

Biegt gleich am Eingang des Hofs ein und geht links am Gebäude vorbei. Der Pfad am Hang führt am Waldrand hinauf. Der Weg ist mit der Wandernummer 17 gekennzeichnet. Öffnet den Eingang zum Weidezaun. Aufgepasst sollte Vieh auf der Weide stehen (Wir haben hier allerdings noch keines gesehen). Vorbei an der Freizeithütte könnt ihr oben durch ein Törchen die Wiese verlassen. Geht auf dem Weg weiter nach oben und genießt den Blick in die Berge durch das Leitzachtal.

Oben angekommen, führt der Wanderweg links zum Bauernhof „Schöffleiten“. Über die kleine Zufahrtsstraße kommt man auf die Teerstraße, welche die Höfe hier am Höhenzug miteinander verbinden. Die gleiche Straße kennen wir bereits, an ihr sind wir am Schlagbaum links abgebogen. Diesmal wollen wir rechts abbiegen. Geht beim Wegkreuz am Waldrand links den Hohlweg hinunter zum Goldbach. Jetzt habt ihr das Vergnügen, den Goldbach noch einmal von der anderen Seite abzugehen. Das Auto habt ihr bald erreicht.

Verlängerung über den Wiesenweg

Wenn ihr den Abschnitt unten am Goldbach nicht doppelt gehen wollt und die Runde insgesamt etwas länger halten möchtet, geht auf der Straße am Wegkreuz einfach weiter. Das Strasserl mäandert durch den Wald. Nach 500 Metern, wird es wieder lichter. Linkerhand wartet ein weiteres Wegkreuz dem Wanderer auf. Dort biegen wir an der nahen Wiese und vor der Stromleitung links ab. Wir gehen immer dem Waldrand entlang.

Nicht auszuschließen ist, dass die Wiesen vom Bauern auch mal als Weide genutzt werden. Das erfordert von euch dann Improvisation. Wir hatten bislang auf diesem Weg keine Probleme. 400 Metern weiter und scheinbar im letzten Winkel der Wiese führt ein einfacher Forstweg wieder hinunter nach Vagen. Er stößt nach wenigen hundert Metern auf die Skiabfahrt, an deren Auslauf unser Auto steht. Betrachtet hierzu Landkarte im Anschluss „abenteuerliche Vagen-Runde“.

Viel Spaß beim Nachwandern!

Kleine Orientierungshilfe

Die kurze Vagen-Runde, 3,8 Kilometer

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Die kurze Vagen-Runde 3,8 Kilometer

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 47.868258, 11.884890
Schloss Vagen: Sturm der Liebe: 47.869697, 11.876564
Brotzeit Wirtschaft: 47.860340, 11.869311
Leitzach-Furt: 47.864688, 11.854548
Grüne, dicke, Druckleitung: 47.869308, 11.868303

Die lange Vagen-Runde, 8,3 Kilometer

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Vagen-Runde 8,3 Kilometer

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Parkplatz: 47.868258, 11.884890
Schloss Vagen: Sturm der Liebe: 47.869697, 11.876564
Brotzeit Wirtschaft: 47.860340, 11.869311
Leitzach-Furt: 47.864688, 11.854548
Grüne, dicke, Druckleitung: 47.869308, 11.868303

Die „abenteuerliche“ Vagen-Runde

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Die 'abenteuerliche' Vagen-Runde, 7 Kilometer

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Parkplatz: 47.868258, 11.884890
Schloss Vagen: Sturm der Liebe: 47.869697, 11.876564
Brotzeit Wirtschaft: 47.860340, 11.869311
Leitzach-Furt: 47.864688, 11.854548
Grüne, dicke, Druckleitung: 47.869308, 11.868303
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