Traufgang gewandert: Unterwegs auf dem Zollernburg-Panoramaweg

(Wanderung 8 und 16 Km) Der Zollernburg Panoramaweg ist das Aushängeschild der Tourismusregion Schwäbische Alb und eine der Top Genießerrunden, die es in Süddeutschland gibt. Er ist einer von neun sogenannten Traufgängen, welche die dramatischen Abbruchkanten des Albjura suchen und von denen man eine phantastische Weitsicht ins Ländle hat. Der Zollernburg Panoramaweg legt noch eine Schippe drauf. Nie anstrengend, aber immer überraschend, führt er über abwechslungsreiche Wanderpfade durch die Wälder und Fluren bei Albstadt. Vorsicht, das Nägelehaus auf halber Strecke verführt eine wunderbare Maultasche zu viel zu essen!

Video: Premium Wanderweg Traufgang Zollernburg Panorama (HD)

Die Wanderregion Schwäbische Alb entdecken

Was wisst ihr über die Schwäbische Alb? Ich gestehe: bis auf die Geislinger Steige an der A8 und die Europäische Wasserscheide wusste ich selbst bis vor kurzem wenig Genaueres. Eine Einladung aus Albstadt war willkommen, nicht nur meine geographischen Kenntnisse aufzumöbeln, sondern mir auch die Wanderregion genauer anzusehen. In der Schwäbischen Alb gibt es über 50 Premium- und Qualitätswanderwege. Mit dem Zollernburg Panoramaweg haben wir begonnen und sind am nächsten Tag an der Hossinger Leiter weitergewandert. Beides sind Premiumwanderwege, die vom Wanderinstitut geprüft und mit dem Wandersiegel ausgezeichnet wurden.

Premiumwanderwege: Für alle, die keinen Wandertag verschenken wollen

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Losgewandert am Zollersteighof 2, 72461 Albstadt

Zivile 9:00 Uhr. Wir treffen uns vor dem Eingang des Restaurants Zollsteigerhof. Die Nacht: Luxusstille. Eine kleine und bunte Gruppe hat sich ausgeschlafen versammelt: Blogger und das Team von Albstadt, die darauf brennen,  uns ihren Traufgang zu zeigen. Die Wetterprognose verspricht 1A-Herbstwetter. Wir haben wohl am Vorabend alle unseren Teller aufgegessen.

10 Gründe, warum dieser Panoramaweg in der ersten Wanderliga spielt

Der Weg beginnt gleich vor dem Haus beim Wanderparkplatz. Er führt nördlich des Wohnhauses 100 Meter am Waldrand nach Westen. Wir werden diesen Weg gegen den Uhrzeigersinn gehen, weswegen wir bei nächster Gelegenheit nach Süd-Westen abbiegen.

#1: Du findest deinen Weg

An den Traufgang-Parkplätzen findet man Informationstafeln mit ausführlichen Wegweisern. Die Strecke ist ausführlich beschildert, genaue Kilometerangaben helfen unterwegs, sich zu orientieren.  Die Wegmarkierungen sind im Wald etwa alle 50 Meter angebracht. Eine Wanderkarte gibt Sicherheit, ist aber nicht zwingend notwendig, wenn man sich die wichtige Wegpunkte und Namen auf der Informationstafel merkt (man sollte schon wissen, wo man hinwandert ;-).

#2 Den Wald rascheln hören

Der Weg erreicht nach 600 Meter den Wald. Gelb und Rot leuchten die Blätter. Wunderbarer Herbst. Es geht sich weich, die Leichtwanderschuhe rascheln im frischen Laub. Außer den Schritten und den Unterhaltungen ist es ruhig. Rechts von uns fällt der Albtrauf ab. Durch die Äste sieht man etwas ins Land. Toller Wald, toller Weg!

#3 Mystic Castle derer von Hohenzollern 

Weit mussten wir nicht wandern, um den Stammsitz der Hohenzollern auf seinem bewaldeten Berg zu entdecken. Wie aus dem Bilderbuch, wunderschön und so echt wie Schloss Neuschwanstein. Erst 1867 wurde die Burg Hohenzollern von König Wilhelm I. von Preußen vollendet (nur zwei Jahre vor der Grundsteinlegung von Schloss Neuschwanstein). Süße Romantik. Sie entstand auf den Grundmauern von zwei weiteren Burgen, von denen lediglich die St. Michaelskapelle erhalten geblieben ist. Am gehissten Familienbanner erkennt ihr, wenn Hausherr Georg Friedrich Prinz von Preußen zu Hause ist. Servus Prinz!

Die Burg Hohenzollern sehen wir auf dieser Wanderung noch aus mindestens drei weiteren Winkeln, aber am Schönsten vom Zeller Horn. Bereits am Vortag haben wir dort den Stammsitz zum Sonnenuntergang besucht. Mystisch jagten Nebelschwaden um die Feste, das von rosaorangener Abendsonne beschienen wurde. Ein mehr als eindrucksvolles Naturschauspiel.  Es muss nicht alles von Disney sein, was unnatürlich schön ist.

Abwechslungsreich windet sich der Weg weiter entlang des Albtraufs, mal über Gras, dann auch wieder im Wald. Am Blasenberg schauen wir nach Biesingen.

#4 Wiesen- und Wacholderdüfte schnuppern

Unterwegs queren wir nicht nur Wiesen, sondern auch großflächige Wacholderheiden. Meist gedeihen sie auf trockenen und nährstoffarmen Böden, die durch Schafe und Ziegen beweidet wurden. Der Verbiss hält die saftigen Pflanzen kurz.

Nur der stachelige Wachholder oder die Silberdistel (im Wappen von Alpstadt) wurden verschont. Wo heute der Schäfer nicht mehr für die Pflege der Heiden sorgt, erledigt hier diese Aufgabe die Gemeinde Albstadt. Wachholderheiden gehören zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa und sind absolut schützenswert. Übrigens: Es war in der rauhen Alb genau jene Wolle der Wacholderheiden-Schafe, die die Region einst zum Textilzentrum gemacht hat.

#5 Mauldaschtempel besuchen

Etwa auf halber Wegstrecke erreichen wir das Nägelehaus. Unter der flachen Kuppe des Raichberges laufen zahlreiche Wanderwege zusammen. Schon auf Grund seiner exponierten Lage ist das Wanderheim des Schwäbischen Albvereins eine Institution. Neben Unterkunft erwartet der Wanderer hier vor allem eines: authentische schwäbische Küche!

Ich habe mich für dreierlei Maultaschen entschieden. Eine ausgezeichnete Wahl! Ob die Maultaschen gerollt oder gefaltet werden, scheint eine Frage zu sein, die teils emotional diskutiert wird. Hier werden sie gerollt. Das Geheimnis ist hier auf jeden Fall die regionale Küche.

Kommt zwar nicht in den Kochtopf, aber kann je nach Passform ein Genuss sein. Im Nägele Haus befindet sich die Lowa Teststation.

Nach dem Essen sollst du ruhen, oder tausend Schritte tun. Wir gehen mehr als tausend. Unser Wanderweg führt nach Süden, leicht absteigend zum Wanderpartkplatz Stocken bei Onstmettingen und von hier nach Osten. Wie hier überall ist die Traufkante nicht weit.

#6 Sich vom Rechts und Links des Weges überraschen lassen

  • Links des Weges sehen wir mal einen Kohlemeiler, genau an der gleichen Stelle, wo bis Mitte des 19. Jahrhunderts Holzkohle gebrannt wurde. Es riecht noch immer nach verbranntem Holz. Die Überreste vom Schäferfest.
  • Etwas weiter, rechts des Weges steht ein Markierungsstein zur „Freien Pirsch“, der einst die Jagdgrenze zwischen dem Fürstentum Hohenzollern und dem württembergischen Onstmettingen gekennzeichnet hat.
  • Pommes-Felsen: Keine Ahnung, einfach lustig und bestimmt eine tolle Sehenswürdigkeit 😉

#7 Penthaus-Ausblicke genießen

Wo wir heute den Zollernburg Panoramaweg bewandern, war zu Urzeiten ein tropisches Meer. Die Ablagerungen des Jura stammen aus dieser Zeit. Heute sind die Traufkanten wie Balkone am Hochplateau, über die wir weite Blicke über die Alb werfen. Hangender Stein, Kohlwinkel- oder Backofenfelsen: von ihnen sehe ich das Grün der Wälder mit seinen vielen Farbschattierungen, den blauen Himmel vor mehr Natur, als Zivilisation. 

 #8 Faulenzen, Picknicken, Staunen

Ein Ausblick? Setzt dich hin und genieße, blinzel in die Sonne und lass alle Fünfe gerade sein. Holzliegen und Brotzeittische gibts auch mehr als einen. Lass es dir gut gehen! Nachmittags-Vesper dabei?

#9 Waldkathedralen und Baumriesen

Besonders mächtige Buchen säumen im letzten Drittel unserer Wanderung in Wald und Wiese unseren Weg. Alt ehrwürdig und zumeist mehr als wohlgeraten, recken sie die Äste in den Himmel. Dort wo sie an der Traufkante den Saum bilden, berühren sich ihre Arme wie im Tanz. Doch die Bäume verharren und laden uns ein, sie wie ein Spalier am Festtag zu durchschreiten. Bezaubernd!

Gemeinsam nach der Tour: Runter nach Albstadt, noch ein bisschen die Stadt kennen lernen und im Brauhaus Zollernalb das selbstgebraute Bier genießen! Es gibt gute Gründe, sich die Wanderregion Albstadt etwas näher kennenzulernen. Hier der Zehnte:

#10 Outdoorregion Albstadt traut sich was

Die einstige Hochburg der Textilindustrie hat sich zum Ziel gesetzt, neue Outdoor-Hauptstadt auf der Schwäbischen Alb zu werden.  Dafür bietet Albstadt beste landschaftliche Voraussetzungen für verschiedenste Outdoor-Aktivitäten, z.B. das Mountainbiken.

Peter Lenk, hat Politker in der Fussgängerzohne als Skulpturen karikiert. Sein Motto: „Nicht um Erlaubnis fragen, machen“. Ganz schön frech! Hätte ich, wie so einiges hier nicht erwartet!

Fazit: Zollernburg-Panoramarunde ist klasse!

Der Zollernburg-Panorama und Premiumwanderweg hat die hohen Erwartungen erfüllt!  Die knapp 16 Kilometer sind wie im Rausch vergangen. Alles drin, vor allem Abwechslung. Es müssen doch nicht immer die Alpen sein, wenn die Mittelgebirge –  und wie in diesem Fall die Schwäbische Alb – so überraschend, und neu sind. Ein Geheimtipp? Würde ich sagen!

Weitere Wanderungen und Premiumwanderwege in der Schwäbischen Alb findet findet ihr auf der Website www.traufgaenge.de.

Kleine Orientierungshilfe

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Zollernburg Panorama Weg

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Zollsteiger Hof: 48.302837, 8.981366
Nägele Haus: 48.304379, 8.993983
Langer Weg: 48.300525, 8.998886
Parkplatz Fuchsfarm: 48.302052, 9.002931
Hangender Stein: 48.305863, 9.000292
Felsenblick: 48.307675, 8.998704
Felsenblick: 48.309574, 8.995292
Backofenfelsen: 48.309988, 8.988984
Zeller Horn: 48.312385, 8.980186
Aussichtspunkt: 48.301217, 8.975133
Zoller Blick: 48.300375, 8.972998
Aussichtspunkt Blasenberg: 48.297613, 8.960981
Blasenberg: 48.297127, 8.960724
Heiligenkopf: 48.294072, 8.955789
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