Gecheckt: „The Great Outdoors“ von Markus Sämmer

Auf das Buch bin ich nicht beim Stöbern im Buchhandel gestoßen, sondern bei der Globeboot am Chiemsee. Markus Sämmer gab gerade eine Live-Koch-Demo am Primus-Stand und da man weder genug Kochequipment noch Kochliteratur besitzt, hab ich mir das natürlich angesehen. Ein erstes nettes Gespräch mit dem Autoren geführt. Markus und das ausgelegte Buch haben mich neugierig gemacht. 

Im Konzept von „THE GREAT OUTDOORS“ heißt es, dass die „Rauszeit-Rezepte für all diejenigen entwickelt wurden, die unterwegs nicht auf gesundes Powerfood verzichten wollen. – Die 120 Rezepte reichen von vegetarischer und leichter Küche über kraftspendende Mahlzeiten bis hin zu Snacks und isotonischen Durstlöschern. Dazu gibt es spannende Geschichten und Tipps rund um den Bergsport und das Leben in der Natur.“ Soweit so gut. Auf Anfrage beim Neuer Umschau Buchverlag war man so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen.

Kein normales Kochbuch: Motivationslektüre für das eigene Abenteuer!

Ein ordentlicher Wälzer, 272 Seiten, Hardcover. Das Titelbild: ein VW-Bus mit geöffnetem Klappdach blockiert eine kleine Straße an einem Bergsee, während sich daneben eine kleine Gruppe im Gegenlicht gerade etwas Leckeres kocht. Natürlich werden Klischees bedient, aber die sind nice. Wenn man die Seiten durch die Finger blättern lässt, fällt gleich der hohe Anteil von vollformatigen Bildern auf. Der Eindruck liegt nahe, dass es sich bei The Great Outdoors um einen Bildband über Abenteuer, Reisen mit den VW-Bus handelt, als um ein Kochbuch. Manche Textseiten wirken, als wären sie mit Schreibmaschine auf einem gefalteten Papier geschrieben. Ergo: dieses Buch will Bock machen, die Welt zu erkunden und seine eigenen Outdoor-Abenteuer zu schreiben.

„WIR KÖNNEN DEM LEBEN NICHT MEHR TAGE GEBEN, ABER DEN TAGEN MEHR LEBEN“ 

Ich schweife vorzeitig ab: Motivation der Bildsprache

Mittlerweile hat das Digitale den Alltag vollständig durchwoben und das private wie berufliche Leben enorm beschleunigt. Immer mehr Menschen zieht es es deswegen raus in die Natur. Einsamkeit und Stille werden zum Luxus. Der Gegenentwurf eines alternativen Lebenswandels hilft uns Abstand zu finden, etwas Echtes, Spürbares – und Schmeckbares -entgegenzusetzen und die Batterien aufzuladen.  Manchmal ist diese Idee mehr Scheinwelt, in die wir uns flüchten, kurz flüchtig und mehr Kulisse für schöne Fotos, die wir auf Instagram teilen. Der Wunsch nach echten und intensiven Gefühlen hat im übrigen die Bildsprache von Outdoor-Büchen und Werbung speziell in den letzten Jahren verändert. Die Bilder wirken wie warme Erinnerungen an einen schönen Tag und schlechtes Wetter zum athmosphärischen Stimmungsgeber in Moll. 

Diesen Trend hat auch das Team rund um Markus Sämmer aufgegriffen und ein Buch der Gefühle komponiert. Um den Bildern mehr Intensität zu verleihen, bekommen sie einen sehr leichten Beigefilter und eine erhöhte Bildschärfung. Wie viel Arbeit es war dieses Buch so durchgehend eindrucksvoll zu bebildern und so auszuarbeiten, dass es am Ende nicht zu allzu inszeniert wirkt, kann ich nur erahnen. Die Fotos von Steffen Schulte Lippern und Peter Greppmayr, das Set-Design und Layout schaffen einen Ausdruck, der seine Wirkung auf den Leser nicht verfehlt. The Great Outdoors ist ein Buch seiner Zeit mit hoffentlich langer emotionalen Lebensdauer.

Zum Wesentlichen: Die Rezepte

Matthias Sämmer ist ausgebilderter Koch und hat heute sein eigenes Catering Unternehmen am Ammersee. Das Buch verspricht „die 120 leckersten Rezepte für euren nächsten Outdoor-Trip “ und bläst zum Abgesang von „Tütensuppen, Dosenravioli und Instantkaffee“. Nix gegen Dosenravioli, die liebe ich im Urlaub, aber was macht die 120 leckesten Rezepte aus? Das Buch gliedert sich in folgende Kapitel, die allesamt flotte Hipster-Namen bekommen haben:

  • Wake up Call“ –  Ein gutes und gesundes Frühstück.
  • „Quick Refuel“ –  Kraftmacherbrotzeit für Unterwegs
  • „Dine in“ –  Sammlung von Gerichten zu Mittag und Abends für den Kocher
  • „Dine out“ –  (Grill-)Rezepte, die im Freien und auf dem Lagerfeuer funktionieren
  • „Sweet Love“ – Natürlich Nachspeisen
  • „Refresh“-  Erfrischungen und Wachmacher

Die Beschreibungen der Rezepte sind gut verständlich sowie gut strukturiert. Bei vielen Gerichten hat Markus noch einen Tipp dazugepackt, wie man das Essen zum Beispiel variieren oder besser zubereiten kann.  Die Mengenangaben werden in Tassen, Packungsgrößen und andere Einheiten abgegeben, mit denen man unterwegs gut arbeiten kann.

Gerichte und Zutaten

Bei der enorm aufwändigen Inszenierung, wirken die Rezepte manchmal irgendwie gewöhnlich: „Super-Spiegelei“, „Griesbrei“ oder „Tomatensalat“ und „Spagetti Bolognese“ sind jetzt keine Ideenknaller, aber – in der Tat – klassische Gerichte für unterwegs. Den Rezepten Ideenlosigkeit vorzuwerfen, wäre aber jetzt die falsche Botschaft, da es genug andere Anregungen gibt, die mich sofort gepackt haben, wie zum Beispiel das „Adana Kebap“, die „Hirsepfanne“ oder die „Mango Explosion“. Nicht ganz einfach der klassischen Campingküche neuen Schwung zu verpassen, da diese in der Regel mit wenigen Zutaten auskommen muss, was die Anzahl der Standards beschränkt. Sowie man der Unterwegs-Küche neue Finesse einzuhaucht, kommt man aber um neue und zusätzliche Zutaten nicht umhin. Das wiederum setzt voraus, sich schon vor einem Trip Gedanken zu machen, was man Kochen möchte, um die Zutaten entsprechend einzupacken. Bislang haben Mango, Minze, Ingwer, Datteln, Koriander, Safran, Kurkuma noch nicht in jeder Küchenbox Einzug gehalten. Geile-Campingküche heißt daher auch irgendwie umdenken, da man nicht in jedem Unterwegs-Edeka das Fehlende einfach nachkaufen kann. Dafür gibts zum Glück im Buch Checklisten und Tipps für die Vorbereitung zu Hause. In Summe eine prima Zusammenstellung mit großer Bandbreite.

Wer mit Minimalplatz im Rucksack auskommen muss, wird wohl wieder zur einfacheren Variante des ein oder anderen Gerichts zurückkehren und die Oliven, den frischen Rosmarin Zweig sowie den Seeteufel daheim lassen.

Dutch Oven: Als alter Outdoorkoch, der am liebsten mit dem Dutch Oven kocht, musste ich mich allerdings schon etwas wundern den gusseisernen Topf auf einem Campingkocher zu sehen. Hää? Kann man machen, aber auf dem Ding wird eigentlich anders gekocht Markus – und du weißt das!

Schneller und übersichtlicher inspiriert

Den Rezepten sind jeweils Icons zur schnelleren Einordnung zugeordnet. Zum Beispiel geben ein kleiner Rucksack Aufschluss für Rezepte für die Brotzeitbox, eine Feder steht für einfache Gerichte oder eine Sanduhr kennzeichnet besonders einfache Rezepte. Im Register zeigt sich die gute Übersicht auch im Detail.

Sehr praktisch ist das kleine Booklet, was mit jedem Buch kostenlos mitgeliefert wird. Alle Rezepte gibt’s als handliche Unterwegsversion, für alle die auf ihrem Trip keine weitere Outdoor-Inspiration mehr brauchen.

Fazit

The Great Outdoors von Markus Sammer ist ein großartig inszeniertes Erlebnis-Kochbuch für alle, die daheim schon vom nächsten Abenteuer träumen. Es macht Lust sich einen viel zu teuren VW-Bulli zu kaufen, weil ihr ihn schon immer haben wolltet, um damit unverzüglich auf große Fahrt zu gehen, kleine Seestraßen zuzuparken und nebenan Adana Kebap zuzubereiten. Die Struktur des Buchs ist clever an Unterwegs-Situationen ausgerichtet. Mit der Legende hat man die Rezepte gut im Griff, die einfache Standards, verbesserte Klassiker, bis internationale Küche ein breites geschmackliches Spektrum abdecken. Für den besonderen Pfiff braucht es aber manchmal ein breites Sortiment nicht immer handelsüblicher Zutaten. Darum besser vorplanen, um unterwegs die Küchenkiste gut ausgestattet zu haben. Daumen rauf für den Spaß und Ideen und prima Unterhaltung und einen Daumen runter für den Fauxpas mit dem Dutch Oven ;-).

Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
Verlag: Neuer Umschau Buchverlag; Auflage: 1 (4. Januar 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3865288332
ISBN-13: 978-3865288332
Größe:20,8 x 3,2 x 28 cm

Preis: 34,00 €

print