Panoramawanderung auf den Hohen Peißenberg

(Wanderung von 9.7 Kilometer) Was im östlichen bayerischen Alpenvorland der Taubenberg, ist im Westen der Hohen Peißenberg. Beide stellen an den Wanderer keine allzu hohen Anforderungen sind aber wegen ihrer Lage prima Aussichtsberge, die einen tollen Blick in die Berge offenbaren. Der Hohe Peißenberg hat hier aber eindeutig die Nase vorn. Die Aussicht ist hier noch freier und bietet bei gutem Wetter ein Panorama von knapp 200 Kilometern: von den Berchtesgadener- bis zu den Schweizer-Alpen.

Wir waren mit Bloggerkollegin Nadine und ihren Mann im Pfaffenwinkel unterwegs und haben den 989 Meter Hohen Peißenberg bei herrlichstem Wetter erwandert.

Was euch auf der Wanderung erwartet:

  • Start auf dem „Stollenweg“, einem Lehrpfad für Bergbau, Geologie und Landschaft, der einige spannende historische Orte der Penzberger Bergwerkshistorie streift
  • Wirklich tolle Ausblicke zum Ammersee im Norden, das grandiose Alpenpanorama im Süden.
  • Die Runde auf meist guten Wegen ist mittelschwer, aber wegen einiger Stufen beim Aufstieg mit dem Kinderwagen nicht zu empfehlen.
  • Am flachen „Gipfel“erwarnten euch die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, das Gasthaus Bayerischer Rigi und der Kiosk „Kramer Laden“.
  • Wer Menschen mag, ist auf dem Hohen Peißenberg in bester Gesellschaft, besonders bei schönem Wetter, da sich zu den Wanderern auch die Besucher mit dem Auto gesellen.

Losgewandert beim Tiefstollen 82380 Peißenberg

Unser Ausgangspunkt ist der ehemalige Bergwerksort Peißenberg, ca. 10 Kilometer südlich von Weilheim. Ab dem Luise-Kiesselbach-Platz am Beginn der Autobahn A95 braucht man bei fließendem Verkehr und die B2 über Starnberg etwa 60 Minuten. Etwa ähnlich lange dauert es über die Autobahnausfahrt Sindelsdorf und die Landstraße.

Am Parkplatz an der Tiefstollenhalle starten wir. Der Weg führt nach Süden gleich am Anfang an der alten Maschinenhalle des Bergwerks Peißenberg vorbei, wo einst große Dampfmaschinen in Betrieb waren. Heute wird das Gebäude als Mehrzweckhalle genutzt, in dessen Foyer das Bergbaumuseum und ein Ausstellungsbereich auf Besucher warten.

Rechts davon folgt das Knappschaftshaus, in dem das alte Bergbau-Museum untergebracht ist und die Einfahrt in den Tiefstollen, wo noch Lorengleise aus den Berg hinaus führen. Hier befindet sich auch das Erlebnisbergwerk, das im Sommer besichtigt werden kann.

Kohleförderung in Penzberg

Die Voraussetzungen für Pechkohle im bayerischen Voralpenland begann mit einem riesigen Molassebecken, in dem sich über Millionen von Jahren Sedimente abgelagert haben. Da unsere Region in der Tertiärzeit näher am Äquator lag, erstreckten sich hier auch vor 30 Millionen Jahren immer wieder tropische und subtropische Wälder. Mit der Verschiebung der Afrikanischen Kontinentalplatte über die Europäische wurde ein hoher Druck auf die Pflanzenreste ausgeübt, der zur Kohlebildung führte.

Penzberg war eines von fünf Pechkohlebergwerken im bayerischen Voralpenland, in dem zwischen 1796 und 1966 ein Abbau stattgefunden hat. Wurden in den Anfängen noch höherliegende Kohleflöze abgebaut, wanderten sie 1840 in 99 m Tiefe und 1913 auf  800 Meter ab. 1951 war die Belegschaft auf 2000 Bergleute angewachsen. Die Abraumhalden wurden dafür immer höher und wirkten wie auf einem anderen Planeten, weswegen in den 1960er Jahren hier auch Aussenaufnahmen für die Weltraumserie Raumpatrouille Orion gedreht wurden. Der tiefste Punkt des Abbaus wurde 1970 mit 1.245 Metern erreicht. Die Kohleförderung wurde am 31. März 1971  wegen mangelnder Rentabilität eingestellt.

Erlebnisbergwerk

Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat von 13h30 bis 16h30, vom 15. Mai bis 15. September auch jeden Mittwoch von 13h30 bis 16h30. Voranmeldung notwendig!

Website des Erlebnisbergwerks

Was wäre es für ein Spaß gewesen in den Stollen einzufahren, doch weder war es der richtige Tag, Uhrzeit noch hatten wir reserviert. Für heute klappt es nur die Loren zu fotografieren und durch das Gitter in den dunklen Stollen zu starren.

Wir gehen den Weg weiter am Hang entlang, bis nach 200 Metern rechts die Wild-West-Mine der Pyrotechnikerschule Humming Effects auftaucht. Humming Effects ist aber auch ein weltweit agierender Spezialeffektpartner für die großen Opernhäuser, sowie Film- und Fernsehstudios. Was hier wie ein Spielplatz aussieht und zu einer lustigen Lorenfahrt einlädt, ist aber Übungsgelände für Bühnenpyrotechniker, die hier allerhand in Feuer und Rauch aufgehen lassen. Boooom!

Vorbei an ehemaligen Bergwerks-Werkswohnungen zur Linken biegen wir kurz vor dem Bahnübergang rechts in den St. Georgenweg ein. Rechts Schrebergärten, links die Gleise. Nach knapp 500 Meter beginnt der Weg an Höhe zu gewinnen. Von hier sehen wir auf der anderen Seite des Bahndamms das Kraftwerk Peißenberg, was ursprünglich mit Kohle betrieben wurde, dann aber umgerüstet wurde. Links des Weges breiten sich im Frühjahr weite Bärlauchfelder aus.

Über Stufen gelangen wir schnell nach oben und erreichen alsbald den Weiler St. Georg. Rechts des Hofes fällt eine kleine weiß verputzte Kapelle inmitten eines fünf Meter tiefen Grabens auf. Sie ist das letzte Überbleibsel des „Castrum Pysenberg“, das  hier im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Schön ist es hier. Der Burgstall ist frei zugänglich. Der Schlüssel zur Kapelle wird im Bauernhof nebenan aufbewahrt.

Unsere kleinere Wandergesellschaft streift rechts am Hof vorbei bis an die kleine Teerstraße. Hier biegen wir links ab, um rechts der Scheuneneinfahrt am Waldhang den Wiesenweg weiter nach oben zu steigen. Es lohnt sich unterwegs mal kurz stehen zu bleiben, sich umzudrehen und über den St. Georg-Hof in die Weite zu blicken. Kurz ist es mal steiler und der Forst ist flott durchschritten. Wir sehen die kleine Teerstraße auf dem Höhenrücken des Hohen Peißenberg die rechts und links von Wiesen gesäumt ist. Weit und licht ist es hier. Weiter nach Westen!  Rechts nach 400 Metern ist erst mal Schluss mit Teer. Ein kleiner Wanderweg führt an der Baumgruppe nach Norden. In der Ferne streckt sich schon der 158,76 Meter hohe Stahlbetonturm des Senders Hohenpeißenberg.

Nach 400 Metern kommen wir erneut an eine kleine Teerstraße, die hier oben die einzelstehenden Häuser und Höfe verbinden. Rechts gehen! Viel Verkehr ist hier nicht zu erwarten. Damit es auch so bleibt, ist es besser die Bergstraße, auf der die meisten Autos zum „Gipfel“ fahren, zu meiden. Dafür ist es notwendig, den Weg über den Bauernhof „Wiesern“ nach erneut 400 Metern einzuschlagen und nördlich am Sendeturm vorbeizuwandern. Vor dem Wald den Weg nach Westen (links) einschlagen. Je näher wir dem Sendemasten kommen, desto höher wirkt er. An dieser exponierten Stelle zieht er die Blitze an wie ein Magnet, darum befindet sich auf dem Gelände auch Deutschlands größte Blitzmessstation (BiiiiZZZL — Wuuumm!!!)

Unser Ziel ist nicht mehr weit! Den Parkplatz am Hohen Peißenberg findet man über den Wiesenpfad, rechts der Bergstraße. Er beginnt am Bauernhof Pröbstelberg, mittlerweile bei 940 Meter.

Zur Wallfahrtskirche kann man sich nicht mehr verlaufen. Vor dem Parkplatz überqueren wir die Bergstraße und gehen auf seiner südlichen Seite am Friedhof vorbei nach Westen. Links das Cafe und Restaurant „Bayerischer Rigi“. Der Oberlandler Rinderrahmbraten mit hausgemachten Spätzle kostet z.B. 10,90 € Genießt hier die Aussicht auf der Terrasse mit dem sensationellen Bergblick oder etwas weiter die Brotzeit an der Wallfahrtskirche.

Wirklich toller Drohnenflug über den Hohen Peißenberg von Blackholesun Lightformresearch:

Im Zentrum des Pfaffenwinkels, die
Wallfahrtskirche „Mariä Himmelfahrt“

In kaum einer anderen Gegend von Deutschland gibt es eine derartige Dichte an Klöstern, und Kirchen, weswegen die Region 1756 im Vorwort der Vindelicia Sacra des Pfarrers Franz Sales Gailler Anguli Monachorum, zu deutsch „Ecke der Mönche“ genannt wird. Zur volkstümlichen Übersetzung „Pfaffenwinkel“ war es nicht mehr weit.

Mitten im Landkreis Weilheim-Schongau, dem Kerngebiet des Pfaffenwinkels beschlossen 1514 die Bauern der Umgebung auf dem Gipfel des Hohenpeißenbergs eine gemauerte Kapelle zu errichten, um sich den Gang zur Kirche nach Peiting zu ersparen. Wohl auch wegen ihrer schönen Lage entwickelten sich alsbald ein Strom reger Wallfahrten. Da die Kirche die hohe Anzahl der Gläubigen nicht mehr aufnehmen konnte, wurde 1616 bis 1619 eine zweite, größere Wallfahrtskirche mit Turm angebaut, wodurch eine Doppelkirche entstand. Der Kirchenanbau war der erste im Stil der Renaissance im Pfaffenwinkel.

An der Kirche konzentrieren sich alle Besucher, die von hier den tollen Blick genießen wollen. Wir finden unsere Bank westlich der Kirche mit Blick auf das Meterologische Observatorium, genau unter der goldenen Endlosschleife der Start und Endpunkte des Pilgerwanderwegs.

Meteorologisches Observatorium

Das Meteorologische Observatorium Hohenpeißenberg ist die älteste Bergwetterwarte der Welt. Viele Jahre haben hier Pfarrer und Lehrer die Naturbeobachtung durchgeführt. Das Gebäude mit seinem markanten Turm wurde 1937 bezogen.

Seit 1967 findet hier ein laufender Ozon-Messbetrieb statt und seit 1995 werden zahlreiche Spurengase, Aerosole und Regeninhaltsstoffe überwacht. Die Anlage gehört zur Global Atmosphere Watch (GAW) mit 24 weiteren weltweiten Überwachungsstationen.

Vom 1. Januar 1781 bis heute wurden auf dem Hohen Peißenberg fast ohne Unterbrechungen meteorologische Beobachtungen durchgeführt.

Zurückgewandert über Unterbuchau

Der Wanderweg führt zuerst auf dem gleichen Weg zurück, auf dem wir hergewandert sind: Am Parkplatz über die Straße, den Wiesenweg zum Bauernhof Pröbstelberg, links am Sendemast vorbei. Am Waldrand biegen wir jedoch nicht mehr rechts, sondern an der zweiten Möglichkeit am Heustadel links. Ihr habt die richtige Abzweigung gewählt, wenn der Weg im Forst noch in Sichtweite zum Stadel eine scharfe Rechtskurve beschreibt und den Hang der Nord-Ostflanke des Hohen Peißenberg hinunter führt. Schnell öffnet sich der Wald und der Blick diesmal nach Norden. Ab hier gehen wir etwa 1.5 Kilometer das Teerstraßerl weiter nach Osten. Gelegentlich streifen wir den ein oder anderen Hof, bleiben aber unserer Richtung treu und streben auf weitgehend gerader Linie der Gemeinde Peissenberg zu. In der Ferne sieht man die große Wasserfläche des Ammersees und davor die markanten Parabolantennen der Erdfunkstelle Raisting.

Die Kapelle von St. Michael zeigt an, dass wir nach dem Haus rechts auf den Fußweg einbiegen, der hinunter zum Michelsbach führt. Auf die ersten Häuser von Peißenberg stößt man nach knapp 500 Meter.

Ehemaliges Bad-Sulz

Um zum Parkplatz zurückzukommen geht’s an der Siedlungsstraße St. Michelsweg kurz nach rechts und an der Hausnummer 25a auf dem kleinen Fusspfad ebenfalls nach rechts. Hier stoßen wir wieder auf den Stollenweg und die Tafel 15. Hier am Hang wurde einst eine Heilquelle gefasst. Ein nahes Kurhotel versorgte die Gäste, zu denen die spätere Kaiserin Sissi, König Ludwig I und der Biedermeiermaler Carl Spitzwerg gehörten.  Beinahe hätte es von hier eine Zahnradbahn hinauf zum Hohen Peißenberg gegeben. Wegen des Bergbaus versiegte während der 1930er und 1940er Jahre allerdings die Quelle und der Kurbetrieb nebst Hotel wurden geschlossen. 1984 wurde das Gebäude abgerissen und stattdessen eine Wohnanlage gebaut

100 Meter sind es von hier die Sulzstraße hinunter, bis zur Tiefstollenstraße mit dem Parkplatz.

Viel Spaß beim Nachwandern!

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Hohenpeißenberg-Runde 9,7 Kilometer

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Hohenpeißenberg-Runde 9,7 Kilometer: 47.799687, 11.039534
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