Wanderung auf den Taubenberg über das Steinbachtal

Es ist Karfreitag und schon der erste Blick in den jungen Tag zeigt Regentropfen auf den Terrassenfliesen aus grauem Waschbeton.
Grau sind auch die Wolken. Wir frühstücken lange und überlegen eine Weile, wohin es uns am Nachmittag verschlagen könnte. Sabine hat Lust uns zu begleiten, weswegen ich schon noch mal länger überlege, was heute das Optimum sein könnte. Ich errinnere mich an eine Tour von 7,56 Kilometer, die wir sogar schon mal gemeinsam gegangen sind und zum Ziel die Gaststätte auf dem Taubenberg hat. Der Taubenberg ist eigentlich eher ein vorgelagerter Höhenzug, als eine ernstzunehmende alpine Erhebung. Für die Münchner ist er wichtig, weil an seinem Fuße ein Großteil unseres Trinkwassers gefasst wird (siehe unsere Wanderung „Trinkwassersafari im Mangfalltal„) und für die Wanderer, weil man durchaus einen schönen Fernblick Richtung Wendel- oder Breitenstein hat. An Letzteres will ich an dem regnerischen Tag allerdings nicht recht glauben.

Bei Westin erst mal nach Süden

Ausgangspunkt ist der kleine Wanderparkplatz beim Weiler „Westin“ gleich an der Steinbachbrücke. Hier stehen tatsächlich zwei geparkte Autos. Ich glaube nicht, dass wir den Wanderern begegnen, denn die meisten gehen von hier auf der Teerstraße hinauf bis zum Gasthof. Unser Weg führt erst mal auf der guten ungeteerten Straße nach Süden. Wir folgen dem Bachlauf durch das Steinbachtal und lassen uns auch nicht von Abzweigern nach links ablenken. Igitt, hier liegt noch Schnee! Die Natur scheint noch etwas hinterher zu hinken. In einem größeren Schmelzwassertümpel entdecken wir in größeren Mengen Froschlaich.
Während im Sommer der Bachlauf wunderbar einlädt um kleine Staudämme zu bauen, ist es heute eindeutig zu nass. Wenn zur rechten Talseite der Untergrund und die Flora immer mooriger wird, dauert es nicht mehr lange, bis sich das kleine Tal etwas weitet. Wir sind bis hierher bestimmt nicht länger als 25 Minuten gegangen. Schöne und schwammige Mooswiesen breiten sich über die ganze Senke aus. Der Weg beschreibt nun einen Rechtsbogen, der sich alsbald durch den Bergwald nach oben führt. Auch wenn der Wegweiser erst einmal nach rechts, also scheinbar wieder zurück führt ist die Richtungsangabe richtig. Vor Jahren hatte ich ihn nicht geglaubt und bin geradeaus gegangen. War falsch …

Viel schneller als gedacht geht es nach oben. Die Steigung ist moderat und nach keinen weiteren 30 Minuten haben wir die Wiesen erreicht, an deren Ende uns das Gasthaus Taubenberg winkt. Hätte ich daran gedacht, das Geld einzustecken, wären wir weiter gekommen als nur den Vorraum zu betreten. Gitta war sauer und hat etwas gebraucht, sich wieder abzuregen. Mit den drei Euro von Sabine wären wir leider nicht sehr weit gekommen.

Taubenberg Berggasthof

Wer die Möglichkeit hat, sollte sich auf jeden Fall auf die Terasse setzen und die Aussicht genießen, während die Kinder auf dem tollen Spielplatz ihren Spaß haben oder ein paar Tiere streicheln. Entgegen vieler Gastronomen, die ihre Speisekarte nahezu ausschließlich mit vorgefertigtem Convenience-Food befüllen, kommen hier hausgemachte Schmankerl aus der eigenen Landwirtschaft auf den Tisch, die nach den Regeln des ökologischen Landbaus von Naturland zertifiziert sind.

Wie weltoffen hier das Denken ist, merkt man, wenn plötzlich Sitar-Musik aus dem Gastraum dringt, oder ein Gong-Großmeister aufs Blech haut. Übrigens: Den Schlüssel zu dem nur 15 Minuten entfernten  Aussichtstrum kann man sich hier in der Gaststätte holen.

Im Winter hat man auf dem Taubenberg geschlossen. Geöffnet wird wieder ab März. Am Wochenende sollte im Frühjahr und Sommer geöffnet sein. Am Besten auf die Webseite gehen und sich dort erkundigen, besonders wenn man unter der Woche dem Taubenberg einen Besuch abstatten möchte.

Wo sich Geld einen unvergleichlichen Blick kauft

Zurück gehen wir diesmal auf der Teerstraße nach Osten. Wenn man die Augen öffnet  gibts dabei viel zu entdecken. Bäume mit einem Ei (finde es, man kann es vom Weg sehen), oder lustige Straußen am 300 Jahre alten Maroldhof, der übrigens einer der wenigen Höfe, die zur Sicherung der Wasserqualität am Taubenberg nicht abgerissen wurden. Zu verdanken wurde dies in den 30 Jahren den Naturfreunden, die den Maroldhof als Vereinsheim umgebaut hatten. Später war er noch Landschulheim, Asylunterkunft und heute halt auch ein bisserl Straußenfarm.

Ein paar Meter weiter kommen wir an der Koglkapelle vorbei, die im Volksmund „Schimmeltod-Kapelle“ genannt wird. Man sagt, dass sich in einer stürmischen Nacht ein Schimmel in die Kapelle flüchtete. Der Wind blies die Türe zu, die darauf leider längere Zeit niemand geöffnet hat. Da sich das arme Tier leider nicht selbst befreien konnte verendete es hier an Wasser und Futtermangel.

Sowie sich der Wald öffnet breitet sich wieder das Alpenpanorama vor uns aus. An exponierter Stelle stehen bei Günder zwei Häuser mit Traumblick. Eines davon haben wir als Rohbau erlebt. Kaum zu Glauben, das dieses rustikale anmutende Haus nicht die Historie hat, die es vorgaukelt. Welches Haus ich meine? Einfach jenes mit dem neuesten Kamin. Ich frag mich immer, über welche Kontakte man verfügen und wieviel Geld man hinlegen muss, um sich in derart exponierter Lage eine Immobilie finden, kaufen und bebauen darf. Später, wenn ich groß bin, kauf ich mir auch so eines.

Der Weg windet sich malerisch über die Wiesen hinunter. Heute sind erfreulich wenige Autos unterwegs. Ist halt eher was für Wanderer. Beim Weiler Westin haben wir auch wieder nass und zufrieden unser Auto erreicht.

Kleine Orientierungshilfe

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Taubenberg über Steinbachtal 7,56 Kilometer

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 47.830703, 11.802020
Taubenberg Gaststätte: 47.829435, 11.764104
Aussichtsturm: 47.827217, 11.749277
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