Würm: Durch den Pasinger Stadtpark nach Maria Eich/Planegg gewandert

(Wanderung 8,9 Kilometer) Von Pasing kennen viele allenfalls den gleichnamigen Bahnhof, und auch nur deswegen, weil die Bahn dort einen lästigen Zwischenstopp einlegt. Wir haben das im Münchner Westen gelegene Pasing als Ausgangspunkt für eine recht kurzweilige Stadtwanderung gewählt und dabei mit dem Vorurteil ausgeräumt, am Zug lieber in die Zeitung zu schauen, als auszusteigen. Unsere kleine Kollegen-Wandergruppe ist von Pasing zur Wallfahrtskircherl Maria Eich in Planegg spaziert und von dort mit der S-Bahn zurückgefahren. Am Ende: Toller Tag mit vielen Überraschungen und einem pfundigen gemeinsamen Erlebnis.

Das erwartet Euch im Pasinger Stadtpark im Würmtal

  • Plant für die 8,9 Kilometer lange Strecke etwa 2:10h Stunden ohne Pause ein. Die körperlichen Anforderungen dafür sind eher gering, auch weil es  unterwegs keine Steigungen unterwegs gibt. Die Fußgängerwege sind zu jeder Jahreszeit gut zu gehen und auch für Kinderwägen kein Problem. Sie sind großteils geteert.
  • Zu erleben gibt es: Die Würm im Pasinger Stadtpark, die hier erstaunlich beschaulich durchs Grüne fließt und vergessen lässt, nicht irgendwo im Umland zu sein, das putzige Schläusenwerterhäuschen von wo der Würm-Kanal zum Nymphenburger Schloss abgeleitet wird, die Insel des ehemaligen Pasinger Wasserschlosses (über den Zaun), die Häuser der „Residenza Veneziana“ die durchaus italienisches Flair versprühen, wenn sie auch etwas an ein Disney Themenressort erinnern, den Gräfelfinger Wald, in den wir uns hineinmogeln und auf den Wallfahrerweg bis zum Augustinerkloster von Maria Eich gehen (das gleichnamige Bier müsst ihr euch allerdings selbst mitnehmen).
  • Von Mai bis September kann man im Waldheim Gräfelfing einkehren, einen kleinen und einfachen Biergarten, der schön gelegen im Gräfelfinger Wald zur Rast einlädt und auch durch seine günstigen Preise punktet.
  • Optimale Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, weswegen man leicht auf das Auto verzichten kann. Da die Wanderung von Nord- nach Süd dem Würmtal folgt, fährt man am Ende der einfach mit der S-Bahn zurück. Der Bahnhof in Planegg  liegt gleich um die Ecke von Maria Eich.

Anfahrt nach Pasing mit dem Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Anfahrt mit dem Auto: Am Sonntag eher kein Problem mit den Parkplätzen, die ihr euch in Bahnhofsnähe selbst suchen müsst. Unter der Woche ist eine Anfahrt dem Auto aber keine so gute Idee, da die Parkzeitbeschränkungen zu kurz für die Tour sind.

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Einfach mit der S-Bahn (S3, S4, S6, S8, S20), der Tram 19 zum Pasinger Bahnhof fahren. Außerdem verkehren hier jede Menge Busse. Ab hier sind es nur knapp 300 Meter zur Würm.

Vom Pasinger Bahnhof zum Stadtpark losgewandert

  • Raus aus dem roten Backsteingebäude von 1847 und rechts an der Kaflerstraße nach Westen. Vorbei am Rewe, den Bushaltestellen und noch ein Stückchen weiter zur Würmbrücke. Wir überqueren die Straße, wenden uns nach Süden und gehen am westlichen Uferweg des Würmkanals nach Süden. Hier befinden wir uns eigentlich auf einer Insel, da 70 Meter weiter die alte Würm verläuft. Schlagartig verändert sich der Eindruck von Pasing. Der Trubel des Bahnhofsvorplatzes verschwindet, es wird grün und wird kleinstädtisch. Während Kinder vermutlich schon nach 100 Metern auf den nahen Spielplatz rennen, stehen die Erwachsenen ein kurzes Stück weiter fassungslos vor den morgen Mauern des Perlschneiderhofs.

Perlschneiderhof

Laut dem Pasinger Archiv reicht die Geschichte des Perlschneiderhofs bis ins 16. Jahrhundert zurück. Der ungewöhnliche Name stammt von der Schweinekastration, die hier einst praktiziert wurde. Der Hof in heutiger Gestalt stammt von 1850. Vorne das Wohnhaus, hinten die Scheune. Bis 2006 lebte hier Philomena Kohlpaintner. Warum das stattliche Anwesen mit dem großen Garten so verkommt? Weil sich die Stadt München mit den Erben über den Verkauf des Grundstücks nicht einigen kann.  (Fokus 2/20)

  • Hinter dem Hof ein kleiner Park an dessen Spitze sich Würm und Würm-Kanal trennen. Zum kleinen Kanalwärterhäusschen gelangen wir über die Brücke rechts und 70 Meter die Würm aufwärts. Hier sorgte der Schleusenwärter dafür, dass in dem Kanal für die Teiche und Brunnen im Nymphenburger Schlosspark immer die gleiche Wassermenge zur Verfügung stand.
  • An der nahen Brücke queren wir die Flussseite nach Westen und halten uns auf dem Fußweg „Am Wasserschloss“. Gegenüber der ehemaligen Hallermühle, heute ein Appartmenthaus, sehen wir über den Zaun in den im Garten des Instituts der Englischen Fräulein die Insel des Pasinger Wasserschlosses.

Pasinger Wasserschloss

Von der Würm umschlossen sehen wir einen kegelförmigen Erdhügel, auf dem einst die der Turmühgel der freisingischen Ministerialen in Pasing stand. Im 15. Jahrhundert wurde es durch ein wohnliches Weiherschloss im spätgotischen Stil ersetzt, dass 1817 abgerissen wurde, da es baufällig war. Noch heute befindet sich das Gewölbe des ehemaligen Turms aus dem 12./13. Jahrhundert auf der Insel, die nicht öffentlich zugänglich ist.

  • Der Weg folgt der Würm. Nach der Kirche „Mariä Geburt“ weitet sich zunehmend der Korridor neben dem Fluss. Kurz nach dem Klinikum München West zur Rechten zweigt links der Kanal von der Würm ab. Etwa ab hier könnt ihr zwischen verschiedenen Wegen wählen. Entscheidet selbst welchen ihr folgen wollt. Wir haben uns für den mittleren am rechten Ufer des Würmkanals entschieden. Beschattet wandern wir nach Süden und genießen das Laubdach. Bleibt ihr nahe des Würmkanals wie wir , könnt ihr eine Skurrilität nicht verfehlen. Knapp einen Kilometer nach dem Wasserschloss ragen plötzlich die fünf Wohnblöcke der Residenza Veniziana in den Stadtpark. Zum Canal Piccolo gelangt man durch den Durchgang am Wasser.

Residenza Veneziana am Canal piccolo

Wo bis 1999 einst die Papierfabrik Pasing stand, errichtete die Terrafinanz 2011 99 Eigentumswohnungen von der es im schönsten Werbestprech heißt: „Ausnehmend schönen Architektur. Italienischer Flair am idyllischen Würmkanal, den kleine Rialto-Brücken überspannen und eine äußerst ansprechende Fassadengestaltung schaffen hier eine geradezu romantische Atmosphäre, von der die Bewohner mehr als begeistert sind“. Zugegeben, die Lage ist sensationell und wenn auch die Anlage eher wie eine schiefe Kulisse für italienische Architektur wirkt, die allerdings nicht ihre Wirkung verfehlt. Eine Schwanenfamilie mit ihren Kindern schwimmen zwischen den weißen Brücken, erdige Farben und vorgezogene Dächer über der vierten Etage lassen so etwas wie Italien Feeling aufkommen. Irgendwie Bellissimo! Der Effekt verstärkt sich bestimmt, wenn man eine Flasche Chianti aus der Bastflasche trinkt und über Kopfhörer Paolo Conte hört.

  • Der flüchtige Ausflug nach Italien endet nach 160 Meter, immerhin im Süden. Etwa  einen halben Kilometer weiter fließen Kanal und Altwürm wieder zusammen. 350 Meter weiter haben wir uns der A96 nach Lindau verflixt genähert. Wir entscheiden uns für den nächsten Weg nach rechts, um nicht auf der Autobahnbrücke zu wandern. Kürzer ist der Weg entlang der Autobahn, nicht aber schöner. Darum haben wir uns für einen Bogen durch den Park entschieden.

Vom Pasinger Stadtpark zum Gräfelfinger Wald spaziert

  • Den Fußweg vor der Autobahnbrücke nach Westen (rechts) gehen und nach etwa 30 Meter die Böschung rechts (kein Pfad) queren. Wenn es trocken ist, sollte das auch kein Problem sein. Der Pasinger Stadtpark erinnert hier an den Englischen Garten. Weite Wiesen, alte Bäume. Einfach schön! Auf den nördlich gelegenen Weg spazieren wir weiter nach Westen. Um zum Gräfelfinger Wald zu kommen, bleibt es uns aber nicht erspart, auf die andere Seite der Autobahn zu gelangen. Dafür an der nächsten Kreuzung einen Katzensprung rechts gehen, dann links abbiegen und 130 Meter geradeaus wandern.  Zur Brücke  kommen wir, indem wir uns an der nächsten Weggabelung links 240 Meter nach Süden halten und an der Autobahn rechts bis zur Verbindungsstraße „Wasserbogen“ gehen.  Obacht, verwechselt die Brücke nicht mit der Fußgängerbrücke ein Stückchen weiter im Osten!
  • Flott die Autobahn kreuzen, vielleicht noch ein paar Fahrzeugen zuwinken und am Kreisverkehr auf der anderen Seite rechts in die Lochhamerstraße abbiegen. Kurz vor der Brücke links in den Fußweg einschwenken und im Schatten der A96 500 Meter nach Westen spazieren. Kurz vor der S-Bahn wechselt sich unsere Richtung nach Süden, um an der Fußgängerunterführung auf die andere Seite des Bahndamms durchzuschlüpfen.
  • Der Gräfelfinger Wald ist schon nah! Es ist ein Fußpfad rechts der Bahnlinie, dem wir 125 Meter nach Süden folgen, ehe ein Abzweiger im Rechtsbogen zur Jahnstraße führt. Hier etwas nach Norden gehen und links in die Mathildenstraße einbiegen. Noble Gegend, teurer Häuser, die wir passieren. Nach 55 Meter kreuzen wir die Maria Eich-Straße, um auf der anderen Seite auf den Wallfahrerweg zu stoßen.

Option 1: Direttrissima nach Maria-Eich

  • Einfach dem Wallfahrerweg 2,6 Kilometer bis nach Maria-Eich gehen.

Option 2: Abstecher durch den Gräfelfinger Wald

  • Unsere Wahl nach 120 Meter auf dem Wallfahrerweg rechts in den Waldweg einbiegen, der uns 300 Meter den Forst und zur Kapelle St. Joseph an der Akademie des bayerischen Bäckerhandwerks zu stoßen. Hier auf der Zufahrtstraße (Josef Schöfer-Straße) 400 Meter nach Südosten zu wandern. Vorbei an den letzten Siedlungshäusern an der Freihamerstraße, einer Waldwiese, nutzen wir auf der anderen Seite im Forst die erste Gelegenheit, um an der Kreuzung links abzubiegen. Hier 370 Meter wieder nach Süden spazieren. Durst? Wenn der Tag stimmt, bietet sich eine Einkehr im Biergarten Waldheim ein. Die Ausschilderung ist etwas schlecht. Einfach an der Teerstraße beim ersten Wohnhaus rechts der Straße in den Wald folgen. Der Waldbiergarten kommt nach 100 Metern.

Biergarten Waldheim Gräfelfing

Das Waldheim des Evangelischen Handwerkervereins in Gräfelfing ist für jeden Wanderer und Radfahrer von Mai bis Ende September eine willkommene Einkehr. Obwohl die Nähe zur Villenkolonie  gehobene Gastronomie vermuten lässt, geht es hier angenehm bodenständig zu. Der große Garten mit dem Holzhaus von 1924 lässt an nostalgischen Sommerfrischlerausflüge denken, bei denen die Münchner mit der Dampfeisenbahn zum Bahnhof Gräfelfing fuhren, um in 20 Minuten (heute S-Bahnhof) hierher zu laufen und in der Kegelahn die Kugel zu werfen und ein Bier zu trinken.

Die Preise sind für Münchner Verhältnisse erstaunlich günstig, wofür man leider auch eine meist lange Schlange an der Bier- und Essensausgabe akzeptieren muss. Zugegeben habe ich auch schon einen besseren Wurstsalat als hier gegessen und Salz wird im Allgemeinen überbewertet. Das Bier war dafür tadellos. Aber mei, dafür passte das Ambiente völlig im Grünen und für Kinder gibt es außerdem einen Spiel- und Bolzplatz. Parkplätze für Autos gibt es übrigens nur wenige.

  • Öffnungszeiten: Geöffnet vom  1. Mai bis 30. September, Dienstag bis Freitag ab 14:00 Uhr, Samstag ab 12.00 Uhr, Sonntag ab 10:00 Uhr. Montag ist geschlossen, ebenfalls wie an Regentagen. Während der Sommerferien ist unter der Woche das Waldheim erst 17:00 Uhr geöffnet (wegen Kinder-Sommerbetreuung).
  • Adresse: Geigerstraße 33, 82166 Gräfelfing, Website des Waldheims

Auf dem Wallfahrerwerg nach Maria Eich gewandert

  • Wer sich vorher nicht bereits für den Wallfahrerweg entschieden hat, wird ihn spätestens jetzt besser kennen lernen. Erst ist es ein geteerter Fußweg, dann ein Forstweg auf den sich gut wandern lässt. Die Kreuzwegstationen führen den Leidensweg Jesu vor Augen. Es soll deutlich werden: Auch in unserem Leben werden Tod und Leid nicht das letzte Dass wir fast vor Maria Eich sind erfahren wir nicht nur an den Kreuzwegstationen, sondern auch an der Germeringer Straße. Den Wallfahrtsort erreichen wir 200 Meter auf der an der anderen Straßenseite.

Wallfahrtskirche Maria Eich in Planegg

1712 war es lediglich ein Madonnenbild in einer hohlen Eiche, 1734 eine zusätzlich kleine Hütte, nachdem immer mehr Bedürftige  Hilfe von der Mutter Gottes erhalten hatten und 1742 bereits ein gemauertes Kirchlein. Maria Eich bekam noch mehr Popularität, als  ein Hirsch bei einer Jagd des Max III Joseph 1775  in der Kapelle Zuflucht gesucht hatte und vom bayerischen Kurfürst daraufhin verschont wurde. 1953 übernahm der Orden der Augustiner die Wallfahrtsseelsorge in Maria Eich und die Kirche wurde mit dem Kloster neu angelegt. Im August 2015 wurde ein Seelengärtlein sowie ein Klanggarten am Rande des Wallfahrtsplatzes, eingeweiht.

Eine Stadtwallfahrt von Gräfelfing nach Maria Eich statt findet im September statt. Außerdem pilgern seit 1986 pilgern die Wiesnwirte zur Wallfahrtskirche, um gemeinsam mit dem Entzünden einer Kerze für eine „friedliche und sichere Wiesn“ zu bitten.

Zurück nach Pasing / München

Zum  S-Bahnhof Planegg kommen wir über den Weg entlang der Sichtschneise zur Wallfahrtskirche in südöstlicher Richtung.  Falls ihr übrigens noch hungrig seit, findet ihr in Planegg einige Lokale und Gaststätten. Zum Beispiel die Heide Volm, gleich auf der anderen Seite des Bahnhofs.

Wanderkarte Würmtal

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