Münchner Isar-Spaziergang: Von der Museumsinsel bis Max-Joseph-Brücke

(Münchenrundweg, 5,4 Kilometer mit Einkehrmöglichkeit) Wer unseren Blog verfolgt, weiß, dass wir gerne draussen sind. Damit meine ich, an der frischen Luft zu sein und das eher vor München. Wenn es im Winter grau und trübe ist, hält man es in der Natur einfach besser aus. Zumindest geht es uns so. Mit den steigenden Temperaturen und dem Grün der Blätter hat sich ein krasser Wandel vollzogen. München gewinnt mit jedem Sonnenstrahl die Leichtigkeit für das wir sie so lieben. Die Biergärten haben aufgemacht und die Isar schießt sich in den Olymp für Lebensfreude. Schattig, sonnig, erfrischend, sozial und entspannend lädt sie ein, zum AfterWork-chillen oder dem Wochenendspaziergang von Biergarten zu Biergarten.

Wie schön der Isar-Herzbereich in München zwischen Deutschen Museum​ und dem englischen Garten ist, haben wir uns mit zwei Spaziergängen in die Erinnerung gerufen und es total genossen. Sportliches Ausschreiten war nicht das Ziel, sondern das Gucken und Bummeln, Verweilen, Innehalten und Biergarteln.

Tipp: Weil es so viel zu sehen und erleben gibt, haben wir den Beitrag etwas aufgeteilt: Ihr könnt diese Tour ohne Probleme mit dem Anschlussspaziergang kombinieren, die uns von der Max Joseph-Brücke, bis zur Hirschau im nördlichen englischen Garten bringt (in Vorbereitung).

Losspaziert auf der Museumsinsel: etwas Münchner Stadtgeschichte gefällig?

Wer sich die Parkplatzsituation sparen will kommt am besten mit dem Fahrrad, der S-Bahn bis Isartor, oder Trambahn bis Deutsches Museum. Unser Isar-Stadt-Spaziergang beginnt auf der Museumsinsel, sagen wir mal an der blauen Schiffsschraube.

Historisch gesehen sind wir an jener Stelle, wo die Isar für München für viele Jahre die größte Bedeutung hatte: Hier war nämlich im Laufe des Mittelalters nicht nur die einzige Isarbrücke, sondern an auch die Lände für die Flöße, welche Bauholz und Kohle für die Aufstrebende Stadt brachte. Im Hochjahr 1870 landete hier die unglaubliche Anzahl von 12.000 Flöße an. Zu dieser Zeit war hier Europas größter Flosshafen. Auf der heutigen Museumsinsel wurde die Ware gelagert, bis der Platz für eine Kaserne, dann für Ausstellungshallen und letztendlich das Deutsche Museum genutzt wurde.

Wir queren die Straße und gelangen von dort in die Grünanlagen beim Vater Rhein Brunnen.

Kulturstrand am Vater Rhein Brunnen

Chillen am Kulturstrand / Vater Rhein Brunnen

Am Vater Rhein Brunnen, mitten zwischen der großen und kleinen Isar, hat diesen Sommer der Kulturstrand seine Liegestühle aufgestellt. Vergänglich ist nicht nur der Clubsound, der aus den Boxen chillt, sondern auch der Standort des Brunnens, der ursprünglich in  Straßburg seine Heimat hatte.  Nach dem Einmarsch der Franzosen in Straßburg wurde der Brunnen 1919 abgebaut, die Bronzefigur eingetauscht und 1932 an dieser Stelle in München neu erreichtet. Heute: Sand und Beachatmosphäre von zwölf Uhr mittags bis Mitternacht. Bis 15.08.2017. Es finden ein wechselndes Musikprogramm, Ausstellungen in der Freiluftgalerie und weitere kostenlose Aktionen statt. Zum Programm

Über den Isar-Wehrsteg, die Praterinsel zum Maximilianeum

Wir spazieren hinter dem Vater Rhein-Brunnen durch den Insel-Park nach Süden. Dahinter, der 170 Meter lange Wehrsteg, der sich 2016 in ein großes „Diner en blanc“ verwandelt hat. Was für die einen stilvolles Tafeln an besonderen Orten bedeutet, ist für die anderen ein albernes Spektakel mit Verkleidungscharakter, das von Jahr zu Jahr mehr Leute anzieht. Im Grunde ist das aber nichts anderes als bei den zwei Wochen Oktoberfest, wo die Spaßfraktion in ihre alpenländische Folkloreuniformen steigen: „Ja mei, Leben und Leben lassen“.

Der Film „Diner en blanc München“ von Gerrit Guggenberger ist auf jeden Fall sehenswert, weil er das heitere Sommer-Lebensgefühl der Stadt auf den Punkt bringt. Vorne die Stilbestien in weiß, hinten die Sonnenanbeter auf ihrer Kiesbank.

 

Auf der anderen Seite des Isar-Stegs ist die Praterinsel mit dem Alpinen Museum. Der Name „Prater“ kommt übrigens von der Vergnügungsgaststätte mit Karussell, die hier um 1834 existiert hat.

Alpines Museum in München

Das Alpine Museum ist längst nicht so neu wie viele glauben. Die 1996 wiedereröffnete Ausstellung geht auf das 1911 in den Räumen des ehemaligen Tanztempels „Isarlust“ gegründete Museum zurück, das im zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Das Alpine Museum widmet sich allen Themen rund um Berge, Bergsteigen, Alpinismus und Alpenverein. Im Museumsgarten befinden sich Teile der neuen Dauerausstellung mit der original Ur-Hütte der Höllentalangerhütte und zum anderen das Grathütterl, die Biwakschachtel vom Jubiläumsgrat an der Zugspitze. Schöner, wenn das Cafe Isarlust seine Stühle im Garten neben Boulderfelsen und geologischer Gesteinssammlung aufstellt, denn Indoor wirkt es etwas unterkühlt.

Wir wandern über die Isar-Brücke, Kabelsteg auf Uferseite der kleinen Isar. Wow, der Blick ist besonders im Sommer wahnsinn. Kiesbänke, grün wohin das Auge reicht, dahinter im Süden der Turm des Deutschen Museums. Nach Süden geblickt, die Maximiliansbrücke. Ist es Zufall, dass ich immer einen der roten Doppeldecker-Sightseeing-Busse darüber fahren sehe, wenn ich hier stehe? Vielleicht gibt es einfach so viele von denen.

Blick vom Kabelsteg nach Süden

Auf der anderen Seite des Kabelstegs spazieren wir um den Spielplatz herum und gelangen auf einen weiteren Fußweg, der zwischen Isar und Auer Mühlbach zur rechten führt. Diesen Abschnitt mögen wir ganz besonders und die Jogger und die Fahrradfahrer, die hier eigentlich nichts verloren haben. Auf der anderen Flussseite die Praterinsel mit Praterstrand der 2017 zum Bora Beach die von Mixed Munich Arts übernommen wurden (die gehobenere und kommerziellere Kulturstrand-Alternative).

An der Brücke über uns das Maximilianeum. Von hier unten können wir es nicht sehen. Wir warten auf den neugotischen Säulen-und Fassadenwahnsinn, den später kommen wir leichter an den Blick.

Das Maximilianeum

Erst seit 1949 ist hier der Sitz des Bayerischen Landtages nachdem das vorherige Gebäude im Krieg schwer beschädigt wurde. Seit 1876 werden im Hinterhaus auch talentvolle Jünglinge (jeglichen Standes) bei der Erreichung jener Stufe wissenschaftlicher und geistiger Ausbildung unterstützt, die zur Lösung der höheren Aufgaben des Staatsdienstes erforderlich ist. Seit 1980 werden auch begabte Mädchen aus Bayern unterstützt. Das ist praktisch, da der Bayerische Landtag in München auf diese Weise auch den Erhalt des „Athenäums“ übernimmt.

Das Maximilianeum

Durch die Maximiliansanlagen zum Friedensengel-Tunnel / Luitpoldbrücke

Wir sind, wie ihr an den Fotos sicherlich bemerkt habt, zwei Mal für den Beitrag die Strecke gegangen. Das Wetter war unterschiedlich: regnerisch mit grauen, aber schönen Wolken und weißblaues Kitschwetter in den Farben weiß und blau. Die Isar war mit jedem Besuch völlig anders. An den Wehranlagen unter der Maximiliansbrücke tobte es bei Regen gewaltig. Jede Menge Wassermassen gurgelte schaumig flussabwärts. Die Isar ist harmlos? Das kann schnell wechseln! Für Gummibootfahrer gilt im gesamten Stadtbereich der Isar daher Fahrverbot!

Nur knapp 700 Meter sind es vom Maximilianeum bis zum Friedensengel. Links ist die Isar, rechts die Parkanlagen. Das Schlösschen in den Parkanlagen gleich nach der Brücke rechts ist übrigens das Maxwerk in dem der Auer Mühlbach zur Stromgewinnung geleeitet wird um. Heute würde ein profaner Zweckbau reichen, aber 1895 durfte es noch etwas schicker sein.

Bei schönem Wetter gehört der Isarweg uns leider nicht alleine. Er ist schon so etwas wie eine Radel-Autobahn für alle, die ohne viel Straßenberührung in den Englischen Garten wollen. Wir wandern daher lieber in der Wiese. Das ist entspannter für Pelle, den Familienhund und uns. Bei Regen gehört Euch der Weg natürlich alleine, und den Regentropfen. Das ist beinahe so schön, wie bei Sonnenschein.

Wir durchqueren den Fahrrad und Fußgängertunnel an der Luitpoldbrücke. Über uns befindet sich der Friedensengel. Die Wände sind geschmückt mit Graffitis. Es fühlt sich an wie eine Galerie, denn das Niveau ist hoch, nur das Hunde und Fahrradfahrer erlaubt sind. In der Mitte des Tunnels kann man die Treppen nach oben spazieren und sich einen Überblick verschaffen. Der Englische Garten beginnt 600 Meter westlich von uns. 800 Meter weiter, an der Max Joseph Brücke befinden wir uns auf Höhe des Chinesischen Turms.

Zur Max-Joseph-Brücke und zurück (oder weiter)

Hier wird es wieder stiller. Viele Radfahrer zieht es stadteinwärts. Gleich nach dem Tunnel kommt rechts ein kleiner Weiher, der sich Achtersee nennt. Bänke wie die von Gerald und Jörn laden zum Stoppen ein. Mist, wir haben kein Brot um die Forellen im Wasser zu füttern, es könnte so schön sein. So schön ist es hier ist, an die Isar selbst kommt man aber kaum ran. Sie fließt in einem Korsett Meter unter uns. Immerhin eingewachsen.

Ein Kiesbank-blick kurz vor der Max-Joseph-Brücke. Wer will, kann hier sein mitgebrachtes Augustiner trinken und durch die Blätter in die Sonne blinzeln. Alternativ findest du in 700 Metern den Chinesischen Turm. Dort kannst du der Blasmusik lauschen oder Karussel fahren, aber das ist eine anderer Stadtspaziergang.

Ab hier gehts zumindest heute zurück nach Süden. Um nicht den gleichen Weg gehen zu müssen, halten wir uns links am Isarhang, der langsam an Höhe gewinnt. Was man hier nicht vermutet ist ein Quellbach, der kurz vor dem Friedensengel aus der Leite kommt. Seltsam. Ein Mysterium. Wasserrohrbruch?

Münchner Original: Der Friedensengel

Das Friedensdenkmal besteht aus einem quadratischen Tempel mit einer 23 Meter hohen Säule auf der ein sechs Meter hoher goldener Engel thront. Das 1899 eingeweihte Denkmal sollte an den Sieg des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 bis 1871 und als Dank für die Segnungen des Friedens erinnern. Eigentlich hätte es in Haidhausen stehen sollen. Es hier aufzustellen war wohl zu verschmerzen, da man bereits im Franzosenviertel alle Hauptstraßen nach den Kriegsschauplätzen benannt hatte.

Darum geht es hier Sylvester wohl schlimmer zu, als an jedem anderen Platz, wo man in das neue Jahr hineingefeiert. Raketen fliegen in das feiernde Volk, Böller explodieren in der Menschenmasse. Es scheint, als wolle hier ein Haufen durchgeknallter Reenactment-Darsteller die Schlacht bei Sedan, Wörth oder Gravelotte Jahr für Jahr nachstellen, da es nicht viele jüngere Kriege gibt, die Deutschland für sich entschieden hat. Der Name „Friedensengel“ klingt dabei wie ein Hohn.

Eindrucksvolle Luftaufnahmen des Friedensengel von Bayern.Pics

Über den Isarhang, Wiener Platz zum Hofbräukeller

Wir queren die Straßen, die beidseitig des Friedensengels vorbei führen, gehen die Maximiliansanlagen weiter nach Süden, ohne (zu viel) Höhe zu verlieren.

Vor 1856 war der steile, stak erodierte Isarhang  als Schafweide genutzt worden. Der Talgrund war noch von Hochwässern gefährdet und konnte deshalb nicht in den Park einbezogen werden. Erst Zug um Zug und durch Aufforstung heimischer Bäumen wie z.B.  Linde, Eibe, Stiel- oder Roteiche hat der Gartenarchitekt  Peter Josef Lenné der Anlage hier seinen heutigen Charakter gegeben.

Wir kommen an ein Denkmal von König Ludwig der II., der hier das nicht gebaute Semper-Festspielhaus errichten wollte.  Der von Wagner bevorzugte Architekten Gottfried Semper musste jedoch die Stadt verlassen, da die Münchner von den teuren Baueskapaden ihres Königs langsam die Nase voll hatten.

300 Meter hinter dem Denkmal erreichen wir das Maximilianeum, kreuzen Straße und Tramgleise und kommen durch die gegenüberliegende zum Wiener Platz.

Der Name für den Wiener Platz wurde 1891 wurde gewählt, da die hier entlang führende Innere Wiener Straße den Beginn der Verbindungsstraße nach Wien darstellte (was man heute nicht mehr so nachvollziehen kann). Rechts über das Areal mit seinen Marktständen, das 2018 komplett umgebaut wird, erreichen wir den Hofbräu-Biergarten.

Hofbräu-Biergarten am Wiener-Platz

Viele Münchner Brauerein entschlossen sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts außerhalb der Stadtmauern Bierdepots anzulegen, um ihre Lagerkapazität zu vergrößern. Das Hochufer der Isar war mit seinen dafür natürlichen Höhlen dafür ideal, da dort mit Stangeneis das Bier länger haltbar war.

Die Kastanienbäume halfen dabei die Bierkeller zu beschatten und Sie im Sommer kühl zu halten. Die Brauer, waren keine Gastwirte, die  das frische Bier an Ort und Stelle ausschenkten, ohne Essen anzubieten. Die Besucher brachten daher ihre Brotzeit selber mit, was zur Geburt der Münchner Biergartenkultur führte.

Hinten im Biergarten, bei den Toiletten gibt es einen kleinen Durchlass in die Grünanlagen südlich des Maximilianeums. Wer bislang noch keinen Blick von Vorne auf den Landtag geworfen hat, kann das jetzt machen, ansonsten gehen wir nach unten, um einen schönen Hangweg links des Auer Mühlbachces bis zu einer Brücke zu gehen, um ihn zu überqueren. Der Bogen schließt sich, kurzzeitig. An der Brücke Kabelsteg gehen wir diesmal links.

Für uns ist ein Besuch der Kiesbank gegenüber des Wehrstegs Pflicht. Im Sommer ist es hier schwer ausreichend Platz für sein Handtuch zu finden. Kinder Steine ins Wasser und die Hunde toben ausgelassen. Wir lauschen den Rauschen des fallenden Wassers. Für kurz oder länger, hier kann man es aushalten.

Wer sich bis hier eine Erfrischung im Biergarten versagt hat, kann dies im nahen Biergarten Muffatwerk nachholen. Die Das Publikum ist jung, die Lage zentral, Flair und Preise eher na ja.

Um zur Museumsinsel zu kommen gehen wir am Biergarten rechts am Müllerschen Volksbad vorbei und an der Isarbrücke rechts hinauf zur Trambahnhaltestelle.

Müllersches Volksbad

Bei seiner Fertigstellung war das neubarocke Müllersche Volksbad nicht nur das größte, sondern auch das teuerste Hallenbad der Welt und das erste öffentliche Hallenbad von München. Es war eine Schenkung des Ingineurs Karl von Müller, einem Anhänger der Badebewegung.

In dem Turm des Gebäudes befindet sich ein Speicher mit Reservewasser das auch den Wasserdruck konstant hält. Das Größe von zwei Becken wird von einem ornamentreichen Tonnengewölbe gekrönt, was hier das Schwimmen zu einem eindrucksvollen Erlebnis macht und in Deutschland einmalig ist.

Kleine Orientierungshilfe

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Alpines Museum: 48.135163, 11.589020
Biergarten Hofbräukeller: 48.134432, 11.594911
Maximilianeum: 48.136308, 11.593966
Friedensengel: 48.141277, 11.597035
Biergarten Muffatwerk: 48.132879, 11.589020
Friedensengel: 48.141300, 11.596900
Kulturstrand am Vater Rhein Brunnen: 48.132184, 11.586628
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