Rundwanderung von Gars über den Innleitenweg

Wanderung11 KilometerKarte

Wart ihr schon mal in Gars am Inn wandern? Ich, das letzte Mal als Kind vor einem knappen halben Jahrhundert an Ostern. Erstaunlicherweise lagen lauter Ostereier auf dem Weg. Diesmal ging’s mit Gitta am Innleitenweg bis zur ehemaligen Burg Königswart flussaufwärts. Solltet ihr in der Gegend sein, werdet ihr die Runde mögen, sofern ihr es ruhiger liebt. Vielen Wanderern sind wir unterwegs nicht begegnet. Gars und der Innleiten Weg liegen ein bisserl im „Toten Winkel“.

Schlammig, braun ist das Innwasser. Blick auf den Fluss bei Bergholz.

Das erwartet euch auf dem Innleitenweg bei Gars

  • Die Tour führt auf eher schattigen Wegen entlang des Inns. Im ersten Abschnitt nahe dem Wasser verbirgt sich der Fluss am abwechslungsreich mäandernden Innleitenweg im Frühjahr/Sommer jedoch meist hinter dem Grün des Uferwaldes. Ab der einstigen Burg Königswart (nicht mehr sichtbar) verläuft die Wegstrecke erst über ein reizendes kleines Bachtal, dann im Bogen zurück nach Gars. Natur ist King!
  • Ihr wandert 11 Kilometer/~ 3:10 h über kleine Teerstraßen ohne nennenswerten Verkehr, Wald- und Wiesenpfade, sowie Forst- und Wirtschaftswege. Wer Lust hat, kann barfuß an der Furt den Nasenbach durchwaten, oder das Brückerl nebenan nutzen. Größere Höhendifferenzen gibt es keine.
  • Sammler von originellen Ortsnamen werden belohnt: Ihr dürfen behaupten, an Giggerlsöd und Schneckenbichl vorbeigewandert zu sein.
  • Gars am Inn ist ein etwas verschlafener Ort, ohne größere touristische Infrastruktur. Die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt mit dem imposanten Hochaltar gehört hingegen zu den frühesten barocken Kirchenbauten in Altbayern.
  • Wegen Corona hatte das Gasthaus Brandmühle noch geschlossen, soll aber wieder öffnen. Besser auf der Website den Status prüfen. Einkehrmöglichkeiten gibt es unterwegs und in Gars nicht wirklich.
Die Zwillingstürme vom Kloster Gars. Lohnenswert: Ein Besuch einer der frühesten barocken Kirchenbauten in Altbayern.

So kommt ihr nach Gars am Inn

Anfahrt mit dem Auto: Von Bogenhausen benötigt ihr für die 55 Kilometer je nach Verkehrslage zwischen 40 und 50 Minuten. Fahrt über die A94 bis Forstinning. Dann weiter auf der B12 bis Ramsau und von dort weiter nach Gars am Inn. Parken könnt ihr am Marktplatz (Google Maps) oder zu beiden Seiten der Innbrücke (Google Map) /Marktberg.

Anfahrt mit der Bahn: Rechnet mit 1,5 Stunden Fahrt für über Rosenheim bis zum Bahnhof Gars am Inn. (Fahrplan) Vom Bahnhof bis zur Innbrücke sind es einfach zusätzlich 1,6 Kilometer. Wir wandern 800 Meter auf der Bahnhofstraße südlich der Gleise, dann rechts nach Gars abbiegen. Nach weiteren 800 Metern auf der anderen Seite der Innbrücke links abbiegen.

Losgewandert am Marktplatz von Gars: Ab nach Süden!

  • Es ist Sonntag und später Vormittag. Am Marktplatz ist tote Hose. Kein Wunder, denn eine geöffnete Wirtschaft oder ein anderer Publikumsmagnet existiert hier nicht. Gitta und ich wandern nach Süden am Friseur und Stängl Bäck vorbei. Im letzten Winkel des Marktplatzes führen die Stufen den Grottensteig hinab, der eine Torkapelle mit Lourdesgrotte durchquert. An der Straße links abgebogen und dieser für 50 Meter bis zur Brücke folgen. Ein Blick auf den nahen Inn lohnt! Auf der gegenüberliegenden Straßenseite setzten wir die Wanderung fort.

Gars am Inn

Das kleine Schifferdorf Garoz (= Gars) wurde erstmalig 746 erwähnt. Die Klostergründung geht auf den Priester Boso zurück, der von seinem Lehensherrn Tassilo III. 768 ein Stück Land einer Klosterzelle erhielt, das sich über die Jahrhunderte zum religiösen, identitätsstiftenden und kulturellem Zentrum entwickelte.

Gars auf der Terrasse über dem Inn war ein wichtiger Lande- und Umschlagplatz für Innschiffer und ab dem 12. Jahrhundert Markt für das Umland. Mittelpunkt von Gars ist der längsrechteckige Marktplatz. Nach der Zerstörung der östlichen Häuserreihe im Dreißigjährigen Krieg, wurden diese mit Flachsatteldächern und barocken Schweifgiebeln wieder errichtet. Die Gebäude im Westen erbaute man nach dem Flächenbrand 1840 wieder neu. Die vom Inn heraufführende Straße steht in einer Verbindungsachse mit dem Kloster.  Seit 1972 gehört Gars am Inn zum Landkreis von Wasserburg.

  • Wir folgen der Hampersbergstraße weiter nach Süden. Hier befand sich einst die Anlandestelle für die Innschiffer und 500 Meter weiter das Wasserschloss Hampersberg. Zu sehen gibts nur noch einen Wassergraben und den auch nicht wirklich. Wir hatten nur Augen für die Schafe auf der Weide, gleich gegenüber.

  • Dahinter und nach dem letzten Hof, beginnt die Straße anzusteigen. In der Kehre nach 200 Metern gehts links auf den Wirtschaftsweg, dem wir ebenfalls für 200 Meter in dem nahen Forst folgen. An der ersten Möglichkeit links abgebogen, wo ein einzelner Baum zwischen der Gabelung steht. Der Weg trifft nach kurzer Zeit auf eine Lichtung. Nur als Wiesenpfad erkennbar führt er rechts am Waldrand entlang Richtung Inn. Ein toller Wegabschnitt, der nicht allzu häufig gegangen wird. Gitta und ich wandern im Wald an der Inn-Hangkante entlang weiter flussaufwärts. Es duftet nach Tannennadeln. Wir sind allein. Am Privatgrund eines Anwesens vollzieht der Pfad nach etwa 700 Metern eine Rechtskurve. Wir bleiben rechts im Wald, betreten nicht das fremde Grundstück und stoßen alsbald auf den Wirtschaftsweg, den wir vorhin verlassen haben. Erst kommt die Zufahrt zu dem Gehöft, dann die Teerstraße, der wir geradeaus folgen (ca. 300 Meter), ehe sie eine scharfe Linkskurve schlägt.
  • Die kleine geteerte Verbindungsstraße verbindet die letzten Siedlungshäuser von Bergholz auf den nächsten 500 Metern, ehe der Innleiten Weg beginnt, der nur Radfahrern und Wanderern vorbehalten ist.
  • Dem Innleitenweg folgen wir für die nächsten 1,5 Kilometer. Der Inn liegt dabei weitestgehend unsichtbar unter uns im Grün der Bäume. Der Weg schmiegt sich dem Hangverlauf an. Wanderer sind wenige unterwegs, nur gelegentlich ein paar Radfahrer. Wenn der Weg über den Nasenbach führt, sollte linkerhand von euch der Burgberg von Königswart sein.

Burg Königswarth

Auf einen Bergsporn über dem Inn wurde im 12. Jahrhundert die Burg „Chunigswart“ gebaut. Vermutlich als Königliche Zollburg war sie Nebensitz der Grafen von Megling und unterstand der Grafschaft Haag. Das 125 x 65 Meter große Burgareal wurde im 19. Jahrhundert bis auf die Grundmauern abgetragen.

Eine Sage berichtet von einem Raubritter, der dicke Ketten über den Inn gespannt hatte, um beladene Plätten an der Weiterfahrt zu hindern und sie zu berauben. Bauern lockten den Ritter aus seiner Burg und steckten diese in Brand. Historisch in keiner Weise belegt. Auf dem Gelände der Burg befindet sich heute das Klosterhäusl der Naturfreunde.

Rückweg über das Nasenbachtal, Giggerlsöd und Schneckenbichl nach Gars am Inn

An der Weggabelung bei Königswarth:

  • Links am Schlagbaum führt der Weg hinauf zur Naturfreundehütte und das ehemalige Areal der Burg.
  • Geradeaus führt der Weg zum Gasthaus Brandmühle, das leider derzeit noch im Corona-Schlaf ist. Die Öffnung auf der Website überprüfen. Den Weg am Bauernhof und unter der Bahnlinie für 1,4 Kilometer folgen. An der Straßenkreuzung rechts abgebogen und nach 160 Meter und der zweiten Abzweigung erneut rechts abgebogen.

  • Rechts wandern wir durch das schattige Nasenbachtal für 900 Meter weiter, bis der Weg den kleinen Bach quert. Ihr könnt das im Sommer barfuß durch die Furt, oder ein Stück weiter rechts über einen kleinen Steg. Auf der anderen Seite eine Wiese auf der man wunderschön ein kleines Picknick am Waldrand machen kann. Rechts am Waldrand führt auch der Wiesenweg weiter, welcher vielleicht nicht leicht erkennbar ist, aber 140 Meter weiter links den Hang hinauf zum Einsiedlerhof Point führt.
  • Am Hof rechts abgebogen und dem Weg 200 Meter folgen. An der Spitzkehre gehts aufwärts, einige Zeit später aus dem Wald, bis 400 Meter danach der Weg rechts abbiegt. In 400 Metern den Weiler Gern durchqueren. Danach rechts abbiegen und in 300 Metern erneut in den Wald eintauchen. Für 1.600 Meter wandern wir nach Nordosten. An der Wegabzweigung etwa zur Hälfte des Weges geradeaus bleiben.
  • Nach dem Wald sind es noch 1,7 Kilometer nach Hampertsberg und damit nach Gars am Inn. Der Wirtschaftsweg wird etwas nach dem Verlassen des Waldes zur kleinen Teerstraße, über welche die Einzelgehöfte der Umgebung erschlossen werden. So kommen wir zuerst an Giggerlsöd vorbei (220 m), 800 Meter dahinter an Schneckenbichl. Der Kreis schließt sich an der Forellenzucht in Hampersberg. Den Weg zum Auto oder der Bahn solltet ihr ab hier wissen.

Wanderkarte Innleitenweg bei Gars

Author:in

Helmut Eder

Das Spannende liegt nicht immer am Ende des Regenbogens. Immer auf der Suche nach den kleinen Abenteuern und Geheimnissen, die man draussen findet wenn man unterwegs ist. Ich blogge über unsere Touren, meist im Süden von München und das, was uns so bei den Runden in den Kopf kommt.