Ebersberger Forst Wanderung: Von Kirchseeon nach Forstinning spazieren

(Sportliche Wanderungen zwischen 12/14/27 Kilometer) Der Ebersberger Forst etwa 20 Kilometer östlich von München ist eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete in Deutschland. Unterteilt in Quadrate von ca. 420 x 420 Meter, wirkt der Forst auf Landkarten oder Satellitenbildern wie ein Meer Gleichförmigkeit und auf Wanderer abschreckend bis verstörend. Auch auf mich, denn Entdeckungen zum Anwandern scheinen weit über das riesige Waldareal verteilt. Irgendwann hat es der Ebersberger Forst dann doch geschafft, meine Aufmerksamkeit, Neugierde und besonders den sportlichen Ehrgeiz zu wecken. Der Auslöser war auf Google Maps ein kleiner grüner Pin mitten im Ebersberger Forst, mit der Aufschrift „Längster gerader Forstweg Bayerns“.

Die Challenge: Auf Bayerns längstem geraden Feld-/Waldweg wandern

Mit genau 10.472,86 Meter durchmisst das 1750 angelegte Törring Geräumt (benannt nach einem alten bayerischen Adelsgeschlecht) den Ebersberger Forst von Kirchseeon im Süden und „Salzburg“, einem Ortsteil von Forstinning im Norden.  Zu diesem Schluss ist das „Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung“ auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks für das Sendeformat „Heimat der Rekorde“ gekommen.

Grund genug, die Strecke für mich zur Challenge zu erklären, sie abzuwandern und dabei in sich hineinzuhören:

  • Wanderung Kirchseeon/Wanderparkplatz Staatsstraße 2080/11,5 Kilometer/2:45 h
  • Wanderung Kirchseeon/Forstinning/14,2 Kilometer/3,10 h
  • Wanderung Kirchseeon/Forstinning/Kirchseeon/27 Kilometer/5:45 h

Das erwartet euch auf der Wanderung durch den Ebersberger Forst:

  • Die Wahrheit: Da das Törring-Geräumt durch ein Wildschutzgebiet verläuft, ist der direkte Weg von Kirchseeon nach Forstinning nicht möglich. Um einen Umweg von etwa 3 Kilometern kommt man daher nicht herum. Ihr müsst euch deshalb mehrfach um 45° drehen. Die Wege sind allesamt geschottert und ebenerdig.
  • Im Sommer – hoffentlich auch 2020 da Pächterwechsel – kann man bei schönem Wetter aus der Notwendigkeit eine Tugend machen und den Umweg über das Forsthaus St. Hubertus verlängern und dort eine Pause einplanen. Wir standen leider vor verschlossener Türe. Weitere Einkehrmöglichkeiten gibt es nicht. Ordentlich Brotzeit und etwas zu Trinken nicht vergessen.
  • Für die Rast bei unseren Wetterverhälnissen besser eine wasserfeste Sitzunterlage mitnehmen, da es so gut wie keine Bank zum Rasten gibt.
  • Der Ebersberger Forst ist ein Wildpark. Hunde daher im eigenen Interesse an die Leine nehmen. Freilaufende Wildschweine!
  • Sehenswürdigkeiten: Wildbeobachtungskanzel, ein gut erkennbares Stück der Römerstraße und ganz viel Wald, mit der ein oder anderen Wiese. Abwechslungsreicher als man denken möchte!

Anfahrt zum Ebersberger Forst

Wer mit dem Auto zum Ebersberger Forst fährt, kann sehr flexibel seinen Lieblingseinstiegspunkt wählen. Im Gegensatz zu Forstinning – keine ernstzunehmende öffentliche Anbindung – ist Kirchseeon der beste Ort für den Start der Wanderung. Ich bin daher lieber zurückgelaufen, da ich nicht auf den Pendlerbus am Montag früh warten wollte.

Anfahrt mit dem Auto:

Anfahrt mit der S-Bahn:

  • Von der S-Bahnhof Kirchseeon sind es 750 Meter zum Waldfriedhof. Vom Bahnhofplatz ein paar Meter zur der Münchnerstraße gehen. Gegenüber dem Eiscafe Venezia in den Kirchenweg einbiegen und 400 Meter bis zur Hochriesstraße gehen. Links bis nach Norden bis zum Spannleitenberg wandern. Auf der anderen Straßenseite (Unterführung) ist der Waldfriedhof und Start unseres ausgedehnten Spaziergangs.

Losgewandert von Kirchseeon zum Forsthaus St. Hubertus

Als Wander-Buddy stand mir Max zur Seite. Zur Absicherung platzieren wir sein Auto am Parkplatz Törring Geräumt, an der Staatsstraße. Die Fahrt hin und zurück dauert etwa 30 Minuten. Wir sind zu viert. Mit dabei unsere Hunde. Fanta eine junge Bernersennhündin von Max, sowie Pelle, mein fünfjähriger Cockerpoo-Junge.

Noch ehe es richtig losgeht: Irritation an der Infotafel des Forstes. Ist auf Google Maps und der OSM-Karte das Törring Geräumt als durchgehender Weg eingezeichnet, fehlt dieser auf dem Plan des Ebersberger Forstes wegen einer ausgewiesenen Wildruhezone. Durchlaufen ist also nicht.

  • Losgewandert auf der Forststraße „Diana“, das uns halbrechts nach 350 Metern auf das Törring Geräumt bringt. Das Laub auf dem Boden ist feucht, ein feiner Dunstschleier liegt über dem Wald. Zum Winter ist es nicht mehr weit.
  • Mischwald. Eine Stromleitung parallel des Weges kündigt ein Anwesen an. Das Forsthaus „Diana“ erreichen wir nach knapp zwei Kilometer. 1854 als Wohnhaus für Jäger errichtet, befindet sich hier eine Köhlerei und ein Schießstand.

An der Wildruhezone rechts vorbei

  • Nur 420 Meter weiter stoppt uns ein Schild  mit „Ruhezone – Kein Durchgang“. Ein Jogger kommt uns entgegen. Wir respektieren den Hinweis und beschließen auf dem Herdgassen Geräumt rechts die Ruhezone zu umgehen.
  • Das Herdgassen Geräumt führt 1,7 Kilometer etwa in östliche Richtung. Am Ende eine Kurve die uns nach Norden schleudert. Noch einmal die gleiche Distzanz ist die Entfernung  zum Forsthaus St. Hubertus. Bis jetzt erstaunlich kurzweiliges Kilometerfressen. Man redet und bremst die Hunde, die uns am liebsten auf einer sanft absteigenden Wegstelle wie über eine Sprungschanze ziehen würden. Unterwegs Obstbäume auf einer langen Lichtung, an deren Ende wir das Etappenziel sehen.

„Waldbaden“ und die Enttäuschung am Forsthaus St. Hubertus

Schmunzeln. Ein Schild informiert, dass „ein Waldbad, das Risiko an typischen Zivilisationskrankheiten, wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck mindert, da Stresshormone Cortisol und Adrenalin deutlich reduziert werden“. Klingt gut, auch wenn ich den Begriff „Waldbaden“ (link)  wegen Albernheit so nie verwenden würde.

Leider erfahren Max und ich etwas weiter auf die harte Tour, dass die Gastronomie und der Waldbiergarten von St. Huberts (link)  unregelmäßig im Sommer geöffnet hat, oder an den Adventwochenenden. Unsere Stress- und Enttäuschungshormone steigen ungewollt. Etwas zu Trinken wäre schön gewesen. Wir planen eine Pause an der „Bayerische Waldklimastation“ 3 Kilometer weiter.

Zurück zum Törring Geräumt und bis zur Staatstraße 2080 wandern

  • Von St. Huberts wenden Max und ich uns wieder nach Westen, um wieder den Anschluss an das Törring Geräumt zu finden. Vorbei an den Parkplätzen stößt man sehr schnell auf die ungeteerte Rad- und Forststraße nach Anzing. Beinahe doppelt so breit wie die üblichen Waldwege hält sie sich nicht an das gemometrische Raster, sondern verläuft in nordwestlicher Richtung durch den Forst.  1,4 Kilometer weiter – an einer kleinen Waldwiese – ist wieder der Kontakt zum Törring Geräumt hergestellt.
  • Hier rechts nach Norden abbiegen. Mittlerweile freuen wir uns auf eine Pause bei der Bayerischen Waldklimastation, die von der Anzinger Straße nach etwas über einen Kilometer auf einer größeren Waldwiese zu finden sein soll. Da Max und ich unterwegs keine Bänke gesehen haben, hoffen wir auf einen Infopavillion mit Sitzgelegenheit. Was wir vor Ort entdecken, ist der vermutlich größte Hackschnitzelberg der Welt, von dessen Gipfel Max und ich eine eingezäunte Messtation mit Solarpanel und Antennen entdecken. Nix ist mit Infopavillion mit Sitzgelegenheit.

Der vermutlich größte Hackschnitzelberg der Welt

Bayerische Waldklimastation

Die Waldklimastation (link) der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) ist eine von 21 weiteren Stationen, die bayernweit die „komplexen physikalischchemischen und biologischen Lebens- und Entwicklungszyklen in Waldökosystemen im Rahmen des Umweltmonitorings zu beobachten und dokumentieren“

  • An einem Jägerstand rasten wir, verpflegen die Hunde und uns. Wir sitzen auf dem Sockel und müssen wenigstens nicht im nassen Gras sitzen. Jägerstände sollen nicht bestiegen werden.
  • Die Staatsstraße mit dem abgestellten Auto erreichen wir nach weiteren 2,2 Kilometern und bis hierher 11,5 Kilometern.

An der Römerstraße vorbei bis nach Forstinning gewandert  – und zurück

Pelle hat noch genug Energie und meine Beine sind noch leicht, sowohl den Waldrand in Fostinning anzusteuern, als auch den Weg retour zu laufen. Der Schlenker – diesmal rechts um das Wildgehege – sollte dabei nicht ganz so weit ausfallen, wie beim Hinweg. Max hat sich mit Rücksicht auf sein Hundemädchen Fanta auf die Beendigung der Wanderung entschlossen. Mit dem geparkten Auto kein Problem.

  • Bereits 600 Meter weiter nördlich stoße ich auf die gut erhaltenen Damm der Römerstraße aus dem vermutlich dritten Jahrhundert. Sie führte einst von Augsburg nach Wels. Auf alten Flurkarten ist der Verlauf der „Alten Straße“ eingezeichnet, was auf die erstaunlich lange Nutzung bis ins 18. Jahrhundert hinweist.

Ja ist denn der Wald schon zu Ende?

  • Das Ende des Waldes kommt abrupt nach etwa 2 Kilometern, da der Weg noch kurz vor dem Waldrand eine kleine Kurve beschreibt. Schön ist irgendwie anders. Salzburg besteht aus wenigen Häusern in der Nähe eines Kreisverkehrs. Ich drehe auf dem Absatz um und mache mich auf den Rückweg, nach dem Pelle sich eine kleine Stärkung verdient hat.
  • 6 Kilometer sind es von hier zurück bis zur Anzinger Straße. Kopf ausschalten und durch, was durchaus etwas schwerer ist, da man streckenweise den Weg auf 2 Kilometer sehen kann. Zum Beispiel die Autos auf der Staatsstraße, die in der Ferne das Törring Geräumt kreuzen.

Auf dem Keilerweg durch die Wildruhezone gewandert

  • Ich überquere die Forststraße nach Anzing, und folge dem Törring Geräumt an der Waldwiese noch 420 Meter nach Süden. Dieser Weg ist auf all den Forstplänen nicht eingezeichnet. Am Purfinger Haupt Geräumt gibt es zwei weitere Wegoptionen: 1. Entweder dem Weg geradeaus zur Wildbeobachtungskanzel gehen, oder 2. rechts den „Keilerweg“ folgen. Ich beschließe, zuerst die Kanzel etwas genauer anzusehen. Unterwegs kreuzt eine Rotte Wildschweine meinen Weg.
  • An der Beobachtungskanzel versperrt ein hohes Holzgatter ein Weitergehen auf dem Törring Geräumt. Zurück zum Purfinger Haupt Geräumt und dem Weg nach Westen folgen.

Die Wildruhezone im Ebersberger Forst

Es gibt im Zentrum des Ebersberger Forst zwei Wildruhezonen. Von luftiger Höhe der Beobachtungskanzel habe ich eine sehr gute Übersicht auf die große Wiese, auf der man mit etwas Glück auch am Tag Rotwild (Hirsch) und Schwarzwild (Wildschwein) entdecken kann. Die Beobachtungskanzeln eignen sich wunderbar für eine Pause, da sie überdacht sind und ausreichend Sitzmöglichkeiten bieten. Der Blick war toll, auch wenn ich auf der Wiese kein Wild entdeckt habe.

In diesem besonders sensiblen Bereicht ist Lärm unbedingt zu vermeiden, sollen die Wege nicht verlassen  und die Hunde unbedingt angeleint werden.

Übers Schilcher Geräumt an der Schaufütterung vorbei nach Kirchseeon

  • Das Purfinger Haupt Geräumt beschreibt nach 600 Metern eine ungewöhnliche Linkskurve, die auf die ehemalige Waldbahntrasse zurückzuführen ist. Auf dem Schilcher Geräumt gehe ich 3 Kilometer nach Süden, bis zum Maurer Geräumt.

Fichtenmonokultur und die Käferplage

War der Ebersberger Forst noch im 18. Jahrhundert ein Mischwald mit vielen Eichen und Buchen, wurden die abgeholzten Bäume zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch schnellwachsende Fichtenmonokulturen ersetzt, die einen hohen Holzertrag versprachen. Von 1890 bis 1892 wurde der wenig widerstandskräftige Wald von einer gigantischen Raupenplage der Nonne (Lymantria monacha), heimgesucht, welche nahezu die Hälfte des Ebersberger Forstes kahl fraß. Der Rest des Waldes fiel zwei Jahre später einen Wirbelsturm zum Opfer.

Für die Aufräumarbeiten waren 700 Waldarbeiter fünf Monate beschäftigt. Für den Abtransport der gigantischen Holzmengen wurde eigens eine acht Kilometerlange Waldbahn gebaut. Die Aufforstung – wieder durch Fichten – dauert 40 Jahre. Heute wird versucht, die Monokultur durch robustere Laubbäume zu ersetzen.

  • Die Wanderung neigt sich dem Ende. Während das Schilcher Geräumt nach Rechts abdriftet und nun auf den Karten „Waldbahn“ heißt, halte ich mich links in östlicher Richtung auf dem Maurer Geräumt. In naher Entfernung kreuzen zwei große Wildsauen meinen Weg.
  • Endspurt! Nach 300 Metern folgt der letzte Schlenker aufs Oberndorfer Geräumt Richtung Süden, der mich in einen Kilometer zurück zum Friedhof führt.

    Schaufütterung

    Wer noch nicht genug hat, kann der Schaufütterung einen Besuch abstatten. Ich bin den kurzen ausgeschilderten Weg zum überdachten Bebobachtungsstand gegangen. Das Areal machte einen etwas desolaten und einsamen Eindruck. Leider hatten sich die Schwarzkittel hier vor mir versteckt.

Yeah geschafft! Fazit zum Schluss. Längst nicht so fade wie man denkt und als sportliche Erfahrung durchaus eine Empfehlung!

Wanderoptionen im Überblick

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