Ausflug und Spazieren: Doppelt so viel Burg in Burghausen

(Wanderung und Spaziergang zwischen 4 und 6,3 Kilometer) Wir haben heuer viele schöne Ausflüge mit Wanderungen unternommen. Unser Abstecher nach Burghausen war aber sicher einer der Schönsten. Verantwortlich dafür war nicht nur das perfekte Herbstwetter, sondern auch die wirklich hohe Taktrate von zahlreichen Entdeckungen und Fotomotiven ab der ersten Minute. Außerdem: die Runde verläuft durch die mittelalterlich anmutende Stadt, sowie die längste Burg Europas, mit nur wenig Kontakt zu Autos. Ganz fette Empfehlung!  

Das erwartet euch auf dem Wanderausflug nach Burghausen.

  • Die stattliche Hauptburg mit seinen fünf Vorhöfen. Besichtigung der Innenräume mit dem Palas und dem Burgmuseum oder die Kemenate mit dem Stadtmuseum – nicht jedoch mit Hunden.
  • Wer sich für die längere „Salzachrunde“ mit etwa 6 Kilometer entscheidet (gute Wahl!) hat es mit steilen Treppen von 60 Metern vom Panoramaweg hinunter zum Fluss zu tun. Absolut kinderwagenuntauglich, aber mit tollem Blick. Bei Schnee oder Eis würde ich die Treppe meiden.
  • Natürlich kann man auch nur die Burg besichtigen und dabei praktisch ebenerdig spazieren. In Kombination mit der Altstadt ist aber immer der Burgberg zu bezwingen, der mit ein paar Stufen aber gut zu gehen ist. Eine Besondere Atmosphäre spürt man in der kleinen Fußgängerzone „In den Grüben“.
  • Zahlreiche Einkehrmöglichkeiten in der Altstadt oder das Burgcafé im ersten Vorhof laden ein.

Anfahrt mit Bahn und Auto nach Burghausen

Sowohl mit der Bahn oder dem Auto ist das 90 Kilometer entfernte Burghausen – direkt an der östlichen Grenze zu Österreich – gut erreichbar. Mit Eröffnung der neuen Autobahn nach Passau, sogar um ein Vielfaches besser.

Anfahrt mit dem Auto

Bei der Erreichbarkeit von Burghausen hat sich einiges getan. An der Grenze zu Österreich und über die B12 via Haag, Mühldorf, Altötting war die Anreise mit dem Auto die Pest. Mit der neuen, bzw. verlängerten Autobahn nach Passau wächst Burghausen näher an München heran und ist nun in etwa einer Stunde erreichbar. 

Anfahrt mit der Bahn

  • Mit der Bahn braucht man nach Burghausen etwa 1:45 Stunden. Die Züge fahren etwa stündlich.
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  • Vom Bahnhof sind es 1,3 Kilometer/20 Minuten bis zum Salzachhangweg (Salzachrunde). Vom Bahnhof zum Berliner Platz in  Nordosten Richtung spazieren. An der B20/Marktler Straße 900 Meter nach Süden bis zur Kreuzung Wackerstraße wandern.
  • Salzachrunde: Links – nach Osten in die Wackerstraße einbiegen. Nach 100 Meter rechts in den Burgfrieden abzweigen und dem Straßenverlauf 250 Meter bis zur Max-Planck-Straße folgen.
  • Direkt zur Burg: Die Kreuzung an der Wackerstraße queren und rechts am Hotel Glockenhofer in die Burgstraße einbiegen. Dem Straßenverlauf 200 Meter folgen. Hier befindet sich auch der Parkplatz an der Curastraße.

Salzachrunde: Von der Oberstadt hinunter zur Salzach und zur Altstadt spazieren

  • Am Burgfrieden, zwischen Hausnummer 24/26 führt eine kleine Sackgasse 60 Meter zum Salzachhangweg, an dem wir rechts abbiegen und nach kurzer Zeit zum Kreuzpointnersteig kommen. Die Treppenstufen führen von hier steil hinab. Erst seit 2019 ist nach einem Hangrutsch und einer aufwändigen Sanierung der reizvolle Weg wieder geöffnet. Durch die Blätter sehen wir die Salzach und an einigen offenen Stellen den Salzachdurchbruch.

Unten angekommen, ragt ein Stück flussabwärts den mächtigen „Kräuzfelsen“ aus Nagelfluh aus dem Wasser. In der Flussbiegung einst ein Floßkiller, soll man früher nachts in seiner Nähe ein gespenstisches Säufzen gehört haben. Erst mit Anbringung des Kruzifixes obenauf soll es still geworden sein. In der warmen Herbstsonne will uns einfach kein gruseliger Schauer über den Rücken laufen. Die Grenze zu Österreich verläuft in der Mitte der Salzach. Flussaufwärts katapultiert uns die Ansicht des nahen Burghausen mit dem Turm der Stadtkirche St. Jakob und der Silhouette der Burg in die Vergangenheit. Kein Sendemast, Baukran oder andere neuzeitliche Ablenkung verdirbt den Blick. Herrlich!

  • Entlang der Salzach, wandern Gitta und ich auf einem autofreien und gut gangbaren Versorgungsweg nach Süden. Nach 300 Metern erreichen wir die ersten Häuser der Stadt, die Brücke 600 Meter weiter.
  • Auch wenn man von der Brücke Anschluss direkt in die Altstadt hat –  einfach die Treppe hinauf wandern – bleiben wir noch ein Stück weiter am Fluss, um 140 Meter nahe der Pfarrkirche Anschluss an den Stadtplatz zu haben. Links das Tor zu In den Grüben, durch das wir später gehen, wenn wir von der Burg wieder in die Altstadt kommen. Jetzt erst mal wieder nach Norden wenden.

Von der Burghauser Altstadt hinauf zur Burg von Burghausen wandern

Am Stadtplatz präsentieren sich farbenfrohe herzogliche Palais und Bürgerhäuser mit Renaissance-, Barock- und Rokokofassaden. So auch das Rathaus, dessen Kern auf das 14./15. Jahrhundert und die Fassade auf das 18. Jahrhundert zurück geht. Blau strahlt das Stadtsaalgebäude mit dem Bayerischen Wappen unter dem Giebel, einst kurfürstliches Verwaltungsgebäude des Rentamts. Gelb zeigt sich die Fassade des Taufkirchen Palais mit reichem Rokokostuck, das 1736 von Adam Graf von Taufkirchen bezogen wurde.

Auch bei unserem Besuch pulsiert der Stadtplatz vor Leben. Alles wie aus dem Ei gepellt. Wohlstand. Der Fußgängerbereich ist großzügig. Eine Veranstaltung hat viele Gäste angezogen, die Tische der Restaurants und Cafès innerhalb des geschlossenen Stadtensembles sind belegt. Gitta und ich kaufen uns ein Eis und lassen das Treiben auf uns wirken.

Burghausen, herzogliche Stadt an der Salzach

Die Salzach hat die Geschichte von Burghausen wesentlich geprägt. Als Verkehrsweg, auf dem Ware wie Salz aus Hallein kam und von hier auf dem Landweg weiter transportiert wurde, oder als Grenzfluss. Österreich liegt gleich auf der anderen Uferseite.

Als Residenzstadt, besonders in der Blütezeit unter den niederbayerischen Herzögen Heinrich, Ludwig und Georg erhielt Burghausen das Stadtbild, das es bis heute prägt. Die Stadt florierte, solange die Einnahmen durch die Salzmaut sprudelten. Nach zwei Stadtbränden und dem Verlust des Salzhandelsmonopols war die Hochzeit vorbei.  Burghausen litt unter den Folgen des 30jährigen Krieges und spanischen Erbfolgekriegs. Es wurde von Österreichern und später von den Franzosen besetzt und sank zur unbedeutenden Kleinstadt herab.

Mit der Industrialisierung und Anbindung an das Schienennetz 1897, sowie der Ansiedelung der Wacker Chemie AG setzte ein erneuter wirtschaftlicher Aufschwung ein. Heute zählt Burghausen knapp 19.000 Einwohner

Seit den 70er Jahren findet jedes Frühjahr die Internationale Jazzwoche Burghausen statt.  Alle Jazzgrößen waren schon an der Salzach, z.B. Ella Fitzgerald, Count Basie, Dave Brubeck, Lionel Hampton, Oscar Peterson, Stan Getz. In der Altstadtgasse In den Grüben“ sind im „Street of Fame“ bronzene Reliefplatten mit Unterschriften aller Gastmusiker eingelassen. B-Jazz -Website

  • Über den Stadtplatz spazieren wir von südlicher nach nördlicher Richtung. Den Aufgang zur Burg „Hofberg“ finden wir etwas schräg gegenüber dem Taufkirchen Palais, am nord-westlichen Ende des Stadtplatzes. Der Aufstieg auf dem gepflasterten Weg ist mäßig steil. Autos dürfen hier nicht fahren. Die meisten der Radfahrer schieben ihre Velos.

Durch die fünf Vorhöfe zur Hauptburg spazieren

Wir erreichen den fünften Vorhof der Burganlage über das Christophstor, dem ehemaligen Zugang aus der Stadt. Der Parkplatz am Curaplatz befindet sich nur ein kleines Stück weiter nördlicher, auf dem geschliffenen ehemaligen Außenwerk, der Festungsanlage.

  • Unser Plan: Wir spazieren von hier 800 Meter durch die fünf Vorhöfe bis zur Hauptburg und von dort über den Burgsteig wieder hinunter in die Altstadt. Unterwegs erwarten uns immer wieder schöne Blicke hinunter auf die Altstadt und auf die Salzach.

    – © Bayerische Schlösserverwaltung www.schloesser.bayern.de, Helmut Eder

Burg zu Burghausen

Mit seinen 1051 Metern erklärt das „Guiness-Buch“ die Burg zu Burghausen, als längste Burganlage der Welt. Auf einem schmalen Bergrücken zwischen Altstadt und Salzach im Osten, und dem Altwasserarm des Wöhrsees im Westen ist das Ensemble von einer fast intakten Ringmauer umwehrt.

Die älteste nachweisbare Besiedelung des Burgbergs reichen bis in die Kelten- und Römerzeit zurück. Fragmente des Palas sind aus dem Hochmittelalter, der größte Teil der noch heute erhaltenen Anlage aus dem 15. Jahrhundert, als die Burg die Landesfestung der Wittelsbacher war, und die Angst vor den heranrückenden Türken groß.

Weitere größere Ausbauten erfolgten während des Dreißigjährigen Krieges und im 18. Jahrhundert nach Ernennung Burghausens zur Garnisonsstadt. Das Ende als militärisch bedeutsame Festung wurde mit dem Abriss der nördlichen Außenwerke durch französische Truppen 1801 eingeleitet. 1809 erklärte Napoléon I. die Festungsanlage für veraltet.

Die fünf Höfe, verlaufen von der Hauptburg im Süden aus nach Norden. Sie bilden unterschiedliche Abschnitte, die durch Tore und Wehrmauern gesichert waren:

  • 5. Vorhof:  Die meisten Gebäude stammen aus dem späten Mittelalter, die jedoch bis in das 18. Jahrhundert immer nach den zeitlichen Anforderungen angepasst wurden. Hier waren die Arbeitsstätten und Wohnräume der Hofbeamten und Handwerker, der Regierungsbeamten und die des Scharfrichters. Die Namen erinnern noch an ihre damalige Nutzung, wie der Forstmeisterturm, Gerichtsschreiberturm, Rentmeisterei. Im Rentmeisterstock befindet sich heute das Haus der Fotografie.
  • 4. Vorhof: Das Hofkastenamt am Eingang war die Einnahmestelle für die Naturalabgaben der Bevölkerung, die der Kastengegenschreiber verwaltete. Besonderheiten sind die Hedwigskapelle und der Gärtnerturm. Schöne Aussicht auf Altstadt im Osten und den Wörhsee im Westen.
  • 3. Vorhof: Ursprünglich durch ein Tor abgetrennt, war hier das Gefängnis untergebracht. Die Folterkammer befindet sich im Erdgeschoss, darunter das Verließ, im zweiten Stock die Todeszelle. 1831 fand die letzte Hinrichtung auf der Burg statt. Besonderheit: Foltermuseum und Haberkasten (Stallungen und Futtervorräte)
  • 2. Vorhof: Wenig verändert entspricht der 2. Vorhof der Zeit gegen Ende des. 15. Jahrhunderts. Hier dominiert das Alte Zeughaus, der als Getreidespeicher und Geschütz- und Waffelarsenal genutzt wurde. Als Geschütz- und Wachtürme dienten die runden „Pfefferbüchsen„.
  • 1. Vorhof: An der engsten Stelle der Burganlage führt der Zugang zum Georgstor über einen tiefen Graben mit hölzener Brücke Von hier wurde der innere Burgbereich der Hauptburg geschützt. Wer hier ohne Erlaubnis angetroffen wurde, konnte mit dem Abschneiden der Ohren bestraft zu werden. Einkehrmöglichkeit gibts im Burgcafé. Erfrischungen und Touristenschnickschnack an einem Kiosk. 
  • Die Hauptburg kann über eine Brücke betreten werden, die über einen 8 Meter tiefen und 27 Meter breiten Graben betreten werden. Hier befinden sich der Palas, die Kemenaten und die Schatzkammer.

Wieder hinunter in die Altstadt und zum Wöhrsee wandern

  • Runter in die Altstadt – unweit der Stadtkirche – gelangen wir über den Burgsteig hinter dem Kioskgebäude. An der ersten Möglichkeit rechts abbiegen. Etwas kürzer, dafür steiler ist man wieder – ehe man es sich versieht – über Treppenstufen unten angelangt. Ein Fotomotiv hat das andere abgelöst.
  • Rechts um die Stadtkirche herum und über einige Stufen gelangen wir über diesen Weg zum Tor „In den Grüben„. Knapp 400 Meter ist die kleine Fußgängerzone lang, bis wir auf die Mautnerstraße stoßen.

Tipp: In den Grüben haben wir als Burghausens atmospherischten Ort empfunden. Eine kleine Fußgängerzone führt durch das ehemalige Handwerkerviertel mit vielen kleinen und individuellen Einkaufs- und Einkehrmöglichkeiten. Wuselig wird es am kleinen Platz Am Bichl. Ab Mitte Juli bis Anfang September gibt es hier jeden Donnerstag Openair-Jazz zu erleben. Das Café Bar Restaurant „Am Bichl“ ist ein Lieblingsort der Burghauser Bevölkerung und eine Empfehlung für eine kurze Einkehr.

  • Die kleine Mautnerstraße, in die wir rechts einbiegen – ist eine der wenigen Straßen, wo wir auf den Verkehr achten müssen. Viel ist hier nicht los und die 150 Meter sind auch schnell durchwandert. Wir befinden uns genau südlich der Hauptburg, die wir im Uhrzeigersinn umgehen. Da der Gehweg eng ist, Hunde hier keinesfalls frei laufen lassen.
  • An der „Kaffemühle Burghausen“ rechts in die Wöhrgasse einbiegen und das Außenwerk Eggenberg am Wöhrsee nach nur 150 Metern erreichen. Durch den Wöhrturm hindurch sehen wir auf der anderen Seite das Strandbad und Burghausens einzigen Weinberg.

Am Wöhrsee zurück wandern und das Panorama genießen

  • Gleich auf der anderen Seite des Wörhturms folgen wir dem Fußweg zwischen Wehrmauer und Strandbad nach Westen. Die über die Grenzen Bayerns hinaus bekannte Waldrappkolonie befindet sich südlich des Pulverturms vor uns. Wir erreichen das westliche Ufer des Wöhrsees unterhalb des impossanten Außenwerks, dessen Aufgabe war, das Vorfeld der Burg zu Burghausen zu sichern.

Waldrappkolonie am Pulverturm

Der Waldrapp ist ein etwa gänsegroßer Ibis mit schwarzem Federkleid und langem gebogenen Schnabel. Auf den ersten Blick keine Schönheiten, sind die seltensten Vögel der Erde, aber besonders gesellige Tiere. In einem beispiellosen Projekt wurden seit 2004 handaufgezogene Jungvögel von Burghausen mit dem Ultraleichtflugzeug in das Wintergebiet in der Toskana geführt. Seit 2011 kommen alljährlich die Vögel im Frühjahr aus der Toskana nach Burghausen zurück. Die Waldrappe lassen sich in ihrem Brutcamp südlich des Pulverturms beobachten. Informationen zur Waldrappkolonie

  • Wir wandern 900 Meter auf dem Wöhrseeuferweg nach Norden. Die gesamte Burganlage liegt vor uns und spiegelt sich im einstigen Altwasserarm der Salzach, der nach der Flussverlagerung von ihr abgeschnitten wurde. Herrlich.
  • Über einen Verbindungsweg gelangen wir auf die Ostseite des Sees, wo Gitta und ich beim Haus hangaufwärts den Burgberg hochmarschieren. Oben angelangt rechts abzweigen. Am Aussichtspunkt „Schwammerl“ genießen wir das Panorama.
  • Der Burgparkplatz liegt nur 50 Meter weiter. Um zum Ausgangspunkt am Burgfrieden zu kommen, spazieren wir auf der Parkplatz-Zufahrtsstraße 140 Meter weiter, bis wir gegenüber der nun parallel verlaufenden Straße herauf von der Altstadt den Botanischen Garten von Burghausen sehen. Hier kreuzen wir den Fahrdamm Ludwigsberg und gehen auf dem Fußweg Salzachhangweg weiter, bis sich die Runde am Kreuzpointnersteig schließt. Am Ernst Mittemeier Steg werfen wir noch einmal der Salzach und der Altstadt einen wehmütigen Abschiedsblick zu, den diese Runde war durchwegs ein emotionaler Höhenflug!

Übersicht des Burghausen Stadtspaziergangs

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