Bergwanderung vom Tatzelwurm auf den wunderbaren Brünnstein im Mangfallgebirge

(14 Kilometer bei Bergumrundung, 600 Höhenmeter bis Brünnsteinhaus – 2h, plus 292 Höhenmeter – 50 Minuten bis zum Gipfel als leichter Kletter- bzw. schwerer Normalaufstieg. Rückweg je nach Wegvariante zwischen 2,5 – 2h)

Der Brünnstein gehört bestimmt zu den schönsten und beliebtesten Münchner Hausbergen. Das nicht ohne Grund, denn als abwechslungsreicher Aussichtsberg mit Blick in die Zentralalpen ist er einfach eine dicke Empfehlung. Einsam ist man am Wochenende deswegen nicht am Gipfel, zumindest wenn man nicht zu den ersten oder letzten Bergsteigern gehört. Daher lieber an einem Werktag hochwandern. Wir waren an einem Dienstag in den Pfingstferien unterwegs und praktisch die Einzigen, trotz Bilderbuchwetter.

Warum ich allerdings beschlossen habe meine Lederhose auf den Brünnstein einzulaufen, lässt sich im Nachhinein nicht nachvollziehen. Dazu später mehr.

Das erwartet euch auf der Bergwanderung hinauf zum Brünnstein (ohne Lederhose):

  • Sehr abwechslungsreicher Aufstieg mit vielen schönen Ausblicken nach Norden, Osten und Süden. Ein Fotomotiv jagt das andere. Moderat im Anstieg, Steil am Gipfel. Der Gipfel ist eine Option, kann aber auch weggelassen werden, wenn es z.B. die Witterungsbedingungen erfordern.
  • Die Wasserfälle am Tatzelwurm fallen mehrere bis zu 10 Meter hohe Kaskaden in eine wenige Meter breite, felsige Klamm.
  • Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeit am Brünnsteinhaus der DAV Sektion Rosenheim.
  • Die Wege sind Wirtschaftswege sowie alpine Wanderwege, die auch mal an der ein oder anderen Stelle gesichert sind. Trittsicherheit, alpine Erfahrung und Wanderausrüstung zu eurer Sicherheit notwendig. Ein Helm für den Klettersteig wird empfohlen.
  • Bis zum Gipfel werden es Hunde nicht schaffen. Spätestens 100 Meter darunter ist wegen des seilgesicherten und steileren Aufstiegs Schluss. Über den Klettersteig brauchen wir gar nicht erst sprechen. Ein Berner Sennenhund hatte schon im moderatem Aufstieg an einer kurzen Stelle Angst und war wegen seiner Größe und Gewicht auch nicht über den kurzen Abschnitt zu bewegen. Unser Cockerpoo Pelle hingegen sprang einfach darüber hinweg.
  • Rundtour, von der uns der Aufstieg besser gefallen hat als der Rückweg.

Anfahrt mit Bahn oder Auto zum Tatzelwurm

Die Anfahrt mit dem Auto bis zum Tatzelwurm ist von München um ein vielfaches einfacher als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Anfahrt mit dem Auto: Von München Ramersdorf dauert es über die A8 (Salzburg) und A93 (Inntal) für die 75 Kilometer knapp eine Stunde, bei viel Verkehr eher 20 Minuten länger. Die Ausfahrt Brannenburg nehmen und über die Mautstraße (3 € 2019)  bis zum Tatzelwurm fahren. Zwei Parkplätze gibt es. Einen unterhalb des Gasthauses Tatzelwurm, einer oberhalb des Wasserfalls.

Anfahrt mit dem Bahn und Bus: Von Mai bis November – bitte genaue Termine im Web abfragen. Es besteht die Möglichkeit, mit der Wendelstein-Ringline (Bus) von Oberaudorf bis zum Ausgangspunkt Tatzelwurm zu fahren.Von München nach Oberaudorf dauert es mit dem Meridian (Fahrplan) knapp über eine Stunde (Umsteigen in Rosenheim). Mit der Wendelstein-Ringline (nur zwei Fahrten am Tag) braucht es weitere 30 Minuten bis zum Tatzelwurm.

Losgewandert: Tatzelwurm-Wasserfall, Almenrausch und Brünnsteinhaus

Auch wenn der obere Parkplatz am Tatzelwurm etwas kürzer ist, haben wir uns für den unteren entschieden, da man von dort bereits einen Blick auf den Brünnstein-Gipfel hat und direkt an den Wasserfällen vorbei wandert. Wem das Berghotel und Spa „Tatzelwurm“ nicht zu gehoben ist, der hat außerdem am Ende der Tour die Möglichkeit, hier noch etwas zu Essen oder zu trinken.

Nach einem kurzen Weg an der Straße verläuft der Wanderweg zwischen Hotel und Restaurant hangaufwärts. Nicht den ersten Abzweiger nach links nehmen, sondern den oberen, der uns schon nach wenigen Metern zur Brücke über die enge Klamm des Auerbachs führt. Weit geht es hier hinab. In mehreren Fällen stürzt das Wasser von einer Kaskade zur nächsten. Der obere Parkplatz befindet sich nur 120 Meter westlich. Bis zum Gipfel lautet die Wegnummer 657.

  • Der steinige Fuß- und Karrenweg startet an der Infotafel links durch den Bergwald, welcher sich schon nach 500 Metern lichtet und über eine Almweide führt. Das neugierige Jungvieh beobachtet uns interessiert. Unseren Hund Pelle führe ich an der kurzen Leine. Der Wiesenweg stößt alsbald auf einen Wirtschaftsweg, den wir bei mäßiger Steigung einen Kilometer folgen. Vorbei geht’s an malerischen Almhütten und immer wieder schönen Ausblicken. Den Abzweiger zur Rechten lassen wir liegen. Hier schließt sich einige Stunden später die Runde.
  • An der Kehre verlassen Gitta, Leonie und ich das Forstrasserl und folgen für etwa 600 Meter den kleineren Fahrweg weiter dem Hangverlauf in südöstlicher Richtung, bis zur Rechten (an der Weide) ein Fußweg in Serpentinen 800 Meter nach oben führt. Eine kurze seilgesicherte Stelle führt uns über einige Felsen. Am Ende dieses Abschnitts belohnt uns ein schöner Blick auf den Brünnstein vor uns und viel offene Wiesen, die im Frühsommer herrlich duften (1.218 Meter). Wenn wir das Auge schweifen lassen, sehen wir im Osten den Kaiserwinkel auf der österreichischen Innseite.

Warum du nicht mit einer bayerischen Lederhose
in die Berge gehen solltest

Zugegeben, es schaut schon fesch aus so eine Lederhose, besonders vor Bergkulisse, weißen Wolken. Der Träger wird noch ein bisserl mehr zum Naturburschen. Irgendwie so hab ich mir das vorgestellt, außerdem musste meine Lederhose endlich mal richtig eingetragen werden. Dehnung und Schweiß = saubequem. Stimmt aber nicht!

  • Die Lederhose arbeitet von Anfang an gegen mich. Die Dehnbarkeit der Lederhose bleibt weit hinter meinen Erwartungen zurück. Jeder größere Schritt über Wurzeln und Felsen erweckt den Eindruck, dass jemand auf meinen Oberschenkeln sitzt. Die Beine fühlen sich an, wie mit Blei gefüllt. Ich fühle, wie zunehmend die Energie von der Lederhosen absorbiert wird.
  • Kurz vor dem Brünnsteinhaus. Das Leder des Hosensaums beginnt an den Waden. zu scheuern. Nicht schlimm, aber immer spürbarer. Scheißidee-Scheißidee!
  • Vor dem Gipfel kommt mir das Dog-Sitting als Ausrede gelegen. Ich warte abgekämpft mit Pelle. Rückweg. Am Durchstieg mag ich nicht mehr. Egal, die Lederhose in den Rucksack und ich wandere in Unterhose weiter. Na also, da steckt doch tatsächlich noch Kraft in den Oberschenkeln und niemand hat’s gesehen. War eine depperte Idee!
  • Ein paar schöne Fotos hat’s immerhin gegeben.

Den Brünnstein umwandern

  • Der Fussweg steigt sachte an, überquert die Almwiese und und taucht unterhalb des Brünnsteins in den Bergwald. Ab hier folgt der Weg in einem Rechtsbogen dem Verlauf des Bergmassivs. Nach 700 Meter ein Bankerl mit schöner Fernsicht. Die letzten 300 Meter. Der Weg hält das Höhenniveau bei. Immer wieder schöne Ausblicke. An zwei Stellen ist der Weg gesichert. Ein Metallsteg führt am Fels über eine besonders abschüssige Passage, bis etwas weiter unvermittelt das Brünnsteinhaus auftaucht.

Brünnsteinhaus (1360 Meter)

Das 1894 errichtete Brünnsteinhaus ist keine kleine schnuckelige Berghütte mehr, sondern nach regelmäßigen Renovierungen und Umbauten ein stattliches Gebäude mit großer Sonnenterrasse, 14 Schlafplätzen in Mehrbettzimmern und 40 Personen Matratzenlager.

Öffnungszeiten:

  • Anfang Mai bis Ende Oktober; Anfang November bis 26. Dezember und
  • von Mitte Januar bis Ostern nur am Wochenende;
  • geschlossen von Mitte März bis Ende April.

Website Brünnsteinhaus/Hüttentelefonnummer: +49 8033 1431

Die zwei Wegoptionen vom Brünnsteinhaus auf den Gipfel

  1. Klettersteig: Zwei Wege führen vom Brünnsteinhaus hinauf zum Gipfel. Der Klettersteig Dr.-Julius-Mayr-Weg beginnt unmittelbar hinter den Haus. Klettersteigausrüstung ist nicht notwendig, aber schwindelfrei sollte man sein. Für den Aufstieg ist etwa 40 Minuten zu rechnen. Im Winter und bei schlechtem Wetter nicht zu empfehlen. Elf Drahtseilpassagen, Ketten und Eisentreppen sichern den Aufstieg, der unweit des Kircherl den Gipfel erreicht.
  2. Wir haben den „normalen“ Aufstieg auf den Gipfel genommen, welcher zunächst westlich des Hauses verläuft, dann nach 200 Meter als Fußpfad rechts abzweigt und in Serpentinen den Berg hinauf führt. Laut Ausschilderung beträgt insgesamt der Aufstieg 55 Minuten. Etwa 100 Meter unterhalb des Gipfels an der Weggabelung habe ich mit Pelle gewartet, während die Mädels von hier in etwa 15 Minuten am Ziel waren. Sicherungsseile und Klammern halfen ihnen beim kraxeln. Ein lautes Jauchzen hat mir signalisiert, dass sie den Gipfel erreicht hatten.

Brünnstein-Kapelle

Schon lange vor dem Bau der kleinen Kapelle auf der Spitze des Brünnsteins stand auf dem Gipfel eine Hölzerne, auf der die Almerinnen auf der Himmelmoos- und Herrenalm Andachten abgehalten haben. Der Platz ist herausragend, denn viel Platz ist auf dem engen Berggrad nicht. Die Bergsteigergruppe Oberaudorf kümmert sich seit 1958 in vielen Einsätzen um die Pflege des Kirchleins, das vielen Bergsteigern bei einem schnellen Wetterumsturz schon Schutzraum war.

Der Abstieg über die Himmelmoosalm und Seelacheralm

Angemerkt: Der Abstieg auf dem gleichen Weg zum Tatzelwurm ist kürzer und vielleicht auch schöner. Wer aber wie wir den Brünnstein-Kegel umrunden will, kommt um den längeren Weg nicht umhin:

  • An der Weggabelung unterhalb des Gipfels nehmen wir den Wanderweg nach Westen. Die Hütten der Himmelmoosalm liegen fast 200 Meter unter uns. Stege führen teils über den nassen Grund des Almbodens.
  • Vorbei am Himmelmooskreuz nehmen wir auf Wirtschaftswegen Anlauf, um eine der letzten Steigungen des Tages zu meistern. 600 Wegmeter führt der Aufstieg nach oben. Fast geschafft. Ein Fußpfad zweigt nach Norden ab und erklimmt den „Durchstieg“ auf 1.400 Meter. Ab hier geht es aber nur noch bergab. Versprochen!
  • Der Weg zieht weiter nach Norden, verliert rasch an Höhe. Rechts von uns der Baumfreie Gipfel der Brünnsteinschanze. 800 Meter weiter und 100 Höhenmeter niedriger erreichen wir die Seelacher-Almen.
  • Der Wirtschaftsweg von den Seelacher-Almen ist ein Hatscher, der 1,4 Kilometer eher ereignislos den Berg hinab führt, bis links ein Fußweg die Strecke durch den Bergwald abkürzt. Der Kreis schließt sich, als der Wanderweg erneut das Forststrasserl erreicht. Auf gleichem Wege wie beim Aufstieg gelangen wir ab hier zurück zum Tatzelwurm/Parkplatz.

Wanderkarte: Vom Tatzelwurm auf den Brünnstein-Gipfel

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