Fürstenfeldbruck: Amperwanderung vom Kloster Fürstenfeld nach Schöngeising

(Wanderung 12 Kilometer)  So richtige Fans von Fürstenfeldbruck sind wir ehrlich keine. Durch das Zentrum quetscht sich der Durchgangsverkehr der B2, wo man auf wenigen Metern mehrfach von Ampeln genervt wird. Doch Fürstenfeldbruck ist mehr. Seine Attraktion findet ihr nahe der Amper im Osten der Stadt, wo eines der barocken Hausklöster der Wittelsbacher als kulturelles Brett aufwartet. Hier wird gebetet, gesungen, getanzt oder gegessen. Und ab hier wandern wir los, nämlich flussaufwärts bis Schöngeising, fast immer nah am glitzernden Wasser entlang. Hin dauert es länger als zurück. Und in Schöngeising gibt’s eine Einkehrmöglichkeit, wenn Corona und das Wetter mitspielen.

Das erwartet dich an der Amper zwischen Fürstenfeldbruck und Schöngeising

  • Die Klosteranlage Fürstenfeld mit der großartigen Barockkirche.
  • Nach Süden immer schön der Amper entlang gewandert. Im Sommer genug Abkühlmöglichkeiten am Fluss, oder beim Untern Wirt gepflegter mit seiner schönen Badewiese.
  • Gute Wanderwege auf  Kies, Feld und Wiesenwegen und kleinen Teerstraßen ohne viel Verkehr. Ihr könnt die Wanderung mit der Tour durch die Amperschlucht verbinden, wie ihr wollt, wird dann aber etwas länger.
  • Einkehrmöglichkeiten im Klosterstüberl auf dem Klosterareal oder zum „Untern Wirt“ in Schöngeising.

So kommt ihr nach Fürstenfeldbruck mit dem Auto oder S-Bahn

Anfahrt mit dem Auto: Fürstenfeldbruck liegt circa 25 Kilometer westlich von München und circa 40 Kilometer südöstlich von Augsburg. Fürstenfeldbruck liegt zwischen der Autobahn A8 und der Ausfahrt 78 Dachau/Fürstenfeldbruck  und der A95, Ausfahrt 30, Inning am Ammersee. Der Parkplatz am Kloster befindet sich in der Fürstenfeldstraße (Google Linke)

Anfahrt mit der S-Bahn: Vom Hauptbahnhof München sind mit der S4 Richtung Geltendorf knapp 30 Minuten zu rechnen. Das Kloster Fürstenfeld erreicht ihr über die Bahnhofstraße/Oskar-von-Miller und Fürstenfelder Straße nach Süden. Etwas viel Teer. Alternativ könnt ihr südlich der Bahnhofstraße das Gleis unterqueren und östlich der Schienen 400 Meter nach Süden gehen. Hier erneut das Gleis nach Osten unterqueren und dem Henrik Moor Weg  entlang der Klosterbauten weiter bis zur Kirche gehen.

Losgewandert am Kloster Fürstenfeld

  • Wir starten unsere Wanderung am Parkplatz vor dem Kloster Fürstenfeld. Auf der anderen Straßenseite geht’s durch die Rolltore hindurch in das Veranstaltungsforum. Vorbei an den ehemaligen Ökonomiegebäuden, in denen sich heute der moderne Stadtsaalbau befindet. Hier finden in großen und kleineren Räumen Theaterveranstaltungen und andere Events statt, zumindest wenn Corona nicht nervt.
  • Am Ende des Durchgangs öffnet sich der Platz, auf dem schräg hinter Bäumen die große Barockkirche St. Maria Himmelfahrt thront. Links das Restaurant und Biergarten Fürstenfelder. Über den Amperkanal kommen wir zum Kloster.

Kloster Fürstenfeld und St. Mariä Himmelfahrt

Die Geschichte vom Kloster reicht bis ins Jahr 1263 zurück. Es war Ludwig II., der es errichten ließ, als Sühneleistung für die Hinrichtung seiner Frau für ihre angeblicher Untreue. Der Kaiser Ludwig der Bayer stattete es reich aus, war Garant für die Würde des Klosters. Abtei und Konent beriefen sich in Krisenzeiten auf die Erinnerung an Ludwig als kaiserlicher Förderer.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster Fürstenfeld geplündert und Teile des Klostergebäudes in Brand gesteckt. Abt Martin I. Dallmayr begann nach dem Krieg einen Neuanfang. 1691 wurde der Grundstein für die barocke Klosteranlage und eine der größten Barockkirchen Bayerns gelegt. Die Brüder Cosmas Damin und Egid Quirin Asam waren die maßgeblichen Künstler aus Wessobrunn.

Die Säkularisation bedeutete das Ende der Kirche. Das Konventgebäude wurde als Kaserne, Lazarett und Beamtenfachhoschule des Freistaates Bayern genutzt. Seit 1917 ist die Kirche Staatseigentum. Nach umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsabeiten wurde sie 1976 wiedereröffnet. Seit 1953 ist sie Nebenkirche zur Katholischen Pfarrei St. Magdalena in Fürstenfeldbuck.

  • Wir verlassen das Klosterareal durch das Tor gegenüber der Klosterkirche. Vorbei am Klosterladen, über die Brücke des Amperkanals. Wenn ihr noch eine Stärkung braucht, könnt ihr das Klosterstüberl zur Einkehr nutzen. Folgt der Teerstraße nach Osten. Dort, wo die Straße eine Rechtskurve beschreibt, bleibt südöstlich auf dem Fußweg. Nach 200 Meter habt ihr den Amperkanal erreicht. Bleibt rechts auf dem Damm und immer am Ufer. In einem weiten Rechtsbogen gehts nach Norden zur Autobrücke. Hier überquert ihr die Amper. Auf der anderen Seite der Amper gehts auf dem Fußweg flussaufwärts nach Süden.

Am Amper Westufer nach Schöngeising

  • Der Weg bis Schöngeising ist einfach. Immer am Ufer entlang. 400 Meter im Süden ragt ein Steg in die Amper. Verpasst nicht den tollen Blick zum Kloster. Vorbei am „Ameisenstüberl“ und nach 200 Meter unter der Bahnlinie hindurch. Der Weg kostet jede Windung der Amper aus. Auf die Schöngeisinger Straße stoßt ihr nach 700 Meter zum ersten Mal, nach 1.800 Meter zum zweiten Mal.

Dass ich ein Weichei bin, merke ich, als vor uns im Oktober eine ältere Dame im Badeanzug läuft. Ihr gehörte also das alleinstehende Fahrrad. Sie spaziert flussaufwärts, um sich mit der Strömung zurücktreiben zu lassen. Ich setze nicht eine Zehe ins Wasser, obwohl es so schön glitzert.

  • Der Weg verläuft im Folgendem in Ufernähe entlang der Böschung. Wegkreuz, Buchenwald. Nach 1.000 Meter öffnet sich links der Wald. Wir nehmen links den Fußweg über die Wiese, die zur Brucker Straße führt. Kurz vorher zweigt ein Wiesenpfad links ab und folgt dem Flusslauf. Schöngeising liegt vor uns und der Kirchturm gibt die Richtung an. An der Weggabelung links halten und dem Weg bis zum Ortseingang folgen. Hier sehen wir auch die Brücke über die Amper, die wir etwas später überqueren werden. Vorerst wollen wir aber noch eine Rast beim Untern’n Wirt einlegen. Einfach 200 Meter an der Kirche vorbeiwandern.

Römerstraße bei Schöngeising

Schöngeising hat eine lange Geschichte. Entlang der Amper gibt es unzählige vorgeschichtliche Bodendenkmäler. Etwas unterhalb der Turminsel, welche die Amper in zwei Stränge teilt, kreuzen wir die Römerstraße Via Julia, die einst von Augsburg nach Salzburg führte. Am östlichen Ufer befand sich vermutlich die Straßenstation Itinerarium Antonini, benannt nach dem keltischen Flussnamen. Der Name Turminsel geht auf einen Wachturm oder Burgus der römischen Kaiserzeit zurück. Laut Erzählungen sollen bis zum Hochwasser im Jahr 1767 die Gemäuer eines Turmes zu sehen gewesen sein. Zu sehen gibts heute leider nichts mehr, nur Unterwasser. Hier fanden Unterwasserarchäologen 31 Pfähle einer alten Brücke, die auf das 1. und 2. Jh. n. Chr. datiert wurden.

Zum Unter´n Wirt

Corona hat der Schöngeisinger Traditionswirtschaft einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Wirtschaft rentiert sich nicht unter den Auflagen, sowie der Biergarten. Betrieben wird daher nur noch der Kiosk mit Bade- und Liegewiese. Damit endet vorerst eine Familiengeschichte seit 1879. Eine Brotzeit gibt’s trotzdem.

Die Besonderheit: Gleich hintern Kiosk ist die Badewiese. Der Eintritt zur Badewiese ist kostenlos, wie die (kalten) Duschen und die E-Bike Ladestation. Für die Kinder gibt’s einen schattigen Kinderspielplatz. Im Sommer klasse.

Öffnungszeiten: Mittwoch – Sonntag bei schönem Wetter, ab 11:00 Uhr.
Adresse: Schöngeising, Kirchstraße 2
Website Unterwirt

Von Schöngeising zurück nach Fürstenfeldbruck gewandert

  • An der Amperbrücke kreuzen wir den Fluss. Gleich auf der anderen Uferseite nehmen wir den Fußpfad links nach Norden, der zum Zellhof führt. Eine Allee führt die letzten Meter zum Gutshof. Hinter den letzten Gebäuden finden wir die kleine Kirche St. Vitus, deren Errichtung 12./13. Jahrhundert zurückdatiert wird. Bei der Renovierung in den 70er Jahren wurden römische Scherben und Ziegel gefunden, die auf eine „Villa rustica“ schließen lassen. Mehrere Kalksteinspolien, u.a. als Altarstein, sowie Brandgräber am Waldrand sind weitere Indizien dafür.
  • Vier Kilometer sind es von hier zurück zum Kloster Fürstenfeld. Der geschotterte Weg ist direkter, als auf der anderen Uferseite. Schnell wandert es sich hier. Kann man sich hier verirren? Dafür braucht es schon jede Menge Desorientierung. Leider begegnen uns hier viel zu viele Fahrradfahrer. Es ist späterer Nachmittag und alle radeln in Richtung Fürstenfeldbruck. Mit Hund etwas nervig. Zu gucken gibts trotzdem immer etwas.
  • Der Zellhofweg erreicht am Bahnübergang das Kloster Fürstenfeld. Die Runde schließt sich nur wenige Meter im Norden beim Klosterstüberl. Den Weg zurück solltet ihr finden.

Wanderkarte Amper zwischen Fürstenfeldbruck und Schöngesing

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