Wanderung durch die Amperschlucht bei Grafrath über Schöngeising zum Jexhof

(Wanderung 12 Kilometer) Bereits im Februar waren Gitta und ich für eine Wanderung bei Grafrath – zwischen Ammersee und Fürstenfeldbruck. Die Tour war prima, das Wetter und die Fotos nicht. Neben einem guten Nachmittag haben wir immerhin die Gewissheit gewonnen, dass die Amper auch hier absolut wanderwürdig ist und die Dichte der Sehenswürdigkeiten einfach amazing. Nach einiger Tüftelei ist mit dieser Runde ein recht kurzweiliges Wanderschmankerl mit vielen kleinen Highlights entstanden, das bestimmt nicht nur uns, sondern auch euch einen klasse Nachmittag spendiert.

Was ihr auf der Wanderung erwarten könnt:

  • Wanderung auf Fuß– und Wiesenpfaden entlang der Amper, die mal besser oder schlechter sind. Bei Regen kann es matschig werden, bei Hochwasser meiden. Nicht kinderwagengeeignet.
  • Erwartet von der Amperschlucht (nicht zu verwechseln mit der Ammerschlucht) keinen Canyon, sondern ein sehr grünes Tal (Endmoränendurchbruch) mit ganz viel Natur.
  • Besuch des Bauernhofmuseum im historischen Jexhof, in dem das Leben vor hundert Jahren erlebbar wird.
  • Die mysteriosen Opfersteine von Schöngeising, wo manche die Magie und Mystik des Ortes spüren
  • Die abgegangene Sunderburg aus dem frühen Hochmittelalter, die auf eine frühbronzezeitliche Höhensiedlung zurückgeht.
  • Einkehrmöglichkeiten in Schöngeising „Zum Unter´n Wirt“ mit Biergarten-Badewiese an der Amper, das Michis Backstüberl oder Wirtsstube und Biergarten im Jexhof.

Anfahrt mit der S-Bahn oder dem Auto nach Grafrath

Anfahrt mit der S-Bahn: Vom Hauptbahnhof mit der S4 bis Grafrath sind 41 Minuten einzurechnen. Vom Bahnhof bis zur Amper sind es einfach 1,9 Kilometer oder mit dem Ruftaxi

Anfahrt mit dem Auto: Auf der Lindauer Autobahn (A96) sind es bis Grafrath 31 Kilometer, für die es ca. 35 Minuten braucht. Der Parkplatz befindet sich an der Mauerner Straße, gegenüber dem Brandweg und nahe dem Sportplatz, gleich am Ortseingang.

Losgewandert: Am Amper-Westufer durch die Amperschlucht nach Schöngeising

Vom Parkplatz wandern Gitta und ich zunächst die Mauerner Straße 300 Meter den Hang hinunter zur Amper. Idyllisch begrüßt uns die St. Nikolaus Kirche auf der kleinen Insel zwischen den zwei Flussarmen. Von der Brücke bekommen wir einen Vorgeschmack auf die ursprüngliche Natur, die uns auf den nächsten Kilometern erwartet. Auf der anderen Uferseite rechts in die Brucker Straße einbiegen.

S-Bahnfahrer: Wer mit dem Bus kommt, oder vom Bahnhof hergegangen ist, hier einsteigen.

  • Noch sind wir auf Teer spaziert, doch das ändern sich rasch, wenn nach 370 Meter am Ortsausgang ein kleiner Fußpfad hinunter zur Amper führt. Yeah! Jetzt beginnt die Tour richtig Freude zu machen. Die Amper darf hier fließen, wie sie mag und so viel Ufer annagen, wie der Wasserstand es zulässt. Keine Ufereinfassung stört die urige Landschaft. Bei Regen wird es matschig. Dafür gibt’s die passenden Schuhe oder eine andere Wanderung.
  • Bereits 300 Meter weiter öffnet sich der Wald. Der Weg wird zum Wiesenpfad, der sich halblinks orientiert und am Waldsaum vorbei weiter nach Süden führt. Am Ende der Grünfläche geht es wieder in den Wald. Ab hier bleiben wir immer in Ufernähe. Der Weg ist eindeutig und erreicht nach 5oo Metern einige Datschen, die hier idyllisch am Fluss liegen. Die Amperstege sind leider privat.
  • Schöngeising liegt 1,8 Kilometer flussabwärts. Dass wir die Amperschlucht langsam verlassen, merken wir nicht nur daran, dass die Moränenaufwerfung auf unserer Seite des Flusses niedriger wird und die Amper eine Böschung bekommen hat, auf der sich recht gut wandern lässt. Felder rechts und links des Gewässers kündigen den Ort an. Wenn der Kirchturm scheinbar auf der rechten Uferseite zu sehen ist, liegt das daran, dass die Amper kurz vor Schöngeising eine großzügige Rechtskurve beschreibt.

Von Schöngeising zum Bauernhausmuseum Jexhof gewandert

Wie aus einem Bilderbuch sieht das bayerische Bauerndorf an der Amper aus, würden nicht einige Solarpannels am Dach den nostalgischen Eindruck schmälern. Den 144 Meter hohen Funkmeldeturm lass ich beim Fotografieren hinter einem Baum verschwinden.

  • Der Uferweg wird ab den ersten Siedlungsgebäuden auf die Amperstraße umgelenkt, der wir 300 Meter bis zur Kreuzung im Ortskern folgen.
    Etwa auf halber Strecke zur Amperbrücke kommen wir am historischen Wasserkraftwerk vorbei, dass 1892 nach den Plänen von Oskar von Miller errichtet wurde und das nahe Fürstenfeldbruck als eine der ersten Städte in Bayern mit Strom versorgte. Es ist das zweitälteste in Deutschland. Die 1910/12 bei der Modernisierung eingesetzten Francis-Turbinen verrichten seit über 100 Jahren ihren Dienst.
  • An der Kreuzung rechts in die Brucker Straße einbiegen und die Amperbrücke/-Insel überqueren. Auf der anderen Uferseite erneut rechts in den Senserweg abbiegen. Möglichkeit Michis Backstüberl einen Besuch abzustatten.

Hunger stillen in Schöngeising

Zum Unter’n Wirt

Wer zum Biergarten „Zum Unter´n Wirt möchte, biegt von der Amperstraße an der Kreuzung links in die Brucker Straße ab und nach Kurve rechts in die Kirchstraße. Nur 130 Meter sind es zum Institutionswirt mit angeschlossener Biergarten-Badewiese, kostenlosen Duschen und Spielplatz. Das Angebot der Speisen ist regional und bodenständig. Vom Obazd’n, über Schnitzel und Schweinebraten, über saisonale Salate und hausgemachte Kuchen. An schönen Tagen schnell überlaufen. Etwas teuer.

Öffnungszeiten:  Bei schönem Wetter von April bis Anfang Oktober Mittwoch bis Sonntag ab 10 Uhr. Warme Küche ab 11:30 Uhr. Website
Adresse: Zum Untern Wirt, Kirchstraße 2, 82296 Schöngeising

Michis Backstüberl

Kuchenliebhaber kommen im versteckten Michis Backstüberl auf ihre Kosten. Zugegeben, der Parkplatz-Charme gefällt nicht jedem. Trotzdem ein guter Ort für eine Pause, denn die Auswahl ist reichhaltig und die Kuchen schmecken einfach toll. Einen Bienenstich habe ich schon lange nirgendwo mehr bekommen. Außerdem führt unser Wanderweg genau an der Backstube vorbei. Empfehlung!

Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag: 14:00 bis 17:00 Uhr, Samstag: 10:00 bis 17:00 Uhr, Sonntag: 8:00 bis 17:00 Uhr
Adresse: Senserweg 11, 82296 Schöngeising, Website

  • Am Ende des Senserweg beginnen die Felder. Unser Zwischenziel ist der Sportplatz des SC Schöngeising. Zuerst folgt das Wirtschaftsstraßerl der Amper, biegt dann aber bald nach dem letzten Wirtschaftsgebäude in einer scharfen Kurve nach Süden. 300 Meter weiter, nahe dem alleinstehenden Stadel, auf den Abzweiger halbrechts. Die Spielfelder sind in 280 Meter erreicht.
  • Die Kreisstraße nach Mauern überqueren Gitta und ich 300 Meter südöstlich. Auf der anderen Straßenseite entdecken wir die ersten Wegweiser zum Jexhof, der nur noch 1,8 Kilometer entfernt liegt.
  • Vorbei am Wertstoffhof. Den Fischteich in 300 Metern umgehen wir rechts. Kurz (130 Meter) am Waldrand entlang wandern, dann dem Weg folgen, der sanft ansteigend zwischen den Bäumen verschwindet. Die Wegweiser sind teilweise mit dem Baum verwachsen und schlecht lesbar. Den Wanderweg 880 Meter bis zur Kreuzung folgen und geradeaus, halbrechts weitergehen. Ihr habt es fast geschafft, wenn ihr das Feld erreicht. Der Jexhof liegt nur 200 Meter weiter zur Rechten.

Bauernhofmuseum Jexhof

Der Jexhof ist ein historischer Dreiseithof in dem der Alltag der Landbevölkerung zu Beginn des 20 Jahrhunderts wieder zum Leben erwacht. Mit viel Liebe wurde der arg heruntergekommene 200 Jahre alte Bauernhof in Alleinlage mit originaler Ausstattung um 1900 vom Landkreis Fürstenfeldbruck und dem Förderverein renoviert und die Gebäude und Räume für Besucher geöffnet. Vom Butterfass bis zum Sautrog ist alles original vorhanden, was man brauchte, um sich auf dem Hof selbst zu verpflegen.

Besonders spannend wird es an Aktionstagen, an denen zum Beispiel das Waschen ohne Strom und nur mit Feuer beheiztem Waschkessel und Kernseife erlebbar wird. Außerdem finden regelmäßig Ausstellungen zum Beispiel im ehemaligen Maschinenhaus von 1943 statt.

Biergarten und Dorfwirtschaft im Jexhof

Im ehemaligen Kuhstall befindet sich heute der Eingang und eine historisch eingerichtete Wirtsstube, die Wert auf regionale, saisonale und originale bayerische Küche legt.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen, außer an Feiertagen, Karfreitag, Allerheiligen, Heiligabend, Silvester und Neujahr geschlossen, Website Jexhof Veranstaltungsinformationen
Eintritt 2019: Kinder und Jugendliche (6–16 Jahre) 2,50 €, Erwachsene 4,00 €. Die Museumssaison geht vom 5. April bis zum 3. November 2019.
Hunde dürfen nur in die Wirtsstube und Biergarten
Adresse:
Bauernhofmuseum Jexhof, 82296 Schöngeising, Tel. 08153/93250

Vom Jexhof zur Sunderburg und die Opfersteine gewandert

  • Am Parkplatz des Jexhof vorbei, wählen wir den Weg, der unweit des Anwesens südwestlich in den Wald führt. Nach 420 Metern rechts in den rustikalen Karrenweg. 200 Meter weiter rechts abbiegen und auf der bekiesten Foststraße 700 bis zur Kreisstraße in nordwestlicher Richtung gehen. Dem geteerten Rad- und Fußweg 100 Meter nach Norden wandern und die Straße überqueren. Der Waldweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite bringt uns einen Kilometer weiter nahe zur Sunderburg. Immer auf dem Hauptweg bleiben und im Zweifel halb rechts bleiben.
  • Eine InfoTafel auf der linken Wegseite zeigt uns an, dass wir unser Etappenziel erreicht haben. Ein Fußpfad dahinter bringt uns zu den Wällen der ehemaligen Burg an der Hangkante oberhalb der Amper.

Die Wälle der ehemaligen Sunderburg

Von der ehemaligen Sunderburg – im Volksmund auch Sunnen- oder Sonnenburg genannt – sind die gut erkennbaren Wälle und der Turmhügel (Motte) im Norden sichtbar (rechts der Infotafel). Keine steinernen Mauern oder Gebäude sind erhalten, auch nicht vom  Jagdhaus der Wittelsbacher aus dem 15. Jahrhundert. Die dreieckige Befestigung wird im Norden von der Amper, im Osten von einem Trockental und im Südwesten von einer Wallanlage begrenzt. 

Erste geschichtliche Nachweise gehen auf eine frühbronzezeitliche Höhensiedlung aus den Jahren zwischen 1800 – 1600 vor Christus zurück. Teile der Abschnittsbefestigungen können auf eine Anlage zur Zeit der Ungarneinfälle zurückführen. Graf Friedrich aus dem Geschlecht der Diessen-Andechser soll hier im 11. Jahrhundert hier seine Burg gehabt haben.  Die erste urkundliche Erwähnung der Sunderburg stammt aus dem Jahr 1447.

Der Sage nach soll im ehemaligen Schlossbrunnen zwei Wassereimer Gold liegen, die von Geistern bewacht werden. Währenddessen sinken die Schätze derweil immer mehr in die Tiefe.

  • Der Weg um die Sunderburg beschreibt einen Linksbogen, der zuerst zur Hangkante zur Amperschlucht, dann zurück zum Forstweg führt. Unterwegs entdecken wir die hoche Abschnittsbefestigung im Norden und die niedrigere, aber vermutlich ältere im Süden.
  • Zu den Opfersteinen kommen wir, indem wir den Waldweg 150 Meter nach Süden wandern. Immer auf dem Hauptweg (rechts) bleiben. Ein sichtbarer Pfad führt nach der Abzweigung ein kurzes Stück in den Hochwald.

Die Opfer- und Blutsteine von Schöngeising

Die Opfer- und Blutsteine von Schöngeising sind für Esotheriker und Okultisten ein  Kraftort, an den man die „Magie und Mystik des Ortes spürt“. Der Legende nach verwendeten die Kelten der nahen Höhensiedlung die Findlinge als rituelle Opferstätte. Die Riefen im Stein werden als Blutrinnen gedeutet.  Kerzenreste lassen mutmaßen, dass dieser Ort auch zur Nachtzeit aufgesucht wird. *Grusel*. Einen Nachweis für die Opferstätte-Theorie gibt es nicht. Fakt ist nur, dass es sich um zwei  verwitterte Kalk- und Sandsteine handelt, die vermutlich in der Wurmeiszeit aus den Alpen vom Eis herangetragen wurden.

Richtig alt ist die Legende übrigens nicht. Um 1880 wurden die Steine entdeckt und von einem Gschaftelhubrigen Lehrer mystifiziert. Ja mei. Soll jeder glauben, was er mag…

Zurück nach Grafrath gewandert

  • Richtig weit ist es zurück nach Grafrath nicht mehr. Von den Opfersteinen gehen wir zurück zum Hauptweg, der den Hang hinab zur Amper zu einer wunderschönen Streuwiese am Flussufer führt. Gleich am Beginn der Wiese folgen wir dem Fußpfad nach Süden. Im Laubwald am Hang verlaufend, macht dieser Abschnitt recht viel Freude. Unten glitzert die Amper.
  • Ein Talabschnitt lässt den Weg etwas ausholen. MVV-Fahrer: Wer zurück zur Amperbrücke möchte, geht am Fluss entlang – an der Kläranlage zurück. Zum Parkplatz: Wir folgen an der Weggabelung dem Pfad hinauf zum Feld und gehen am Waldrand an der Hangkante bis zum Spielplatz und von dort über den Brandweg zum Auto. Punktlandung!

Wanderkarte Amperschlucht Jexhof

GPS-Track

 

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