Gemütlicher Amper-Spaziergang zum Schloss Dachau

(Spaziergang 4,6 Kilometer). Erst im Sommer waren Gitta und ich an der Amper bei Haimhausen – im Nord-Osten von Dachau – wandern. Der Fluss war dort überaus ursprünglich und überraschend. Mit diesem eher kürzeren und urbanen Spaziergang haben wir uns vom Westen her Dachau genähert. Die Grosse Kreisstadt überrascht durch das mondäne Renaissanceschloss mit Park und grandiosen Fernblick hinüber nach München und die nahen Alpen. Besonders am Spätnachmittag ist dort die Stimmung  magisch, wenn das Licht eines wolkenfreien Tages den Ton der gelb-weißen Fassade potenziert. Gleich dahinter die kompakte Altstadt von Dachau mit zahlreichen Läden, die herausgeputzt Laune für eine kurzweilige Entdeckungstour macht. Eigentlich hatten wir vor, den Spaziergang noch etwas ausgedehnter zu gestalten, doch ortsansässige Freunde hatten uns das sehr nette Cafe Zaunkönig empfohlen, in dem wir die Zeit bei Kuchen, Cappuccino und angeregten Gesprächen vergessen haben.

Die kurzweilige Tour auf guten Wegen ist bis auf den Anstieg auf den Schlossberg eher unkompliziert, aber für Kinderwagenschieber wegen der Stufen weniger optimal.

Anfahrt zum Amper Spaziergang in Dachau

Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit der S2 Richtung Petershausen fahren. Vom Bahnhof Dachau mit dem Bus 720 zur Haltestelle „Dachau Familienbad“ (nicht „Hallenbad“!). Fahrtdauer vom Hauptbahnhof etwa 45 Minuten. Da die Bushaltestelle etwas näher am Schloss liegt, verkürzt sich die Runde, es sei denn, man geht zuerst ab hier zu Fuß flussaufwärts bis zum „regulären“ Start des Spazierganges.

Anfahrt mit dem Auto: Eine Empfehlung über die beste Anreise nach Dachau kann man nicht wirklich geben. Je nach Abfahrt von München bieten sich die Autobahnen A8/A9 und die Zufahrt über die Verbindung A99 an.

Von der Heinrich Nicolaus-Strasse/Brücke zum Dachau Schloss

Kurz vor Dachau gleicht die Amper einem langen See. Das Wasser ist zur Ruhe gekommen, Schwäne ziehen ihre gechillte Bahn. Das liegt am Stauwehr unter dem Schlossberg, das die Fließgeschwindigkeit praktisch auf Zero stoppt. Rechts und links der Amper verlaufen breite Fuß- und Radwege. Welchen Weg ihr wählt, ist eigentlich egal. Wir haben auf dem Hinweg der Sonne wegen  das West- und beim Rückweg das Ostufer gewählt. 500 Meter sind es zur Ludwig Dill-Brücke, die sich sonnig und bequem gehen lassen. Hier überqueren wir am Zebrastreifen die Straße und setzen auf der anderen Seite unseren Weg fort. Von links schiebt sich der bewaldete Schlossberg an die Amper heran. Die Amper beschreibt einen sanften Linksbogen, was es uns ermöglicht durch das Ufergebüsch das Wasserkraftwerk zu erspähen, das hier zur Verstromung der Amper wie ein Riegel den Lauf des Wassers hemmt. Dahinter teilt sich der Fluss in Amper und Mühlkanal, dem wir 100 Meter folgen und dann den Weg in Serpentinen links hinauf zum Fürstenweg folgen. Oben angekommen, befinden wir uns am südwestlichen Eingang des Schlossgartens.

Schloss Dachau, die Sommerresidenz der Wittelsbacher

Die Geschichte beginnt 1100, als die Grafen von Dachau oberhalb der Amper eine Burg zur Sicherung ihrer Güter errichteten. 1182 kam am Ende der Erbfolgelinie die Befestigung in den Besitz von Otto I. von Bayern, der die Anlage abriss und neu aufbauen ließ. Ab dem 12. Jahrhundert war Dachau der Sommersitz zahlreicher bayerischer Fürsten. Die Wandlung zum Schloss vollzog sich zwischen 1546 und 1577 auf Anordnung von Herzog Wilhelm IV. und seinem Sohn Herzog Albrecht V. Die Burg wich einem vierflügeligen Rennaissance-Palast mit Tanzsaal und prunkvoller Holzdecke und einem geräumigen Hof. 108 bewohnbare Zimmer soll das Schloss gehabt haben. Als Sommerresidenz der Wittelsbacher hat man das Schloss im Auftrag von Kurfürst Max II. Emanuel Anfang des 17. Jahrhunderts mit verspielten Ornamenten, Treppenvestibülen und einem Barocken Hofgarten dem Zeitgeschmack angepasst.

Als die Staatskasse in Folge der Erbfolgekriege leer war, wurde Schloss Dachau immer weniger genutzt. Miese Untermieter waren Anfang des 18. Jahrhunderts napoleonische Truppen, die in den weitgehend leerstehenden Räumen des Schlosses einzogen und zu Lazarettsälen, Viehställen und Waffenkammern umfunktionierten. Sie hatten wohl so übel gehaust, dass man drei der vier Flügel der Residenz abreißen musste, Geld und Notwendigkeit das Schloss zu renovieren war keines vorhanden. Die Umrisse des heutigen Parkplatzes markieren die einstigen Ausmaße des Schlosses vor dem Teilabriss. Mit dem Abbruchmaterial wurden die Kolonien im Dachauer Moos errichtet. Zum Glück hat der Ballsaal den Abriss überlebt, in dem heute auch die Dachauer Schlosskonzerte stattfinden.

Besichtigung: April-September: 9-18 Uhr, Oktober-März: 10-16 Uhr , Montags geschlossen. Weitere Infos zum Schloss auf der Website.

Schloss Dachau Cafe | Restaurant

Schöne Terrasse mit Blick auf den Schlossgarten und einer großen Auswahl an Kuchen und Torten. Der Gastraum ist eine weissgetünchte Halle, modern und klar ausgestattet. Montag/Dienstag ist Ruhetag. www.schlossdachau.com

Vom Schloss Dachau in die Altstadt

Vom Fürstenweg gelangen wir durch eine Parkanlage im englischen Stil zum barocken Schlossgarten, hinter dem sich der Südflügel mit dem Prachtsaal befindet. Wo im Sommer Blumenrabatten Freude bereiten, ist nun alles für den Winter vorbereitet. Rechts vom Laubengang aus alten Linden befindet sich die Terrasse mit tollem Blick, der richtig atemberaubend ist, wenn sich die Berge abzeichnen. Noch toller ist es bei Föhn. Der Blick nach München wo sich der Fernsehturm abzeichnet, schweift über das Häusermeer Karlsfeld und Allach. Na ja, schöner ist es in den Süden zu blicken.

Wir gelangen aus dem Hofgang durch das Tor an der Gartenmauer, westlich des Gartensaaltraktes. Über die Schlossstraße, zur Linken, die sich zur Klosterstraße verlängert, spazieren wir in einem Bogen in die Altstadt. An der ehemaligen Brauerei „Am Schlossberg“ kann man trotz der fehlenden Buchstaben noch den Namen am Putz erkennen. Es wird in den kommenden Jahren entkernt und zum Wohnhaus umgebaut. Zum Glück: ein Biergarten mit 200 Plätzen darf aber auch erwartet werden. Am Ende vor uns die Stadtpfarrkirche St. Jakob.

Altstadt Dachau

Die malerische Dachauer Altstadt lädt mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten zum Verweilen ein. Historische Bürgerhäuser, Museen und Galerien.

  • Der 44 Meter hohe Kirchturm der Pfarrkirche St. Jakob überragt die Silhouette von Dachau und der Region. Erbaut an Stelle einer spätgotischen Kirche entstand zwischen 1676 und 1678 der heutige Kirchenbau im Stil der Spätrenaissance.
  • Am Zollhäusl, heute das Informationsbüro der „Naherholung und Tourismus im Dachauer Land“ südlich der Stadtsparkasse wurde ab dem 16. Jahrhundert der Pflasterzoll für die Benutzung der innerörtlichen Straßen erhoben. Das Zollhäusl stammt aus dem Jahr 1820.
  • Nur wenige Meter weiter vor dem Rathaus der Taschner Brunnen. Die Mittelsäule zieren Figuren von Bäuerinnen und Bauern in Dachauer Tracht. Das Rathaus stammt aus dem Jahr 1934, in dem es am 28.4.1945 zum „Aufstand von Dachau“ kam. Bewaffnete Arbeiter und geflohene KZ-Häftlinge hielten es für einige Stunden mit dem Ziel besetzt, sich hier bis zum Eintreffen der US-amerikanischen Truppen zu verschanzen. SS-Soldaten aus dem KZ schlugen aber den Aufstand nieder. Sechs Aufständische kamen dabei ums Leben. Vier Männer wurden direkt vor dem Rathaus erschossen. Am 29.04., nur einen Tag später, marschierte die US-Armee in Dachau ein. Ein Denkmal erinnert an dieses Ereignis.
  • Mitte des 19. Jahrhunderts war Dachau Heimat vieler Künstler, die sich von der Landschaft im Dachauer Moos inspirieren ließen. Die Sammlung in der Gemäldegalerie Dachau an der Konrad-Adenauer-Straße 3 (in den Räumen der Sparkasse) dokumentiert mit 200 Gemälden und Skulpturen die Geschichte der Künstlerkolonie.
Es macht Spaß sich durch die kompakte Altstadt treiben zu lassen. Leider ist aber Sonntag. Zu gerne hätten wir von dem ein oder anderen Geschäft mehr als nur die Auslage gesehen. Dafür hatten wir eine gute Zeit im zentral gelegenen Cafe Zaunkönig, in der Augsburger Str. 9. Etwas versteckt im Rückgebäude ist es eine gemütliche Oase mit vielen Büchern. Nett: Der Tee wurde mit einer kleiner Sanduhr geliefert. Der Kaiserschmarrn soll sensationell sein!

Nachmittagsstimmung am Schloss Dachau

Im Spätnachmittagslicht treten wir den Rückweg an . Es ist nahezu der Gleiche wie auf den Hinweg, nur mit kleinen Änderungen. Vom Zollhäusl über die Schlossgasse erreicht man das Schlossareal, das zwischen 8:00 Uhr und 17:00 Uhr im Winter durchquert werden kann. Gitta und ich wandelten durch den Laubengang.

Das gesamte Schlossgebäude leuchtete feurig in der Wintersonne. Die Obstbäume, die Kurfürst Max IV Joseph 1802 hat anlegen lassen, recken kahl ihre Äste in die Luft. Wie herrlich muss es hier im Frühjahr zur Blüte sein. Schön war sicherlich auch der Spielgarten, den Max Emanuel einst im Wäldchen hinter dem Schloss anlegen ließ. Es soll eine Kegelbahn, Schaukeln und Hütten gegeben haben.

An der Amper zurück

Vom Fürstenweg am Ende des Schlossparks spazieren wir über die Treppenstufen wieder hinab zur Amper.  Wunderbar ist es, wenn man an der nächsten Brücke (Ludwig Dill) die Flussseite wechselt und die Sonne und der Kirchturm von Mitterdorf sich in der Amper spiegeln. Bestimmt ist der Weg auch im Winter sehr attraktiv. Klar ist, dass wir der Amper bald wieder einen Besuch abstatten werden, da gibt es noch einiges zu entdecken!

Wander- und Tourenkarte

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Spaziergang an der Amper nach Dachau

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| | km | | /km | +m -m (netto: m) | GPX-Datei herunterladen GPX-Datei herunterladen
Parkplatz: 48.251804, 11.408615
Schloss Dachau: 48.257084, 11.431961
Altstadt Dachau: 48.259941, 11.434467

 

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