Allacher Lohe/Forst: Grüngürtelwandern und Rangierbahnhof Höhenweg

(Wanderung ~5 – 9 Kilometer) Die Allacher Lohe ist einer der letzten Restbestände des charakteristischen Lohwaldgürtels, der einst im Münchner Norden zu finden war. Zwischen der Autobahnumgehung A99 und dem Güterbahnhof befindet sich diese versteckte ökologische Oase, die man erst finden muss. Es ist Zeit umzudenken und sich überraschen zu lassen. Eine Wanderung durch die Allacher Lohe und entlang des Grüngürtels mit Höhenweg am Rangierbahnhof bietet viele Kilometer attraktiven Auslauf mit nur wenigen Straßenquerungen!

Blick vom Lärmschutzwall auf den Rangierbahnhof mit seinen 40 Richtungsgleisen im Winter.

Das erwartet euch in der Allacher Lohe und Rangierbahnhof

    • Ihr wandert durch die Allacher Lohe, lernt den netten Landschaftssee kennen (Badeverbot), geht über den ehemaligen Uhrturm vom Schloss Ludwigsfeld und einmal um den Güterbahnhof Nord. Wenn ihr am Wochenende unterwegs seid, dann ist dort weniger los. Das Quietschen der Bremsen der Güterwagons und das Bumpern, wenn die Waggons aufeinanderstoßen, haben wir am Sonntag nicht gehört. Dafür gab’s dort auch weniger zu sehen. Die Lärmschutzwälle sind überraschend hoch und dicht bewachsen, was dem Terrain eine für München ungewöhnliche Gestalt verleiht.
    • Die Wege sind allesamt hervorragend gangbar. Meist bekiest, manchmal geteert für Fußgänger. Eine Ausnahme ist der schmale Uferpfad am Landschaftssee, der aber rechts umgangen werden kann. Auf den knapp 9 Kilometern gibt es nur wenige Straßenquerungen. Wer sich nur mit der Allacher Lohe begnügt, kann auch nur 5 Kilometer unterwegs sein.
    • Ausgezeichnete Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Vorteil: Ihr könnt die Tour z.B. schon an Auf den Schrederwiesen oder der Dachauer-Straße/Max-Born-Straße beenden.
    • Einkehrmöglichkeiten nur in der „CampingStuben“ im Campingplatz Nord-West (Vermutlich nichts besonderes).
    • Hunde müssen in der Aubinger Lohe an die Leine.

Anfahrt Allacher Lohe mit Bahn und Auto

Die Runde könnt ihr natürlich starten und beenden, wo es für euch am besten ist. Dramaturgisch hat es uns gut gefallen, sie im Westen an der Allacher Lohe zu starten, wo auch unsere Beschreibung beginnt und man sofort Naturkontakt und besten Sauerstoff atmet. Eine Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bietet sich an.

      • Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Anfahrt mit der Expressbuslinie X36  vom Allach Bahnhof – Alte Heide. Das OEZ ist ohne Umsteigen in 15 Min. erreichbar. Vom S-Bahnhof Allach sind es nur 5 Minuten Fahrzeit.
      • Anfahrt mit dem Auto: Parkplätze sind rund um den Rangierbahnhof und die Allacher Lohe eher Mangelware. Als Möglichkeit zum Parken bieten sich die Pasteurstraße an. Sollten z.B. die Parkbuchten am Wald besetzt sein, in die  Lippertstraße ausweichen. Bitte auf die Anwohner und die Grundstücksausfahrten Rücksicht nehmen!

Losspaziert ins Naturschutzgebiet Allacher Lohe

Wir starten an der Waldsiedlung, einst Werkssiedlung für Facharbeiter der Krauss-Maffei-Fabrik. Viele Jahre lag die Siedlung, die im Norden direkt an die Allacher Lohe stößt, eingekreist im Geflecht der Gleise, welche zum und vom Güterbahnhof Ludwigsfeld führten. Wie die Finger an einer Hand liefen die Bahntrassen als Zubringer nach Süden, Westen und Norden, bis er 1991 vom Rangierbahnhof München Nord ersetzt wurde.

      • Losgewandert an der Pasteurstraße: Die Pasteurstraße ist eine Sackgasse, die kurz vor dem Wäldchen im Westen endet. Der Fußweg führt uns nach 140 Meter zur Unterführung am Gleiszubringer, des neuen Rangierbahnhofs. Hier beginnt der große Teil der Allacher Lohe.
      • Losgewandert an der Bushaltestelle Spiegelbergstraße:  Wo die Spiegelbergstraße im Norden in die Waldsiedlung führt, nehmen wir nordöstlich der Ludwigsfelder Straße den Fußweg, der in einer Kurve auf der ehemaligen Bahntrasse nach rechts verläuft. 380 Meter weiter, am zweiten Fußweg links abbiegen (nicht den Weg wählen, der entlang der Siedlung verläuft, sondern gleich den nächsten). Nach 600 Meter durch ein Wäldchen, unterqueren wir den Gleiszubringer.

Die Runde durch den Forst könnt ihr natürlich beliebig lang wählen. Genießt vielleicht eine längere Runde im Frühjahr, wenn der Lohwald im satten Grün strahlt. Der Wald ist urwüchsig und mit einem dichten Netz an Wegen und Pfaden durchkreuzt. Wir haben uns im Winter mit einem Abstecher begnügt, da unsere Runde um den Rangierbahnhof noch etwas länger ist.

Durch die Allacher Lohe zum Landschaftssee

  • Von der Unterführung wandern wir zunächst 120 Meter auf den Waldweg (Allacher Geräumt) nach Nordosten. Danach rechts abgebogen und 360 Meter nach Osten spazieren. Erneut rechts abbiegen und nach 50 Metern nach Süden wandern. An der nächsten Wegkreuzung links abbiegen und 650 Meter nach Osten gehen, bis der Weg auf den Allacher Forstweg stößt. Rechts nach Süden abgebogen. Der Weg verlässt alsbald den Wald und schlägt einen sanften Haken nach links. Nach 650 Meter stoßen wir nahe der Lärmschutzwälle des Güterbahnhofs auf den Uferbereich des Allacher Landschaftsees. Er liegt gleich hinter den nahen Baum- und Buschwerk.

Allacher Lohe und Forst

Mit 156 ha ist der Allacher Forst das viertgrößte Waldgebiet der Landeshauptstadt München. Es ist nur ein Rest des einstigen Lohwaldgürtel der Münchner Schotterebene. Im lichten Mischwald wachsen alten Linden und Eichen, Bergahorn, Fichten oder Eschen, sowie zahlreiche Blumen- und Pilzarten. Sie profitieren vom feinen nährstoffreichen Lössboden, der sonst nirgends in München vorkommt.  Mit den im Osten und Süden angrenzenden Heideflächen ist eine wertvolle ökologische Insel entstanden, die abgeschirmt durch den Rangierbahnhof, die Autobahn und Indstriesiedelungen fast völlig vom Umland abgeschnitten ist. Der nordwestliche Teil der Allacher Lohe ist Landschaftsschutzgebiet als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet gemeldet. Der Allacher Landschaftssee nahe dem Rangierbahnhof ist ein Baggersee, der beim Bau entstanden ist. Für Mensch und Hund gilt gleichermaßen ein Badeverbot.

  • Wo der Allacher Forstweg auf den Landschaftsweg stößt, der von der Dachauer Straße herführt, biegt gleich gegenüber ein kleiner Fußpfad ins Gebüsch, der uns zum nahen Ufer des Allacher Sees führt. Im Winter verdeckt unter einer weißen Eis- und Schneeschicht, wirkt er erstaunlich natürlich und nicht wie von Menschen gemacht. Wir folgen auf 450 Metern dem Uferweg. Bei Schnee war er nicht immer einwandfrei zu gehen, da er schmal und einige Abbrüche hatte. Wer einigermaßen gut zu Fuß ist, sollte das aber ohne Probleme schaffen. Nicht für Kinderwägen geeignet. Am Ende des Sees suchen wir die Verbindung zum Landschaftsweg. Auf ihm unterqueren wir in einiger Entfernung die Dachauer Straße.

Rangierbahnhof München Nord

Der 1991 in Betrieb genomme Rangierbahnhof  ist einer der modernsten in Deutschland. Neben Nürnberg findet hier der Güterwagenumschlag für Südbayern statt. Der Rangierbahnhof umfasst fünf südlichen Gleisgruppen mit zusammen 40 Richtungsgleisen. Hier werden Gruppen von Güterwagen für den Transport zu Zügen zusammengestellt und die Züge wieder zerlegt.

Durch die zunehmende Verlagerung der Güter auf die Straße ist immer wieder von einer Schließung des Rangierbahnhofs die Rede. Aktuell ist die Trasse für einen möglichen S-Bahn-Nordring als Querverbindung zwischen Moosach und der Studentenstadt im Gespräch.

Entlang des Rangierbahnhofs nach Osten

  • Nach Unterquerung der Dachauer Straße führt der Fußgängerweg die Lärmschutzböschung hinauf. Links sehen wir das Gelände des Campingplatzes Nord-West. Hauptsächlich Wohnmobile und Camper sehen wir auf dem Platz, wo einst das Herrenhaus von Oberst Max von Lutz stand. Auf der anderen Seite der Straße Auf den Schrederwiesen befand sich das Gestüt, in dem ab 1914 Alfred Wolff erfolgreich Traber züchtete. Heute eine Sackgasse, führte hier die Dachauer Straße vorbei und am Autokino, dass rechts in den 70er Jahren auf den Koppeln existierte.
  • Auf dem Höhenweg: Etwa 200 Meter von der Unterführung entfernt müssten wir etwa auf dem Uhrenturm des Herrenhauses stehen. Es hatte neuromanische Fensteröffnungen und verschwand 1990 im Lärmschutzwall des Rangierbahnhofs. Von der Böschung haben wir einen guten Blick auf das Areal des Rangierbahnhofs, das hier seine breiteste Ausdehnung hat. Die Hänge werden, wo es möglich ist, als Schlittenhang verwendet. Aber Obacht, es ist hier ziemlich steil und der Auslauf nicht besonders lang. Sollten die Geräusche des Rangierbahnhofs nerven, könnt ihr den Weg auch in den bewaldeten Grüngürtel zwischen Wall und Fasanerie Nord verlegen
  • Etwa 1,5 Kilometer ab der Unterführung kommt die Fußgängerbrücke, die man hier auf die südliche Seite des Rangierbahnhof überqueren kann. Schade, ein bisserl mehr Aktion hätte ich schon gesehen.

Rückweg auf der südlichen Seite des Rangierbahnhofs nach Westen

  • Wir haben nicht nur die Gleise gequert, sondern auch die B304. Auch im Süden wird der Rangierbahnhof von hohen Lärmschutzwällen flankiert. Der Weg führt am Fuße der Aufschüttung zurück nach Westen bis zur Dachauer Straße. Querung der Straße an der Ampel bei gleichzeitigem Zeigen des Mittelfingers in Richtung Blitzer. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann hier die Tour an der Bushaltestelle Max-Born-Straße beenden.
  • Vorbei am Biotop und über das Rinnsal des Reigersbach, der hier der oberste Lauf des Flüsschens Moosach ist, die viele Kilometer im Norden als Stadtbach durch Freising fließt.
  • 700 Meter sind es von der Dachauer Straße bis zur Ludwigsfelder Straße. Der Grünstreifen mit unserem Weg ist etwas schmaler und der Lärmschutzwall niedriger. Südlich von uns ist das Gewerbegebiet mit dem Gartencenter Dehner und dem Hit-Markt. Am Sonntag war auf der nahezu unsichtbaren Zubringerstraße wenig Verkehr.
  • Auf der anderen Seite der Ludwigsfelder Straße (egal ob ihr an der Abzweigung des Fußwegs rechts oder links geht) bleiben wir auf den Fußweg. Die Büsche lichten sich und geben den Blick auf das Betonwerk von Schwenk und diverse Nutzfahrzeug-Vermietungen und Händler frei. Braucht ihr einen Bagger oder einen 3-Seiten-Kipper? Hier werdet ihr fündig! Nach 800 Metern erreicht ihr die Zufahrt zum DB-Cargo Areal des Rangierbahnhofs. Auf den weiteren 900 Metern wurde eine tolle Ausgleichsfläche geschaffen. Wir bewegen uns mittlerweile auf dem Grund des ehemaligen Rangierbahnhofs. Wo einst Gleise verliefen, wachsen Bäume. Auch eine Heide ist im westlichen Bereich entstanden.

Erinnern: Kriegsgefangenenlager an der Ludwigsfelder-Straße

Parallel zu den Wohnhäusern an der Ludwigsfelderstraße 49 – 57 befand sich im Krieg ein Lager mit italienischen Gefangenen. Im Arbeitslager II waren ab 1942 die Inhaftierten der nahen Fabrik von KraussMaffei beschäftigt. In einem Beitrag  des Stadteilhistorikers Dr. Walter G. Demmel im Münchner Wochenanzeiger stand die traurige Geschichte, dass sich halbrechts gegenüber des Hauses 49 in Feld hinter der Eiche ein Bunker befunden hat. Den Ort habe ich mittels alter Luftbilder selbst eingegrenzt. Bei einem Fliegerangriff am Fahrradweg fiel eine Sprengbombe direkt in den Erdbunker und tötete etwa 30 Inhaftierte. Die Explosion schleuderte die Leichenteile bis in den nahen Vorgarten. An dem Baum befand sich lange zur Erinnerung ein kleiner Kranz.

An den Häusern kommt ihr nicht unmittelbar vorbei, sondern müsst einen kurzen Abstecher machen. Es gibt nur einen Durchgang zur Ludwigsfelderstraße. Am Steinmetz vorbei und nach rechts.

  • Der Fußweg stößt am Ende auf die „Obere Allee“. Heute eine Stummellösung zu einem Anwesen, war sie vor dem neuen Güterbahnhof eine Verbindungsstraße zur Dachauerstraße. Von den Schranken über die Gleise ist nichts mehr zu sehen.
  • Wer zurück zur Bushaltestelle möchte, kreuzt die Straße und folgt unmittelbar links dem Weg, der an den Häusern südwestlich vorbei zur Spiegelbergstraße führt.
  • Zurück zur Pasteurstraße kommt ihr auf der Bahntrasse, die an der Siedlung rechts vorbei nach Nordwesten führt.

Wanderkarte Allacher Lohe und Güterbahnhof

Noch mehr Wandertipps in Münchner Wäldern

Die Wälder rund um München bieten ausreichend Auslauf, um sich nicht nur bei Corona zu sehr auf die Pelle zu rücken. Etwas voller wird es in den innerstädtischen Grünanlagen. Das Tolle: Einen Forst oder Park gibt es immer in der näheren Nachbarschaft, der außerdem mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto gut erreichbar ist. Wandern und spazieren mit viel Grün!

Zum Münchner Wälder- & Park-Guide