Das Blog – ein Medium von gestern? 42 und die Antwort in Prosa

Eigentlich hat man bereits verloren, wenn ein Beitrag mit der Phrase startet: „Die Medienlandschaft verändert sich.“ Heute wage ich es dennoch, da sich die Frage von Meike Leopold in ihrer Blogparade „Das Blog — ein Medium von gestern?“ nur im Kontext von wandelnder Kommunikationsplattformen- und Mediennutzungsverhalten beantworten lässt. Bereits die Definition, was Blog und Bloggen bestimmt, fällt je nach „Content-Creator“ unterschiedlich aus. Auch die Ziele und Erwartungen, die jeder Autor, an seine Zeilen knüpft. Da gerade Letztere höchst individuell sind, und Aufwand vs. Erfolg divers bewertet werden, scheiden sich hier die Geister. Kurz: Natürlich ist der Blog ein Medium von heute, wenn das was du als Bloggen interpretierst, wahrgenommen wird. Wenn dich Feedback und/oder Zahlen zufrieden machen, ist alles gut.

Der Blog als verklärtes Fame-Medium

Erst heute war ich auf der Website einer Bloggerin, die seit 2013 über Bücher und Filme schreibt. Laut ihrem Mediakit hat die Website im Monat 470 Visitors und auf Instagram 80 Follower im Monat. Beide Präsenzen liebevoll und ansprechend betreut. Erfolgreich? Vielleicht nicht für eine Kooperation mit der Industrie, aber bestimmt gut genug für das eigene Gefühl. Mangels Vergleich zu anderen Websites und ohne Vorstellung darüber, wohin sich die Reichweite von Hurra, draußen noch steigern lässt, vergleichen wir unseren Traffic mit den Vorjahres-KPIs in Google Analytics und durch Anfragen zu Bloggerreisen und Kooperationen. Als 2017 Gitta und ich im zweiten Bloggerjahr die Nutzer im August von 2.041 auf 9.461 im Folgejahr steigerten (vom Ersten wollen wir gar nicht reden), explodierte unser Ego. 2020 stieg die Anzahl der Nutzer schon mal über 50k im Monat. Und nun? Das Ergebnis ist zweifellos besser. Aber was ist es wert, bzw. hat sich der Aufwand gelohnt? Sind wir (schon) eine Editorial Brand?  Die Frage müssen ambitionierte Freizeitblogger nicht zwingend beantworten, solange es Spaß macht, das Schreiben nicht zur Last wird und ein bezauberndes Foto im digitalen Hochglanz bleibt. Corporate Blogs haben es schwerer. Sie müssen ihre Existenzberechtigung beweisen, da Content-Entwicklung teure Arbeitszeit bedeutet. Die Frage, wie viel Umsatz dadurch entstanden ist, brauchen wir nicht zu leisten.

Wenn Du Dich zum Bloggen zwingen musst, dann lass es bleiben!

Unser Antrieb? Hurra, draußen! heißt unser privater Outdoor-Blog. Er ist Herzensprojekt und Spiegelbild gemeinsamer Interessen und Freizeitaktivitäten. Es geht darin um Natur, Outdoor-Cooking und Wanderlebnisse, meist in Bayern zwischen München, den Alpen und manchmal auch weiter weg. – Zum Paradigma von Hurra, draußen! Schaffen wir es, auch im nächsten Jahr ein wenig besser zu sein? Reichweite bringt Möglichkeiten. Man lernt interessante Menschen kennen und zudem jede Menge über digitale Kommunikation aus der Praxis. Reich werden? Würde ich Zeitungen austragen, hätte ich einen besseren Stundenlohn aber längst nicht so viel Befriedigung, wenn Content-Strategien aufgehen oder Leser uns eine nette Mail für den Blog oder über einen Beitrag schreiben.

Ach ja: Blogger sind gesellig und vernetzt! Das Titelbild mit Pelle entstand auf dem Wanderblogger-Barcamp 2019 am Diemelsee, wo sich 30 Wander- und Outdoor-Blogger getroffen hatten, um sich dort über die Zusammenarbeit mit Touristikern und die Weiterentwicklung ihrer Blogs zu unterhalten.

Unsere Motivationsfaktoren im subjektiven Vergleich

Zum Beitrag: Sind Blogger die besseren Digital und Content-Strategen? 

Besser bloggen ohne Neid

Wenn neue Medienplattformen entstehen, muss man mit einer neuen Bloggergeneration rechnen, welche die neue Plattform gezielt bedienen und schon mal in rasanter Weise Leser, Seher oder Hörer aufbauen. Altblogger schauen nicht selten mit Neid auf den schnellen Erfolg. Darf sich nur Blogger nennen, der lange Texte auf einer eigenen Website verfasst? Ich finde, die Anzahl der verwendeten Zeichen kann nicht darüber entscheiden, ob man sich Blogger nennen darf. Lt. Wikipedia ist der Blog/ oder auch Weblog ein meist auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert oder Gedanken nieder schreibt.

Blogging with purpose!

Erfolg kommt nicht ohne Grund. In der Regel entscheidet immer die Qualität in Umsetzung und Operationalisierung über den Erfolg eines Blogs. Oldie but Goldie: Guter und relevanter Content begeistert Menschen. SEO und Interaktionen mit der Zielgruppe ermöglichen (nachhaltige) Sichtbarkeit. Und das am besten in Kombination von Website und sozialen Plattformen. Wenn sich die Erwartung der Leser ändert aufgrund geänderter Lese-, Seh- oder Hörgewohnheiten, passe dein Konzept an. Der Tod eines Blogs ist besiegelt, wenn sich an den Blog geknüpfte Erwartungshaltungen nicht erfüllen. Hast du einen Plan, sind die Aussichten rosiger, dass sie sich erfüllen. Dann leistet vermutlich der Blog ganz genau was er soll.

5 (Minimal)-Themencluster zur Spurkontrolle für den Blog

Wir verstehen Hurra, draußen, als Blogjournal, mittlerweile ohne Kommentarfunktion. Wer will, kann über die sozialen Medien oder per Mail mit uns Kontakt aufnehmen. Das positive Feedback über diese Kanäle reicht aus, damit wir uns wahrgenommen und geschätzt fühlen. Das zeigt auch Anzahl der wiederkehrenden Nutzer. Zahlen lügen nicht. Längst haben auch wir verstanden, dass man sich für eine Kooperation schnell zum Hampelmann macht und Unternehmen Microinfluencer oft unfair für Medialeistung und Content bezahlen. Freiheit ist, dass wir können, wenn wir wollen und nicht mehr müssen, weil wir meinen. Damit lässt sich gut bloggen und mal einen Beitrag schreiben, der nicht SEO-optimiert ist. Obwohl, einen dofollow Backlink bekommen wir hoffentlich ;-).