Mit dem Wikingerschiff Freya auf Chiemsee-Fahrt

Wer bislang der Meinung war, dass es Wikingerschiffe live nur im hohen Norden zu erleben gibt, muss umdenken, da seit August 2017 tatsächlich ein fahrtüchtiges Langboot auf dem Chiemsee unterwegs ist. Ich bin bei einer Recherche durch Zufall auf das Schiff mit seiner interessanten Geschichte gestoßen und habe mich schlau gemacht. Die Freya war das riesige Filmrequisit aus Bully Herbigs Kinofilm „Wickie auf großer Fahrt“ (2011) und vorher im Walchensee unterwegs, wo auch die Außenaufnahmen des Wikingerdorfes Flake entstanden, da es dort so wunderbar skandinavisch aussieht. Fast wie im Chiemsee, zumindest wenn man aufs Wasser blickt. 2016 war es zentraler Blickfang der Ausstellung „Die Wikinger“ vor dem Rosenheimer Lokschuppen. Von dort bis zum Chiemsee ist es auf dem LKW nicht mehr weit, wenn es auch größere Umbauten erforderte, um es für die Fahrgastbeförderung anzupassen.

Vom Schraml-Bad/Prien ins bayerische Meer stechen

Heute liegt die Freya, was altnordisch „Herrin“ bedeutet, kurz vor Prien an ihrem eigenen Steg am Schraml-Bad. Von der Harrasser Str. 39 werden zweistündige Ausflugsfahrten über den Chiemsee angeboten, die bis auf die andere Seite der Insel von Herrenchiemsee führen und wieder zurück. Einen Inselstopp gibt es unterwegs keinen.

Gitta und ich sind auf unsere Anfrage gerne der Einladung der Chiemsee Erlebnis GmbH gefolgt, um uns für Hurra, draussen! einen eigenen Eindruck auf der Freya zu verschaffen.

Unterwegs mit Kapitän Yanik und dem schrecklich (netten) Toni

Es bedarf schon etwas Selbstbedrug, um das Schraml-Bad mit einem Wikinger-Dorf zu verwechseln. Das Gras ist etwas zu sauber geschnitten und auch Fisch hängt nicht zum Trocknen an der Leine. Unser Schiff liegt etwas unscheinbar östlich des Kiosks vertäut am Steg. Eine Fahrt startet auf jeden Fall das Kopfkino. Zwei unserer heutigen Mitfahrer tragen zur Unterstützung ihrer Imagination sogar Wikingerhelme.

Für die Teilnehmer der Fahrt gilt Schwimmwestenpflicht, Alkohol und Rauchen ist an Bord verboten. 1000 Jahre nachdem die Nordmänner einst ihre Handels-, Krieg und Entdeckungsfahrten starteten, darf man ruhig etwas Sicherheit erwarten. Instruktion von Yanik unserem Bootsführer und Toni, der ihm zur Seite steht, um uns  Wikinger-Aspiranten unterwegs zu unterhalten.

*Klick* Kopfkino angeschaltet

Freya und seine wilde Crew stechen bei traumhaftem Wetter in See. Männer, Frauen und Kinder sitzen an Deck und lassen sich eine frische Brise um die Nase wehen. Das Ziel ihrer Fahrt ist friedlich, nämlich Handelsbeziehungen mit dem Wikingerkönig Leif Ludwigson II. zu knüpfen. Hoffentlich sind die Götter ihnen wohlgesonnen, denn die Fahrt mit der Knarre  (Handelsschiff) ist gefährlich. Freya macht gut Fahrt. Freundlich winken die schneebedeckten Gipfel im Süden. Wie von 140 Pferden oder vom Meergott Njörd höchstpersönlich gezogen, erreichen sie nach Tagen, die wie 20 Minuten erschienen eine grüne Insel, deren Ufer sie entlang segeln.

Dichtes Schilf, verdächtige Ruhe. Wir bestimmen mit den Wikingerkindern die Tiefe des Wassers, das hier nur 4,30 Meter tief ist, wie sich durch das Lot nachweisen lässt. Plötzlich, zwischen Bäumen geduckt, das Schloss von Ludwigson und weiter im Norden die Insel der Frauen. Traum oder Wirklichkeit? Friedlich oder Feindlich? Anlanden oder nicht? Trägt das Schloss Trauer? Ein weißer Rabe kommt herüber geflogen und berichtet vom Tod des Königs. Wird hier wohl nichts mit den Handelsbeziehungen. Wir werfen einen Helm ins Wasser, um durch das Strömungsorakel zu bestimmen, ob die Fahrt heim zu den Liebsten oder noch weiter nach Norden führen soll. Die Voraussage ist eindeutig, alle Männer, Frauen und Kinder an die Riemen, wie fahren nach Hause, wo ein Festgelage wartet.

Fazit: Hat Spaß gemacht!

Unsere Chiemsee-Fahrt mit der Freya bis zur östlichen Sichtschneise des Schlosses Herrenchiemsee bei Bilderbuchwetter hat enorm Spaß gemacht! Langweilig wurde es nie, da das Alpenpanorama vor dem See einfach toll ist und der Toni durch Informationen und kleinen Mitmacheinlagen die Crew zusätzlich bei Laune hielt. Wer wollte, durfte es mit dem Rudern probieren und die Wassertiefe mit dem Lot bestimmen. Besonders auch für Familien mit Kindern geeignet. Daumen rauf!

Auch wenn das Schiff für den Ein- oder Anderen nicht ganz der historischen Realität entspricht, weil ein Dieselmotor für magischen Antrieb sorgt und alles nach heutigem Standard sicher sein muss, sieht die Freya prima aus. Das finden wohl auch die anderen Skipper, die immer wieder die Nähe zur Freya gesucht, gewunken und fotografiert haben. Praktisch. Als tatsächlich ein Kinder-Wikingerhelm ins Wasser gefallen ist und die Tränen groß waren, war sofort ein Motorboot zur Stelle, dessen Führer die Kopfbedeckung schnell aus dem Nass fischen konnte.

Tipps: Baden & fahren mit dem Wikingerschiff

  • Plant vor eurer Abfahrt ausreichend Zeit ein! Das macht besonders im Sommer Sinn, wenn der Parkplatz vom Schramlbad sehr früh schon voll ist und auch an der Straße kein freier Platz mehr zu finden ist. Dann kommt man schnell in Stress, wenn ihr mit rotem Kopf und dem Blick auf die Uhr auf einen Stellplatz in einiger Entfernung ausweichen müsst. Schlau ist es daher, die Bootsfahrt mit einem Badetag am Chiemsee zu verbinden!
  • Nicht vergessen: Sonnencreme
  • Die Fahrten finden bis bei Sturmwarnung bei jedem Wetter statt, daher auf die richtige Kleidung achten. Eine warme Jacke, Kopfbedeckung gegen die Sonne und etwas gegen den Regen.
  • 40 Personen dürfen mit den Boot fahren. An Feiertagen mit toller Wetterprognose besser rechtzeitig reservieren.

Chiemsee Erlebnis GmbH

Heimathafen der Freya ist das Schramlbad in Prien-Harras in der
Harrasser Str. 39, 83209 Prien am Chiemsee
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Schrammelbad: 47.853991, 12.369447
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