Nachmittagsspaziergang im „Weltwald“ bei Freising

Der Witz ist unfassbar alt: „Ich war gestern in Amerika, Afrika und Australien“.“Geht doch gar nicht“. „Doch, mit dem Finger auf der Landkarte“. So, oder zumindest so ähnlich könnten wir von unserem Besuch im Landesarbeetuum berichten. Unweit von Allershausen ( da habt ihr auf der Autobahn bestimmt schon mal auf A8 im Stau gestanden),  also etwas nördlich von München, gibt es ein Waldstück, in dem es richtig international zugeht. Im sogenannten “Weltwald“ bei Kranzberg finden sich nämlich Bäume, für die man normalerweise  lange Reisen nach Nordeuropa, in den Mittelmeerraum oder nach Asien unternehmen müsste. Und der Besuch ist nicht mal langweilig, denn die Bayerischen Staatsforsten haben hier einen Erlebniswald geschaffen, der 24 Stunden geöffnet hat, kostenlos besichtigt werden kann und mit zahlreichen Überraschungen aufwartet und sogar eine eigene App hat. Interessant für:

  • Naturintessierte? Sowieso.
  • Familien mit Kindern? Auf jeden Fall.
  • Geschichtsinteressierte: Durchaus.
  • Menschen mit Fernweh? Oh ja!

Da unser Urlaub leider ins Wasser gefallen war und die Tage buchstäblich zwischen den Fingern zerronnen sind, wollten wir wenigstens einen schönen Nachmittag haben. Im Kranzberger Forst bei Freising ist es ein Leichtes mehrere Stunden zu verbringen. 

100 Hektar mit Waldsammelspaß: Start mit Nordamerika

Von Allershausen herkommend oder auf der Staatsstraße 2084 von Freising ist die Einfahrt in den Weltwald kaum zu übersehen. Der Parkplatz ist ausreichend groß, zumindest fuer einen normalen Wochenendtag.

Entscheidet am Pavillon wohin ihr gehen wollt. Üblicherweise startet man mit Nordamerika. Man muss sich nur entscheiden, ob man mit West oder Ost zuerst beginnen möchte. Für die Ostexkursion die etwa 1.400 Meter lang ist darf man mit ca. 30 Minuten rechnen, für den den 1.000 Meter langen Trail, so um die 20 Minuten, wo ihr auch den Mammutbaum oder den Indianerspielplatz findet.

Sehr schöner Drohnenflug-Video von Weltwald (ohne Ton)

Wir haben uns für den Spaziergang gegen den Uhrzeigersinn entschieden, also zuerst den Track zu den Applachen bis Ozark Mountain. Wofür die Siedler früher Wochen gebraucht haben, schaffen wir in kürzester Zeit. Im Herbst scheint im Gebiet der großen Seen bunter als woanders, was den Weltwald als besondere Empfehlung für den Oktober macht.

Im Zentrum des Weltwaldes und an alle Themenareale und unweit des „Botanikums“ finden wir eine kleine Kapelle mit einem farnbewachsenen Friedhof und alten schmiedeisenen Kräuzen. Es ist die Feldstatt von den alten Siedlern, die hier Ende des 19. Jahrhunderts gelebt haben.

Oberberghausen, das verschwundene Dorf.

Umgeben vom Staatsfors war Oberberghauen ein Ansiedlung von einigen vier Bauernhöfen und der kleinen Dorfkirche St. Clemens. Um der Bevölkerung neue Erwerbsmöglichkeiten für die zu schaffen, wurde 1880 ein Weidengarten angelegt. Um eine möglichst zusammenhängende Nutzfläche zu erhalten, wurde den Bauern von Oberberghausen ihre Gehöfte abgekauft und anschließend abgerissen.

Der wirtschaftliche Erfolg der Weidenplantage wollte sich leider nicht einstellen, weswegen das Vorhaben nach nur 10 Jahren wieder eingestellt wurde. Das Geände wurde daraufhin mit fichten Fichte »exotische Holz­arten« aufgeforstet.  Die ältesten Riesen des Weltwaldes stammen aus dieser Zeit.  Mit dem Aufbau des Wissenschafts- und Forschungscampus Weihenstephan wurde 1977 das Bayerische Landesarboretum gegründet. Seit 1987 wurde jedoch gezielt mit der Ansiedlung fremdländischer Bäume und Sträucher begonnen.Die die über 1.000 Jahre alte Kirche St. Clemens ist das letzte Zeugnis dieser Ansiedlung welche heute von einem Verein erhalten wird.

Von Asien nach Europa spazieren

Wir umrunden die Erde in Siebenmeilen-Schritten. Wir wandern zwischen Euro, Vorder- und Zentralasien und stellen viele kleine Besonderheiten fest.Gut beschildert oder mit der App erlebt man die Bäume nicht nur physisch, sondern erfährt einiges über deren regionale Herkunft. Es macht Spaß immer wieder an den unerschiedlichen Bäumen stehenzubleiben, ihre Nadeln, Blätter und Rinden zu entdecken. Wir stellen fest, dass es neben Tanne, Fichte Föhre und Kiefer noch zahllose weitere Bäume mit harten, weichen, breiten und dünnen Nadeln gibt.

Für den 2.500 Meter langen Themenpfad „Europa und Vorderasien“ wird man etwa 50 Minuten brauchen. Du kommst amPopuletum vorbei, einer Sammlung der wichtigsten Pappelsorten  oder am „Rosaceum“, mit Rosengewächsen.

Der Weltwald wirkt wie ein Park. Allen, helle Lichtungen und Wasserflächen durchziehen das Gelände. Informationspavillions setzen Informationsschwerpunkte. Reizvoll, besonders auch wegen seiner schönen Lage, ist der 500 Meter lange Informationsweg durch den asiatischen Bereich.

Kunst und Natur im Kranzberger Forst

Im Rahmen der „Freisinger Skulpturentage“ werden von Zeit zu Zeit in Kooperation mit Meisterschule für das Holzbildhauerhandwerk der Landeshauptstadt München vor Ort hölzerne Installationen erstellt. 

Wir haben längst nicht alles gesehen, denn in seiner Vielfalt ist der Weltwald wirklich riesig. Doch es hat Spaß gemacht, denn das Landesarbeetuum bietet viel zu entdecken und ist wegen seiner Nähe zu Freising ein toller Abstecher. Wie lange du dir Zeit nehmen willst, liegt bei dir. Der Wald hat eh immer auf.

Übrigens, mit der Buslinie 619 kommt man von der S-Bahnhalltestellen Freising oder Petershausen auch öffentlich in den Weltwald. Aussteigen müsst ihr an der Haltestelle „Ampertshausen“.

Weltwald Orientierungshilfe

mapweltwald

Übersicht des Weltwaldes bei Freising

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