Rundwanderung vom Hofstätter See übers Burger Moos zum Inn bei Rosenheim

(Wanderoptionen, 6, 12,5, 15,6 Kilometer) Als Wasser- und Flusswanderer mit Leidenschaft war ich schon lange auf der Suche nach einer weiteren schönen Inn-Tour zwischen Rosenheim und Wasserburg. Es hat etwas gedauert, bis ich im Google-Maps-Tiefflug nicht nur einen interessanten Abschnitt zwischen Leonhardspfunzen und Zaisering gefunden habe, sondern auch noch den beschaulichen Hofstätter See mit Strandbad. Und das Beste: Beides gibt’s in einer Wanderung im Kombipack und nebenbei richtig viel zu sehen!

Das erwartet euch auf der Wanderung zum Inn und zurück

  • Start der Wanderung am nostalgischen Strandbad vom Hofstätter See, weiter entlang dem Lehrpfad des Burger Moos mit Aussichtsturm und Bohlenweg. An der Leonhardsquelle seid ihr auf Römerland nahe Pons Aeni, wo einst die Römerstraße den Inn querte. Hier könnt ihr Heilwasser abfüllen, das in einen umgedrehten römischen Altarstein plätschert. Ihr seht den mächtigen Inn und in seinen Auen jede Menge Biberburgen. Vielleicht seht ihr sogar eines der scheuen Tiere. Beim höher gelegenen Zaisering gibt’s einen tollen Blick bis zum Irschenberg und in die Berge. Am Ende der Tour lockt im Sommer eine Abkühlung mit Brotzeit am Hofstätter See.
  • Einkehrmöglichkeit – außerhalb von Corona – im Baodwirt. Ob es den Wirt in Zaisering noch gibt, weiß ich nicht, da Infos fehlen.
  • Jede Menge Wanderoptionen: Wir haben für euch verschiedene Wandervarianten ausgekundschaftet, die unterschiedliche Draußen-Bedürfnisse bedienen:
    • Tour 1 -12,5 Kilometer für Trailhiker welcher eine Wasserschutzzone meiden muss ~ 3,15 h Gehzeit / und die alternative Umgehung
    • Die ganz lange Tour 2 – 15,6 Kilometer, für jeden, der wirklich alles sehen will – ~ 4,15 h Gehzeit
    • Oder die kurze Tour 3  6 Kilometer nur um den Hofstätter See ~ 1,5h Gehzeit (eingeschränkt empfehlenswert wegen etwas viel Asphalt)
    • Alle Wanderoptionen sind als Karten am Ende des Beitrags noch einmal aufgelistet.
  • Die Wege sind allesamt prima gangbar. Allenfalls die Tour 1a setzt etwas Balancevermögen voraus, oder etwas schmutzige Schuhe. Je nach Länge der Tour ist Ausdauer mitzubringen. Wo vermeidbar, haben wir Teerstraßen umgangen. Im Ortsbereich von Aign ist es auf 200 Meter notwendig, am Seitenbereich der stark befahrenen Staatstraße zu gehen. Auf den anderen Wegen ist uns kaum jemand begegnet.

Das nostalgische Strandbad am Hofstätter See. Schade, zum Schwimmen war es noch zu frisch.

So kommt ihr mit dem Auto und dem Bus zum Hofstätter See

  • Anfahrt mit dem Auto: Von München-Ramersdorf bis zum Hofstätter See sind es knapp 74 Kilometer, für die man ca. 50 Minuten Fahrzeit rechnen muss. Auf der A8 bis Rosenheim (Ausfahrt 102). Weiter auf B15 (Schilder nach Bad Endorf/Stephanskirchen/Rosenheim). Vor der Stadt Rosenheim am Real Markt rechts auf die Miesbacher Straße abbiegen und auf der St2095 den Inn überqueren. Am Ende in Gehring rechts auf die Salzburger und später in die Vogtareuther Straße eingebogen. Nach 2,8 Kilometer rechts abbiegen, Beschilderung zum Hofstätter See folgen. Parken könnt ihr am Strandparkplatz. (Google Link)
  • Anfahrt mit dem Bus: Zum Hofstätter See gibt es keine öffentliche Anbindung. Zumindest liegt eine Bushaltestelle auf dem Weg. Mit dem Zug bis zum Bahnhof Rosenheim in etwa 45 Minuten, von hier Bus der RoVG Linie 9415 bis Haidbichl – Prutting in 15 Minuten.

Losgewandert: Vom Hofstätter See nach Pons Aeni

Der Parkplatz liegt nur einen Katzensprung vom kleinen Strandbad mit Kiosk und kleiner Liegewiese entfernt. Mit 0,85 Hektar ist er nicht sonderlich groß, wird dafür aber im Sommer wegen der vielen Torfpartikel im Wasser schnell warm. Sein Wasser erhält der Hofstätter See durch viele kleine Quellen.

  • Der Moorlehrpfad Burger Moos beginnt westlich des Hauses und führt entlang des Ufers nach Westen. 14 Info-Tafeln sind insgesamt entlang dem Weg zu entdecken und ein kleiner Aussichtsturm, der nach 500 Meter, dem Moor hingewandt, auftaucht. Wir entdecken einen Reiher und genießen ein tolles Vogelkonzert. Es heißt, dass Teile des Moores seit 10 000 Jahren fast unberührt sind.
  • Den Bohlenweg haben wir einen Kilometer nach dem Start erreicht. Er quert das Moor und erspart nasse Füße, denn die Bäume stehen wie im Mangrovenwald im Wasser. In der Mitte des Knüppeldamms ein toller Picknickplatz. Den Weg geht aber nur weiter, der die Tour 1a umgehen möchte, weil ein Bachlauf zu queren ist.

Tour 1a: „Trailhiker“ direkt und abenteuerlich

  • Tipp: Den zu querenden Bachlauf könnt ihr euch auf jeden Fall mal ansehen. Vor dem Bohlenweg den Fußpfad links abbiegen und nach etwa 100 m entscheiden. Die Brücke wurde durch quergelegte Baumstämme ersetzt. Beurteilt selbst ihre Stabilität. Alternativ liegen im Wassergraben auch einige Steighilfen. Die habe ich gewählt. Der weitere „Weg“ ist zwar „offiziell“ scheint wie die Brücke aber nicht mehr gepflegt. Der Pfad führt immer nahe dem Moos zu zwei weiteren Infotafeln. Im Zweifel sich rechts halten. Wir haben den Weg verlängert, bis wir nach insgesamt einen Kilometer den Waldrand und die Straße erreicht haben. Den nächsten Weg gleich wieder rechts gehen. Er führt auf den kleinen Ort Haidbichl zu, quert unterdessen nach 200 Meter die Staatsstraße. An der nächsten Weggabelung (160 Meter) treffen wir auf die Tour 1b, welche den Wassergraben umgangen haben. Uns hat dieser Abschnitt recht gut gefallen, der euch außerdem einige Teermeter erspart.

Tour 1b: „Wassergrabenumgehung“ sauber und asphaltiert

  • Wir folgen dem Bohlenweg über das Moor. Auf der anderen Seite steigen wir den Hang zur Straße hoch. Wir queren die Straße und wandern 120 Meter auf dem nahen Wiesenweg in östlicher Richtung bis zum alleinstehenden Haus rechts der Ortsdurchfahrt von Niedernburg. Hier wird die Straße gekreuzt und der Niedernburgerstraße in südlicher Richtung nach Obernburg gegangen. In 400 Metern an der Gabelung der Obernburgerstraße nach Haidbichl gefolgt.

Durch den Doblergraben nach Bad Leonhardspfunzen wandern

  • Wieder vereint in Haidbichl: An der Kreuzung Obernburgerstraße folgen wir zunächst der Haidbichler-Straße 262 Meter nach Osten bis zur Ampel. Das seltsame Relikt soll sicherstellen, dass die LKWs von der Leohnhardsquelle sich nicht im engen und abschüssigen Doblergraben ins Gehege kommen. Viel Verkehr ist hier nicht, da Privatstraße. Am Ende des Doblergrabens, kurz vor der scharfen Linkskurve am Haus befand sich ein römisches Gräberfeld.
  • Das Sträßchen führt uns einem Kilometer bis Bad Leonhardpfunzen. Nach der Kurve am Haus führt ein Fußpfad rechts entlang der Straße nach Süden. Erst kurz vor den Betriebsgebäuden der Leonhardsquelle stößt er wieder auf Teer. Die Leonhardskapelle nebst Brunnen zum Selberzapfen des gesunden Wassers findet ihr gleich danach. Nur noch ein Stückchen weiter befindet sich das Wirtshaus Boardwirt.

Bad Leonhardspfunzen

Schön klingt die Geschichte, dass schon die Römer die heilsame Quelle hier kannten und schätzten. Der Erzählung nach wurde die St. Leonhardsquelle im Jahre 1734 durch göttliche Fügung wiederentdeckt und die Kapelle ein Wallfahrtsziel. Bis 1920 gab es hier auch einen kleinen Badebetrieb. Seither wurden auf demselben Quellgebiet drei weitere Tiefenquellen erschlossen.

Wasser in Flaschen

St. Leonhards ist heute Marktführer für Mineral- und Quellwasser im Esotherik- und Naturkosthandel*. Am Vollmond wird „Mondwasser“ abgefüllt. Die „Sonnenquelle“ weist besonders viele Frequenzen im Bereich des Herzens auf.  Leider kann ich damit nichts anfangen. Dass in Öko-Test, Ausgabe 06/2020 das „Medium-Wasser“ mit „sehr gut“ ausgezeichnet wurde, klingt glaubwürdiger. *Wikipedia

Waldgasthof Pension „Zum Baodwirt“

Traditionelle bayerische Gaststätte mit Pension und schöner Terrasse gleich neben der St. Leonhardskapelle. Das Gasthaus liegt wunderschön am Inn Nebenkanal unter ein paar Bäumen. Die Speisekarte bietet sowohl für Fleisch- Fisch und Vegetarier ausreichend Abwechslung. Faire Preise.

Römersiedlung Pons Aeni/Ad Enum

Der Inn war einst die Grenze der römischen Provinzen Raetia im Westen und Noricum im Osten. Die römische Innbrücke, die sich etwa bei Bad Leonhardspfunzen befand, war Teil der Fernstraße von Salzburg nach Augsburg und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Pons Aeni  heißt „Brücke des Inn“ mit Siedlungen zu beiden Seiten des Flusses. Bei Grabungen wurden am Ostufer neben einem Römischen Kastel oberhalb des Innufers ein Straßendorf Ad Enum nachgewiesen. Der Standort der Brücke wurde hier wohl gewählt, da der Fluss hier seichter, wegen Sandinseln verästelter war.

Bei Ausgrabungen in den 70er Jahren wurde ein Mithrasheiligtum ausgegraben. Gott Mithras ist persischen Ursprungs, dessen Glaube von Soldaten, Händlern, Reisenden, Beamten und Sklaven bis nach Bayern gebracht wurde. Auch wurden Töpferöfen gefunden. Vermutlich gab es auch einen Hafen, auf dem das Geschirr flussabwärts und über die Donau in die Provinzen im Osten transportiert wurden.

Römisches Gräberfeld: Von 1936 bis 1950 wurden am Doblergraben und südlich der Römersiedlung bei Ausgrabungen 100 Urnen und Körpergräber freigelegt. Lt. dem römischen Bestattungsritus befanden sich die Friedhöfe immer außerhalb von Ortschaften und entlang der Straße. In der neuen Ausstellung im Heimatmuseum Rosenheim kann man sich übrigens viele der geborgenen Grabbeigaben  ansehen, darunter z.B. Urnen, Bilderschüsseln, Flaschen oder Gläser.

Infotafeln zu den Römern am Inn findet ihr am Parkplatz südlich des Gasthauses.

Zum Inn und am Inn flussabwärts gewandert

  • Etwa 125 Meter südlich von Leonhardspfunzen biegen wir von der Zufahrtsstraße nach dem Rannergraben rechts ab. Nach der Schleuse folgt der Inn-Damm. Von hier führt ein Abstecher durch den Auwald zum Fluss. Groß ist er und breit. Erstaunlich naturbelassen fließt er nach Norden. Umgestürzte Bäume, die Biber haben ihre Spuren hinterlassen. Zurück zum Damm.
  • Obwohl der Inn nahe ist, können wir ihn nicht immer sehen. Altwasser links des Weges. Nach 1,5 Kilometern erreichen wir den Weiler Mühlthal, östlich des Kanals. Im Frühjahr saugen wir jeden Sonnenstrahl auf. Im Sommer sollte hier der Schatten fehlen. Kopfbedeckung nicht vergessen!
    Zunehmend rückt der Weg näher an den Inn. Weitere 1,8 Kilometer wandern wir auf Tuchfühlung mit dem Fluss. Den gepflasterten Hangweg nutzen wir ansteigend für den Rückweg.

Biber in den Innauen

Der Europäische Biber (Castor fiber) ist das größte Nagetier Europas. In den Innauen bei Rosenheim ist der Biber allgegenwärtig. Im Wasserlauf fallen „Burgen“ aus aufgeschichteten Hölzern auf. Vom Nebenarm und Altwasser führen zahlreiche Wege, teils über den Damm und von dort in den unmittelbaren Aubereich des Inns. Zahlreiche angenagte Bäume zeigen das Werk aktiver Biber. Sie sind Vegetarier, die Rinde fressen oder krautige oder verholzte Pflanzen. Biber sind in der Dämmerung oder nachts aktiv. Am Tag schlafen sie in ihren Bauen.

Gefahr durch Übervermehrung?

Eine „Übervermehrung“ von Bibern ist aber auch biologisch nicht möglich. Ausgewachsene Tiere haben hierzulande zwar kaum mehr natürliche Feinde, aber dank eines rigiden Reviersystems wird es nie zu viele Biber in einer Region geben. Übrigens Biber verursachen in Bayern pro Jahr in etwa so große Schäden wie Rehe im Straßenverkehr an zwei bis drei Tagen. Quelle: Bund Naturschutz

Der Biber unterliegt in Deutschland dem Naturschutzrecht und zählt in Europa zu den streng geschützten Arten. Das heißt, dass es verboten ist, ihm nachzustellen, ihn zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Die Anzahl der Biber wurde  im Landkreis Rosenheim 2017 auf 700 bis 750 geschätzt. Neuere Zahlen habe ich nicht gefunden.

Über Zaisering zurück zum Hofstätter See wandern

  • An der Hangkante angekommen, zeigt uns der spitze Kirchturm von Zaisering die Richtung. Wir folgen der Hangkante 500 Meter zwischen Bäumen und Feld nach Süden. Anschließend 300 Meter links Richtung Osten gewandert, bringt uns der Weg bis kurz vor die Ortseinfahrt von Zaisering. Den Ort süd-östlich durchquert: Erst geradeaus an der Kirche vorbei, dann die nächste Straße (Vogtareuther-Str.) links an der Wirtschaft herum nach Osten gehen. Etwa 50 Meter nach dem letzten Haus erst den Feldweg 350 Meter nach Süden folgen, dann an der Teerstraße erneut links abbiegen und 150 Meter bis zum Feldweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite wandern. Jetzt nach Süden gehen.
  • Scheinbar unmerklich haben wir an Höhe gewonnen. Der Feldweg führt an der St. Joseph Kapelle vorbei, von der wir einen weiten Blick nach Westen über das Rosenheimer Land haben. 200 Meer weiter an der Baumgruppe nach Osten wenden und bis zur Staatsstraße gehen. Dieser 200 Meter am ehemaligen Gasthof nach Süden gehen. Vorsicht, stärker befahren! Nach dem letzten Haus auf der linken Seite, den Wiesenweg Richtung Südosten gehen. Im nahen Wäldchen treffen wir wieder auf den Seerundweg, der uns rechts über den Bohlenweg und den Moorlehrpfad zum Ausgangspunkt zurückbringt.

Verlängerung der Wanderung rund um den Hofstätter See?

Wer noch Kraft in den Beinen hat, kann die Runde um den Hofstätter See verlängern. Erst schöner Blick übers Moor. Dann verläuft der Weg in Seenähe, und erst ab dem Badeplatz im Osten unmittelbar für wenige 100 Meter an einem tollen Uferpfad. Die letzten 2 Kilometer zurück bis zum Strandbad sind auf geteertem Untergrund zu laufen. Ganz uneingeschränkt können wir die Verlängerung daher nicht empfehlen.

So geht’s um den Hofstätter See weiter

  • Wir folgen der geschotterten Straße 600 Meter nach Osten. Vorbei an den Häusern und etwas von oberhalb haben wir einen tollen Blick auf das Moor. Am Wald und nach dem Wildgehege geht’s gleich auf dem Forstweg an der nächsten Gabelung rechts nach Süden und im Bogen knapp einen halben Kilometer nach Osten. Nahe kommen wir dem See allerdings erst mal nicht. Ein kurzes Stück nach einer scharfen Kurve geht’s rechts auf einem Fußweg parallel und näher zum Seeufer weiter. Einen schönen Blick auf den Hofstätter See können wir in 700 Metern am Badeplatz mit dem malerischen Bootshaus genießen.
  • Verpasst nicht den Pfad, der nach dem Bootshaus unmittelbar dem Wasser folgt. Ist das Kunst oder kann das weg? Eine Schaufensterfigur in einem Bogen aus verrostetem Eisen irritiert uns auf Privatgrund. Einen Schmunzler ist es uns wert. Viel zu schnell erreichen wir ein Straßerl, die schnell zu Asphalt wechselt. Das Seeende ist erreicht. Wo sie nach 300 Metern auf eine Verbindungsstraße trifft, bleiben wir rechts auf dem Fußgängerweg nach Süden.
  • An der nächsten Gabelung rechts abbiegen und dem Bürgersteig entlang der Teerstraße zurück nach Westen wandern (Schild Strandbad). Der abwechslungsarme Hatscher will uns nicht recht gefallen. Eine Seeumrundung verspricht etwas mehr. Warum der Fußgängerweg in 1000 Meter plötzlich endet und die letzten 350 Meter zum Startpunkt auf der Straße führt, war wohl eine Budgetfrage.

Wäre jetzt nicht Corona und es auch schon etwas wärmer, würden wir jetzt den Tag im Strandbad ausklingen lassen. Das hat was!

Wanderkarte Hofstätter See/Inn

 

 

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