Oberbayern ganz anders: Wandern in der Mallertshofener Heide

(Wanderoptionen von 4,5 bis 8,5 Kilometer) Eigentlich liegt die Mallertshofener Heide eher bei Garching, als bei München, oder bei Unterschleißheim, vielleicht auch Eching, aber das ist Ansichtssache. Das Besondere: der Münchner Norden zeigt sich hier im stärksten Kontrast zu seinem Süden. Wer hier unterwegs ist, glaubt im Deutschlands Norden unterwegs zu sein. Wir waren erst neulich nach unserem Englandurlaub wieder hier, um unsere Eingewöhnung weich und lichtdurchflutet zu halten. Kiefernwälder, Heidewiesen, auf denen Schafe weiden und offene Kiesflächen verleihen der Mallertshofener Heide einen Charakter, den ich zumindest in Oberbayern nirgendwo sonst gesehen habe. Die Fläche zählt sogar zu den größten, zusammenhängenden Grasheiden Mitteleuropas und ist zudem auch noch ganz schön geschichtsträchtig.

Das Geheimnis der Mallertshofener Heide

Warum auch viele gestandene Lokalisten mit dem Namen “Mallertshofener Heide” nichts anzufangen wissen, mag daran liegen, dass ein größerer Teil der heutigen Fläche bis 2008 Truppenübungsplatz der Bundeswehr und Panzerübungsgelände war. Ich habe auch erst später von Manja meiner Kollegin den Tipp bekommen, die mit ihrem Flat Coated Retriever hier ihre Runden dreht. Hundebesitzer haben diesen Ort gefühlt als Erstes entdeckt, da im Baggersee der Hund auch mal ins Wasser springen kann (wie angemerkt: Badeverbot für Mensch und Tier).

Wer durch die Mallertshofener Heide wandelt, wird kein Problem haben, schöne Wege zu finden. Welche Runde sich anbietet, liegt vielmehr daran, ob man mit der U-Bahn kommt (öffentlich mit der U-Bahn bis Garching-Hochbrück ) oder mit dem Auto. Unsere, hier beschriebene Runde ist eher kürzer, aber auch der Heidepfad Münchner Norden ist schön gelegen und auch noch informativ.

Losgewandert am Parkplatz an der ST2053 / 48.271550, 11.600644

Wir stellen unser Auto am Parkplatz an der St2053 (Verlängerung der Kreuzstraße von Unterschleißheim) ab. An schönen Sommertagen wird hier allerdings der Platz eng, da es gleich um die Ecke einen See gibt, in dem (unerlaubterweise) gebadet wird. Einen guten Überblick über das Areal, seine Wege und den Lehrpfad findet man gleich am Start auf einer Infotafel des Heideflächenvereins. Von hier gehen wir zunächst den kerzengeraden Weg nach Süden. Rechts und links von uns spitzen bald parkähnliche Wiesen durch das Gebüsch mit teils wunderschönen einzeln stehenden Bäumen.

Das verschwundene Gemeinwesen Mallertshofen

Die ersten urkundlichen Erwähnungen von München (1158) und Mallertshofen (1165) liegen nur sieben Jahre auseinander. Es waren bajuwarische Sippen, die sich hier angesiedelt hatten und wirtschafteten.  Schon früh wurde die kleine Kirche gebaut, welche heute als letztes Zeugnis des Gemeinwesens unscheinbar durch die nahen Bäumen lugt. Die Zeit war hart und die ökonomischen Bedingungen nicht so günstig wie die von München, welche Dank der Isar schnell an Bedeutung gewann.

Es waren hier nie mehr als einige Höfe, die aus einfachen Materialien gebaut hier einst standen. Ein schweres Leben. Plünderungen und die Pest im dreißigjährigen Krieg, Anfang des 18.Jahrhunderts Einquartierungen durch die Franzosen, Zwangsabgaben. Von der zusätzlichen großen Trockenheit hat sich der Ort nie wieder erholt. Zunehmender Bevölkerungsschwund, der Ort verfällt, die Höfe werden abgerissen. 1879 verschwand bis auf die Kirche das letzte Wirtschaftsgebäude.

Nach 450 Meter treffen wir auf eine Kreuzung mit Infotafel. Wenige Meter westlich davon, das Kirchlein St. Martin, das wir uns von nahem ansehen wollen. Mit seinem neuzeitlichen wirkenden Kirchturm sieht man ihr das Alter kaum an. Obwohl viel jünger, versprühen die schmiedeeisernen Grabkreuze auf dem ehemaligen Friedhof morbiden Charme.

Der geschotterten Straße vor dem Gebäude folgen wir etwa 120 Meter nach Westen, bis ein Fußpfad links, also nach Süden abzweigt. Die Gebüsche lichten sich rasch und der Mallertshofener See liegt leicht unterhalb vor uns. Die Kiesgrube aus den 70er Jahre ist mit türkisem Wasser gefüllt. Im hohen Gras rechts und links des Pfades sieht man im Sommer einige Anhänger der Freikörperkultur, die hier sichtgeschützte Ecken finden. Eigentlich sollte der See zum Naherholungsgebiet ausgebaut werden, da die Grube jedoch mit dubiosen Material verfüllt wurde, deren Beseitigung teuer käme, hat man hier scheinbar einen Toleranzbereich, in dem Mensch und Hund geduldet werden. Gott sei Dank.

Wir schlendern links am Ufer entlang. Südöstlich befindet sich eine Treppe, die uns durch das Gebüsch aufwärts bringt. Oben: Weite. Ganz weit östlich sieht man klein die Gebäude des Garchinger Business Campus.

Auf der nahen Grasheide finden sich neben einheimischen Heide- und Wiesenpflanzen auch alpine Arten (z.B. Enzian) und welche aus dem Schwarzmeergebiet und Mittelmeeraum (z.B. Grasliliee). Die Grasheiden und lichten Kiefernwälder sind seit jeher durch Beweidung geprägt. Die Flächen rund ums Mallertshofer Holz werden lt. Information vom Heideflächenverein von vier Schäferbetrieben beweidet. Zusammen werden 2400 Schafe Ende April/Anfang Mai auf die Weide getrieben und bleiben dort bis teils bis Oktober. Die Schafe sind wichtige Helfer für den Naturschutz. Durch den Verbiss aufkommender Jungbäume hält dies die Heidelandschaft offen.

Um an den Waldrand zu kommen, gehen wir zunächst wieder ein Stück zurück nach Norden, dann folgen wir dem Fußweg etwa 610 Meter nach Osten. Zuerst am Waldrand, dann weiter über die Wiese, die als Schafpferch genutzt wird.  An der offensichtlichen Weggabelung halten wir uns 600 Meter zurück nach Norden. Wir kreuzen ein kleines Kiefernwäldchen bis wir wieder auf den Kiesweg kommen, der am Weiler Mallertshofen westlich vorbeiführt. Noch haben wir keine Lust zum Parkplatz zurückzukehren. Wer hier abkürzt, verpasst den schönen Spaziergang durch den Kiefernwald.

Auf der anderen Seite des Weges geht ein Fußpfad weiter in den Kiefernwald. Die Waldkiefer kann sich auf den trockenen Heideböden durch ihre Pfahlwurzeln gut behaupten. Der Weg führt in einer leichten Linkskurve einen halben Kilometer durch das freundliche Gehölz, bis wir auf einen Wald- und Radweg kommen, den wir links zurück zur Mallertshofener Wüstung folgen. Zurück zum Auto solltet ihr finden.

Häufig haben wir aber Hundekot Tüten gesehen, kunstvoll ins Geäst gehängt.

Liebe Hundebesitzer, ich weiß ihr wolltet den Kack eures Lieblings beim Rückweg wieder mitnehmen. Wenn ihr aber ein Hirn wie ein Sieb habt, dann legt euch ein Steinchen in euren Schuh oder markiert die Stelle auf eurem Handy. Nehmt zur Wiedergutmachung und Verbesserung eures Karmas zwei vergessene Kackdekotüten mit nach Hause. 🙂

Solltet ihr die Mallertshofener Heide noch nicht kennen, wird es Zeit.

Kurze Mallertshofener Runde

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Kurze Mallersdorfer Runde 4,9 Km

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Parkplatz: 48.271369, 11.600962
Wüstung Mallertshofen / St. Martin: 48.267312, 11.601820
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Heidepfad Münchner Norden

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Mallertshofer Runde ab U-Bahn Garching

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U-Bahn Garching Hochbrück: 48.247400, 11.631100
Wüstung Mallertshofen / St. Martin: 48.267312, 11.601820
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