Perlacher Forst: Zum Aussichtsberg Perlacher Mugl spazieren

(Spaziergänge zwischen 5,8 und 7,4 Km) Nicht viele Metropolen haben kilometerlangen Wald direkt vor ihrer Stadtgrenze. München ist damit wahrlich ordentlich gesegnet. Gleich hinter Harlaching/Obergiesing beginnt östlich der Isar der Forst, welcher mit wenigen Unterbrechungen bis weit hinter Grünwald reicht. Der Wald ist von quadratischen Wegen durchzogen, die sich wie Rauten über den Forst legen. Ein Meer an Gleichförmigkeit? Wenn man nach den Wegen urteilt irgendwie schon. Im Wald verstecken sich jedoch interessante Ziele, die es lohnt anzuspazieren: der Perlacher Mugl, ein Aussichtsberg, der bis über die Wipfel der Bäume ragt, von dem man bei klarem Wetter fast die halben Bayerischen Alpen sieht und teils versteckte Biotope.

Außerdem gibt’s hier keine Autos, gute Luft und die hervorragende Gelegenheit, den Orientierungssinn zu schärfen. Nirgendwo sonst kann man sich so wunderbar verlaufen wie hier. Da sich die meisten Wege nicht parallel zur Autobahn im Westen orientieren, sondern davon schräg verlaufen, ist das Handy mit GPS-Ortung „lebenswichtig“.

Anfahrt zum Perlacher Forst mit dem MVV oder dem Auto

Der Perlacher Forst ist durch seine zentrale Lage im Süden von München insgesamt recht gut erreichbar. Auch wenn wir unsere Tour von Unterhaching aus gestartet haben – der Parkplatz ist direkt neben der Autobahn – kann man sich dem Perlacher Mugl von unterschiedlichen Seiten nähern.  Ob mit dem Auto oder dem MVV, es gibt mehr als jene Vorschläge, die wir mit diesem Beitrag vorstellen wollen. Am Ende des Beitrags haben wir für euch unterschiedliche Wege zusammengestellt.

Mit dem MVV:

  • Einmal quer durch den Perlacher Forst, 7,2 Kilometer, Von der S-Bahn-Haltestelle Fasanenpark (S3 Richtung Holzkirchen) nach Geiselgasteig. Rückfahrt mit Tram 25 ab Bavaria Filmplatz (nicht im Detail beschrieben)
  • In den Perlacher Forst-Osttour, 7,5 Kilometer, Von der S-Bahn-Haltestelle Fasanenpark in den nahe gelegenen Forst und nach einem Bogen zurück ins Ortszentrum- und S-Bahnhaltestelle Unterhaching (nicht im Detail beschrieben)

Mit dem Auto:

  • Rundtour durch den Perlacher Forst: 5,8 Kilometer + 7,1 Kilometer, sehr gute Erreichbarkeit des Perlacher Mugls ab dem Parkplatz an der Autobahnausfahrt Taufkirchen West (beschrieben).

Auf dem Harthauser Geräumt zum Waldweiher-Biotop

Die Forstverwaltung hat an jedem Parkplatz eine Tafel mit dem Wegenetz im Perlacher Forst aufgestellt. Ein oder zwei Blicke werfen wir darauf zur Orientierung. Sofern ihr nicht den GPX-Track auf euer Smartphone herunter geladen oder kein Datenvolumen mehr habt, (zur Beschreibung „papierlos wandern“) könnt ihr hier ein Foto des Planes machen.

Gleich an der nächsten Möglichkeit biegen wir rechts in einen Fußweg ab, der nordwestlich abbiegt und nach 130 m auf das Harthauser Geräumt zu stoßen. Die schnurgeraden Wege durch den Perlacher Forst werden im Forstwesen als „Geräumt“ bezeichnet, was bedeutet, dass sie einst von Wurzeln und Holz befreit wurden. Nach jeweilst 400 Metern kreuzen wir das „Diensthütten-“ und Brunnen- Geräumt.

Ehemalige Kiesgrube wird zum Biotop

180 Meter nach dem nächsten Wörnbrunner Geräumt (also insgesamt 1,38 Kilometern) biegen wir rechts in den Waldweg ein, der uns nach einer sanften S-Kurve zur Freifläche mit den Tümpeln bringt.  Hier lassen sich Frösche, Kröten und mit etwas Glück auch Ringelnattern beobachten.

Wald und Perlacher Forst im Wandel

Wer glaubt, dass der Perlacher Forst bis auf die Forstwege schon immer so ausgesehen hat der irrt. Der Wald hat eine Transformation vom Mischwald mit viel Buchenbestand zur Fichtenmonokultur durchgemacht, die erst erst langsam wieder rückgepflanzt wird.

Der Wald einst als wichtigster Rohstofflieferant

Holz war für viele hundert Jahre der wichtigste Lieferant für Energie und Baumaterial. Außerdem entstanden zahlreiche Rodungsinseln, um Siedlungsraum zu schaffen. Die Folge war eine enorme Reduktion des Baumbestandes, so dass Herzog Albrecht 1568 eine bis 1800 gültige Forstordnung zum Schutz des Waldes erließ. Den siedlungsnahen Wald dieser Zeit darf man sich zu dieser Zeit als lichten Laubbaumbestand mit vielen Grasplätzen und Gruppen von „Mastbäumen“ (Eichen und Buchen) vorstellen, die den Weidetieren und Wild reichlich Nahrung boten. Die 16er Wiese im Norden des Perlacher Forstes ist ein letztes Überbleibsel aus dieser Zeit. Die weitere Abhängigkeit von Holz und die Nutzung des Waldes als Weidefläche ließ jedoch erkennen, dass eine weitere Ausbeutung des Forstes auch eine Energiekrise zu Folge haben wird.

Raubbau am Wald macht Neubewirtschaftung notwendig

1752 wurde daher die Bayerische Forstverwaltung mit dem Ziel der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder gegründet. Im Zuge dessen wurde die Verflechtung von Landwirtschaft und Wald aufgelöst, der Forst kartografiert und mit schnellwachsenden Fichten aufgeforstet. Die Einteilung des Waldes in Karrees stammt aus dieser Zeit.  Eine weitere Entlastung sorgte, dass mit der Industrialisierung Stein- und Braunkohle als Energielieferant genutzt wurde und die Chemie mit synthetischen Erzeugnissen Naturprodukte wie Harz oder Pottasche abgelöst hat.

Den (Perlacher)-Forst für die nächsten Generationen schützen

Da Waldpflege wie ein Generationenvertrag funktioniert, müssen die Förster von heute sich um den Wald von Morgen kümmern. Lernen aus den Fehlern der Monokultur und die prognostizierten Folgen des Klimawandels müssen bei der Bewirtschaftung und Neuaufforstung des Waldes von Morgen berücksichtigt werden.

Im Herzen des Perlacher Forstes: Der Perlacher Mugl

Der Perlacher Mugl befindet sich nicht weit entfernt. Wir verlassen das Biotop am Ausgang, den wir in südöstlicher Richtung finden. Er bringt uns auf das Wörnbrunner-Geräumt, dem wir links, in nordöstlicher Richtung folgen. Nach 190 Meter stoßen wir auf das Isar-Geräumt. Links abgebogen, bringt es uns nach 400 Metern zur Hirschbrunftwiese beim Perlacher Mugl.

Aussichtsberg Perlacher Mugl

Fast genau im Herzen des Perlacher Forstes erhebt sich seit den 70er Jahren der Perlacher Mugl, der sich mit seinen 26 Metern etwas über die Wipfel des ausgedehnten Waldgebietes erhebt. Auf seiner südlichen Spitze befindet sich ein Pavillion mit Infotafeln und überdachten Bänken. Der Ausblick von hier ist prima, besonders am späteren Nachmittag, wenn sich die Berge bei klarem Wetter besonders gut vom Himmel abheben. Eine Panoramakarte gibt euch eine kleine Gipfelkunde und Ideen, welcher der Berge euer nächstes Ziel sein könnte.

Verschwunden #1: Haus des Wildwärters und ein königliches Jagdschlösschen

Bis 1944 befand sich auf der Hirschbrunftwiese das Haus des königlichen Wildwärters, nahe des „Roten Hauses“, einem hölzernen Jagdlusthaus der Wittelsbacher, das nach seinem Farbanstrich benannt wurde. Der höfischen Jagdgesellschaft, die im Perlacher Forst feudales Jagdvergnügen genossen, diente es zur Verpflegung und vielleicht auch zur Übernachtung. Auch im Forstenrieder Park gab es ein Jagdschlösschen, welches „gelbes Haus“ genannt wurde.

Verschwunden #2: Flakstellung und Bunkeranlage aus dem zweiten Weltkrieg

Ab 1940 wurden von den Alliierten Bombenangriffe auf München geflogen, die sich bis zum Ende des Krieges steigerten. Zum Schutze von München entstanden rund um die Stadt Flakstellungen, welche die Bomberverbände, die meist von Süden her angriffen, attackierten. Eine dieser mit Beton befestigten Stellungen befand sich genau unter dem Perlacher Mugl. Am Ende des Krieges war es leichter mit dem Aushub des „McGraw-Grabens“ die Kriegsbauten zu verdecken, als sie abzureißen.

Zum Hirschbrunnen, oder nicht?

#1 Zurück zum Parkplatz: Vom Pavillion des Perlacher Mugls folgen wird dem Kammweg zum nördlichen Gipfel und von dort den südöstlichen Fusspfad nach unten. Zum Parkplatz geht es über das Mitter Geräumt am nördlichen Ende der Hirschbrunftwiese nach Südosten (rechts), bis wir zum nach 740 Metern das Utzscheider Geräumt erreichen (Überquerung Wörnbrunner Gräumt). Nach etwas mehr als 1 Km stoßen wir auf das Harthauser geräumt, auf dem wir bereits zum Kiesgrubenbiotop gegangen sind. Diesmal links abbiegen und auf dem gleichen Weg in der Gegenrichtung zurück folgen.

#2 Weiter zum Hirschbrunnen: 

Am Ende der Hirschbrunftwiese auf dem Jägersteig Geräumt nach 400 Meter bis zum Winkel-Geräumt nach Nordosten folgen. Hier 30 Meter rechts gehen und links den Fußpfad gehen. Wir erreichen die Hirschbrunnen-Wiese nach 420 Metern.

Der Name Hirschbrunnen erinnert an dem 1914 hier letzten „waidgerecht erlegten Hirschen“. Heute ist es ein schön angelegtes Biotop mit insgesamt zwei Teichen für heimische Amphibien, darunter Molche, verschiedene Frösche und Kröten. Viele Kaulquappen im Frühling, tolles Quakkonzert im Sommer! Eine kleine Wiese oder Bänke unter großen Bäumen laden zu einem Picknick ein. Der Hirschbrunnen selbst ist ein Holztrog aus dem Jahr 1969, der vom Künstler Konstantin Frick gestaltet wurde. Trink-Wasser!

Zurück zum Parkplatz gelangen wir über das Harlachinger Geräumt. Rechts 230 Meter bis zum Utzscheider rechts wandern. (südöstlich).  Rechts abbiegen (südöstlich) und 2 Km bis zum Harthauser Geräumt gehen (sind wir bereits zum Kiesgrubenbiotop gegangen). Diesmal links abbiegen und auf dem gleichen Weg in der Gegenrichtung zurück folgen.

Kartenübersicht der Waldspaziergänge im Perlacher Forst

Mit dem Auto

Mit dem MVV

 

print