Die Fronleichnam Seeprozession in Seehausen am Staffelsee

Schon lange befahren wir mit dem Kanu – und neuerdings auch mit Schlauchkajaks, den Staffelsee. Von der Seeprozessession zu Fronleichnam hinüber zur Insel Wörth haben wir bereits vor Jahren gehört, es aber stets übersehen, unseren Paddelausflug mit der Seeprozession im wahrsten Sinne zu kreuzen.

Heuer hatte ich mir den Termin gut gemerkt. 10 Tage nach Pfingsten, am Fronleichnamsfest, der im katholischen Bayern ein Feiertag ist, wollten Gitta und ich die Prozession, zumindest zu Wasser begleiten.

Den Beitrag zu unserer kompletten Bootstour findet ihr im Beitrag „Staffelsee Paddeln: Von Uffing, Seehausen zur Insel-Wörth“

 Die Bedeutung des Fronleichnamsfestes

Auch Fest des heiligsten Leibes und Blutes Christi genannt, ist es einer der wichtigsten Feiertage der katholischen Kirche. Es hängt sehr eng mit dem letzten Abendmal zusammen, bei dem man an die Anwesenheit Jesu in Gestalt von Brot (Hostie) und Wein bei jeder Messe erinnert. Das Brot symbolisiert den Leib, der Wein das Blut Jesu Christi.
Fronleichnam hat somit nichts mit dem Tod zu tun, sondern im Gegenteil, mit dem lebendigen Leib des Herren (vron (Herr) und lichnam (Leib) Leib des Herrn)

Die Fronleichnamsprozession steht sinnbildlich für das wandernde Gottesvolk in der Welt mit Christus in seiner Mitte.

Die Stationen und Ordnung der Fronleichnamsprozession

Wer an der ganzen Prozession teilnehmen möchte – nicht so wie wir – muss sich Zeit nehmen. Es beginnt um 8:00 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Kirche St. Michael. Im Anschluss zieht die Prozession hinunter zum Bootsanleger. Unterwegs geschmückte Häuser, Blumenteppiche und der 1. Altar, bei dem aus dem 1. Evangelium vorgelesen wird. Alles hat seine feste Ordnung:

  1. Zuerst kommen die Kinder, Jugendfahnen und die Jugend
  2. Die Vereinsfahnen
  3. Männer
  4. Musikkapelle
  5. Ministranten
  6. Kommunikationskinder
  7. Himmel
  8. Kerzenträger
  9. Gemeinderat, Kichenverwaltung, Pfarrgemeinderat, Kichenchor
  10. Frauenfahne, Frauen in Tracht, Frauen
  11. die übrigen Teilnehmer

High-Tech-Prozession mit Live-Übertragung

Während der „Himmel“ mit Pfarrer und die engen Begleiter auf eine geruderte Fähre steigen, verteilen sich am See die Teilnehmer auf die Ruderboote. Ein weiterer Teil folgt der Prozession mit dem Motorschiff „Seehausen“. Wer kein Boot hat, verfolgt das Spektakel vom Ufer aus.

Mit dabei: der Tontechniker mit dem mobilen Sendemast. Wir waren zuerst irritiert, als wir später von Bord der MS-Seehausen die Stimme des Pfarrers und Lieder vernahmen. Alles wird übertragen, auch ans Ufer, damit sich niemand langweilt oder sagen kann, er man hätte nicht alles mitbekommen. „Laptop und Lederhose“ fühlt sich auf einmal so real an.

Station 2: die kleine Jakobsinsel, mit dem vom Papst Benedikt XVI geweihten Kreuz.

Nicht ganz pünktlich aber doch bei der Seeprozession dabei (etwas)

Da ich bis auf 8:00 Uhr, den Beginn der Festprozession keinerlei zeitliche Anhaltspunkte hatte, musste ich zurückrechnen. Ca. 1 h Festgottesdienst. 20 Minuten Marsch hinunter zum See, Überfahrt zur Insel Wörth, also gegen 9:30 Uhr. Um es abzukürzen: Die Kirchengemeinde war etwa 20 Minuten schneller als prognostiziert. Da wir mit unseren Booten vom Seerestaurant Alpenblick in Uffing starteten, stießen wir auf die Prozession, als der Nachen mit dem Himmel bereits wieder die Fähre verließ und alle Beteiligten über die Insel Wörth bereits sich anschickten, hinauf zur Simmertskapelle zu ziehen.

In einer Bucht weiter haben wir sie schnell eingeholt, wo auch die MS Seehausen angelegt hatte. Wir hören die Blaskapelle, den Chor und das Säuseln der gemeinschaftlichen Gebete. Die Fahnen und der Himmel sind fast zu hoch für manch niedrigen Ast, wo der Weg zur Kapelle ansteigt. Es ist schön anzusehen, wie die Menschen in ihrer Tracht hinauf zum dritten Altar bei der Simmetskapelle ziehen, tief verbunden mit ihrem Glauben, der Landschaft und dem See.

Der letzte Altar findet befindet sich bereits wieder an Festland. Die Fähre mit dem Priester fährt dabei ganz nah ans Ufer, wo viele Teilnehmer auf die Rückkehr der Prozession warten, um gemeinsam wieder zurück zur Kirche zu gehen.

Prozessionstouristen aus gebührender Entfernung

Seien wir mal ehrlich. Wir waren weniger aus christlicher Überzeugung dabei, sondern weil wir uns von der farbenfrohen Traditionsprozession (seit 1935) bei Bilderbuchwetter einmal selbst ein Bild machen wollten. Ein Störfaktor wollten wir aber nicht sein, da wir in luftiger Paddelkleidung nicht annähernd dem „Dresscode“ entsprachen. Aus diesem Grunde haben wir uns etwas abseits gehalten, um jenen Gläubigen Respekt zu zollen, für die dieser kirchliche Feiertag eine tiefere Bedeutung hat.

Der Beste Schutz vor zu vielen Touristen ist dabei aber die Uhrzeit. Eine frühe Prozession hat schon viele Langschläfer abgeschreckt, wie einen Mitpaddler, der uns für diese Tour abgesagt hat, als er vom Startzeit erfahren hat. Dann sind doch hoffentlich alle zufrieden und beseelt, oder?

 

 

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