Isarwanderung von Wolfratshausen nach Geretsried

(Länge der Wanderung: 11 oder 6,6 Km) Vor unserer 9. Isaretappe hatte ich mich etwas gescheut, da beim Wolfratshausener Ortsteil Waldram und weiter südlich bei Geretsried, die Isar verflixt nah an das Siedlungsgebiet stößt. Das war praktisch, als vor Jahren mal das Schlauchboot platzte und wir nur wenige Meter zu einem Telefon hatten, um ein Taxi zu rufen (Pre-mobile-Zeit). Heute wollte ich lieber keine Häuser und Teerstraße sehen, lieber einen wilden Fluss und Schwemmholz.

Diesen Isarabschnitt haben Gitta und ich erneut mit Mieka und Lasse bewandert. Dabei konnten wir feststellen, dass auf diesem 11 Kilometer-Trip, die Isar wie nirgendwo sonst, so einvernehmlich mit einer Gemeinde harmoniert, wie hier. Wer will, kann übrigens die Runde auf 6,6 Kilometer verkürzen (Plan am Ende des Beitrages). Die Beschreibung bezieht sich auf die längere Tour.

Parkt an der Wolfratshauser Isarbrücke

Wir stellen das Auto etwa 150 Meter weiter an der östlichen Seite der Wolfratshausener Isarbrücke ab, südlich der Einfahrt auf das Floßrutschengelände. Stellplätze sind Mangelware, deswegen bei Bedarf den großen Wanderparkplatz bei Puppling verwenden.

Lasses Isar- und Tour-Video mit der Mavic pro:

Schon der Start mach Lust auf mehr. Ein vielversprechender Wanderpfad führt in den hellen Nadelwald. Wir gehen hintereinander. Wie auch letzte Woche in der südlichen Pupplinger-Au durchziehen zahlreiche Pfade das Gelände. Wir bleiben einfach auf dem am besten beschreitbaren Weg, der sich mit einem klaren Linksdrall der Isar nähert. Kurz vor dem Fluss stoßen wir auf einen Fuß- und Radweg, auf dem man bis zum Steg über den Isar-Loisach Kanal nach Süden wandern kann. Wir nutzen als Alternative den Pfad, welcher unmittelbar am Ufer verläuft. So können wir der Isar erst mal Hallo sagen, auf die nahe Kiesbank gehen und die Drohne von Lasse steigen lassen.

Sich verlaufen ist hier eigentlich unmöglich, da es etwas weiter flussaufwärts, kurz vor der Einmündung des Loisach Kanals in die Isar, eine Verbindung von der Kiesbank zum erwähnten Wanderweg gibt.

Über den Isar-Loisachkanal

Es tost und sprudel doppelt, nämlich wo der Kanal in die Isar springt und er sich unterhalb des Fußgängersteges über mehrere Meter als Wasserfall nach unten ergießt.  Gemerkt: Schlauchbootfahren macht hier keinen Sinn, schön auf die Warnschilder achten.

An der Isar nähe Wolfratshauser Brücke in 360°

Auf der anderen Seite des eisernen Stegs sehen wir eine Wiese mit Fussballtoren, an denen wir uns richtungsmäßig orientieren, etwas dahinter die Isar. Wir verlassen den Komfortwanderweg,  um lieber auf Indianerpfaden durch die Au zu laufen. Der Blick auf den Fluss ist immer wieder super. Breit und reißend ist er heute, gefüllt mit viel Tauwasser aus den Bergen.

Vom nahen Wolfratshauser Ortsteil Waldram bekommen wir nichts mit. Man könnte glauben, dass durch den Ort das Gelände etwa parkähnlich wie bei München ist, der täuscht sich aber. Unweit der Häuser gibt es einen guten Radel- und Wanderweg, die restlichen Wege sind vielmehr Pfade, durch urwüchsiges Gelände. Und genau dort wollen wir laufen.

Waldram und Buchberg

Nach ca. 500 Metern verabschiedet sie der Pfad still und heimlich von der Isar. Wer aufpasst entdeckt, dass unterhalb unseres Schwemmhangs nun ein kleiner Bach verläuft. Wer mag, kann bei warmen Wetter durch die untiefe Furt waten und östlich des Isarstrandes weitergehen. Uns ist es dafür zu kalt, weswegen wir lieber parallel zum Bacherl, auf dem höhergelagerten Ufervorsprung weitergehen. Nach 600 Metern kommt eh eine provisorische Brücke. Wir befinden uns mittlerweile zwischen den Gemeinden Wolfratshausen und Geretsried, etwa auf Höhe der Hofstelle Buchberg. Kerzengerade geht es bis an den Fluss, von wo man in unmittelbarer Ufernähe den Isarbogen abschreitet, bis man sich wieder der Uferböschung annähert und hochklettern kann.

Wir legen am Brotzeitplatz beim Geretsrieder Ortseingang eine kleine Pause ein, während Lasse mit seiner Drohne die Lage checkt. Er sieht Fluss und Alpen über das Display, wir einen Reiscracker. Von hier gehen wir für etwa 500 Meter den Wanderweg nach Bad Tölz. Einfach dem Wegweiser folgen. Parallel neben uns die Isar.

Isarflimmern in 360°

Dort wo der Fluss einen harten Linksbogen schlägt, verlassen wir den Rad- und Wanderweg, um erneut dem Lauf des Flusses zu folgen und auf 1,6 Kilometern einen weiteren Bogenschlag der Isar zu folgen.

Auch hier sind heute Wanderer selten. Selbst Hundebesitzer treffen wir nicht. Seltsam, das Wetter ist gut. Vielleicht gibt’s hier nur kleine wuschelige Fellhunde, die sich ihr Fell nicht schmutzig machen dürfen. Sitzen die Ortsansässigen vielleicht in ihrer Hollywoodschaukel, während ihre Fellnasen ein Häufchen im Garten machen? Wir wissen es nicht.

Stadt Geretsried

Am Anfang war Geretsried ein Weiler, der günstig an der Isar gelegen, eine Zwischenstation für die Flößer aus den Bergen war, später eine Poststation. Als 1937/1938 die Nazis hier eine Munitionsfabrik bauten, war es mit der Ruhe vorbei, denn in den Wäldern des Wolfratshauser Forstes wollte man das Werk bis zur ersten kriegerischen Auseinandersetzung einsatzbereit haben. Das Areal war riesig. Unter den Tarnnamen „Tal 1 “ lief die chemische Produktion des Sprengstoffs, in „Tal 2“ wurde das explosive Material abgefüllt.  Auf insgesamt 70 ha befanden sich 70 Km Straßen und 500 Gebäude, in denen 6000 Arbeiterinnen und Arbeiter, davon viele Zwangsarbeiter schufteten.  Die Verwaltungsgebäude und die Wohnungen der Belegschaft imitierte die Gebäudegruppe eine Kleinstadt mit Rathaus und festen Wohnbauten. (Quelle:  Bauen im Nationalsozialismus : Bayern 1933 – 1945). Bis 1945 blieb das Werk fast vollständig einsatzbereit.

Nach dem Krieg zogen auf das Areal viele Vertriebene, die sich hier eine neue Existenz aufgebaut haben. Alte Gebäude wurde häufig einfach umfunktioniert und einer neuen Bedeutung zugeführt. Geretsried wuchs rasant und wurde 1970 zur Stadt erklärt, in der heute 23.300 Menschen leben und sich viele Gewerbebetriebe angesiedelt haben.

Kiesbänke und Tennisplatz

Die Runde neigt sich etwas unspektakulär zu Ende. Kein Biergarten wartet auf uns, um den Rückweg zu zelebrieren. Bevor sich die Isar wieder der Uferböschung nähert und wir den Damm über die Treppe nach oben steigen, empfiehlt sich ein kleines Picknick auf einer nahen Kiesbank. Im Frühjahr war es hierzu noch etwas frisch. Außerdem sind die Plätze von zahlreichen Wasserläufen der Isar umspült, die man besser nur barfuß erreicht.

Um zum nächsten​ Etappenstart keine zu große Lücke entstehen zu lassen, sind wir noch 300 Meter weiter südlich gegangen. Am nahen Tennisplatz haben wir uns auf eine der Bänke gesetzt und den Blick auf den Fluss genossen, der ab hier einen so deutlichen Linksdrall beschreibt, wie zuletzt am Isar-Loisach Zusammenfluss. Auch hier ein breites Delta mit vielen Kiesbänken. Was nicht so schön ist: der Parkplatz im Rücken. Ab hier geht’s wieder zurück. Erst 300 Meter dem Weg, den wir gekommen sind, dann 1,1 Kilometer weiter durch den Wald, nahe und etwas unterhalb des Ortsrandes.

Es tauchen mehrere Bunkeranlagen auf, die zur Nazizeit in den Isarhang hineinzementiert wurden und dort vermutlich noch viele weitere Jahre ihre Betonpräsenz fristen. Ich kenne einen davon noch zu Zeiten meiner aktiven Geocacher-Phase, wo wir uns in der Nacht durch den mikroskopisch kleinen Eingang gezwängt hatten, um einen „Schatz“ zu finden. Schee wars. Heute hab ich darauf verzichtet, da keine Lust aufs Einsauen.

Der Waldweg endet an der Teerstraße, die sich hier „Isadamm“ nennt. Zum Glück ist hier nicht viel Verkehr und wir müssen auf ihr nur 200 Meter nach Norden gehen.

Jetzt einfach den Wanderweg immer weiter folgen. Zum Teil kennt ihr ihn schon. Richtig gut hat es uns noch mal bei Buchberg gefallen. Lockerer Baumbestand westlich des Weges, helle Wiesen. Es wirkt hier wie auf einer Alm, nur, dass die Berge fehlen. Einen Kilometer darf man hier lustwandeln, bis man nach Wolfrasthausen Waldram kommt und einen Weiteren, bis man den Eisensteg über den Isar-Loisachkanal besteigt.

Auf der anderen Seite geht’s an den Endspurt. Wir laufen 100 Meter mit dem Isarkanal nach Osten und an der Waldschneise links geradewegs Richtung Norden. Wenn man die Hochspannungsleitung erreicht, geht’s kurzzeitig nach Nordosten. Bei der nächsten Möglichkeit biegt man links ab und wandert 500 Meter darauf bis zum Auto (rechts halten). Mal sehen wer das sich merken kann ;-).

Fazit: Es ist toll zwischen Wolfratshausen und Geretsried und überraschend urwüchsig. Wer will, kann jederzeit die Tour verlängern und verkürzen, je nach Laune.  Wer einkehren will muss eine Extrarunde in den Ort machen, oder für sein Picknick selbst sorgen. Viel Spaß beim Nachwandern.

Danke auch diesmal wieder an Mieka und Lasse fürs Beisteuern von Fotos und Video!

Kleine Orientierungshilfe

 

 

print