Isarwanderung von Icking über die Pupplinger-Au nach Wolfratshausen

(Länge der Wanderung: 12 Km) Seit wir unser Projekt Isarflimmern verfolgen, brauchen uns Gitta und ich keine Gedanken mehr über unsere nächste Wochenendwanderung machen. Mit jeder Etappe, nähern wir uns dem Fluss aufwärts nach Bad Tölz. Wenn wir meinten, dass wir die Isar kennen, lagen wir falsch, denn erst jetzt werden wir echte Buddies.

Es beginnt der neunte Abschnitt, den wir zusammen mit Michaela und Lasse entdecken wollen. Knapp 12 wenig kinderwagengeeignete Kilometer liegen heute vor uns, die sich nicht wesentlich reduzieren lassen, da sie von Isarwehr zu Isarbrücke gehen. Spaß ist aber vorprogrammiert, denn wir werden alle fotografieren, schwatzen und uns gegenseitig pushen, die kleinen Besonderheiten rechts und links des Weges zu entdecken. Außerdem trägt Lasse seine Drohne griffbereit am Gürtel, bereit, uns notfalls mit Luftunterstützung den Weg aus dem undurchdringlichen Pupplinger-Urwald​ zu lotsen.

Parkt in Icking am Isarweg

Der Wanderparkplatz liegt im Wald, unterhalb des Gestüts und etwa auf halber Höhe des Isarhanges. Linker Hand des Waldweges führt ein schöner Fußpfad weiter nach unten. Es ist nicht weit, runter an den Fluss. Bevor wir aber das markante Bauwerk des Icking Stauwehrs erreichen, queren wir wieder den neu angelegten Auenbach, den ich in unserer vorherigen Etappe von Schäftlarn bereits beschrieben habe.

Das Wetter ist heute besser als letzte Woche. Das Wehr war eine Woche zuvor Ziel und Wendepunkt auf unserer Tour. Heute geht es auf dem östlichen Ufer jedoch nicht zurück, sondern den Fluss aufwärts. Gemeinsam kreuzen wir zuerst die alte Isar und schreiten dann rechterhand über die Brücke, welche uns über Wehr und Einlauf in den Isarkanal bringt.

Hier sehen wir, wie viel Wasser die Isar haben kann, wenn man unseren Lieblingsfluß nicht an allen Stellen das H2O entzieht. Von den etwa 100 qm pro Sekunde werden 90 qm Wasser in den Isarkanal abgeleitet, wenn mindestens weiter 15 qm für die Alte Isar verbleiben. Übrigens wird im Oberlauf bei Krün (bei Mittenwald) bereits welches in den Walchensee umgeleitet, das über die Loisach später wieder in die Isar einfließt. Alles für die nachhaltige Energiegewinnung, da im Oberland niemand ein Atomkraftwerk oder Windräder haben will.

Gleich auf der anderen Seite zückt Lasse seine Drohne, lässt sie in atemberaubender Geschwindigkeit in die Luft steigen und steuert sie souverän über Kanal und die alte Isar.

Lasses Clip über das Ickinger Stauwehr und unsere Wanderung

 

Zum Isar-Loisachzusammenfluss

Wer es komfortabel haben will, Rollen unter den Füßen oder dem Popo hat, kann ja die Teerstraße gleich südlich bei der Floßdurchfahhrt nach Puppling  bzw. Gasthaus Aujäger nehmen. Die volle Distanz würde ich ansonsten nur Langweilern oder Leuten mit knappem Zeitfenster empfehlen, oder im Sommer jenen, die nicht allerorten auf Nackerte stoßen wollen. Wenn es hier im Ohr klingelt, ist es weniger der Tinnitus, sondern vielmehr das permanente Warmklingeln der Fahrradfahrer. Hundebesitzer können fast unter Stress geraten,  Waldi und Radler zu sichern

Wir steigen lieber an der Brücke die Stufen rechts vom Damm hinunter und gehen den Pfad an der alten Isar entlang.

Im Sommer hat die Isar an dieser Stelle somit ausreichend Wasser um die Flöße von Wolfratshausen in sechs Stunden vorbei nach München zu tragen.

Um uns herum Frühlingsknotenblumen, auch Schneeglöckchen genannt, als die ersten Frühlingsboten. Nach kurzweiligen 1000 Metern erreichen wir den Zufluss der Loisach in die Isar. Selbst von der nahen Kiesbank fällt dieser kaum auf.

Pupplinger Au

In der Pupplinger Au wirkt die Isar, wie der ursprüngliche Wildfluss, die sie vor tausend Jahren war. Hier darf die Isar schieben und mäandern, wie sie Lust hat. Sie ist etwa 6 Kilometer lang und bis zu einem Kilometer breit. Ihren Namen hat sie vom Dorf Puppling, östlich der Wolfratshauser Isarbrücke. Die Pupplinger Au ist Teil des Naturschutzgebietes der Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz.

Hier wachsen Schneeheide Kiefernwälder auf dem kiesigen Untergrund, der Lebensraum für Tiere und Pflanzen ist, die auf trockene Standorte spezialisiert sind. Allerdings „vergrasen“ zunehmend die Wälder, da das Zusammenwirken von Hochwasserabfluss und Geschiebenachfuhr wichtig für eine Wildflusslandschaft ist. Ihre Tiere und Pflanzen brauchen dieses dynamische System. Seit 2010 grasen Murnau-Werdenfelser-Rinder in der Pupplinger Au, um durch die Beweidung die hohe Artenvielfalt in der Pupplinger Au zu sichern.

Nach dem Zusammenfluss beschreibt die Isar einen deutlichen Knick nach Osten. Der Pfad geht weiter am Ufer entlang. Wo das Isar Kiesbett am breitesten ist, steht eine Bank auf der wir Tee trinken und bunte Kekse essen. Von hier wären es nur 50 Meter zur geteerten Wehrbaustraße, die Puppling miteinander verbindet.

Wir folgen den Pfad durch den Auwald. Zahlreiche Kiesbänke und Abzweigungen machen eine genaue Wegbeschreibung fast unmöglich. Die Faustregel: immer parallel und südlich der Isar und auf dem am besten gangbaren Weg bleiben.

Vorsicht Nackerte!

Im Winter sieht man sie nicht, im Frühjahr vereinzelt, im Sommer in Massen: die Nackerten. Was für die Einen klassische Freikörperkultur ist, bedeutet für die Anderen Lust und Spielwiese. Problematisch, wenn die Interessen beim Zusammentreffen nicht matchen oder es überhaupt nicht gewünscht ist. Die Polizei von Wolfratshausen hat deswegen ihre liebe Not. Infoschilder allerorten versuchen daher den Konflikt zu deeskalieren, bevor er begonnen hat, oder für Notrufe zu kanalisieren. Der Notfall ist zum Glück nicht die Regel – aber ein reales Sommerproblem. Wer seinen Kindern den Anblick blanker Hintern lieber ersparen möchte, geht daher lieber zu kälterer Jahreszeit oder auf der Teerstraße.

Spätestens  an der Wolfratshausener Isarbrücke enden alle Pfade. Unser Weg hatte eine leichten Linksdrall, der uns knapp vor Puppling auf die Teerstraße geführt hat. Ab hier gings mit Pelle an der kurzen Leine zum Biergarten.

Der Biergarten Aujäger am Ende profitiert von den vielen Ausflüglern und kommt dabei vermutlich an seine Grenzen. Wir haben draußen knapp 40 Minuten auf die Aufnahme unserer Bestellung gewartet und sind genervt gegangen, als Gäste vor ihrem Bier saßen, die deutlich später gekommen waren. Vielleicht war das Team ja noch im Winterschlaf oder ist gerade angelernt worden. Schade, aber vielleicht habt ihr mehr Glück.

Am Parkplatz geht vor der Autostraße rechts ein Weg in den Wald, der uns zur und über die Isarbrücke bringt. Wir haben einen schönen Blick nach Norden in die Pupplinger Au und sehen in der Entfernung den Isarhang am Loisach-Zufluss, den wir später zurück nach Icking gehen.

Nach Wolfratshausen kommen wir, indem wir auf der anderen Seite bei der Einfahrt von der Straße den Fußweg nach Westen gehen. Nach 300 Metern an der Kreuzung geht’s nicht zu den nahen Häusern, sondern zuerst 60 Meter nach Norden und dann den Weg links weg nach Nord-Westen. Von hier ist der Waldrand Ratzfatz erreicht. Wir gehen den Wiesenpfad zum nahen Gehöft, und von dort die Franz Geiger Straße und weiter 400 Meter auf dem Leitenweg. Am Ende geht’s auf die Weidacher Hauptstraße, die uns nach ca. 800 Meter über Loisach bringt.

Wir biegen rechts in die Schlederleiten ein, wo sich in unmittelbarer Nähe zur Loisach die Abfahrt der Floßfahrten nach München ist. Überall liegen bereits Baumstämme für die Abenteuertouren nach München bereit

Isar-Floßfahrt

Wie vor 100 Jahren fahren von Mai bis September die Flöße mit ihrer 60 Mann-starken Besatzung von Wolfratshausen nach Münchnen Thalkirchen. Für die 28 Kilometer lange Distanz werden fünf bis sechs Stunden benötigt. Floßführer und Steuermann lenken das 7×18 Meter große Gefährt durch die Strömung, während sich die Gäste ordentlich Bier ins Hirn stoßen und je länger die Fahrt dauert wie im Delirium die Blaskapelle wahrnehmen. Soll lustig sein, sagt man.

Für etwa 145 € gibt’s Bier, eine Weißwurstbrotzeit und ein Mittagessen und den ganzen Tag Entertainment auf bayerisch.

Die Floßsaison wird im September mit der Eisfahrt beendet, bei der die Floßunternehmer ihre Flößer mit Familien und Freunden einladen zum letzten Mal im Jahr nach München zur Zentrallände in Thalkirchen fahren.

Die Schlederleite bringt uns wieder zurück nach Norden. Rechts die Loisach, links nach etwa 800 Metern die S-Bahnlinie. Der Weg steigt immer höher den Uferhang hinauf. Oben angelangt machen wir rechts einen Abstecher zum „Riemerschmid-Park“. Dort an exponierter Stelle steht der Gedenkstein, davor zwei Bänke mit einem phantastischen Blick auf das Isardelta und das Panorama der Alpen. Gemeinsam haben wir nur dagesessen geguckt, fotografiert und paar Reiscracker gegessen.

Ausblick am Riemerschmid-Park in 360 °

Wieder zurück auf den Wanderweg, der nun abschüssig verläuft, weitere schöne Ausblicke offenbart und über steile Treppen hinunter zur Isar führt. Kinderwagenfahrer: vergesst es! Fahrradfahrer, ihr holt euch eine blutige Nase! Unten angekommen wandern wir mit der Strömung zurück zum Ickinger Stauwehr. Ab hier geht’s  den gleichen Weg zurück zum Auto, wie wir gekommen sind.

Fazit: Bestimmt ist die Tour kein Geheimtipp mehr, doch das hat einen guten Grund, sie ist einfach toll!

Vielen Dank an Mieka, besonders für ihre tollen Nahaufnahmen und Lasse für den Video-Clip!

Kleine Orientierungshilfe

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Isarwanderung von Icking über die Puppliger-Au nach Wolfratshausen, 11,61 Kilometer

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Parkplatz: 47.949545, 11.439729
wolfratshausen: 47.919283, 11.449631
Aussichtspunkt: 47.934517, 11.431360
Stauwehr Icking: 47.945671, 11.443119
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Parkplatz
Icking, Germany
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wolfratshausen
Puppling, Germany
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Aussichtspunkt
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Stauwehr Icking
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