Isar-Rundwanderung von Garching-Forschungszentrum über Alt-Garching

(Wanderungen 6, 10, 13 oder 14 Kilometer) Wer Garching als das uninteressante Kaff an der Autobahn, gleich hinter Großlappen abstempelt, hat vielleicht nur zur Hälfte recht. Garching selbst ist bestimmt keine Schönheit, ist es zur Isar hin aber überraschend idyllisch, hat einen tollen Biergarten und besitzt mit dem Forschungszentrum der TU-München einen faszinierenden Campus mit eigenem U-Bahn-Anschluss. Wir haben in zwei Besuchen die besten Wanderrunden ausgekundschaftet, die sich wirklich für einen Besuch lohnen.

 

Isar bei Garching mit Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz

Das erwartet dich auf der Wanderung bei Garching

  • Charakter: Wir nehmen vom Forschungszentrum den internationalen Campus-Eindruck und seine Nähe zum Wieseckerbach mit. Gute Kieswege entlang der Isar, die aber auch von Radfahrern genutzt werden. Für noch mehr Ruhe nutzen wir Abstecher in die schönen Auwälder, wo es manchmal matschig sein kann. Luftig und erstaunlich idyllisch liegen die Wiesen und Felder östlich von Garching, die von zahlreichen beschaulichen Bächen durchzogen sind.
  • Es warten jede Menge Wegvarianten für euch:
    • Wanderung#1: Isar- und Auwälder Rundwanderung ab Forschungszentrum, 14,1 Kilometer
    • Wanderung#2: Isarrunde Ostufer über den Biergarten „Mühlenpark“, 13,5 Kilometer
    • Wanderung#3: Isarrunde Westufer über den Biergarten „Mühlenpark“, 9,9 Kilometer
    • Wanderung #4: U-Bahn-Schnupperrunde: 5,5 Kilometer von Garching Forschungszentrum nach Alt-Garching
  • Zu entdecken gibt’s am Forschungszentrum z.B. das Atom-Ei und die ESO Supernova München: Deutschlands größtes Planetarium. Viel Natur hingegen erwartet euch an der Isar, die gerade renaturiert wird und in den Auwäldern zu beiden Seiten des Flusses.
  • Einkehrmöglichkeiten gibt’s im Forschungszentrum am Wochenende keine. Interessant klingt die Cantineria HERR LICHTENBERG in der Lichtenbergstraße 6 (Mo-Fr). Der Biergarten Mühlenpark in Garching hingegen hat bei schönem Wetter auch Samstag/Sonntag geöffnet und ist ein echter Geheimtipp, zumindest für alle, die nicht aus der Gegend kommen.
  • Hervorragende Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (U6 bis Garching)
  • Noch mehr Isarwanderungen findet ihr auf unser Iserflimmern-Übersichtsseite.

So kommst du mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder Auto nach Garching

  • Anfahrt mit der U-Bahn bis zur Endhaltestelle Garching Forschungszentrum/Linie U6
  • Anfahrt mit dem Auto: z.B. Anfahrt über die A9 bis Garching Nord. Nach Osten zum Forschungszentrum fahren. Parkmöglichkeiten auf dem P+R: Boltzmannstraße/85748 Garching. Am Wochenende kaum belegt.

Vom Garching Forschungszentrum dem Wieseckerbach entlang zur Isar folgen

U-Bahnhof und P+R liegen recht nah beisammen. Während die U-Bahnfahrer den Ausgang im Süden wählen (letzter Waggon), stellen die Autofahrer ihre Karre am Parkplatz möglichst im Norden ab.

  • Die U-Bahnfahrer queren am Zebrastreifen die Boltzmannstraße und folgen dem Fußweg rechts am Interimshörsaal (dunkel/quadratisch) nach Westen Richtung Basketball-Feld.
  • Die Autofahrer gehen rechts an der Fakultät für Mathematik Informatik vorbei nach Norden.

Parabelrutsche in der Fakultät für Mathematik/Informatik

Zur Fakultät für Mathematik/Informatik kommt man über den breit gepflasterten Platz. Davor schlappe Fahnen in der Windstille. Hinein geht’s durch eine kleine rote Eingangsbox. Es ist Corona und Sonntag. Heute ist nichts los. Super gerne hätte ich mir die Parabelrutsche einmal angesehen, welche der mathematischen Formel z = y = h x²/d² folgt.  Von der dritten Etage kann man sich in einer der zwei gegenläufigen Röhren in wenigen Sekunden 13 m in die Tiefe stürzen. Ein bisserl Mut braucht es schon, sich auf einen der bereitliegenden Teppichen in das dunkle Loch zu stürzen. Bei der Einweihung 2002 hat sich immerhin auch der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber überwunden. So schlimm kann es also nicht sein. Für kleinere Kinder ist die Rutsche eher nichts, weswegen sie auch erst ab 11 Jahren empfohlen wird.

    • U-Bahn/Autofahrer: Vorbei an den langen Universitätsgebäuden, dem Basketballplatz und dem Boulder-Atom-Ei stoßen wir nach etwa 250 auf einen malerischen Teich, der entlang des Wieseckerbachs angelegt wurde. Hier rechts Richtung Norden und 70 Meter weiter an der Weggabelung links abgebogen. Auf der Westseite des Gewässers und nach etwa 100 Meter linkerhand den Wieseckerbach queren.
    • Ach ja, falls auch rechts das schön gelegene StuCafé auffällt: Geöffnet Werktags von 8:00 – 1400 Uhr. Zahlung nur mit Studenten- oder Mitarbeiterkarte möglich. Für die Meisten sollte das für einen Nichtbesuch ausreichen.

Der Wieseckerbach umfließt das Forschungszentrum Garching. Erstaunlich natürlich.

Garching Forschungszentrum

Mitte der 50er Jahre war der Glaube an die Möglichkeiten der Atomkraft grenzenlos. Man war der Meinung, dass sich dadurch alle Energieprobleme mit einen Schlag lösen lassen. Als der Forschungsreaktor München (FRM) der Technischen Universität München (TUM), am 31.10.57 in Betrieb ging, gab es „keine öffentliche Aufregung“, wie der Initiator und Physiker Heinz Maier-Leibnitz 1983 erklärte. Das Atom-Ei war damit die erste kerntechnische Anlage in der Bundesrepublik Deutschland. Mit ihm galt es, den technologischen Rückstand nach dem Krieg aufzuholen und dafür zu sorgen, dass Deutschland kein „atomar unterentwickelten Volk“ wird. Als erstes Institut auf dem heutigen Campus bildete es die Keimzelle für eines der größten Forschungsareale in Europa.

Ausflug meines Vaters mit dem Heinkelroller zum neuen Atomei Ende der 50er Jahre.

Heute studieren im Forschungszentrum Garching 12.000 Studenten. Weitere 6.000 Angestellte sind in den Bereichen der TUM und den örtlichen Forschungseinrichtungen beschäftigt. Angesiedelt sind hier z.B. mehrere Max-Planck-Institute, die Fakultäten für Mathematik/Informatik, Maschinenwesen, Physik und Chemie. Rund um den Campus haben sich 80 Forschungsinstitute und internationale Technologieunternehmen angesiedelt. Darunter auch die Europäische Organisation für astronomische Forschung in der südlichen Hemisphäre (SEO), die hier das ESO Supernova Planetarium & Besucherzentrum betreibt.

Seit 2006 ist das Forschungszentrum an das Münchner U-Bahn-Netz angebunden ist.

Dem Wieseckerbach (rechts im Gebüsch) zur Isar gefolgt.

  • Vom Brücklein folgen wir dem Fußweg immer in der Nähe des Wieseckerbaches bis er sich zuerst mit dem Garchinger Mühlbach, dann nach knapp 2 Kilometer mit der Isar vereinigt. Unterwegs kreuzen wir die Lichtenbergstraße (die Cantineria HERR LICHTENBERG findet ihr 100 Meter links – nur werktags geöffnet), und zweimal den Bachlauf. Das Gewässer fließt zuerst nach Norden, dann um das Forschungszentrum herum nach Osten. Verblüffend, wie ursprünglich der Charakter des Baches ist, so eingewachsen im wilden Grün.
  • Dass ihr 500 Meter nahe am Isarweg und somit an der Isar seid, merkt ihr, dass sich nach Querung des Wieseckerbaches linkerhand das Feld öffnet. Entscheidet am Isarweg, auf welcher Flussseite ihr nach Süden gehen wollt.

Garchinger Mühlbach: Mündung in die Isar

Quo Vadis 1: Zurück auf der Ost- oder Westseite der Isar?

  • Isar-Westseite: 10 Kilometer
  • Isar-Ostseite: 13,5 oder 14,1 Kilometer

Auf der Isar-Westseite nach Süden

  • Der kürzeste Weg nach Süden ist natürlich auf der Westseite. Hierzu einfach den Isarweg in  einem laaangem „S“ flussaufwärts gehen, nämlich 3,7 Kilometer. Wenn rechts das „Neue Geräumt“ abzweigt, den Weg nach Garching folgen. Den bekiesten Weg, der immer nahe der Isar führt, müsst ihr euch mit den Fahrradfahrern teilen.

Mittlerweile hat man auch bei Garching angefangen, das um 1900 kanalisierte Ufer zurück zu bauen. Die Böschung am Wasser wird teilweise gerodet, damit sich die Isar nicht noch tiefer in den Boden frisst. Bewusst wird die Erosion der Uferbereiche zugelassen und Wehre zurück gebaut. Es dauert etwas, bis sich die Isar erholt und wieder neue Kiesbänke bildet. Eine findet ihr auf halber Strecke, um von hier flache Steine über die Wasseroberfläche hüpfen zu lassen. Sollten euch die Radfahrer nerven, könnt ihr ein Stück nördlich, den Weg rechts durch die Isarauen nach Garching nehmen (ist auf der Karte mit 14,1 Kilometer eingezeichnet).

Auf der Isar Ostseite nach Süden

  • Um auf die Isar-Ostseite zu wechseln, müsst ihr zunächst 1000 Meter nach Norden bis zum Dietersheimer Steg wandern. Von hier führt wie im Westen der Weg immer im Uferbereich nach Süden. Tipp: Um die Strecke etwas abwechslungsreicher zu halten, wählt nach 1000 Metern den ersten Abzweiger links in den Auwald. Der Fahrweg führt zunächst 100 Meter nach Osten, dann einen Kilometer nach Süden, um wieder rechts zurück zur Isar zu gehen. Unterwegs kommt ihr an den Brunnen der Grundwasserkühlung der Superrechner von Garching vorbei. Der halbschattige und ruhige Weg hat uns gefallen.

Thermische Grundwassernutzung für Superrechner aus den Isarauen

Das Max Planck Computing and Data Facility (MPCDF) stellt Hochleistungsrechner und Lösungen für datenintensive Projekte zur Verfügung. Auch bei der aller neuesten Rechnergeneration ab 2021 setzt MPCDF auf eine Kaltwasserkühlung, um energieeffizient Spitzenforschung zu unterstützen und zu beschleunigen. Die Grundlage dafür liegt versteckt in den Isarauen.

Durch die Grundwasserkühlung kann die MPCDF weitgehend auf den Einsatz von Kältemaschinen verzichten und CO2 einsparen. Die Förderbrunnen pumpen das kalte Grundwasser unter der Isar hindurch in das Rechenzentrum, um die Hochleistungs-Computer zu kühlen. Anschließend wird das maximal 6 Grad wärmere Wasser in den „Schluckbrunnen“ wieder zurückgeführt

  • Zurück am Ufer sind es knapp 3 Kilometer, um an der Ismaninger Brücke auf die westliche Isarseite zu wechseln. Unterwegs erhaschen wir einen überraschenden Blick: Während umgestürzte Bäume und ein grüner Ufersaum eine wilde Isar simulieren, rückt das dahinter aufragende Dach mit Kamin der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) die Realität zurecht. In einer der „leistungsfähigsten und modernsten Neutronenquellen weltweit“ wird Uran für „Wissenschaft, Technik und Medizin“ gespalten, heißt es. An ein Floßunglück am 21.05.1907 erinnert ein  Gedenkstein aus Muschelkalk. Zwei der Ertrunkenen waren Beamte der Königlich-Bayrischen Staatsbauverwaltung.
  • Wieder auf der westlichen Uferseite: Falsch: Auch wenn der Uferweg gleich rechts nach der Brücke verführerisch ist. Er endet nach 250 an der Einmündung des Schwabinger Baches. Die 500 Meter hätten wir uns gerne gespart. ;-). Richtig: Der Straße noch 150 Meter zu folgen und dann rechts einbiegen.
  • Nach 600 Meter links in das „Neue Geräumt“ nach Garching abzweigen.

Quo Vadis 2: An Isar und Auwald zurückgewandert oder über den Garchinger Mühlenpark

  • Zurück durch den Isar-Auwald (siehe Karte „Garchinger Isar-Wanderung, 14,1 Kilometer“)
  • Empfehlung: Zurück über den Biergarten „Mühlenpark“ (siehe Karte Garching-Isar-Rundwanderung über Mühlenpark, 13,5 Kilometer)

Zurück durch den Isar Auwald gewandert

  • Wir lieben die Isar, aber mehr zu sehen gibt es, wenn ihr links dem „Neuen Geräumt“ 500 Meter  folgt. An der Abzweigung vor der Brücke rechts nach Norden gehen. In wilden Bögen mäandert der stille Weg durch den Auwald, der neben dem Schleißheimer Forst die einzige größere zusammenhängende Waldfläche im ansonsten waldarmen Münchener Norden ist. Kleine Bäche durchziehen das Gehölz und bieten immer wieder urwüchsigen Eindrücke. Bevor der Weg wieder im rechten Winkel zurück Isar führt, den Fußpfad geradeaus folgen.
  • Nach 500 Metern entlang der Isar nutzen wir die nächste Gelegenheit, um links zurück zum Forschungszentrum zu gelangen. Der Weg stößt auf die Walther Meißner Straße, der man rechts um das gleichnamige Institut Richtung Norden folgt. Die U-Bahn liegt direkt hinter dem „Galileo“, einem Komplex mit Hotel & Gastronomie sowie Shops und Büroflächen. Tipp: Einen guten Blick auf das Atom-Ei habt ihr kurz vorher auf der rechten Seite.

Zurück über den Biergarten „Mühlenpark“ 

  • Links dem „Neuen Geräumt“ 500 Meter folgen und an der Gabelung den Weg über das Brücklein wählen. Der Wald lichtet sich dahinter.  In 250 Metern links auf dem Feldweg nach Süden wandern. Nach einem Rechtsknick stößt dieser auf die „Mühlgasse“. Der Biergarten Mühlenpark liegt 170 Meter weiter links

Biergarten am Mühlenpark

Der heutige Biergarten Mühlenpark steht auf dem Grund einer Mühle, deren Geschichte sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Baufällig und heruntergekommen wurde sie 1976 abgerissen, nachdem der Gemeinderat es 1974 abgelehnt hatte, sie in die Liste der Baudenkmäler aufzunehmen. Hat wohl nicht zur fortschrittsgläubigen Gemeinde gepasst, die seit 1967 das Atom-Ei im Wappen trägt. Heute dreht sich nur noch das Schaumühlrad.

Nach Corona ist Platz für 650 schattige Sitzplätze an den fest installierten Biertischen. Das Ambiente ist urig und naturnah. Im Biergarten mit Selbstbedienung gibt es bayerischer Küche, Kuchen und Rippchen und Stockfisch vom Grill.

Öffungszeiten: Mo. – Fr. 11:00 – 22:00 Uhr/Sa., So. & Feiertage 10:00 – 22:00 Uhr
Website: Biergarten Mühlenpark

  • Nach einer Stärkung im hoffentlich wieder geöffneten Biergarten wandern wir auf der Mühlgasse knapp 100 Meter nach Norden, um dann an der Gärtnerei rechts abzubiegen. 170 Meter weiter, gleich hinter dem Brücklein, dem Uferweg entlang des Garching-Mühlbachs nach Norden folgen. Im Garchinger Obstgarten summt es an schönen Tagen im Frühling. Die Bienen finden hier reiche Nahrungsquellen. Am Wehr folgen wir dem Wieseckerbach (den wir bereits gut kennengelernt haben) weiter geradeaus bis zum Bürgerpark. Großer Spielplatz!
  • Hinter den Bürgerpark im Norden tritt die U-Bahn an die Oberfläche. Wir wählen den Weg rechts des Wieseckerbachs nach Norden. Von der U-Bahn sieht man nichts, hört sie allenfalls kurz. Wir gehen auf ein braunes futuristische Gebäude in etwa einen Kilometer Entfernung zu.

ESO Supernova München ist Deutschlands größtes geneigtes Planetarium. Das Design des Gebäudes ähnelt nach den Entwürfen der Architekten Bernhardt + Partner dem eines „engen Doppelsternsystems, bei dem ein Stern Masse auf den anderen überträgt.“ Die Folge: Der schwerere Stern explodiert als Supernova. Das Besucherzentrum Supernova München ist Teil der Europäischen Südsternwarte (engl. European Southern Observatory, kurz ESO) der „führenden europäische Organisation für astronomische Forschung und das wissenschaftlich produktivste Observatorium der Welt“, deren Zentrale sich hier in Garching befindet. Informationen und Karten für eine Vorstellung

  • Der Kreis schließt sich. Hinter dem Besucherzentrum Supernova München befinden sich P+R und der nahe U-Bahnhof.

Wanderkarte Garching

Tour für U-Bahn-Fahrer und wenn es kürzer sein soll