Spaziergang von der Floßlände zur Waldwirtschaft in Großhesselohe

(Länge der Wanderung 8 Kilometer). Schon bei der ersten Hunderunde am Morgen war klar, dass wir heute wieder weiter ins Umland fahren, noch einen längeren Ausmarsch machen. Muss man ja auch nicht immer. Wir haben uns daher schnell für einen Besuch der Isar und einen ausgedehnten Spaziergang von fast 8 Kilometer entschlossen. Nachdem es so schön tröpfelte, kann man mit guten Gewissen den Parkplatz an der Floßlände ansteuern, der bei schönem Wetter ganz fix, ganz voll wird. Heute also kein Parkproblem.

In unmittelbarer Nähe der Anlegestelle hat sich der Cowboy Club München eine Ranch mit Ställen auf dem Vereinsgelände gebaut. Auch wenn sich gerade hier niemand aufhält, werfen wir zuerst einen Blick über den Zaun, schon wegen meiner Kindheitserinnerungen.

Cowboy Club München

Wild West Romantik hat seit jeher etwas mit der Isar zu tun. Ich erinnere nur an die „Münchner Geschichten“, als Gringo,  Zorro u. Zabata auf der Ludwigsstraße geritten sind (jaja, ist schon a bisserl her) oder an der Isar über das Leben philosophierten. Seit 1961 residiert hier der Verein, der den Grund von der Stadt München, und mit Hilfe amerikanischer Freude die Infrastruktur geschaffen hat. Ein perfektes Umfeld, den Westen um das Jahr 1880 aufleben zu lassen. Man muss nur den Fussweg links gehen, über den Kanal rüber und auf der Marienklausenbrücke durch die halb geschlossenen Augenlider nach Norden schauen: Sei ehrlich, das sieht doch haargenau aus, wie dieses Tal bei Sacramento!

Renaturiert doppelt so schön!

Heute sind am Fluss nur Hundebesitzer, Jogger und ein paar Angler unterwegs. Der Regen hat den Rest vertrieben. Gott sei Dank, denn seine Ruhe hat man hier nur, wenn das Wetter weniger einladend ist. Wir stellen fest, dass wir mal eine ähnliche Stimmung am Stora Gla in Schweden hatten. Nass, still, schön. Seit die Isar renaturiert wurde, hat man mehr denn je den Eindruck, draussen und nicht drinnen zu sein. Und damit meine ich selbstverständlich nicht die Stadt. Kein Betonkorsett zwingt mehr die Isar zum Marathonlauf durch München, sondern gibt ihr den Freiraum, sich ihren Weg selbst zu suchen. Weil die Reißende jetzt noch attraktiver ist, braucht es in Wassernähe viele Kioske, für Eis und Bier und Brausewürfel oder eine Leberkas-Semmel. Heute haben sie aber (fast) alle geschlossen.

Die Großhesseloher Eisenbahnbrücke

Wir gehen am Ufer flußaufwärts. Es dauert nicht lange, bis dass wir die Großhesseloher Eisenbahnbrücke in der Talbiegung entdecken. Wie man der Juli-Ausgabe von BahnEpoche aus dem Jahr 2013 entnehmen kann, war „mit 258 Metern Gesamtlänge und einer Höhe von 31 Metern über dem Isar-Niedrigwasserstand die im Oktober 1857 für den Verkehr freigegebene Großhesseloher Brücke damals die zweithöchste Bahnbrücke der Welt“. So toll wie sich die Brücke über die Isar spannt und ihr Blick nach München, so traurig ist ihre Geschichte. Von 1877 bis 1978 sprangen von ihr 290 verzweifelte Menschen in den Tod (Wikipedia). Das erklärt den hermetisch abgeriegelten Fußängerweg der 1985  neu gebauten Brücke, über die fast auschließlich die Züge der Bayerischen Oberlandbahn fahren.

Unmittelbar neben den Pfeilern führt eine kleine Brücke über den Isar-Kanal. Ronnies Irischer Kiosk findet ihr etwa 100 Meter weiter südlich. Auf der kleinen Teerstraße nördlich der Brücke erreichen wir die westliche Hangseite, von wo wir durch einen kleinen Fußgängertunnel zum Kiosk des „Isarfäuleins“ kommen.

Willkommen beim Wohlfühlkiosk

Der ehemalige Isartalbahnhof liegt, seiner alten Funktion beraubt, in leicht desolatem Zustand am rechten Isar Hochufer (flussaufwärts). Das Bahnhofsgebäude aus rotem Backstein-Klinker dient heute offensichtlich als Briefkastenfirma. Neben der verlotterten Eingangstüre klebt ein laminiertes A4 Blatt mit vielen Firmennamen. In der Nachbarschaft zum Bahnhofsabort hat ein Motorrad-Club seine Hood. Praktisch, denn genau gegenüber können sie beim Isarfräulein sich entweder eine halbe Bier oder einen heißen Tee mit Apfelkuchen bestellen. Hier ist’s vermutlich auch viel gemütlicher als im Clubhaus, denn die Besitzerin hat das ehemalige Bahnhofsstandl zum Wohlfühlkiosk umgestaltet. Selbst beim Regen wie heute, können wir hier weich und trocken eine warme Brotzeit genießen. Abends ist es hier bestimmt auch sehr schön, was wir von den bunten Lampions ableiten. Ich gönne mir ganz münchnerisch einen Chai Latte mit einem Tiroler Käsebrot.

Zur Waldwirtschaft, kurz Wawi, sind es von hier nur noch noch etwa 800 Meter.  Beim Isarfräulein den Fußweg bei den Schrebergärten rein und einfach nach Süden marschieren.

Der leichte Regen hat sich mittlerweile zu einem stattlichen Regenschauer verwandelt. Trostlos liegen die Biertische vor uns. Ein Reisebus kommt und heraus strömen Touristen, die zum überdachten Restaurant eilen. Ein Benni oder Sebastian begrüsst sie mit nonchalantem „Servus“ und „Griasst eich“. Zur Begrüßung gibts bestimmt erst mal einen Hugo. Bayerische Gastlichkeit halt.

Jetzt aber zurück! Ziel ist erst einmal der überdachte Fußgängerweg unter der Großhesseloher Eisenbahnbrücke.
So leer haben wir es hier noch nie erlebt. In das Selbstmordschutzgitter haben viele Pährchen ihre Liebesschlösser gehakt und den Schlüssel nach unten geworfen. Sie haben es halt nicht besser gewußt….

Wir queren die Brücke und gehen auf der anderen Seite am Hochufer zurück nach München. Unterwegs kommen wir am „Lola Montez-Haus“ vorbei, von dem es heißt, dass sich im Hause eines Hufschmieds König Ludwig der I. und die 25-jährige Tänzerin zum Tête-à-Tête getroffen haben. Heute ist das Haus eine Schickimicki Event- und Hochzeitslocation, die aus dem Häuserl und seiner Geschichte Kapital schlagen. Hoffentlich haben die Heiratswilligen ihr Liebesschloss nicht vorher an der Großhesseloher Brücke angebracht. Dummerweise ist die Liebesgeschichte von König Ludwig mit der Lola auch nicht ganz gut ausgegangen. Ich persönlich würde ja den Cowboyclub als Hochzeitslocation vorziehen, weil weniger steif und Kulisse ehrlicher.

Bevor wir über die Marienklauesn-Brücke wieder zum Auto kommen, gehen wir nach dem Biergarten Menterschweige links ein paar Treppenstufen hinunter zur Isar. Auf halber Hanghöhe kommen wir auf einem romantischen Weg ein gutes Stück zurück. Den letzten Kilometer unten am Fluß.

Unmittelbar hinter dem Tierpark schmiegt sich die Marienklause in einem Meer von Bärlauch an den Hang. Martin Achleitner, ein einstiger Wassermeister, hat an der hier gelegenen Auer Mühlbach Schleuse 1866 zum Dank für seine Lebensrettung eine Kapelle für die Mutter Gottes gebaut.

Der Kreis schließt sich auf der Westseite der Brücke. Am Ende waren es ziemlich genau 8 Kilometer. Mit einer mehrfachen Einkehr an den verschiedenen Kiosken, Biergärten und Badeeinlagen kann man sicherlich für die Strecke auch einen ganzen Tag einplanen. Die Zeit dafür ist bestimmt hervorragend investiert! Das schöne Wetter kommt bestimmt!

Kleine Orientierungshilfe

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Von der Floßländer zum Wawi

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Parkplatz: 48.095387, 11.546942
Kiosk an der Floßlände: 48.092585, 11.548111
Ronnies Kiosk: 48.074022, 11.539443
Isarfräulein: 48.073885, 11.537592
Waldwirtschaft: 48.066970, 11.539622
Großhesselohe Eisenbahnbrücke: 48.074409, 11.540623
Biergarten Menterschweige: 48.082007, 11.545483
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Parkplatz
Floßlände, München, Deutschland
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Kiosk an der Floßlände
Floßlände, München, Deutschland
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Ronnies Kiosk
Floßlände, München, Deutschland
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Isarfräulein
Cafe Isarfräulein, Bahnhofplatz, Großhesselohe, Pullach im Isartal, Deutschland
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Waldwirtschaft
Waldwirtschaft Großhesselohe, Georg-Kalb-Straße, München, Deutschland
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Großhesselohe Eisenbahnbrücke
Großhesseloher Brücke, München, Deutschland
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Biergarten Menterschweige
Menterschwaige, München, Deutschland
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